hallo,
da hab ich mich vielleicht ein bisschen missverständlich ausgedrückt.
Zitat von dibo
Ich denke mal, Lavendel, ein angebrochenes Rückgrat ist nur schwer zu heilen, indem man den Kranken auffordert, endlich wieder gerade zu gehen. Das kann tierisch weh tun und deshalb ist es auch normal, dass der Patient noch eine Weile ständig wackelt. Viele der - aber natürlich nicht alle - Kranken wissen ja noch, wie sich ein gesundes Rückrat anfühlt und suchen selbst verzweifelt oder angestrengt nach dem besten Weg, aus der Schonhaltung zu kommen.
Wenn man deshalb den Respekt vor einem Kranken verliert, weil er nicht schnell genug mit der Heilung voran kommt, und ihm das auch noch deutlich zu verstehen gibt, dann fühlt sich der Kranke ja möglicherweise erst Recht schon mal wie ein geprügelter Hund und dann könnte es ja sogar sein, dass sich die berühmte Katze irgendwie in den Schwanz beisst.
ich rede nicht vom alkoholismus, wo ich von meinem gegenüber erwarte, dass er ihn schnell "heilt". dass das nicht geht, weiss ich. ich meine mit dem wackeln auch nicht das schwanken beim umgang mit der sucht. ich bezog das auf ganz normale alltagsdinge, die eben jetzt (nach dem trinken, und teilweise auch währenddessen schon) anders sind als früher. wie ich schrieb: der überschwängliche dank, weil wir 200 m "umweg" durch die stadt gelaufen sind, um an einer apotheke vorbeizukommen. SOWAS finde ich albern. früher hätte man gesagt "ich geh noch kurz zur apotheke, ok?", der andere hätte sich eingehakt, und das ganze wäre völlig normal gewesen.
ein dreimaliges nachfragen "darf ich dich anrufen". was meni vorher schrieb, die angst etwas "falsch" zu machen. solche verhaltensweisen meinte ich. DA würde ich mir wünschen, dass der umgang wieder "normal" wird. und da finde ich nicht, dass meine erwartungshaltung zu groß. sowas erwarte ich von jedem erwachsenen menschen. und erst recht von meinem partner.
vielleicht poche ich auch so darauf, weil ich das so von meinen eltern kenne. wenn die mal wieder kräftig getrunken hatten und langsam wieder nüchtern wurden, waren sie furchtbar zerknirscht und wir kinder konnten von ihnen all das kriegen, was wir wollten, und was es in nüchternen zeiten nicht gab. da hatte ich dann auch keinen respekt mehr. weil ich genau wusste, dass es eben nur dem alkohol geschuldet war. ach, ich kanns nicht richtig erklären.
ich habe respekt vor meinem (ex)freund, dass er jetzt scheinbar schon seit wochen nichts mehr trinkt. ich habe respekt, dass er zweimal in der woche zum kreuzbund geht. ich habe respekt, dass er seiner familie und manchen freunden gegenüber ehrlich sagt, dass er alkoholiker ist. ich habe respekt, dass er acht kilo abgenommen hat, was er schon seit jahren wollte. und ich finde, dass er darauf stolz sein kann, und deshalb verstehe ich eben auch nicht, warum er sich mir gegenüber in solchen kleinigkeiten wie dem gang zur apotheke so wenig souverän verhält.
lavendel
p.s. tja dibo, hoffe, du kannst jetzt trotzdem schlafen
. aber eigentlich hab ich ja auch meni geschrieben, und nicht dir
.