Beiträge von Dante

    Wenn Jürgen schreibt, die Liebe des Co's sei klebrig & lästig, dann erklärt er damit sein persönliches Empfinden in dieser Sache als allgemeingültig.
    Es werden jedoch bei den Alkoholikern viele verschiedene Eindrücke geblieben sein, von der totalen, geliebten oder gehassten Abhängigkeit über die Erfahrung eisiger Abweisung oder Missachtung bis hin zur völligen Gleichgültigkeit. Es gibt keine allgemein gültige Beschreibung des Verhältnisses zwischen Co & Alkoholiker.
    Noch mehr verbieten sich Erklärungsmuster vom Typ "Wirt & Parasit". Ein komplexes sozial-okonomisch-emotionales Gebilde ist nicht vulgärbiologisch zu erklären, es sei denn, man meint das politisch, was dann allerdings infam wäre.
    Auch die ökonomischen Verhältnisse zwischen Co & Alkoholiker sind variabel.

    Dieser Diskussion liegt meines Erachtens ein Verständnis von Coabhängigkeit zu Grunde, das sich auf den pathologischen Aspekt zu beschränken scheint, demzufolge Coabhängigkeit als krank zu verstehen & alles weitere davon abhängig ist, auf welcher Seite dieser Grenzziehung die betroffene Person sich befindet.
    Eine Steigerung findet dann statt, wenn man Coabhängigkeit sogar als Suchtkrankheit definiert & die entsprechenden Therapiemittel anempfiehlt. Das wird dann dazu führen, dass der Patient die Therapie verweigert oder sich von einer in eine andere Richtung verbiegt & immer noch nicht zu sich kommt.

    Es ist an der Zeit, den 1. Baustein der Coabhängigkeit dem Bauschutt zuzuführen.

    Hallo Metallus,

    ich denke, du musst wesentlich mehr für dich tun, wenn du wirklich von der Sucht wegkommen willst.

    Dass du nach dem Koks noch zur Pulle gegriffen hast, wundert mich nicht. Kennst du die Begriffe Set & Setting?
    Das Set d.h. die psychische Verfassung, in der man sich befindet, wenn man Drogen konsumiert, war bei deiner Silvesterparty optimal: Du wolltest den vollständigen Rausch. Dass dann nach der Line das obligatorische Bier & schließlich der Schnaps hinzukam, war nur folgerichtig.
    Das Setting, die Umgebung, in der man sich berauscht, dürfte in deinem Fall nicht minder optimal gewesen sein.

    Was sind deine nächsten Schritte?

    Hallo Newlife & Willkommen im Forum! :D

    Solche Aussetzer sind natürlich im Rückblick schambehaftet, erst recht, wenn man sich darüber im klaren ist, dass man sich nicht an alle Aussetzer erinnern kann.
    Allerdings kann man das Geschehene nicht rückgängig machen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als mit den Peinlichkeiten der Vegrangenheit zu leben. Tröstend ist bloß, dass Alkoholismus eine Suchterkrankung ist & man für seine Krankheit nichts kann.
    Wir haben Grund genug, nachsichtig mit uns & unseren Fehlern zu sein. Milde mit sich selbst ist sogar unabdingbar für eine zufriedene Abstinenz; Zufriedenheit wiederum ist wichtig fur eine stabile & dauerhafte Abstinenz.
    Jag also nicht irgendwelchen Gruselmonstern von damals hinterher. Deine Freunde werden dir schon verzeihen. :wink:

    Als Berliner kenne ich die Faßbrause ja sehr gut. Das ist an sich gewöhnliche Apfellimonande, bloß eben, dass sie in Fässern gelagert & wie Bier gezapft wird. Die Faßlagerung war vor 100 Jahren eine praktische Angelegenheit & kein Verkaufsgag. Flaschenwirtschaft war für damalige Verhältnisse unüblich & aufwendig. Man holte einst sein Bier mit einem Syphon aus der Destille an der Ecke. Der Koofmich ("Tante-Emma-Laden") an der Ecke hatte solche Ware nicht im Sortiment.

