Beiträge von Carpenter

    Zitat von consuela

    Fraali..glor..Andreas, leicht zu übersetzen: es ist nicht jeden Tag Kirchweih...und genauso so ist es auch...ganz lieben.Gruß aus Franggn ..Consuela

    Hi Consuela,

    lange nix gehört von Dir. Ich hoffe, es geht Dir gut. Soweit ich weiß, treibst Du Dich hauptsächlich im der Geschlossenen rum, oder ?

    Hab gar nicht gewußt, daß Du auch aus Franggn kommst und am Telefon den Ausländern permanent erklären mußt: Ne, kein weiches B wie Berta...haddes B wie Baula :)

    LG Andreas

    Moin Nys,

    ist ein schöner, offener Thread geworden hier bei Dir.

    Thema Bühne:

    Nicht umsonst spielen die wirklich guten Bands irgendwann lieber wieder in kleinen, authentischen Hallen, vor wenig, aber erlesenem Publikum. Die große Bühne ist ihnen einfach unwichtig geworden.

    Schön auch, daß auf Deiner Speisekarte viele unterschiedliche Gerichte stehen und man selbst entscheiden kann, ob man überhaupt was essen will :)

    Mit dem Typ "Tragischer Held" kann ich was anfangen...aber wie um Himmels Willen definiert sich denn ein Stinknormalo ?

    LG Andreas

    Zitat von Clärchen

    Moin!

    Ich möchte mich Lea anschliessen. Klartext ohne zuverletzen, das ist das Geheimnis. Man kann uns Cos lange sagen wir sollen einfach gehen, wir glauben aber noch retten zukönnen, gehen über unsere Grenzen, genau das ist doch das Problem. Wir sehen nicht wenn der Kampf aussichtslos ist, wollen und können es nicht sehen. Ich glaube das es für "euch Alks " schwer zuverstehen ist. Klar, man hätte immer gehen können, theoretisch.
    Und was wäre denn dein Tipp für mich, ich lebe mit meinem trockenen Alki noch zusammen, und immer mal wieder kämpfe ich mit dem Comonster!
    Und doch war es das wert, wir haben beide Therapie gemacht und bleiben dran, und ja, man hätte sich auch trennen können, wäre manchmal weniger anstrengend gewesen........
    Ich lese gerne bei dir mit, und nun wollte ich mal was "sagen " denn es ist immerwieder "mein " Thema.

    Herzliche Grüße Clärchen

    Hallo Clärchen,

    ich denke nicht, daß ich schon soweit bin, Dir Tipps geben zu können. Ich würde sagen, daß meine Frau auch gewisse Verhaltensweisen an den Tag legt, die man als Co bezeichnen könnte.
    Sie hat allerdings irgendwann alles auf eine Karte gesetzt und mich vor die Wahl gestellt: Ich oder Alk. Ich hab mich für sie entschieden, gegen den Alk. Eine, wenn nicht die beste Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe...diese Entscheidung hat mir mein zweites Leben sozusagen erst ermöglicht.
    Nun sieht es bei Euch wohl ähnlich aus...trockener Alkoholiker zuhause, Alpträume, daß der Mann wieder saufen könnte, alles wieder von vorne anfängt, alles umsonst war. Ich denke, das ist nachvollziehbar. Aber ständige Verlustängste können unheimlich lähmen, sind kontraproduktiv. Letztendlich muß man sich ständig bewußt machen, daß man sich nie sicher sein kann, aber schon ein riesengroßes Stück weiter ist.
    Sicherheit gibt es im Leben nie...und daß es auch ohne Alkohol nicht leicht werden würde, die Beziehung nicht von heute auf morgen wieder problemlos laufen würde, war uns beiden klar. Die Abstinenz war nur die Grundlage, um überhaupt an sich arbeiten zu können. Durchs Nichtsaufen war für die Beziehung noch nichts gewonnen. Die Arbeit kommt erst danach und klar gibt es da auch immer wieder Phasen, wo man sich fragt, ob alles noch einen Sinn ergibt. Die sind aber recht selten.

    Wenn man ehrlich ist, bedeutet eine Beziehung immer irgendwie Arbeit. Gibt es tatsächlich Beziehungen, die immer reibungslos laufen ? Ich kenne irgendwie keine. Also sollte man sich durch gelegentliche Rückschläge nicht entmutigen lassen.
    Die Melodie muß stimmen, dann ist es auch halb so wild, wenn mal der ein oder andere Ton nicht getroffen wird. Perfektionismus und Beziehungen sind Antonyme :)

    Es gibt bei uns in Franken ein schönes Sprüchlein für diesen Umstand:

    Es is net alla douch kärwa...

