Beiträge von joschi018

    Einen Gruß an euch alle aus der Klinik.
    Heute ist Tag 15 und ich habe bei der Visite noch eine kleine Verlängerung erwirkt, wegen des Themas Depressionen.

    Mittlerweile habe ich für Treffen bei SHGs Tagesurlaub und diese Real-SHG Treffen tun mir sehr gut, da ich ein direktes Feedback meiner Situation erhalte.
    Mein erster Tagesurlaub zu Hause war sehr positiv ohne Suchtdruck. Am kommenden WE habe ich Tagesurlaub incl. Übernachtung, worauf ich mich sehr freue!
    Für den Fall akuten Suchtdrucks gibt es die Möglichkeit meiner Notfallkarte sowie sofortige Rückkehr in die Klinik.
    Bin aber sehr zuversichtlich und hoch motiviert!

    Für nächste Woche habe ich einen Termin bzgl. Sozialbericht und Abgabe des LZT-Antrags.

    Was war für mich wichtig diese Woche?
    - das die LZT ins Rollen kommt
    - das ich eine erste Tagesstrukturplanung für zu Hause erstellt habe
    - daß ich weiß: " Du bist nicht alleine mit deiner Krankheit"

    Ok, hab jetzt Therapie - bis dann!

    Hallo in die Runde!
    Mal ein paar kurze News aus der Klinik.

    Ich fühle mich gut, bin mir aber bewusst, das dies erst ein kleiner Schritt ist. Obwohl ich für das kommende WE Tagesurlaub habe, werde ich nicht in meine Wohnung gehen.
    Zuviele Angriffspunkte, die dort auf mich lauern.

    Eine gute Freundin hat nach meiner Wohnung geschaut,daher muss ich mir da keine Gedanken machen. Morgen werde ich einen Stadtbummel machen ( habe ich fast 2 Jahre komplett vermieden, trinken ging vor).
    Danach treffen wir uns zum Kaffee und zum quatschen.

    Montag habe ich Termin bei der Suchtberatung und bekomme dort den Antrag auf LZT.

    Insgesamt gesehen ist die Situation entspannt, was aber nicht darüber hinweg täuschen soll,das Meister Alkohol mir weiterhin auf der Schulter sitzt und nur auf Gelegenheiten wartet.
    Daher war auch das heutige QAE- Thema passend:
    Der Notfall !

    Was tun, wenn mir der Alkohol plötzlich ins Ohr säuselt oder mir auf einer Feier Alkohol angeboten wird.
    Wir haben uns eine individuelle "Notfall-Karte" erstellt, damit ich im Ernstfall einen Retungsanker habe.
    Ein Punkt in meinem Notfallplan ist das Tagebuch. Ich hatte es kurz nach meiner Aufnahme begonnen und wenn ich in kritische Situationen komme, dann kan ich dort nachlesen.

    Da ich Alkohol dazu benutzt habe, meine Unruhe zu dämpfen, den Stress der Arbeit zu kompensieren und meine Depressionen zu lindern, habe ich bei der Visite darum gebeten, mir Techniken zu zeigen, wie ich aktiv Entspannung erreichen kann.
    Auch hier war wieder der innere Leitsatz:
    "Helft mir, ich kann es nicht alleine !"

    Als Schlußbemerkung kann ich daher nur allen, die nicht mehr weiter wissen, raten:
    Lasst euch helfen. Seht ein, dass ihr es nicht mehr alleine schafft und sucht euch sofort Hilfe.
    Und wenn es der nächtliche Gang in die nächste Notaufnahme ist. Denn hier muss ich feststellen:
    Niemand wird abgewiesen, der Hilfe sucht.

    In diesem sinne wünsche ich euch allen gute Tage !

    Zitat von Linde66

    Hallo Joschi,

    wie war dein Tag?

    Der Vorstellungsbereich ist nicht öffentlich. Wenn du magst, kannst du für die Leser hier im offenen Forum deine Texte rauskopieren oder kurz nochmal schreiben, wie alles angefangen hat.

    Liebe Grüße, Linde :)


    Hallo!
    Mein Tag war sehr gut. Danke für die Nachfrage.
    Hier wird gleich zu Anfang Bewegung gefördert, was ja durchaus Sinn macht. Ich habe mich hier seit Donnerstag mehr bewegt, als in den letzten 12 Monaten.

