Beiträge von Dante

    Das ist natürlich ein herber Schlag, liebe Lori ! :(

    Auch wenn es dich nicht trösten kann:

    Alkoholsucht & Depression sind Geschwister, & du ganz bestimmt hat sich dein Mann nicht umgebracht, weil er nicht auf die Couch durfte,

    sondern weil er mit seiner Sucht nicht zurande kam.

    Das ist wie geschrieben nicht ungewöhnlich, die Suizidrate ist bei Suchtkranken Menschen erheblich höher als im Bevölkerungsdurchschnitt. Grob geschätzt versucht jeder achte Alkoholiker, sich das Leben zu nehmen.

    Dies ist natürlich für jeden einzelnen, also auch für deinen Fall, kein Trost.

    Die Schuldgefühle, die Selbstmörder bei ihren Angehörigen hinterlassen, sind auch in so ziemlich allen Fällen bekannt.

    Es war seine Entscheidung, aus dem Leben zu gehen. Du hast ihm nicht den Harakiridolch vor die Füße geworfen.

    Ich würde an deiner Stelle unbedingt therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen,

    & bestimmt gibt es Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene von Suizidalen.

    Wahrscheinlich hast du für so etwas ein Ohr entwickelt, Florian.

    Früher beim mitsaufen ist dir das nicht aufgefallen, aber jetzt eben doch.

    & solange du nicht die Drinks der anderen zählst, ist das auch nicht weiter problematisch.

    auch deiner Mutter würde ich den Rausch gönnen, solange der sich nicht ständig einstellt.

    & selbst, wenn - es wäre zuallererst das Thema deiner Mutter.

    Ich denke ich muss mich mit ihm für die Sucht entscheiden.

    Warum eigentlich?

    Ich lese aus deinen Beiträgen, dass du ihm so ziemlich alles abnimmst, was abzunehmen geht.

    Du hast höchstwahrscheinlich recht, wenn du schreibst, er kommt nie von seinen Süchten los.

    Er kommt ganz bestimmt nie davon los, wenn du ihn weiter bepamperst.

    Du bist ein ganz wichtiges Glied zum ausleben seiner Sucht.

    Hallo Becki,

    Deine Position hat etwas. 8)

    Vielleicht findet sich dein xy in diese Regelung hinein, vielleicht trennt er sich oder die Beziehung schläft ein.

    Was aber keine Option sein sollte, ist dass du nachgibst oder mal "ein Auge zudrückst". Dann machst du dich unglaubwürdig.

    Im Umfeld meiner damaligen SHG gab es einen ähnlich gelagerten Fall.
    Die Freundin des Gruppenmitgliedes hatte die gleiche Position bezogen: Etwas getrunken = kein Treffen

    Glaubst du, du kannst ein solches Stehvermögen aufbringen?
    Denn am wahrscheinlichsten scheint mir, dass er sich eher für den Alkohol als für dich entscheidet.

    Mit der Zeit.

    Ich schreibe immer gerne, man hat sich als Alkoholiker den Hormonhaushalt krumm gesoffen, & bis sich das reguliert, dauert es eine lange Zeit.

    & auch nicht. Man wird ja nicht mehr zu dem Menschen, der man mal vor der Sucht war. Man hat eine Entwicklung durchgemacht, hat Prägungen. Man nimmt viele Dinge völlig anders wahr, aber der Alkohol ist nie der alleinige Einflussfaktor.

    Ich habe vor einigen Wochen Rückschau in meinem Tagebuch im geschlossenen & auch hier in "Dantes Weg" gehalten.
    Bei mir waren immer Verzagtheit & Unsicherheit, dann Euphorie, dann Erschöpfung - immer im Wechsel.
    Es hat lange gedauert, bis sich dass bei mir gelegt hat. Mittlerweile weiß ich, was sich geändert hat, was ich noch verändern kann & womit ich Lebtags klar kommen muss.

    Ich bin jetzt über 14 Jahre trocken, aber ich bin auch nicht mehr im mittleren Alter. Ich bin liiert, was ich mein ganzes Leben vorher nie war; ich habe ganz andere Lebensprioritäten.

    Kurz: der trockene Mensch ist nicht mit dem Menschen vor der Sucht identisch. Das geht nicht & ist genau genommen auch nicht wünschenswert.

    Ich nutze gerade die Gelegenheit & blicke in "Dantes Weg" bis zur Zeit unmittelbar nach der Therapie zurück.

    Vieles von dem, was ich damals so schrieb, kommt mir fast fremd vor.