    Bin gespannt, ob das jemand versteht :)

    Schöne Zeit Dir (Euch)

    LG Andreas

    Moin Lea,

    ein toller Beitrag, wie ich finde.

    Dieser Unterschied scheint mir nachvollziehbar...Alkoholiker kommen meistens hier rein, sobald sie sich ihrer Sucht mehr oder minder bewußt sind und ziehen von daher vielleicht eher Konsequenzen.
    Co's kommen in einer Frühphase, sind sich ihrer Sucht vielleicht noch gar nicht wirklich bewußt, insofern auch noch nicht bereit, mit allerletzter Konsequenz zu handeln.

    Klingt für mich wirklich sehr logisch.

    Thema Abgrenzung:

    Auch da bin ich absolut Deiner Meinung. Punkt 3 ist bei mir so ausgeprägt, daß ich solche Menschen nach einer Minute wortlos stehenlasse...dafür ist mir meine Zeit zu schade...diese nur zu gerne angenommene Opferrolle mancher Menschen (Staat ist schuld, Gesellschaft ist schuld, Arzt ist schuld, Gott ist schuld) macht mich wütend und fassungslos.

    Naiv war ich auch, bin es z.T. jetzt noch ab und zu. Man kann mich, wenn man am richtigen Hebel zieht, relativ leicht auf seine Seite ziehen. Das ist für mich ein wichtiger Punkt, an dem es anzusetzen gilt. Es ist schon besser geworden, aber noch nicht in dem Maße, wie ich es mir wünsche. Dazu gehört für mich das Thema "NEIN-Sagen".

    Punkt 1 ist auch interessant. Da habe ich bei mir die größte Entwicklung feststellen können. Da kann ich inzwischen sehr gut trennen und nen Haken drunter machen. Früher hab ich da stundenlang nachgegrübelt, ob ich was falsch gemacht habe oder vielleicht verquerte Ansichten hatte...inzwischen ist mir das egal. Ich denke, das ist auch eine Frage der Selbstsicherheit. Man ist sich bewußt, daß man sich die eigene Meinung fundiert erschlossen hat und läßt sich nicht mehr durch andere Verhaltensweisen oder Ansichten aus der Bahn werfen. Abweichende Meinungen nehm ich hin wie ein Gewitter...an dem kann ich auch nix ändern. Das bedeutet nicht gleichzeitig, daß man die eigene Meinung nicht ab und zu hinterfragt...ich denke, daß gehört dazu. Neue Erkenntnisse, andere Aspekte können es durchaus erfordern, daß man die eigene Meinung modifiziert. Das ist für mich nix anderes als Fehleranalyse und Fehlervermeidung.

    Dank Dir für Deinen wertvollen Beitrag...hat mich sehr gefreut, daß Dich mich hier mal besucht hast.

    LG Andreas

    Zitat von Die_Susanne


    Ich finde sehr wohl, dass ein CO sich von seinem Suchtmittel fernhalten kann.

    Grüße
    Susanne

    Das ist immer wieder ein interessantes Thema für mich. Ich bin mir da schon im Klaren, daß man Suchtmittel bei Co's und Alkoholiker nicht direkt vergleichen kann. Es gibt viele Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten. Die größte Gemeinsamkeit ist die, daß man sich komplett von seinem Suchtmittel trennt. Für Alkoholiker gibts keinen Alk mehr, für Co's keinen xy mehr. Klingt einfach, ist aber so.
    Bei Co's hab ich immer mal wieder das Gefühl, dieses Rumeiern, im Kreis drehen, doch wieder mal zwischendurch Kontakt zu haben und angeblich festgestellt zu haben, daß es doch Hoffnung gibt, sind nichts anderes als Trinkpausen beim Alkoholiker. Auch da gibt es Hoffnung, für beide Seiten. Der Co hat Hoffnung, daß der Alkoholiker es endgültig packt, der Alkoholiker hat sich lt. seiner Ansicht bewiesen, daß er gar kein Alkoholiker ist. Eine Sache, die alles nur in die Länge zieht und das Ganze erschwert...denn es ist eine trügerische Hoffnung, die zwangsläufig enttäuscht werden muß.