    Faßbrause ist auch nichts Berlintypisches. Im Schlaubetal, & sicher nicht nur dort, wird "Rote Faßbrause" angeboten. Das ist eine rote, künstlich-süße Limonade, die gut gekühlt recht erfrischend sein kann. In der DDR gab es wohl einen Zapfartikel, der "Citrus" genannt wurde. Ähnliches trank ich in Kaufbeuren auf einem Straßenfest, "klarer Sprudel". Letztlich dürfte es auch bei der von mir hochgelobten Johannisbeerschorle (mit i, nicht mit e :wink: ) oftmals um ein Getränk aus dem Zapfhahn handeln.

    Faßbrause als neumodischer Vertriebsname für Limonde ist mir noch nicht begegnet. In Berlin wird mittlerweile die Faßbrause wahrscheinlich mehr aus Flaschen als aus Fässern ausgeschenkt.

    Zum Triggern: Natürlich kann die Form der Flasche, der Kronkorkenverschluss, Schaumbildung oder auch nur die aufsteigende Kohlensäure Suchtdruck auslösen. Das ist individuell sehr verschieden, & auch abhängig vom allgeimen psychischenZustand sowie der Dauer der Abstinenz selbst abhängig. Eine Messlatte dafür gibt allerdings nicht!
    Umgekehrt gibt es auch eine Reihe von Getränken, die ähnliche Verkaufspackungen hat: Grüne Halbliterflasche mit Kronkorken (Bio-Dingsbums) oder die von mir mitltlerweise hochgeschätzte Hackerbrause, die ja auch farblich sehr an Bier erinnert. Meine Bedenken zu dieser beschrieb ich vor einigen Monaten hier im Forum.

    Diese haben sich mittlerweile erledigt & ich habe auch keine Schwierigkeiten, die Limo direkt aus der Flasche zu trinken (; übrigens im Gegensatz zu Aurora, die da sehr häßliche Bilder aus ihrer ersten Ehe assoziiert). Aber: DAS IST MEINE PERSÖNLICHE ERFAHRUNG! Es gibt Menschen, bei denen reicht schon der Anblick eines Glases mit schwarzem Tee aus, um gehörig Suchtdruck zu bekommen, & das hat nichts mit falscher Einstellung zur Trockenheit zu tun.

    Die Suchtfibel ist sehr detailreich, aber für einen Einsteiger auch mitunter unübersichtlich.

    Klarer in übersichtlichen Kapiteln strukturiert ist das Buch "Lieber schlau als blau" von J. Lindenmeyer, einem Suchtklinikleiter in der Prignitz.
    Dort kann man sich Tag für Tag einem Kapitel & damit einem bestimmten Aspekt der Sucht zuwenden.
    Für mich als Einstieg war dieses Buch sehr gut.

    Hallo FF & Beileid zum Rückfall. :?

    Zugegebenermaßen habe ich bei dir so gut wie nie gelesen, aber ich werde das mit deiner Erlaubnis ändern. Ich schreibe mir das, was mir zu deinem Fall so einfällt, in Stichpunkten:

    1.
    Dein letzter Eintrag macht mich grübeln. Du bist in der Halbzeit der letzten Sitzung deiner SHG wg. Müdigkeit gegangen. Hast du von deinem Rückfall erzählt? & da ich die Antwort schon ahne, warum nicht?

    2.
    Liste dir doch x auf, was du nach deinen Rückfällen, die du bisher bautest, anders gemacht hast, um den nächsten zu vermeiden.

    3.
    Es wurde schon erwähnt: Wenn du wirklich trocken werden willst, ist die Frage nach der Art deines Missbrauchs eher unbedeutend. Daraus erklärt oder entschuldigt sich nichts. (Was heißt auch Entschuldigung? Du musst selbst wissen, was du tust.)

    4.
    Ohne hier dick die Rückfallursachen in ihrer Häufigkeit breitreten zu wollen: Dein Nachbar mit dem edlen Tropfen ist ein Beispiel der Kategorie "soziale Verführung", & zwar ein sehr primitives. Das unterstreicht die Frage nach dem schon erwähnten Notfallkoffer.

