Beiträge von Marcello

    Zitat von Mikesch

    Hallo tareco,

    meine Eltern ignorieren das :(
    Mein Vater hat schon früh das Saufen aufgehört und sich lange in diesem Erfolg gesonnt. In der Arbeit mit Selbsthilfegruppen drehte sich weiter alles um das Thema, aber nichts um uns Kinder.

    Jaja,die gibt es auch, diese selbstzufriedenen - edit, Linde -, die es irgendwie nicht richtig gecheckt haben. Schön, dass ich mit der Erfahrung nicht alleine dastehe.

    Liebe Sisu,

    schön, dass du schonmal ein Ziel definiert hast. Wenn man es gewöhnt wird, nur irgendwie den nächsten Tag herum zu bekommen, dann ist sowas wie "Lebensplanung" ein reichlich fiktives Konzept.
    Die Stimmen im Kopf sind in der Tat mehr als lästig. Du findest hier den Thread "Arbeit mit dem inneren Kind", worin einige sehr plakative Zeugnisse stehen, wie man sie zum schweigen bekommen kann. Hast du damit Erfahrungen?

    Ich komme darauf, weil du schreibst, dass du "dir selbst im Weg stehst". In meinen schlimmsten Zeiten hatte ich überhaupt kein "Ich" mehr, sondern war nur noch ein Konglomerat aus mehr oder weniger laut schreienden. Kindern/Persönlichkeitsanteilen (je nachdem welche Metapher man dafür verwenden möchte, ist aber letztendlich das gleiche). Wenn einem Menschen 100% Bewusstsein zustehen, dann haben in meinem Kopf 99,8% die Konflikte, die Stimmen, die FLashbacks und sonstige Nettigkeiten beansprucht.

    Nach und nach verstummen die Kinder in meinem Kopf. Flashbacks habe ich nur noch selten (früher mehrmals täglich). Ich bin aber ähnlich wütend wie du, ich will auch endlich dass das MEIN Leben wird. ABer wie du warte ich gerade auf meinen Klinikplatz. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass da nicht mehr viel bei mir fehlt, will aber jetzt mal eine professionelle Meinung dazu hören.

    Hallo,

    ich wünschte, ich hätte mit 21 die Kraft/Mut gehabt, konsequent in Therapie zu gehen...mein Rat ist: Mach weiter und halte Abstand von dem Wahnsinn.

    Ich bin furchtbar neidisch, dass du mit 21 schon soweit bist zu Erkennen, dass das ohne Hilfe nicht geht. Darum: Dranbleiben.
    Am Ende des Weges wartet ein glückliches und selbstbestimmtes Leben.

    Und fang nichts mit einem Alkoholiker an...klingt doof aber das kann EKS schoon mal passieren (mir auch :-()

    Hallo an alle,

    ja, traurig, das es vielen so geht aber schön,d ass man nicht alleine ist. Manchmal sind die "normalen" die all das nicht mitmachen müssen echt beneidenswert.

    Meine Mutter hat mich nun explizit darum gebeten, ihr beim Aufräumen und Reparieren zu helfen. Sie weiss aber, dass ich damit rechne, sie besoffen auf dem Sofa zu finden und wenn das so ist, ich zum letzten Mal ihr meine Hilfe angeboten habe.

    Mal sehen, was passiert. Aber wie auch immer, es hat nicht das geringste mit mir zu tun. Ich erfülle meine biblische, gesellschaftliche, moralische Sohnespflicht wenn ich morgen komme aber mehr ist es auch nicht.

    Räumliche Distanz ist schon mal für deine eigene seelische Gesundheit sehr wichtig.

    Prinzipiell halte ich es so: Unsere Eltern sind erwachsene Menschen, die ihr eigenes Leben so organisieren dürfen, wie sie es wollen. Wer sich also für den Alkohol entschieden hat, dem ist das nicht zu verbieten und auch nicht auszureden. Die Verantwortung liegt da bei jedem einzelnen und das ganz alleine.

    Hallo,

    wie alt bist du? Kannst/könntest du von zu Hause ausziehen?