    Das rumkopieren der Texte kann ich im Moment nicht machen, da ich hier nur auf dem Smartphone klimpere.
    Ich dachte jedoch, daßman von hier aus die Texte im Vorstellungsbereich lesen könnte.

    Wir beschließen unseren Abend hier in der Gruppe mit Fußball....

    Bis dann...

    So, jetzt bin ich wieder im offenen Bereich.
    Zuerst hatte ich überlegt, einen komplett neuen Thread zu starten,ich finde jedoch daß mein "professioneller Neuanfang" gut hierher passt.

    Im Vorstellungsbereich habe ich in meinen letzten Postings ja den jetzigen Verlauf gedchildert, insbesondere meine Entscheidung, stationär zu entgiften. Deshalb wiederhole ich das hier nicht nocheinmal.

    Heute war Visite und man hat hier novh einmal deutlich herausgestellt, daß ich vom Tag der Entlassung bis zum Beginn der LZT genügend Termine bei Psychotherapeuten, SHG-Treffen und bewegungstherapie ( im Rahmen der hiesigen Tagesklinik) haben werde,damit die Lücke bis zur LZT möglichst klein gehalten wird.

    Beim Treffen unserer QAE-Gruppe (QAE = Qualifizierter Alkohol Entzug ) wurde den Leuten, die nach Hause gehen, niemals auf die Idee zu kommen, einen Entzug in Eigenregie zu unternehmen!

    Ich merke es an den Reaktionen meines Körpers:
    - deutlich erhöhter Blutdruck
    - sehr erhöhter Puls, der sich nur sehr langsam normalisiert
    - Kopfschmerzen
    - zeitweise Schwindel
    - Konzentrationsstörungen,welche zeitweise jegliches Lesen unmöglich machen
    Nun stelle ich mir vor, das ich diese Symptome zu Hause permanent hatte, diese aber durch Alkohol nicht registriert habe.
    Um es mit den Worten der Ärztin auszudrücken:
    Früher oder später wäre das schief gegangen!
    Soweit für heute.
    Joschi

    Zitat von schatzmeister

    Hallo Joschi,
    es gibt ne Entgiftung,die nur eine Woche dauert und ausreicht,wenn Du danach eh in ne Behandlung wechselst.
    Dann gibs noch ne 3 Wochen Entgiftung,die eine Therapie beinhaltet,mit Gruppengesprächen und Ansätzen,um für sich eigene Wege aus der Sucht zu finden.Inwieweit das auf Dich zutrifft,musst du selber wissen.
    LG schatzmeister

    Das sehe ich ja dann. Ziel der ganzen Aktion ist, trocken zu werden!
    Aber zweites Ziel ist auch, mein Arbeitsleben drastisch umzukrempeln.
    Erst einmal nehme ich mir die Zeit, die ich brauche und wenns ein halbes Jahr dauert. Danach sehen wir weiter.

    Übrigens meinte die Dame der Klinik, ich solle keineswegs jetzt schon anfangen, abstinent zu leben, da dies gefährlich werden könnte.
    Diese Warnung liest man ja hier ständig (was auch Sinn macht), ich fands Klasse, daß sie bereits am Telefon darauf hinweist.

    Es gibt Neuigkeiten:

    Ich habe vorhin mit der zuständigen Klinik (Patientenverwaltung) telefoniert. Meine Daten wurden erfasst und ich stehe jetzt auf einer Warteliste. Dauer ca. 8-14 Tage.

    Das ist mal ne Ansage. Mit Doc habe ich auch schon telefoniert, wegen einer Einweisung. Die kann ich dann jederzeit, sobald es losgeht, abholen.

    Ja - ich bin froh über diesen Schritt!!

    Hallo!

    Aus aktuellem Anlass habe ich ein paar Fragen zur stationären Entgiftung. Ich bin jetzt die 2. Woche krank geschrieben, weil ich auf der Arbeit in ein übles depressives Loch gefallen bin, total erschöpft war und nicht mehr in der Lage, mich noch auf irgendwas zu konzentrieren.

    Da ich ja im Krankenhaus auch mit Medikamenten hantiere, wo auch handfeste Fehler passierten (zum Glück noch von Kollegen bemerkt), habe ich den Entschluss gefasst, mich krank zu melden.