    Was ich gerne nochmal thematisieren würde, ist die Aussage, daß der Alkoholiker ja nur auf seine Flasche verzichten muß, während bei einem Co viel mehr dranhängt. Das mag auf den ersten Blick stimmen. Allerdings haben wir auch einige Fälle hier, in denen User trocken wurden und trotzdem die eigene Familie verloren haben. In solchen Fällen trocken zu bleiben, ist weit mehr, als nicht mehr an der Flasche zu nuckeln, denn man hat ja das Gefühl, seine Sucht in den Griff zu bekommen und muß trotzdem negative Konsequenzen hinnehmen.
    Ein weiterer, mMn. wichtiger Punkt:

    Co's können ihren xy aus ihrem Leben verbannen...Kontaktsperre, neue Handynummer, neue Wohnung, neues Leben. Ein Alkoholiker wird ein Leben lang immer wieder mit seinem Suchtmittel Kontakt haben, ob im Supermarkt oder in der Arbeit oder im Urlaub. Der Möglichkeit eines Rückfalls ist immer nur eine Straßenecke entfernt, wenn man nicht an sich selbst arbeitet und seine Sucht aufarbeitet. Es ist also weit mehr, als nur die Flasche abzugeben.

    Beide Gruppen haben ihre besonderen Merkmale, jeweils ihr eigenes Kreuz zu tragen. Es macht wenig Sinn, beurteilen zu wollen, welches Kreuz nun schwerer wiegt. Kreuz ist Kreuz. Und in beiden Fällen kann man das Kreuz nur ablegen, wenn man sein Suchtmittel komplett ablegt...

    LG Andreas

    Zitat von Nys

    Und ja - wenn jemand garnicht in Zusammenhang bringt, was das eigene Fehlverhalten (Lügen zB) mit der Empörung von anderen zu tun hat....
    Oder wenn einer immer sagt: Ist doch alles gut!?
    Wenn drum rum garnix gut ist! Dann fehlt irgendwo die Einsicht von Zusammenhängen zwischen dem eigenen Verhalten und der Reaktion der Umwelt.

    Mein XY sagte oft: Oh es läuft gut mit den Kindern,,,, etc.
    Oder : Es geht voran.........
    Wenn es überhaupt nicht gestimmt hat. Aber das war seine Wahrnehmung! In Details geh ich dazu nicht. Er hat nur nicht gesehen, wo er in Wirklichkeit stand - und wie sein Verhalten für alle Beteiligten rüber kam. Eine komplett nicht nachvollziehbare Selbstwahrnehmung und Einschätzung. Ob er deshalb Korsakow hatte - weiß ich nicht. Aber die Beschäftigung mit der Krankheit - hat mir gezeigt, wie ein ansonsten normal wirkender und funktionierender Mensch in seiner Selbstwahrnehmung und dem Erkennen von Zusammenhängen komplett anders ticken kann...... lange bevor man ihm ansieht, daß er trinkt. Oder ihn als Aloholiker einstufen kann.

    LG Nys

    Moin Nys,

    das hast Du gut zusammengetragen. So ist das wirklich. Ein Alkoholiker lebt letztendlich in einem Gewebe aus Lügen, Selbstbetrug, bewußter und z.T. auch unbewußter Verdrängung und einem ewigen Zwiespalt, sobald er merkt, daß er zuviel trinkt.
    Ich hatte viele Tage dabei, an denen mir bewußt war, daß ich zuviel trinke. Da gab es dann oft diese Teufelchen-Engelchen-Spielchen...ein Teil des Gehirns sagte "Stopp, jetzt kannst Du noch aufhören", der andere Teil sagte "Wozu aufhören ? Es geht Dir gut, wenn Du trinkst". Welcher der beiden Teile bei mir meistens gewonnen hat, kannst Du Dir sicher denken.
    Man macht sich selbst was vor und ist erstaunlicherweise der Ansicht, man könne das bei anderen auch so machen. Ich krieg immer wieder zu hören, daß ich steif und fest behauptet habe, daß ich heute mal nix getrunken hätte, obwohl man meine Fahne schon aus drei Meter Entfernung riechen konnte. Heute kann ich das kaum nachvollziehen. Ist ungefähr so, als würde Roberto Blanco behaupten, er wäre ein Albino...jeder kann das Gegenteil sehen, aber man bleibt bei seiner Behauptung.

    Zum Thema Lügen:

    Ich hatte keine Probleme damit, Menschen anzulügen, wenn es in mein Konzept gepasst hat, mir geholfen hat. Kein Wunder, schließlich hab ich mich ja selbst jeden Tag angelogen, da spielte es irgendwie keine große Rolle mehr...aus meiner damaligen Sicht.

    Man muß sich als Außenstehender immer wieder vor Augen führen, daß ein abstinenter Alkoholiker die Dinge, die er als Säufer gemacht hat, selbst nicht mehr nachvollziehen kann. Es kommt einem manchmal so vor, als hätte es einen bösen Klon von einem selbst gegeben, den man sich verwundert aus der Ferne betrachtet, mit Unverständnis und mit Ungläubigkeit.