    Helfen kannst du dadurch am besten. Jeder tockene Alkoholiker wird dir bestätigen, dass es nur dann eine Chance auf Einsicht und Verhaltensänderung gibt, wenn keine Hilfe (bzw. Coabhängigkeit) mehr verfügbar ist. Das ist der normale Weg für einen Alkoholiker: Von allen verlassen werden um endlich mal die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

    Ich habe einen respektvollen Umgang mit dem Alkohol.

    Wenn ich mit Kumpels unterwegs bin, dann trinke ich 1 großes Bier, 1 kleines Bier und ab dann nur och Wasser und Kaffee.

    Stärkere Sachen trinke ich nur ab und an beim Grillen im Sommer.

    Das wars im Grunde. Ich bin jetzt auch alt genug, um mich sauftechnisch nicht mehr unter Druck setzen zu lassen. Das war mal anders und der Alkoholismus hat auch schonmal an meine Tür geklopft. Aber als ich (als Sanitäter) aus dem Fenster des Krankenwagens rausgekotzt habe, und das mit einem Patienten hinten drin, hab ich mir dann gedacht...okeee, lassen wir das mal mit der exzessiven Sauferei. Das war im Zivildienst, also vor 18 Jahren.

    Ausserdem sind die Kater, die ich bekomme, immer schlimmer geworden und voll sein macht mir auch nicht wirklich Spaß. Bier ist ein Genussmittel und das auch nur ab und an mal. Ich halte mich deshalb für nciht besonders gefährdet.

    Und noch ein Merkmal

    Einmal in der Woche verwandeln sich die Eltern in zwei seltsame, so wahnsinnig nette, empathische und freundliche Wesen, die einem sonst gänzlich unbekannt sind. Am nächsten Tag ist der Alki wieder voll und der Co wieder verrückt und beide gleichsam gefährlich.

    Das war dann der Abend von AA und Al-Anon. Bei mir wars mittwochs. Kann man nur drüber lachen.

    Merkmale des Kindes

    es findet Schnapsfläschchen in seinen Legobausteinen
    es schüttet heimlich Alkohol weg
    es wird ihm geld aus dem Sparschwein gestohlen
    es ernährt sich von Marmeladentoast oder gezuckerten haferflocken
    es geht ohne Pausenbrot in die Schule
    es kommt in eine kalte Wohnung nach Hause, in der es eklig riecht.
    es findet die Eltern nackt auf dem Sofa.

    Zitat von DäKoal

    Hallo,

    ich suche Rat für den Umgang mit meinen alkoholkranken Eltern.

    Das Problem ist vor allem, dass wir beiden Kinder nicht im gleichen Ort wohnen.

    Das ist nicht das Problem sondern das Glück.

    Deine Eltern sind erwachsene Menschen. Lass erwachsenen Menschen ihr Leben so gestalten, wie sie es möchten und misch dich da nicht mehr ein.

    So mache ich das. Deine Eltern verhalten sich peinlich, nicht du. Was immer sie auch anstellen, es ist alleine ihr Problem und nicht deines.

    Zitat von so_anders


    Wie schlimm ist es für jeden von uns, Eltern zurück zulassen? Die Verantwortung für Sie abzugeben bzw. zurückzugeben, obwohl Sie im Herzen bestehen bleibt?
    .

    Es ist das schlimmste überhaupt. Es ist die totale Perversion. Etwas Grausameres kann man einem Menschen nicht antun.

    Aber es ist eben so: Früher oder später muss jeder Mensch seine Eltern loslassen, spätestens wenn sie sterben. Bei uns ist das eben etwas früher angezeigt.

    Wenn es bei einem mal bliebe, wäre es ja auch noch OK. Aber wie oft haben wir vor dem entgültigen Bruch die Hoffnung hochgehalten? Wie oft haben wir gebete, gehofft, geliebt, nur um wieder mit Karacho ins Nagelbrett der Erkenntniss zu fallen, dass die Sauferei nunmal wichtiger ist als unsere Liebe?

    No Ma´am. Du hattest deine Entscheidung, jetzt leb damit. mehr kann ich nciht mehr zu meiner Mutter kommunizieren.

    Zitat von Black Sun

    Hallo.

    Ich bin 23.