    Mein Doc hat mir eine Überweisung zum Psychiater gegeben (Termin am 24.6.) und gesagt, ich könne jederzeit vorbeikommen, wenn ich eine Einweisung brauche.

    Da ich mich im Vorfeld schon etwas schlau gemacht hatte wegen Therapiemöglichkeiten (lange Wartezeiten auf Termine), sagte man mir in einer nahegelegenen psych. Tagesklinik, daß ich einen Platz Anfang Juli bekommen könnte.
    Aber es muss vorher eine stationäre Entgiftung stattfinden.

    Somit habe ich nun den Entschluss gefasst, dies zu tun!

    Dazu jetzt ein paar praktische Fragen, da ich mit dieser Materie noch nie Umgang hatte:
    - am WE + Montag ist Pfingsten und erfahrungsgemäß passiert in Kliniken an Feiertagen nicht viel (Therapie...). Kann ich mir die Einweisung auch für Dienstag ausstellen lassen?
    - muss man in der Klinik vorher anrufen und nachfragen, ob Platz ist?
    - wenn Wartezeiten, wie lange sind die in der Regel?
    - wie lange dauert im Schnitt die Entgiftung (lese viel von 10 Tagen)? Ich würde ungern den Termin beim Psychiater sausen lassen, weil da so lange Wartezeiten sind?

    Sorry für die Fragerei, aber auch wenn ich den Entschluss gefasst habe, ist es sehr ungewohnt, weil ich nicht weiß, wo die Reise endet....

    Zitat

    Nicht aushaltend, begrenzt oder in irgendeiner anderen Form limitiert, sondern frei gewählt, geniessend und einfach lebendig.

    Damit kann man es ganz gut umschreiben.
    Aushaltend habe ich oft versucht; auch dieses eine Jahr der Abstinenz war ein "aushalten", bis die Zeit um ist.

    Es ist der Gedanke an das "nie mehr trinken", welches mich umtreibt.
    Da kommen Sätze im Kopf hoch, wie z.B.

    - Jetzt darf ich nie mehr Bier trinken
    - Wie gestalte ich jetzt meine Abende sinnvoll?
    - was mache ich in der Zeit, wo ich nicht trinke?

    Dass diese Sätze kompletter Blödsinn sind, weiss ich selbst. Ich weiss auch, daß ich meine Abende anders verbringen kann (mache es ja auch) und langweilig ist mir auch nicht.
    Durch 10 Jahre Nichtrauchen weiss ich, daß dieses Denken irgendwann verschwindet.

    Aber trotzdem spuken die Sätze im Kopf herum.
    Im Moment mache ich es so, daß ich abends früher ins Bett gehe und lese. Habs ja schon geschrieben; der Entspannungsfaktor ist extrem hoch!

    Wir hatten in der letzten Sitzung ein Thema aus meiner Jugend, daß ich etwas verdrängt hatte:
    Abhauen!

    In meiner Jugend bin ich sehr oft von zu Hause abgehauen. Und das nicht nur einmal, sondern teilweise 2-3x/Jahr. Und dann auch richtig weg, weit weg:
    - mit 12 aus der Provinz in eine Großstadt und dort mehere Tage ohne Geld, Essen + Schlafsack im Park übernachtet (2x)
    - weitere Eskapaden, wo ich immer mehrere Tage weg war.

    Hauptgrund für dieses Abhauen war die tatsache, daß ich mit ca. 12 Jahren von Fremden erfuhr, daß ich adoptiert bin.
    Ausserdem gab es ein Ereignis 1-2 Jahre später, daß mir den Boden komplett weggezogen hatte:
    - meine Adoptivmutter erwähnte in einem Streit, daß sie mich gerne wieder ins Heim zurückschicken würde und statt dessen ein anderes Kind adoptieren können.

    Seit diesem Zeitpunkt waren meine Adoptiveltern Fremde für mich und habe alles unternommen, ihnen das leben richtig schwer zu machen.
    Das Abhauen war so eine Art "Befreiung"- kurz vor einer Tour war ich immer extrem gestresst, hatte Angst, Panik und kam mir vor wie ein flüchtender Sträfling, der jeden Augenblick entdeckt wird. Das ging sogar soweit, daß ich Angst hatte, solche Gedanken (an abhauen) zu haben, es könnte ja jemand mitbekommen!!

