Zitat
es macht eigentlich generell spaß, fremde menschen zu irritieren...
...irgendwie aber haben die menschen ja eh ein kommunikationsproblem.
warum eigentlich?
Hallo Midnight,
ich bin ein Mensch mit einer eingeschränkten Fähigkeit kommunizieren zu können und ich möchte den Versuch wagen, dir aus meiner Lebenserfahrung eine Antwort zu geben.
Ich stamme aus einfachen Verhältnissen, einer Familie, in der Alkohol kein Thema gewesen ist. Die ganze Familie trank fast ausschließlich Tee.
Man könnte geneigt sein, kommt solch ein Mensch mit Menschen mit Alkoholproblemen in Berührung, sieht er deutlich und zieht Konsequenzen. Bei mir war es nicht so. Ich kann auch jetzt sagen, nicht mein Mann und sein Alkoholkonsum führte mich in die co-Abhängigkeit, sondern die Weichen für das co-Verhalten waren bereits in meiner Kindheit gestellt. Ich kann auch sagen, dass mich meine Eltern geliebt haben und nichts schlechtes mir angedeihen lassen wollten und trotzdem ist mein Weg leider nicht gut verlaufen.
Für zwischenmenschliche Beziehungen ist Kommunikation ein sehr wichtiges Bindemittel. Liebe und Kommunikation bilden die Grundlage für Vertrauen wie auch die Fähigkeit kommunizieren zu lernen und entsprechend anzuwenden.
Meine Eltern haben mich geliebt, jedoch konnten sie mir nur in einem unzureichendem Maße ab einem Lebensabschnitt eine vertiefte Form der Kommunikations-Fähigkeit weiter weiterentwickeln/festigen.
Die Kommunikation verlief "oberflächlich", das sich vertiefen im Gespräch, sich dem Mitmenschenvöllig zuwenden und das zarte Urvertrauen weiter ausbauen und festigen erfolgte nur sehr mangelhaft.
Und so lernte ich es nur sehr eingeschränkt, mich mit meinen Erlebnissen/Träumen/Hoffnungen/Problemen meinen Eltern mitzuteilen. Meine hilflosen Aktionen endeten in hilflosen Reaktionen meiner Eltern.
Das Vertrauen, mich mit Allem und zu jeder Zeit meinen nahestehensten Menschen öffnen und mitteilen zu können verblieb in einem recht mickerigem Zustand.
Bedingt durch mehrere Ortswechsel und dem damit verbundenen Verlust eines Freundeskreises und wiederwieder kehrenden Anstrengungen, mich in ein neues Umfeld mit zumeist schon festeren freundschaftlichen Verbindungen einzubringen. Es ist nicht so, das ich keine Freunde fand und es ist nicht so, dass ich nicht ein Plappermäulchen gewesen wäre, jedoch was ich nie erlebt habe, ist eine so richtig tiefe Freundschaft, in der sich über alles ausgetauscht wird.
Und so wurde ich im gewissen Sinne ein Einzelkämpfer mit einer zusammengezimmerten Vorstellung, was Vertrauen ist und woran ich erkennen kann, das ich einer Person vertrauen kann.
Mit dieser Vorstellung hatte ich entsprechend auch eine Erwartungshaltung an Mitmenschen, die ich ihnen nicht mitteilen konnte, jedoch immens tief erschüttert wurde, wenn diese Erwartungen zu Bruch gingen.
Es war ein Teufelskreis. Mein geringes Vertrauen bzw. Verständnis von Vertrauenschrumpfte mit jeder Enttäuschung und immerweniger konnte ich mich wirklich öffnen und kommunizieren.
Irgendwann begann ein kleines "in sich zurückziehen", ein großes Verlangen nach Beständigkeit, Sicherheit, Geborgenheit und Kommunikation wuchs. Ich sehnte mich nach (m)einem Helden/Retter/Beschützer. Nach einem Menschen, zu dem ich hochschauen konnte.
Ja und er kam. Selbstbewusst, weltoffen und leider im Gepäck einen, ich möchte es als statusentsprechend gewöhnten Genuß von Alkohol bezeichnen. Es irritierte mich, innerlich lehnte ich es ab, jedoch das Aschenputtel ihren Prinzen gefunden hatte, lies die Skepsis und alles andere abmurksen.
Als der Alkoholkonsum mir ekelig wurde, rebellierte ich innerlich, versuchte auszubrechen, fühlte mich schäbig, was jedoch nicht zustande kam war Kommunikation. Vorwürfe, ja. Verweigerungen, ja. Stolz, ja.
Manipulation, ja, Kontrolle, ja. Sozialer Rückzug auf ein Minimum, ja. Aber keine Kommunikation darüber.
Meinen Aktionsradius, Kontakte zur Umwelt zog ich immer weiter zurück. Kommunikation über meinen Lebensbereich wurde zur Vertrauensfrage.
Es gibt im Leben Erlebnisse/Geschehnisse die sehr tiefe Wunden reißen und die nicht wurklich verheilt waren. Das schleppte ich auch noch mit mir herum.
Mit dem Tod meines Sohnes brachte mich an einen Punkt, wo ich auch mit zum Teil unbedachten Äißerungen, mit Urteilen/Vorunrteilen und Verurteilungen konfrontiert wurde, wo nicht nur mein kümmerliches Vertrauen fast ganz verschwand, sondern ein fast grenzenloses Misstrauen wuchs. Meine Vorstellungen, was/wann und wem ich vertrauen konnte wuchsen in´s skuriele.
Kommunikation mit Mitmenschen war zu einem Zeitpunkt nicht nur zur Vertrauenssache geworden sondern gipfelte in eine eigene Existenzberechtigung.
Witzeleien oder Spötteleien, wie sie als "normal" betrachtet werden, ließen mich manchmal fast zu Verachtung und Hass verleiten. Und doch sehnte ich mich nach Nähe, Geborgenheit etc, ich sehnte mich danach jemanden vertrauen zu können/mich anvertrauen zu können. Tja und umsomehr schlägt dann der "Klammervirus" zu. Als ich erlebte, das ich mich öffnen durfte, habe ich nicht nur die Schleusen so weit geöffnet, das diese Menschen fast weggespült wurden, ich habe auch immens begonnen zu klammern, weil ich dachte: wenn du diese Menschen verlierst, gehst du ein Mora.
Vetrauen füllt mich langsam , beginnt langsam auch als Kommunikation aus mir herauszufließen. Es ist wie eine ganz zartes Pflänzchen noch, aber es wird wachsen. Es wird eine kräftige Pflanze.
Midnight, kannst du jetzt ein wenig verstehen, das, wenn ein Mensch kaum Worte hat, wenn ein Mensch nicht aufgearbeitet hat, was sein Inneres so krank macht/gemacht hat, das dieser Mensch garnicht in der Lage ist, wirklich zu kommunizieren? Das es eine Vielzahl, eine Summe/ein absoluter Fadenfitz ist, was in mir steckte mit sozialem wie auch gesellschaftlich und politischen Hintergrund?
Das schier ein Unmögliches mit Iritation versucht wird? Das auch deine Erwartungshaltung an eine Reaktion von Menschen im schlimmsten Fall auch ganz massiv "nach hinten losgehen kann"?
lg
Mora *die dich jetzt umarmt