    Hallo Kathy & Willkommen im Forum! :D

    Es ist gar nicht so wichtig, ob er die drei oder vier Bierchen verträgt oder wie gefährlich das ist.
    Maßgebend ist, dass du das nicht aus welchen Gründen auch immer nicht willst. Du kannst den Geruch nicht ab, du merkst sogar eine Wesensänderung an ihm (auch wenn du eine positive beschreibst!), etc.
    Dazu kommen die von dir angedeuteten Kleinigkeiten ( ,die u.U. sehr groß werden können).

    Er muss doch merken, wie wichtig dir ist, dass er nichts trinkt. Hätte er keine Probleme mit dem Alkohol, wäre es ein leichtes für ihn, darauf zu verzichten.
    Ist er in anderen Angelegenheiten auch so unnachgiebig?

    Hallo Kranak & Willkommen im Forum! :D

    Aus deiner Geschichte geht hervor, dass deine Mutter schon seit mehr als einem Jahr mit dem Alkohol zu kämpfen hat. Der Verdacht, dass ihr Ärger auf der Arbeit vielleicht aus der Sauferei resultiert, drängt sich auf.
    Neu ist eigentlich nur, dass sie ihren Frust offen an dir austrägt & dass sie gewissermaßen ungeniert in deiner Anwesenheit zur Flasche greift.

    Du kannst sie natürlich nicht daran hindern an ihrer Sauferei, aber du kannst ihr klarmachen, dass du für sie nicht den alkoholischen Handlanger zu spielen bereit bist.

    Sag ihr beim nächsten Male einfach, dass du nicht mit ihr sprechen willst, wenn du den Eindruck hast, sie habe etwas getrunken. Weck sie nicht, wenn sie zu deiner Tante zum gemeinsamen Besäufnis fahren will, hol sie nicht von dort ab.
    Wenn sie trotz oder gerade wegen ihrer Trinkerei dermaßen umsorgt wird, hat sie keinen Grund, ihr Verhalten zu ändern.

    Ich glaube nicht, liebe taro, dass man sich vorschreiben lassen kann, was man fühlen SOLL. Das geht mit Sicherheit schief, du wirst kein gutes Gefühl bei diesem "fühlen sollen" haben. :lol:

    Du hast dich einen Abend entspannt & hast dich gut gefühlt - du hast seine Gejammere am Telefon gehört & hast dich schlecht gefühlt.
    Da steht doch schon alles drin. :wink:

    Du darfst, liebes iä, du darfst.
    Auch Karsten & Silberkralle seien an dieser Stelle für den Geburtstagsgruß gedankt! :)

    Wir haben es uns an meinem Geburtstag gut gehen lassen im Guttemplerhaus. Es war eine einfache, stille, aber gute Feier.

    Danke, liebe Oldie. :)

    Aber ob mein Verhalten wirklich so super ist? Ständig bedrngt mich die Frage nach der moralisch korrekten Trauer, obwohl ich doch genau weiß, dass es die nicht gibt. :roll:

    Danke, liebe Elfirede :) , & Danke, liebe Melinak:)

    Hier gibt es zum Todesfall noch nichts neues zu berichten, außer, dass die Hypothese über die todesursache mittlerweile bestätigt wurde, eine große Erleichterungfür Aurora.

    Insgesamt orientiert sich bei uns alles auf ein Leben ohne unsere Tochter. Was sich noch alles ergeben wird, weiß keiner, aber ich bin mir sicher, dass sich die nächste Zeit nicht als permanente Katastrophe anfühlen wird.

    Ich möchte mich an dieser Stelle recht herzlich für eure Beileidswünsche bedanken. Sie tun sehr sehr gut.