    Momentan gehe ich ihm so gut wie es geht aus dem Weg.
    Aber mittlerweile tut er mir schon wieder so Leid und meine ganze Wut auf ihn ist schon kaum noch da.
    Das ist falsch,ich weiß. Versteh mich im Moment kaum selber..

    23, oh Mann, so jung noch.

    Black Sun, ganz ehrlich: Je weiter du dich von dem Irrsinn distanzierst, desto besser und desto schneller hast du eine Chance auf eine Heilung. Der verdammte Alkoholismus unserer Eltern zieht dermaßen viel Zeit und energie von uns selbst ab, dass wir für unsere eigenen Sorgen und Ziele nichts mehr haben.

    Die Dinge sind, wie sie sind. Meine Mutter entscheidet sich seit über 50 Jahren für den Schnaps und gegen ihre Kinder (trotz x Therapien) wie sich auhc mein Vater für seinen Coabhängigen Psychoterror entschieden hat und damit auch gegen uns 5 Kinder.

    Das ist deren Sache. Ich will den Scheiß nicht wiederholen, darum suche ich mich selbst. Ich schaffe es aber erst jetzt, mit 39, selbst in eine Klinik zu gehen, weil ich einfach nichts mehr auf die Reihe bekomme - oder bekommen will. Ich stelle meine Funktionalität und meine praktische Nutzbarkeit für andere komplett ein. Systems out, kommt alleine klar, ich bin nicht mehr da.

    Wenn du es irgendwie hinbekommen könntest, JETZT in Therapie zu gehen, JETZT den Scheiß anzugehen und JETZT für dein eigenes, frohes, selbstbestimmtes, glückliches, gesundes Leben zu kämpfen...du würdest dir so viele Jahre ersparen, in denen man nur auf der Stelle tritt.

    Du verstehst dich kaum selbsr...willst du dir das wirklich zum Vorwurf machen? Es ist krank, pervers, böse, unmenschlich, verrückt, was Alkoholikereltern ihren Kindern antun. Sie kriegen ja nichts von dem Wahnsinn mit oder ergießen sich in Selbstmitleid, wenn sie mal wieder ihren Kater auskurieren. Aber wir sind es, die die Kotze wegwischen. Wir sind es, die die Wohnung aufräumen. Wir sind es , die die Schulden bezahlen. Du verstehst dich selbst nicht - das ganze System IST nicht zu verstehen. Da kommst du mit dem Verstand nicht durch.

    Dein Hass, deine Wut, deine Trauer, deine Enttäuschung - all das steht dir zu, du hast ein Recht darauf, so zu empfinden.

    Aber auch das ist nur eine Station. Es ist hart und tut weh, die Eltern vor ihrem Tod loslassen zu müssen. Aber es geht. Es ist ihr Ding, ihr Wahnsinn, ihre Krankheit, die sie uns netterweise reinzudrücken versuchen. Aber wir müssen das nicht annehmen bzw. behalten.

    Bitte, halte den Abstand. Da ist nichts Gutes, was auf dich wartet. Die Hoffnung stirbt zuletzt aber das ist ein Fluch.

    Nicht mehr einsam, in der Tat, das ist schon was. Uns wurde immer von allen zum Vorwurf gemacht, nicht NORMAL zu sein. Die "Normalität" wurde zu unserem Shangri-La, Xanadu, gelobtes Land...

    Es stellt sich aber die Frage: Wie definiert sich "Normalität"? Wenn normal das ist, was in einem bestimmten Umfeld alle tun, dann sollte man mit diesem Begriff etwas vorsichtiger umgehen. Denn es war vor nicht all zu langer Zeit "normal", dass jder deiner Kollegen oder Freunde eine Stasi-Akte über dich angelegt haben könnte. Vorher war es "normal" das unsere jüdischen Nachbarn über Nacht verschwunden sind und das unsere Söhne an den Fronten eines sinnlosen Krieges geopfert wurden.

    Wenn wir alle die gleichen bzw. ähnliche Symptome ausbilden, die uns vom Alkoholismus unserer Eltern eingeipmft wurden - was kann denn dann "Normaler" sein, als wir? Ein EKA, das beziehungsgestört, verwirrt, kontrollierend, empathisch, liebeshungrig, einsam und am Ende selbst Alki wird...bewegt sich nur innerhalb der "Norm", die das Alkoholismus-System vorgibt.