    2007 der Ärger mit meinem AG, was mich so sehr belastete. Heute lache ich fast darüber. Überhaupt war die Sache ein für allemal im Sommer 2007 ausgestanden, wo ich auf meinem Wunschstellwerk war & dort eine feste Position hatte.

    Dann die Sache mit Tochter & Enkelkind. :(
    Das wird nie gut. & anders, als ich am 26. III. 2012 schrieb, fühlte sich die Folgezeit sehr wohl wie eine permanente Katastrophe an, wenn ich jetzt zurück blicke. Erst in den letzten Monaten wurde es ruhig, aber diese Ruhe ist trügerisch.
    Trotzdem verharre ich nicht in angekrampfter Position, auf irgendwelche Rückeschläge wartend. Das ist übrigens ganz neu bei mir.

    Auch jetzt noch, nach so vielen Jahren findet eine Entwicklung statt, hin zum gelassenen. So manche Erfahrungen in der Partnerschaft spielen dabei eine Rolle, die ich damals ja nicht hatte, die Übung im trockenen Umgang mit Belastungen natürlich auch, obwohl Alkohol irgendwie gar kein Thema mehr bei mir zu sein scheint.
    & das Alter spielt auch eine Rolle, glaube ich. Ich bin in einer Position, wo ich niemanden mehr etwas beweisen muss, auch mir selbst nicht. Ich bin satt & habe alles zum Leben.

    Einziges nie ernsthaft in Frage gestelltes Kontinuum in meiner trockenen Vita ist meine Frau. Ich bin so froh, sie zu haben!

    Den auf Seite 15 erwähnten & für die Ewigkeit geplanten Lodenmantel habe ich übrigens vor eineinhalb Jahren ins Armenkaufhaus abgegeben, nachdem ich ihn davor schon wenigstens 3 Jahre nicht mehr & auch überhaupt recht selten getragen hatte. Zu unpraktisch, das Ding. :mrgreen:
    Die Winterschuhe sind allerdings noch im Einsatz, sobald es draußen auch mal winterlich kalt wird.

    Dann die Sache mit den fünf Säulen.
    Irgendeine Säule ist immer in Restauration, nicht selten sind es mehrere oder gar alle, die in Arbeit sind; so schrieb ich damals.
    Das kann ich auch heute nur bestätigen.

    Die Säule "Gesundheit" ist nach einer kurzjährigen Krise solide & stabil.

    Die Säule "soziale & wirtschaftliche Sicherheit" ist in ähnlicher Verfassung.

    Die Säule "Familie/familiäres Umfeld" hat sich verändert. Einst streichholzdünn ist sie heute ein ziemlich solides Element, allerdings ganz anders als mensch vermuten könnte. Die Familie braucht mich, jedes einzelne Mitglied, & ich bin über dieser Anforderungen doch sehr gewachsen & stark geworden.

    Gegenstück dazu die Säule "Freunde/Beziehungen". Vormals schon ziemlich marode & dünn, ist sie jetzt eher noch dünner, dafür aber stabil.
    Von meinen alten Freunden ist niemand mehr übrig geblieben, von gelegentlichen flüchtigen Telefonaten abgesehen. Neue Freunde sind durch dieses Forum hinzu gekommen, aber auch da ist der Kontakt vor allem räumlich bedingt selten.
    (Nur das Lämmchen macht da eine Ausnahme ;) )

    Die Säule "Werte & Normen, Spirituelles" vorher schon mehr eine Chimäre, ist zur völligen Luftnummer verkommen.
    Nicht, dass ich keine gesellschaftlichen Vorstellungen hätte; ich bin bloß von einem Zustand der völligen Desillusionierung in dem eines bequemen Fatalismus gewechselt. & komischerweise trotzdem wieder bereit, etwas zu tun.
    Spirituelles hat in meinem Leben eh nie eine Rolle gespielt. Irgendeine Altersfrömmigkeit kann ich bei mir nicht ausmachen.

    Was soll ich schreiben?

    Ich nehme die Folgen meiner Nichttrinkerei eben hin. Ich lebe, sehr intensiv, mit viel zu Bewältigendem;
    aber immer mit viel Ruhe & Zeit für mich selbst & für meine Frau.

    Die Seuche bremst natürlich einiges, & wir wären wesentlich mehr außerhalb unterwegs. Der Stadtbummel, der Tagesausflug, die Urlaubsreise, so etwas fehlt. Mir fehlt die Sauna.