    Zum anderen Thema (das in Deinem Thread recht deutlich angesprochen wurde):

    Du mußt keine Angst haben, daß ich jetzt jedes Mal hinter der Ecke stehe, wenn Du über Alkoholiker schreibst, nur um Dich zu berichtigen. Wenn Du willst, kann ich das gerne auch ganz bleiben lassen und mich komplett raushalten. Ich hab Dir in meinem Thread geschrieben, warum ich mich bei Sternchen eingemischt habe...einzig und alleine aus dem Grund, weil ich den Eindruck hatte, hier wird jemand per se als Alkoholiker abgestempelt, der dieses Prädikat gar nicht verdient. Nicht mehr und nicht weniger...

    LG Andreas

    Zitat von Amalthea


    Denn ich wuerde gerne noch was aus meinem Leben machen. Mein Traum waere, doch noch mein Abitur nachzuholen und vielleicht sogar zu studieren. Vielleicht 20 Jahre zu spaet, aber immer noch nicht komplett zu spaet. Ich habe das immer gewollt, aber meine Krankheit hat mich leider daran gehindert.

    Hallo,

    da kann ich Dich nur ermutigen...meine Frau hat auch ihr Abitur nachgemacht, nachdem die Kinder aus der Schule raus waren und anschließend ein Studium angefangen. Ich bin mir sicher, daß sie ihre wenigen Restsemester auch gar bewältigen wird.

    Also trau Dich :)

    LG Andreas

    Moin Sternchen,

    bin erstaunt, daß außer Correns und Nys so früh am Sonntag morgen tatsächlich schon User aus dem Bett gekrabbelt sind :)
    Ich denke, jetzt wird eher klar, um was es Dir eigentlich geht...nicht um seinen Alkoholkonsum an sich, der ja in den letzten Posts thematisiert wurde, sondern um das Gefühl, angelogen worden zu sein. Das ist natürlich absolut verständlich. Oft gehen Lügen und Alkoholmißbrauch Hand in Hand. Nun ist halt die Frage, ob es noch mehr Situationen gab. Die unterschiedlichen Konsumangaben könnten z.B. daher kommen, daß er eben nicht immer ein bestimmtes Quantum trinkt. Die Altersangaben könnten ein Versehen sein. Es ist mir auch schon passiert, daß ich meinen eigenen Geburtstag vergessen habe, weil für mich Geburtstage keine so große Bedeutung haben.

    Aber ich kann nachvollziehen, daß Du Dich dadurch vor den Kopf gestoßen fühlst. Vielleicht solltest Du ihm genau das auch sagen...daß Du Unehrlichkeit nicht ertragen kannst.

    LG und schönen Sonntag

    Andreas

    Hallo Sunshine,

    also ich hab dbzgl. noch nicht aufgegeben. Ich denke schon, daß eine Annäherung punktuell möglich ist.
    Ich kann mich noch sehr gut dran erinnern, was ich als Säufer alles so angestellt habe - klar, bin ja auch erst seit Dezember abstinent. Anfangs wollte ich gar nicht wahrhaben, daß ich Alkoholiker bin...dann hab ich das für mich angenommen, und - wie eine geschätzte Userin es bezeichnete - mir zu viel Asche aufs Haupt gestreut. Das seh ich inzwischen auch so. Ich habe viele Fehler gemacht, viel Porzelan zerschlagen, viel kaputtgemacht. Aber ich bin inzwischen ein verlässlicher Mensch geworden, ehrlich, gradaus, umgänglich, kritik- und diskursfähig. Allerdings werde ich auch abstinent nie der Mensch sein, den andere sich vielleicht wünschen...ich werde meine Ecken und Kanten behalten, werd sie nicht abschleifen, nur um das, was ich als Säufer angestellt habe, 1:1 wieder gutmachen zu können - das kann ich nicht. Trotzdem scheint man das ab und an von mir zu erwarten und auf diese Erwartungen reagiere ich fast mit kindlichem Trotz. Ich will mich nicht mehr auf das reduzieren lassen, was ich noch vor einem Jahr war. Menschen können sich ändern...ich seh das an mir täglich...aber Menschen können und wollen nicht immer die Erwartungen erfüllen, die andere an sie stellen.

    Ich fürchte, daß Co's oft auch von dem Ergebnis hinterher enttäuscht wären...es ist nicht immer nur der Alkohol, der einen Menschen verändert...manche Veränderungen, die den Partner vielleicht verängstigen, haben mit dem Alkohol überhaupt nix zu tun, sondern sind einfach der persönlichen Entwicklung des Einzelnen geschuldet.