    Die "Flucht" ging dann immer sehr schnell und unvorbereitet von statten. Das kam teilweise sehr heftig und plötzlich. Ich setzte mich dann in Züge (ohne Fahrkarte), klaute Moppeds oder ging einfach zu Fuss.
    Geld hatte ich meist nicht oder nur wenig dabei - Hauptsache weg!
    - Das ich niemandem Bescheid sagte, war mir egal.
    - Daß "die" sich Sorgen machen könnten, war mir egal
    - Daß mir etwas passieren könnte, war mir egal

    Und dann kommt ein interessantes Phänomen:
    Wenn ich wieder zurück war, brachte man mir plötzlich so etwas wie Zuneigung oder Liebe entgegen. Ich badete förmlich darin, daß sich alle um mich Sorgen gemacht hatten. Für mich fühlte sich das alles aber nur "Gespielt" an.

    Diese "Sucht" abhauen setzte sich bis in spätere Jahre fort und erst, als ich einen aktiven Schnitt mit meinen Adoptiveltern machte und den Kontakt komplett abbrach, war das Thema vorbei.
    Alkohol kam erst später ins Spiel; er versetzte mich in einen Zustand ohne Gedanken; ich konnte ins Bett gehen, ohne das Chaos im Kopf.
    Und da Bier immer am leichtesten greifbar war, wurde es das Getränk der Wahl.

    Manchmal habe ich so einen flüchtigen Gedanken:
    "Jetzt bist du bald 52, hör endlich auf mit den ollen Kamellen wie Adoption usw. Ist doch alles schon lange vorbei."
    Und wenn ich dann mit jemandem darüber rede, komm ich mir vor wie ein "Heulbubi", der die ollen Kamellen immer wieder ausgräbt.

    Fakt ist aber: Die Geschichten haben mich mein Leben lang begleitet. Die Suche nach meinen leiblichen Eltern half mir sehr dabei, das zu verarbeiten. Der Kreis schließt sich aber erst, wenn ich weiss, wer mein leiblicher Vater ist. Hier stehe ich kurz vor einem Ergebnis.

    Wut?
    Ist immer noch da:
    - auf meine Adoptiveltern
    - auf meine leibliche Mutter
    - auf alle Personen, die damals die Klappe gehalten haben
    Aber damit kann ich mittlerweile auch umgehen und habe hie und da auch Anwandlungen, zu verzeihen.

    Ergebnis eines letzten Therapiegespräches ist somit:
    Mein treuester Begleiter seit meiner späten Jugend (ab 15/16) ist das Bierchen zur Entspannung.......

    Danke fürs Feedback!! Kriegt man ja sonst nirgends...

    Ja, es ist schwer. Bei meinem damaligen "1-Jahres-Versuch" ward as mehr oder weniger nur Spielerei..."da trink ich mal eben 1 Jahr nichts".
    Dadurch habe ich mir den Blick komplett verstellt.
    Auch die vielen Versuche, weniger, kontrollierter zu trinken, sind alle in die Hose gegangen, da ich blitzschnell immer wieder ins alte Verhaltensmuster hineinfalle.

    Durch die Gesprächstherapie bin ich auf mich selbst gestoßen worden. Mit Bier trinken habe ich schöne Momente in der Vergangenheit verbunden, deshalb bin ich so angefixt auf Bier.
    Durch eine langsame Veränderung meiner Rituale merke ich auch, daß sich eine Veränderung einschleicht.
    Bsp: Bin abends nie vor 1 Uhr ins Bett gegangen, weil ich eben noch 2,3,4 Bierchen trinken wollte/musste.

    Das neue Ritual ist jetzt: Abends ca. 21 Uhr wird eine Wärmflasche gemacht, ins Bett gelegt. Dann vielleicht noch ein bischen Mediathek gucken und spätestens nach 1 Stunde ins Bett.
    Da lese ich dann noch ein bischen und gut is.

    Die Therapeutin kam auf einen wichtigen Punkt: Entspannung.
    Das war (und ist es immer noch) schwer, denn wenn ich meinen Tagesablauf betrachte, dann ist das ein "Vollgas-Tag".
    - 5 Uhr aufstehen
    - Duschen, Kaffee trinken und ab auf die Arbeit
    - da ich in leitender Position bin, fahre ich dort dann innerhalb kürzester Zeit auf 100% Leistung hoch und dieses Level hält bis 15 Uhr an.
    - Zu Hause esse ich dann eine Kleinigkeit und lege mich eine Stunde (oft auch zwei) auf die Couch.