    Das blanke Etsetzen hat sich mittlerweile gelegt & ist einer Mischung aus tiefer Niedergeschlagenheit & Taurigkeit mit dem Drang nach Normalität gewichen, einer Normalität, die sich einerseits durch das ständig anstehende Tagewerk aufdrängt, aber andererseits gar nicht so exisiteren kann, eben weil es eine Normalität ohne meine Tochter noch gar nicht gibt.
    Der Drang nach Normalität als Möglichkeit der Flucht vor der Trauer möchte ich gar nicht ausschließen, weiß aber natürlich um die gefährliche Illusion, die dahinter steckt. Gefährlich, weil ein unachtsamer Umgang mit Gefühlen, zu denen nun x auch Trauer gehört, die Quelle für einen Rückfall bedeuten kann.

    Aber da ist absolute Ruhe. Ich hab nicht ein einziges x an saufen gedacht & war regelrecht überrascht bei einer entsprechenden Nachfrage durch Aurora.

    Mir geht es unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Umstände gut. Ich ruhe immer noch stark in mir.

    Gestern hatten wir einen schönen Spaziergang, den ich in einer alten mir wohlbekannten Pizzeria abzuschließen gedachte. Diese Pizzeria hatte etwas kultiges; der Betreiber war & ist jedenfalls ein sehr unkonventioneller Typ. Lange ist's her, dass ich sie besuchte (ca. 20 Jahre wohl), meine Wege führten mich nicht in diese Gegend & so wollte ich die Gelegenheit eben nutzen, meiner jüngeren Junggesellenzeit etwas hinterherzutasten.

    Aurora war beim Innenanblick dieses Ladens etwas betroffen um nicht zu sagen entsetzt. Verkramt, mittlerweile auch ziemlich dreckig & mit allerlei Fotos zugehangen war der Laden, & der Wirt, der in den letzten 20 Jahren wohl äußerlich nicht gealtert zu sein schien, kam mir irgendwie menschenscheu vor - völlig unpassend zu seiner sonst extravaganten Art.
    Mir fiel der Zustand des Ladens erst beim genaueren Hinsehen auf, kannte ich ihn doch nicht anders als klein & verkramt. Die Pizza war immer noch so gut wie damals, aber Aurora wollte nichts essen & traute sich kaum, die Kaffeetasse an die Lippen zu führen. Schließlich verließ sie den Laden, noch bevor ich mit dem Essen fertig war, & das gab mir Gelegenheit, diesen Wirt genauer anzugucken & dem Gespräch mit seinem Kumpel zu lauschen:
    x hat ihm das Bier mitgebracht, zwar das falsche, nicht dass, was er sonst ausschenkt, aber es geht ja auch. y, kannst du mir einen Schwung Kerzenbirnen aus nem 1-€-Laden mitbringen, du kriegst dann das Geld von mir zurück. Ich kann nicht mehr so durch die Straßen laufen, nur Nachts. Schade, dass x nicht da ist, die macht den Pizzateig so richtig gut...
    Beim Abräumen dann fiel ihm das Pizzabrett fast aus der Hand, so einen Flattermann hatte er, entschuldigte sich auch bei mir dafür. "Heute zittere ich sehr."

    Da lebt dieser Mensch offensichtlich schon über Jahrzehnte in seiner Pizzabude & traut sich dort nicht mehr hinaus, nächtigt vielleicht sogar darin. Damals mit viel Enthusiasmus in sein Projekt gestartet ist er heute ein Schatten seiner selbst, psychotisch, alkoholabhängig - & seine über die Jahre oder gar Jahrzehnte treuen Stammgäste halten ihn mit Hilfestellungen aller Art über Wasser, begeben sich in eine Coabhägigkeit ohnegleichen, das beste für diesen Mann wollend, aber wohl wissend, dass das beste eine Entziehungskur & damit verbunden die Aufgabe des Geschäfts sein würde, was sie wiederum auch aus Eigennutz nicht hinzunehmen in der Lage sind. Nichts ist doch für einen Alkoholiker so anheimelnd wie seine Kneipe, wenn sie schön dämmerig/kuschelig ist.

    So fährt das saufende Elend mit sich selbst Karussell.