    Echt der Hammer,

    ich habe diesen Thread mal rauskopiert und in ein WORD-Dokument eingepflegt. Selbst nachdem ich alle Kopfzeilen entfernt habe waren es noch 95 Seiten. Sollen wir das Ding mal als Buch rausbringen? (Scherz!!)

    Wie auch immer. Es geht mir so, wie euch allen. Ich kann willkürlich einen Beitrag öffnen und finde mich darin wieder. Die ganzen Nummern

    _Antennen
    _Schauspielerei
    _Helfersyndrom

    nebst der ganzen "Nebenkriegsschauplätze (ich bin z.B. ein einziges Mal in 15 Jahren meiner Frau fremdgegangen - ratet mal mit wem !!) kann ich bei mir durchdeklinieren.

    OK. Ein "Kenne ich auch" habt ihr nun oft genug gelesen. Wie geht es weiter? Im Analysieren sind wir prima, wie holen wir uns das Leben zurück?

    Hm. Ich werde mal einen Thread eröffnen, wo ich mal versuche eine "allgemeine Systematik" zu formulieren. Vielleicht bekommen wir da einen ansatz

    ...schließlich will auch ICH die WELT RETTEN!!

    Zitat von Mondscheinengel

    Hallo!
    Ich weiß gerade nicht weiter-mein Vater ist Alkoholiker und ist wieder rückfällig geworden. Darum hat er sich sehr doll mit meiner Mum gestritten nun habe ich eben mit ihm telefoniert weil er jemanden zum reden brauchte und er sagte er weiß einfach keine Lösung auf das Problem usw. Naja und nun fing er an von wegen dann nimmt er halt 100 Schlaftabletten und das Problem ist weg. Was mach ich denn nun? Er hat sich zwar wieder bei so einer Selbsthilfegruppe und Suchtberatung angemeldet aber bis das alles was wird.....Ich hab das Gefühl er gehört einfach nur in ärztliche Hände. Ganz dringend am besten staionär oder so aber ich kann ihn doch nicht einfach an die Hand nehemen und im krankenhaus abgeben oder? was kann man denn da machen wenn es dringend ist statt zu nwarten bis man mal n Psychologen kriegt usw.????
    Bitte dringend um Antwort!
    Danke!

    Was mache ich denn nun?

    Meine Antwort ist: Einen erwachsenen Menschen die Gestaltung seines Lebens überlassen.
    Ich lehne jede Verantwortng für meine Mutter ab. Sie wird sich zuTode saufen, das ist unausweichlich. Aber es ist ihr Leben, nicht meines. Ich mische mich da nicht ein - ich setze mich dem aber auch nicht aus.

    Ich bin 39 Jahre alt.

    Ich lasse meine Mutter in ihrer zugemüllten Wohnung, in der sie erfolgreich alle Rolladen und Lampen kaputt gemacht hat alleine. Sie hat keine Waschmaschine, keinen Kühlschrank und keinen Herd mehr. All dies könnte ich im Handumdrehen besorgen aber ich mache es nicht. Es tut weh, zu wissen, dass sie so hausen muss - aber das ist ja eben der Fehler- sie MUSS es ja nicht. Sie will es so. Und da sie ein erwachsener Mensch ist, muss ich ihr ihren Willen lassen. Ich halte mich da raus.

    An Ostern habe ich sie für ein paar Tage zu mir geholt (100km von ihrer Wohnung weg). Meine Frau hat sich liebevoll um sie gekümmert. Dann habe ich sie heimgefahren und mich für den nächsten Tag zum aufräumen und reparieren angekündigt.

    Meine Frau fand sie dann eingekotzt, eingepisst und völlig besoffen im Bett. Tagelang war sie davon völlig durcheinander.

    Nein. Die Antwort lautet Nein. Ich komme, wenn mich meine Geschwister oder sie selbst mich darum bitten. Aber ich haue sofort wieder ab, wenn sie dann doch lieber säuft als von mir etwas anzunehmen.

    Sie ist 78 Jahre alt und säuft seit über 50 Jahren. Hoffentlich stirbt sie bald. Ich möchte dieses Buch endlich schließen.