    Hier beginnt dann Part 2 des Tages mit vermeintlicher Entspannung:
    - Computer an und Filmchen gucken: hier aber wenig Mainstream-Movies; vielmehr Dokus, sofern gut gemacht (Arte etc)
    Dies empfand ich also immer als Entspannung, dabei ist es Anspannung pur: Erst die Tatsache, daß ich bewusst einen "Bettgeh-Zeitpunkt" gewählt habe und dort dann mit Wärmflasche noch lese, ist wirkliche Entspannung!!

    Auf einen Punkt sind wir noch nicht konkret eingegangen, weil ich mich davor drücke:
    Was tun, wenns dochmal juckt und das Verlangen nach dem Abendbier kommt?
    Aufstehen und spazieren gehen hilft da gar nicht, da komme ich an mindestens 3 Kiosken vorbei! Hierfür muss ich noch ein Ritual finden, welches diesen Zeitpunkt überbrücken hilft....

    So long....

    Ein Hallo aus weiter Ferne!

    Lange habe ich überlegt, ob ich hier wieder einsteigen soll. Warum überlegt?
    Weil meine damalige Euphorie bezüglich "1 Jahr nichts trinken" voll den bach runter gegangen ist!!

    Am 24.11.2011 hatte ich noch stolz verkündet, daß ich 1 Jahr nichts mehr getrunken habe - was auch korrekt ist - aber schon einige Zeit danach hats mich wieder voll erwischt!

    Einige Wochen danach war ich wieder in meinem alten Level angelangt, hab fröhlich mehrmals die Woche abends meine 5-10 0,5er Bierchen gezischt und mich einen Dreck drum geschert, wie das trockene Jahr verlaufen ist.

    Was ist schief gelaufen?
    Nun: Ich hatte mir vorgenommen, 1 Jahr nichts zu trinken. Das war der ganze Zauber. 1 Jahr.
    Da ich ein sehr durchhaltewilliger Mensch bin, habe ich das als sportliches Angebot gesehen und jenes Jahr auch durchgezogen.
    Allerdings mit dem Fehler, noch nicht tief genug nach den Hintergründen des Trinkens zu suchen und es fehlte die Einsicht, daß es nur noch ohne geht.

    In der Zwischenzeit ist folgendes passiert:
    - Anfang 2012 wieder angefangen mit Trinken
    - wieder in dem alten Muster meines Jobs weitergemacht, zusätzlich noch eine neue Leitungsfunktion übernommen und dem alten Trott gefolgt
    - Mitte 2012 habe ich dann festgestellt; hier geht gar nichts mehr. Beziehung war komplett festgefahren; Arbeit machte so gar keinen Spaß mehr.

    Also hab ich im Mai 2012 gekündigt, die Beziehung beendet, meine 2 Harleys verkauft, Rucksack gepackt, ab zum Bahnhof und eine 2 Monate dauernde Tour durch die Tschechei und Ungarn gemacht.

    Nach der Rückkehr nach einem neuen Job Ausschau gehalten, neue Wohnung gesucht und einmal komplett neu gestartet. Das Thema Alkohol hatte ich erst mal ganz hinten angestellt, da ich mich damit nicht befassen wollte/konnte (obwohl es ja zu bestimmt 70% der Hauptauslöser ist).

    Im Herbst 2013 habe ich dann erneut einen Arzttermin gemacht (der gleiche wie damals), ihm alles nochmal geschildert, Untersuchungen mitgemacht. Danach habe ich dann einen Termin zu einer persönlichen Gesprächstherapie gemacht und seitdem auch schon einige (sehr aufschlussreiche) Sitzungen hinter mir.

    Zu Weihnachten 2013 habe ich dann, nach erneuter Rücksprache mit dem Doc, aufgehört zu trinken. Jetzt aber noch mit Rückendeckung durch die Einzeltherapie.