    LG Andreas

    Zitat von schnuffig


    Zeig mir wer Du bist statt wir sind wir.

    LG

    Hallo schnuffig,

    gibt es denn nur genau diese Möglichkeiten ? Ich denk, ich weiß, was Du meinst. Nicht jeder will für den Partner ein vollkommen offenes Buch sein und will im Gegenzug nicht unbedingt alles über den Partner wissen.
    Aber es ist eben auch die Frage, wie man eine Partnerschaft definiert und was man von einer Partnerschaft erwartet.
    Man wird immer wieder Dinge an seinem Partner entdecken, die man nicht soo toll findet. Wie geht man damit um ?
    Zu viel Nähe kann auch erdrücken. Ich für meinen Teil brauche immer wieder mal Zeit für mich alleine, stoße damit aber auch oft auf Unverständnis. Das wird dann als Abkapselung vom Partner gesehen.

    Nun hab ich in den letzten zwei, drei Jahren ziemlich viel Mist gebaut, meine Frau beschissen, angelogen und auch noch gesoffen...alles in Kombination. Und da ist natürlich immer wieder auch die Angst meiner Frau da, daß ich mich bewußt abgrenze, sie außen vor lasse, sie nicht in mein Leben lasse. Aus meiner Sicht ist das nachvollziehbar, auch, daß da noch jede Menge Mißtrauen da ist. Schließlich hab ich ihr Vertrauen Stück für Stück demontiert, quasi mit dem Abbruchhammer bearbeitet. Da jetzt wieder ne schöne Skulptur draus zu machen, wird seine Zeit brauchen.
    Gleichzeitig kann ich nicht nur jeden Tag damit verbringen, an der Skulptur zu basteln. Ich selbst bin ja schließlich auch noch da und hab auch noch andere Interessen, die sich mit der meiner Frau nicht immer decken. Ich bekomm z.B. immer wieder zu hören, daß ich mich nicht für ihre Hobbys interessiere. Nun, das stimmt zum Teil. Aber ich habe ihr, nachdem ich mit dem Saufen aufgehört habe, versprochen, sie nicht mehr anzulügen. Jetzt zieh ich das konsequent durch und das bedingt z.B. auch, daß ich ihr klipp und klar sage, daß ich das oder das langweilig finde und lieber was Anderes machen möchte. Das wird mir dann aber oft wieder als Abgrenzung ausgelegt..."Du willst ja nur nichts mit mir unternehmen", so in der Art.
    Aber solche Aussagen funktionieren bei mir nicht mehr (haben sie auch nie wirklich) und das führt natürlich zu Reibungen...Reibungen, die eine eh schon belastete Beziehung manchmal nur sehr schwer aushalten kann. Bis jetzt funktioniert es, aber es ist genau dieses Gefühl, sich nicht mehr verbiegen zu wollen...zumindest nicht gegen den eigenen Willen.

    Ich denke, ich bin eher auch der Typ, der vielleicht gar nicht für eine so enge, feste Beziehung geschaffen ist. Deshalb interessiert mich genau dieses Thema "Abgrenzung". "Meins ist Meins" wird mir eben recht oft so ausgelegt als "Deins soll ja eh nicht Meins werden". "Du willst Dein Leben ja gar nicht wirklich mit mir teilen."

    Das verwirrt mich, weil ich nie so denke...ich will nicht "Ihrs" auf Teufel komm raus, ich will nicht alles. Ich habe eher Angst vor so viel "Uns". Ich frage mich allerdings, ob das dann so funktionieren kann.

    Ich weiß z.B., daß ich mich auch regelmäßig weggebeamt habe, um alleine sein zu können - besoffen hat sich niemand an mich rangetraut und das war mir, auch in meiner Saufzeit, bewußt.

    Das ist nur ein Teilaspekt, gehört aber für mich zur Prävention. Ich weiß, daß ich in solchen Stimmungslagen (Der Wunsch, alleine zu sein aber nicht alleine sein zu können) anfällig bin. Diese Stimmungslagen bedeuten für mich ein Risiko.

    Puh, das war mal wieder dezent vom eigentlichen Thema abgewichen, oder ? :)

    LG Andreas

    Hallo Forum,

    da dank ich erstmal recht herzlich für die vielen Antworten. Aus meiner Sicht sind da wirklich in jedem Post Aussagen drin, die es wert sind, genauer darüber nachzudenken. Den ganzen Input muß ich ehrlich gesagt erstmal verarbeiten. Ich würde gerne jedem, der hier gepostet hat, auch antworten...das wird aber vermutlich ne Weile dauern, also nicht sauer sein, wenn ich nicht gleich auf Alles eingehe.