    Aber sonst? Alles friedlich (weil trocken).

    Ich gehöre zur Alkie-Fraktion, Marian.

    Ich habe dich dann offensichtlich wirklich missverstanden.

    Wer zusammenbricht, herum liegt & Beschwerden oder Verletzungen hat, dem vermittle ich natürlich Hilfe, & zwar unabhängig vom Alkoholpegel.

    Wenn einer so besoffen ist, dass er mehr ins Auto kriecht als steigt, dann rufe ich 110 an.
    Was die daraus machen, geht mich dann nichts mehr an.

    In der Praxis kommt das aber eigentlich nicht mehr vor.
    Ich besuche keine derart feuchten Veranstaltungen, als dass mir so etwas begegnen würde.

    Selbstgefährdung ist stets ein ausreichender Grund, Hilfe für andere zu unterlassen.
    Im Rückfall bei Suchterkrankung greift das mit der unterlassenen Hilfeleistung überhaupt nicht. Das hieße in letzter Konsequenz, andere beliebig für das eigene Fehlverhalten verantwortlich machen zu können. Zudem ist ein Rückfall nicht zwangsläufig lebensbedrohlich.

    Die Regel "Eigenschutz zuerst" gilt genau genommen für alle Situationen, unabhängig von der Suchtfrage.
    Du musst niemanden aus dem Wasser ziehen, wenn du selbst nicht schwimmen kannst.


    Was das Trinkverhalten anderer außerhalb der eigenen vier Wände betrifft:
    Das ist etwas, was man im Laufe seines Trockenwerdens erlernen sollte. Das Trinkverhalten anderer sollte kein Maßstab (mehr) sein für einen Trockenen. Wenn man angepöbelt wird, weil man nicht mittrinkt, ist man ganz sicher in schlechter Gesellschaft. Du kannst dich als Trockener nicht mehr unter der Linde vorm Edeka treffen zum Weintetrapackumtrunk. Da bist du falsch, & du wirst auch kaum jemanden aus solcher Gesellschaft "umpolen" können - das stört nur den versoffenen Gruppenfrieden.

    Das gilt auch für Treffen mit beruflichen Background. Nicht wenige orientieren sich wegen solcher Arbeitsplatzsituation neu.

    Die gegenwärtige seuchenbedingte Krise ist kein Grund zum saufen.
    Wenn ein dir naher Mensch stirbt & dich das völlig mitnimmt ist das kein Grund zum saufen.
    Dein Gedanke zeigt bloß auf, dass saufen immer noch eine gewisse Akzeptanz bei dir hat. Daran würde ich an deiner Stelle arbeiten, denn so lange das nämlich der Fall ist, bleibt deine Trockenheit labil.

    Nicht umsonst wird bei teilstationären Therapien ausdrücklich davor gewarnt, rückfällig gewordenen Mitklienten in Eigenregie helfen zu wollen, weil allzu oft die helfende Person in einen Rückfall gerät.

    Auch gilt in jeder Selbsthilfegruppe: Eigenschutz zuerst! Wer sich in einer Situation im Rahmen der Suchtselbsthilfe getriggert fühlt, muss diese Situation verlassen. Es hilft nicht, andere Leute aus dem Sumpf ziehen zu wollen, aber dadurch selbst hinein zu fallen.

    Die Situation aus deinem Berufsleben ist etwas anders gelagert. Du bist da passives Element, das Trinkverhalten der anderen ist nicht dein Thema. Wenn doch, hast du entweder noch nicht die notwendige Distanz zum Suchtstoff oder aber die Gesellschaft ist primär aufs trinken fixiert & dein Platz eh nicht in dieser.

    Mich stört es nicht, wenn man in meiner Anwesenheit Alkohol trinkt. Mich stört es aber sehr wohl, wenn sich in meiner Anwesenheit das Trinken zum zentralen Bestandteil des Zusammentreffens entwickelt.

    Das war übrigens schon zu meiner Trinkzeit ähnlich. Von der Spätschicht zum Gewerkschaftsstammtisch anzureisen machte keinen Sinn, weil beim Eintreffen die versammelte Mannschaft schon 2 - 3 Stunden Trinkvorsprung hatte. Da fühlt man sich fehlplaziert.

    (Als Alkoholiker machte ich dann allerdings den üblichen "Fehler": Ich versuchte, nachzuholen & soff entsprechend mehr Schnaps, was zur Folge hatte, dass ich fast immer sturzbesoffen als letzter die Kneipe verließ. So sind Alkies eben. :roll: )