    Bis heute bin ich trocken, aber es schleichen sich ständig Verhaltensweisen/Gedanken ein, die in der Vergangenheit zum Trinken geführt hatten, z.B.
    - Hurra, freies Wochenende
    - anstrengender Dienst - Belohnung Bierchen
    - Belohnung nach stundenlanger Wanderung
    usw.

    Durch die Gesprächsttherapie hat jetzt aber ein neuer Gedankengang Einzug in mein Leben gehalten:
    Sich um sich selbst kümmern; sich selbst pflegen!!
    Wir hatten in der Therapie herausgefunden, daß ich ein Gewohnheits-Trinkmuster habe und dieses Trinkmuster an alten Gewohnheiten, Erlebnissen (gut wie schlecht), Belohnungsritualen festmache. Im Verlaufe der Therapie kam dann das Thema "Veränderung".

    Zuerst war es nur die räumliche Veränderung, aber die hat nicht so wirklich Auswirkungen auf das Trinkverhalten.
    Aber dann bin ich an den Punkt "körperliche Veränderung" gekommen und habe mal Buch geführt, was und wie ich mich verändert habe und das Ergebnis hat mich schon erschreckt!!
    Darauf folgte dann auch die Erkenntnis, daß ich die letzten 15 Jahre zwar nach aussen hin "normal" gelebt habe, mich aber in Punkto "Selbstpflege" komplett vernachlässigt hatte.
    Zu spät ins Bett, zu früh wieder raus, kaum ausschlafen - freie Phasen mit Alkohol verbringen.
    Hab auch nicht mehr so genau darauf geachtet, wie mein Körper sich verändert, mein Hautbild immer schlechter wird usw.

    Daher kam der Schritt nun zur Selbstpflege. Je mehr Zeit ich nun mit mir z.B. morgens + abends im bad verbringe, je deutlicher wird mir das bewusst. Entspannung suche ich mir nun nicht mehr im Alkohol, sondern in kurzen Meditationen oder einfach mal einem Stündchen Schlaf.

    Und somit bin ich wieder da - an einem Punkt, von dem ich dachte: "Da kommst du nie hin, andere vielleicht!"
    Fazit der Therapie nun:
    Ziel ist nicht mehr, einen begrenzten Zeitraum Trockenheit zu planen (1Jahr z.B.), sondern sich darüber klar zu werden, daß nur 0,0 Alkohol dauerhaft ein Ziel sein kann.
    Daher streiche ich nun bewusst jeden vergangenen Tag auf dem Kalender durch und gehe die nächsten 24h an....

    Auch wenn ich mich hier für längere Zeit ausgeklinkt hatte, vergessen hab ich euch nicht!!
    Fast hätte ichs vergessen:
    am 24.11.2011 habe ich mein 1. Jahr trocken vollendet!!

    Mittlerweile hat sich dieser alkoholfreie Lebensstil so integriert, daß es fast zur Beiläufigkeit wird.
    Aber: vergessen werde ich es nicht - es hängt zuviel dran.
    Auf jeden Fall bin ich (und meine Lebensgefährtin) stolz auf das 1. Jahr.

    Ich kann es,jetzt nach fast 5 Monaten clean nur so beschreiben:
    jetzt schmeckt das Steak auf einmal nach Steak - vorher war immer der Biergeschmack präsent.
    Mein Geschmacksinn hat sich seitdem deutlich gebessert und es macht mir jetzt Spaß,mal wieder das Essen als solches zu schmecken...

    Zitat

    ist der Gedanke, nie mehr Alkohol trinken zu dürfen

    Waschbaer, ändere diesen Satz im Kopf um:
    ....schön ist der Gedanke, nie mehr Alkohol trinken zu müssen..
    Dies entspricht der Realität; der andere Satz beinhaltet immer noch die berühmte "Hintertür", nach dem Motto:
    ("Ich darf ja nicht mehr - dann erst recht - lass mir doch nix verbieten")

    Hallo nobby!
    Probleme mit dem "Nichts-mehr-trinken" hatte ich keine größeren.
    Aber mit der Tatsache, daß es Probleme gibt, die auch nach dem "Aufhören" noch bestehen bleiben:
    - familiäre
    - finanzielle
    oder sonstige Probleme.