    Vorausschicken will ich, daß ich von Co-Seite ehrlich gesagt einiges an Feuer erwartet habe...das ist ausgeblieben, obwohl ich meinen Post bei Sternchen ganz bewußt etwas provokativer gestaltet habe. Das bedeutet gleichzeitig, daß Ihr alle vermutlich etwas souveräner und gelassener reagieren könnt, als ich selbst es tue :)

    Alle Posts sind konstruktiv, helfen, die Sache zu beleuchten. Das find ich wirklich erstaunlich und sehr erfreulich. Es wäre schön, wenn der Ein oder Andere hier aus der Diskussion etwas mitnehmen könnte. Für mich ist das schon jetzt der Fall.

    Es scheint also doch sinnvoll, Co's und Alkoholiker unter einem Dach zu haben. Und genau betrachtet macht es ja auch wirklich Sinn, weil so jeder die Sichtweise der "Gegenpartei" mitbekommen kann. Und das hilft manchmal, Fragen zu beantworten, die man sich eigentlich so noch gar nicht gestellt hat.

    Ein schönes Restwochenende und schöne Zeit

    LG Andreas

    Hallo Sternchen,

    meine Meinung hab ich z.T. schon in meinem Thread dargelegt, weil ich hier Deinen Thread nicht mit den Ansichten eines abstinenten Alkoholiker zuposten will.
    Letztendlich ist das der Co-Bereich und die Ansichten eines Abstinenten können sich mitunter deutlich von denen eines Co's entscheiden. Vielleicht ist es einfach so, daß man als Abstinenter zwangsläufig eine andere Sichtweise hat.

    Aber nun zu Deiner eigentlichen Frage, die ich dann doch hier bei Dir beantworten will:

    Aus meiner Sicht gibt es noch keinen Grund, ihn definitiv als Alkoholiker einzustufen. Und eine freundschaftliche Beziehung zu ihm heißt doch nicht zwangsläufig, daß Du Dich um sein angebliches Alkoholproblem kümmern mußt.
    Wenn Du bisher sehr gut mit dem Menschen ausgekommen bist, warum sollte sich das ändern, nur weil er zwei, drei Bier am Tag konsumiert ?

    Für Dich selbst ändert sich doch dadurch nix, oder ? Anders wäre es, wenn er ganz offensichtlich durch den Alkoholkonsum ein anderer Mensch wird, seine Arbeit nicht mehr vernünftig erledigt, extreme Stimmungsschwankungen an den Tag legt.

    Ich will das jetzt nicht rosarot malen...es ist ja durchaus möglich, daß er trotzdem ein Alkoholproblem hat. Aber das würde sich weder dadurch lösen, daß Du ihm gegenüber als Co auftrittst noch indem Du ihn in Zukunft ignorierst, obwohl Du das vielleicht gar nicht wirklich willst.

    LG Andreas

    Hey Nys,

    für mich hat es so ausgesehen. Welche Gründe gab es denn dann, Korsakow ins Spiel zu bringen ? Letztendlich wurde im Thread ja nur davon gesprochen, daß der Arbeitskollege offenbar gerne mal seine Arbeit von der Kollegin erledigen läßt...ein Verhalten, daß zwar zu verurteilen ist, aber noch lange nicht auf eine Alkoholerkrankung hindeutet...ebensowenig wie die Aussage, er würde zwei, drei Bier am Tag trinken. Würde man alkoholkrank so definieren, könnte sich für meine Ortschaft eine eigene Blau-Kreuz-Gruppe lohnen :)
    Zunächst einmal würde ich in dem Fall beide Fälle trennen wollen. Der eine Mitarbeiter ist ganz offensichtlich schwer abhängig und es ist tatsächlich ein Armutszeugnis für die Firma, daß der gute Mann weiter so dahinsaufen darf und sich nichts an der Situation ändert.
    Genaugenommen müßte ihn der Betrieb abmahnen und gleichzeitig eine LZT anordnen in Verbindung mit einer vorübergehenden Arbeitsplatzgarantie. Zumindest würde ich das so handhaben. Allerdings, und da kommt jetzt die böse Realität ins Spiel, ist es tatsächlich schwer für eine Firma, dies so zu handhaben, wenn gleich mehrere Mitarbeiter davon betroffen sind.
    Der direkte Mitarbeiter wird im Thread schon als Alkoholiker dargestellt, obwohl es dafür mMn. nicht genügend Indizien gibt. Eine unterschiedliche Altersangabe ist mir hierfür zu wenig, auch eine ungenaue Angabe der Trinkmenge.
    Und eine Situation mit so wenig Infos zu bewerten finde ich schwierig.

    Um Deine Frage zu beantworten:

    Nein, ich würde nicht zum Betriebsrat gehen...ich würde meinen Kollegen auf den Konsum ansprechen, ihm klarmachen, daß ich als sein Kollege ein alkoholbedingtes Abfallen seinerArbeitsleistung nicht tolerieren würde und ihm mitteilen, daß ich mir als Möglichkeit das Gespräch mit dem Vorgesetzten vorbehalte. Danach würde ich die Situation erstmal beobachten.
    Schon gar nicht würde ich den Arbeitsplatz wechseln...warum auch ? In anderen Firmen können doch genau diesselben Probleme wieder auftauchen. Da bringt Weglaufen wenig.

    Ich wünsche mir einen offenen, direkten Umgang mit Alkoholikern. Aber ich wünsche mir auch eine gewisse Vorsicht, bevor ich Alkoholiker wirklich als Alkoholiker klassifiziere.

    Ich selbst hab ziemlich lange gebraucht, bis mir klar wurde, daß ich Alkoholiker bin. Eigentlich erst hier im Forum.

    Bei den Co's hab ich manchmal den Eindruck, daß einige nicht loslassen können, ohne nochmal nachzutreten. Es wird zwar immer geschrieben, daß man nun endlich keinen Kontakt mehr hätte, wenig später wird dann doch wieder telefoniert und wieder wenig später ist der Alkoholiker dann wieder der Drecksack. Wieso wird ihm dann eigentlich hinterhergeweint, anstatt froh zu sein, ihn los zu sein ?

    Naja, klingt etwas unstrukturiert, werde versuchen, daß dann nochmal etwas deutlicher zu erklären...

    LG Andreas

    Moin schnuffig,

    das ist natürlich ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man sich positiv einbringen kann, ohne wirklich die Absicht zu haben, sich einzubringen. Nun, in dem Fall ist das eine Win-Win-Situation.
    Ich weiß ja auch, daß Abgrenzung wichtig ist..."Nein"-Sagen ist ja immer noch so ein latentes Problem bei mir. Es gelingt mir inzwischen häufiger, "Nein" zu sagen bzw. meine "Ja"'s entsprechend zu gewichten und zwar danach, inwiefern ich das gerne mache oder nur aus falschem Pflichtgefühl heraus handle.
    Ich mach z.B. nicht mehr viel für Vereine, weil ich gemerkt habe, daß grad dort eine Geber-Nehmer-Mentalität vorherrscht. Die Einen geben, die Anderen nehmen. Sowas macht auf Dauer krank und z.T. auch agressiv, weil man die Mechanismen irgendwann durchschaut und sich ausgenutzt fühlt.
    Für einzelne Personen dagegen, die mir am Herzen liegen und die ich mag, kann ich nur ganz selten "Nein" sagen.

    Aber ich hatte das Thema "Abgrenzung" auch im Bereich Beziehungen hinterfragt...ist ständige Abgrenzung nicht ein Beziehungskiller ? Oder, noch etwas provozierender gefragt:
    Ist eine intensive Beziehung zu einem Menschen, der sich permanent abgrenzt, überhaupt machbar ?

    LG Andreas

    Moin Nys,

    ich antworte Dir mal in meinen Thread, könnt mir vorstellen, daß es sonst dort drüben etwas heftig wird.

    Stimmt schon, die Korsakow-Sache hat mich gestört...mMn. hast Du die Sache mit den unterschiedlichen Altersangaben damit verknüpft...warum sonst hättest Du Korsakow erwähnen sollen ?

    Aber grundsätzlich war mein Post nicht auf Dich bezogen, sondern bewußt allgemein gehalten. Ich lese dort schon von Anfang an mit und hab vorhin noch überlegt, ob ich überhaupt was schreiben sollte...ich find es allerdings auch im Nachhinein noch richtig, stehe also zu der geäußerten Kritik.

    Im Co-Bereich findet manchmal ein seltsamer Umgang mit dem Thema Alkohol statt...ich kann es nicht anders beschreiben. Die Sensibilität, die so mancher Co einfordert, wird dem Alkoholiker verwehrt. Der Alkoholiker taugt dort nicht selten zum Feindbild und mich beschleicht nicht selten das Gefühl, daß man, indem man den Alkoholiker für die ganze Misere verantwortlich macht, von eigenen Problemen ablenkt.

    Letztendlich könnte ich jetzt sagen: Okay, was gehts mich an...ist ja nicht meins. So bin ich allerdings nicht gestrickt und daran ändert auch meine Abstinenz nichts.