    Die bleiben und man hat das Gefühl, sie seien noch schlimmer.
    Dies ist aber nur deshalb so, weil man ja jetzt "klarer" sieht und die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

    Körperliche Probleme müssen auch nicht zwingend etwas mit dem Alk-Konsum zu tun haben. Hast du vorher ein Gelenkproblem gehabt, dann besteht das nach dem "Aufhören" sehr wahrscheinlich weiter.

    Was ich damit sagen will:
    Der Blick wird klarer, man nimmt sich selbst ganz anders wahr. Und das macht am Anfang Angst, weil man es ja nicht gewohnt ist, Dinge nüchtern zu betrachten.
    Versuch doch mal, dich selbst zu beobachten und Tagebuch zu führen.
    Da wirst du schnell merken, wie du dich veränderst - zum positiven!

    Aktuelles Erlebnis von mir gestern abend zum Thema "Verlangen":

    Ich hatte gestern einen sehr anstrengenden Arbeitstag (Doppeldienst 7-22:30) und war dementsprechend "platt" am Abend.
    Kurz vor Ende meiner Tour überlegte ich, noch einen Film auszuleihen, so zum relaxen eben.
    Das ist eine Situation, in der dann mein Suchtgedächtnis anspringt und dann kommt die Stimme aus dem Hintergrund:
    "Jetzt ein kleiner xy und noch ein Bierchen" !

    Aber: Ich habe diese Stimme schon seit einiger Zeit entlarvt und setze mich mit ihr aktiv auseinander. Ich akzeptiere sie, höre sie mir auch an, handele aber nicht danach.

    Durch die Grundbausteine besteht mein Notfallkoffer aus
    - einer immer griffbereiten Wasserflasche
    - der Tatsache, daß ich in einem solchen Moment aktiv "NEIN" sage - laut zu mir selber, damit auch die "zarte Stimme aus dem Hintergrund" es mitbekommt !
    - einem "Bild" in meinem Hinterkopf von mir zu besten Saufzeiten; dieses Bild halte ich mir immer dann vor Augen, wenn mal wieder ein "Trinkgedanke" vorbeischwirrt.

    Ein Verlangen ist in einem solchen Moment unterschwellig vorhganden, so als eine Art "Gefühl", dem ich aber nicht mehr nachgebe.
    Was aber nicht heisst, daß ich mich nicht nach einem anstrengenden Arbeitstag "belohne".
    Das mache ich dann nur etwas anders und vor allem ohne Alk!
    Meine Belohnung heisst dann:
    - nen lustigen Film schauen und viel lachen
    - ins Schwimmbad + Sauna gehen

    Was ich aber für mich sagen kann: 100% verschwunden ist das Verlangen nicht, wird es auch nie sein - dieses "Gefühl" schwirrt immer mal vorbei, man muss nur lernen, ihm aktiv zu begegnen und sich nicht darauf einlassen.

    Zumindest habe ich mit diesen Strategien bis jetzt 94 Tage "überlebt".

    Hallo Poster!
    Die Sucht als "Monster" zu bezeichnen mag noch angehen, aber beerdigen wirst du sie niemals.
    Das "Monster" ist eher der unscheinbare Begleiter im Alltag, ständig auf der Lauer.
    Daher habe ich festgestellt, das es besser ist, ihn zu akzeptieren als solches und auf ihn zu achten - aber ihm eben kein Futter zu geben.

    Soviel zu den Metaphern.
    Ich finde, ein Feindbild ist schlecht, denn in diesem Moment bin ich selbst mein Feind, denn schließlich ist die Sucht ein Teil von mir. Ich würde anfangen, den Teil von mir zu hassen und das kann es nicht sein.
    Hass oder Rache sind hier schlechte Begleiter. Wut, nunja, die ist da, aber man muss ihr ja nicht ungezügelt freien Lauf lassen.

    Hey gavris, ja, der Trennungsschmerz!!
    Trennung von wem? Nun, vom "lieben Freund Alkohol", der ja immer für einen da war, immer zugehört hat und uns aufgefangen hat - Bullshit!!

    "Freund Alkohol" ist in Wirklichkeit ein falscher "Freund", eine linke Bazille! Er macht alles nur aus Eigennutz, um sich selbst unentbehrlich zu machen.

    Wer ist da, wenn wir Probleme haben? Wir selbst! Wenn kein Freund da ist, dann existieren wohl keine richtigen Freunde - kenne ich ebenfalls sehr gut und das kristallisiert sich gerade heraus. Setz dich vor den Spiegel und unterhalte dich mit dir selbst; wirst sehen, was dabei raus kommt.