    Ich finde es irgendwie merkwürdig, daß viele von einer Krankheit "Alkoholismus" sprechen, aber in der Konsequenz der Umsetzung des Begriffes "Krankheit" dann doch einiges vermissen lassen...

    Ich weiß nicht, ob das verständlich rüberkommt...ich kann es nur hoffen.

    Authentisch sein heißt auch, manchmal Dinge anzusprechen, die nicht so gut ankommen. Nicht mehr und nicht weniger habe ich getan, nämlich das zu schreiben, was mich bewegt.

    Daß ich für meine Zeilen selbst einiges an Kritik werde einstecken müssen, war mir beim Schreiben schon bewußt. Das gehört dazu.

    Du kannst mir glauben, wenn ich Dir sage, daß es nicht böse gemeint war...aber ich kann eben nicht immer nur fröhlich und lustig...

    LG Andreas

    Moin Forum,

    ich bin grad etwas am Grübeln. Immer wieder lese ich hier: Meins bleibt meins, ich schaue jetzt mal nur auf mich, kümmer mich mal nur um meine Bedürfnisse, wenn andere sich daran stören, ist das deren Problem. Daran ist generell nix auszusetzen...aber kann so eine vernünftige, in die Tiefe gehende Beziehung überhaupt entstehen und funktionieren ? Sind Abgrenzung und Innigkeit nicht per se zwei Dinge, die sich grundsätzlich widersprechen ?

    Abgrenzung als Selbstschutz ist ja nachvollziehbar. Aber manchmal habe ich den Eindruck, daß dabei ein gesundes Maß an Egoismus überschritten wird.

    Oder anders gefragt:

    Was bleibt, wenn jeder für sich die Entscheidung trifft, sich abzugrenzen ? Befeuern wir dadurch nicht eher eine egoistische Gesellschaft, in der eh schon kaum noch Wert auf andere gelegt wird ? Sind das z.T. nicht auch Ellenbogenmechanismen, wie wir sie in der Gesellschaft schon viel zu oft sehen müssen ?

    Wünsche allen hier ein schönes WE und eine gute Zeit

    LG Andreas

    Guten Morgen,

    ich bin ehrlich gesagt erstaunt, wie schnell ein Mensch (vermutlich Alkoholiker, genaues weiß man ja nicht, oder ?) hier mal aufgrund weniger Angaben abgebügelt wird. Auch die erteilten Ratschläge entbehren für mich zumindest nicht eines gewissen Zynismus.

    Alkoholismus wird von den meisten Usern hier als Krankheit gesehen und anerkannt. Würde man mit jemanden, der eine anerkannte, chronische Krankheit hat, ebenso umspringen ? Ihn ausgrenzen, ihn meiden, sich beim Betriebsrat wegen ihm vorstellig machen ?
    Aus der Ferne Korsakow diagnostizieren, nur weil er sein Alter einmal mit 51 und einmal mit 54 angibt ?

    Alkoholismus ist in unserer Gesellschaft tief verwurzelt, zudem die Dunkelziffer entsprechend hoch. Der Ratschlag, sich eine andere Arbeitsstelle zu suchen, um somit dem Thema Alkohol aus dem Weg zu
    gehen, halte ich für etwas blauäugig.

    Ganz allgemein bin ich ehrlich gesagt etwas schockiert, daß gerade in einem Forum, in dem auch Alkoholiker schreiben, so unsensibel und oberflächlich mit der Thematik umgegangen wird. Und sowas passiert mir wirklich selten.

    Aber der Alkoholiker an sich scheint sich tatsächlich gut als allgemeiner Sündenbock zu eignen.

    Gruß Andreas

    Hallo Volkmar,

    es gibt nix Schöneres als das die Hormone verrückt spielen. Das zeigt uns doch, daß wir am Leben sind.

    Ich find es gut, wie Ihr Beide das Thema Alkohol klar ansprecht und letztendlich ist es vielleicht sogar von Vorteil, daß Deine Freundin Erfahrung mit Alkoholikern hat.
    Alkohol könnte Dein neues Glück doch nur wieder zerstören...ein weiterer Grund, nix mehr zu saufen.

    Wünsch Dir ne schöne Zeit

    LG Andreas

    Schönen Abend allerseits,

    also ich kann das schon nachvollziehen, daß hellge inzwischen einen gewissen Zynismus an den Tag legt.

    Ich finde, es wurde sich jetzt wirklich genug mit der Thematik beschäftigt und ein nicht geringer Teil ist ja der Meinung, daß jeder User sich authentisch äußern sollte.

    @hellge:

    Übertreib es nicht zu sehr. Manche Wände sind dicker als Dein Schädel.

    LG Andreas