    Mir ist aufgefallen, daß ich mich während meiner "Trinkkarriere" mit allem möglichem Zeug beschäftigt habe; nur nicht mit mir selber! Und jetzt stelle ich fest, daß ich mich gar nicht so gut kenne, wie ich meinte.
    Zwiegespräche mit sich selbst helfen da wirklich!

    Was die Probleme angeht, die man aktuell hat; nun, die bleiben auch im trockenen Zustand, wo sie sind. Wegtrinken können wir sie nicht!
    Aber im trockenen Zustand sieht man sie klarer.
    schau auf deinem Weg nicht so sehr auf das "große Ziel", sondern auf den Weg vor dir - und zähle deine trockenen Tage; das macht großen Spaß, zu sehen, wie es jeden Tag mehr werden. 8)
    Ich werde mir jetzt ein "Massband" basteln bis zu meinem ersten "Trockengeburtstag" - ist eine echte Motivationshilfe!

    Übrigens, was deinen Bruder angeht: Verbiete ihm solche Aktionen zukünftig und wenn er sich nicht dran hält: Haus/Zimmerverbot o.ä. Maßnahmen - es geht um Dich!!

    Trockene Grüße von joschi

    Ich sag nur soviel:
    Lange suchen muss man nicht....

    Ich lese viel hier im Forum und kann mich bei vielen Geschichten wiederfinden.
    Aber auf gefakte Geschichten hab ich gar keinen Nerv.

    Und solche destruktiven Aktionen sind nicht gerade motivationsfördernd für Leute, die am Anfang stehen und noch etwas wackelig sind - die brauchen keine "wenns und abers oder möglichs", sondern klare Strukturen (stelle ich gerade bei mir auch fest).

    Das gilt übrigens auch für diverse User, die hier nur in den Ecken nach Staub suchen - in meinen Augen ist das unnötige Energieverschwendung (insbesondere für die Leser) und für mich ein weiteres Negativ-Beispiel.

    Das du deinen Weg verändert hast, ist Klasse! Irgendwo muss ja mal der erste Spatenstich gemacht werden.
    Geht mir ja genauso.
    Was das Wort "Trockenheit" angeht: Ich persönlich kann das für mich noch nicht so nennen, ich "trinke nicht". Heisst nicht, daß ich morgen wieder anfange, nur bis zur Trockenheit ist noch ein ziemlich langer und steiniger Weg.
    Gruß vom Biker und...wird Zeit, das Frühjahr wird 8)8)

    Habe jetzt diesen kompletten Thread gelesen und er erinnert mich an eigene Erlebnisse:
    Vor ca. 10 Jahren, war ich mal an einem Punkt, von dem ich meinte "jetzt ist genug". Damals ging ich in eine Gruppe der AA und dort saßen dann lauter ältere Männer, die schon lange trocken waren un d erzählten ihre Geschichten.
    Hab mir das alles angehört und dann für mich festgestellt:
    "Nein, ich bin mit denen ja gar nicht zu vergleichen". Also bin ich nach Hause und habe mir über meinen Alk-Konsum keine weiteren Gedanken mehr gemacht.
    Danach immer wieder "Frust-Phasen" nach zu viel Alk, in denen ich von einigen Tagen bis zu 4 Wochen nichts getrunken hatte.

    Hab mir auch da keine Gedanken drum gemacht, denn "es funktioniert ja".
    Und das Teufelchen hat ganze Arbeit geleistet: "Siehste, du kannst auch 4 Wochen ohne Alk sein, also haste kein Problem. Andere haben das Problem, denn die trinken ja viel schlimmer!"
    Hab auf ihn gehört.

    Und sitze heute wieder hier. Warum mich der Thread an mich noch erinnert?
    Wegen dieser Aussagen:

    Zitat

    Weiter gehts jetzt, wie es vorher auch war. Soviel gibt es ja nicht zu verändern.

    (Bloss nix verändern. Alles so lassen, wie es ist. Eben ohne Alk.)
    Das wird nie funktionieren! Mit fortschreitendem "Nicht-Trinken" verändert sich vieles und das sollte man zulassen und seine Umgebuing den neuen Verhältnissen anpassen.