Zitat von Calida78Alles anzeigenEntschudlige Sunshine,
wollte Dich nicht falsch zitieren.
Es prasselte so viel auf mich ein. Und ich habe bei den Nachrichten von Dir und Karsten so einen Grundtenor gespürt, dass ich manches falsch mache, alles auf einmal.....
Ich denke eben, dass es für niemanden einen Tipp gibt, den er 1:1 umsetzen kann. Sondern dass jeder individuell gucken muss, was er braucht und was ihm hilft!
Und ja - es ist tatsächlich so. Meine Nervosität, die ich vor dme Besuch hatte, war kaum auszuhalten, so dass ich echt Bedenken habe, dass ich anfangen könnte zu saufen. Deshalb will ich auch unbedingt rauskriegen, was in meinem Leben passiert ist.
Viele Grüße
Calida
Hallo Calida,
fast jeder, der hier frisch ankommt, macht den ein oder anderen gedanklichen Fehler. Ich war da auch nicht anders. Insofern wäre es auch gar nicht schlimm. Wir haben uns hier ja auch nicht angemeldet, weil wir alles perfekt gemacht haben ![]()
Vielleicht ganz kurz zu den Hintergründen:
Fast jeder, der hier frisch ankommt, steht noch in gewisser Weise unter Alkoholeinfluß, auch wenn er nicht mehr trinkt. Weder Körper noch Geist haben sich an die neue Situation gewöhnt, während die Einen mit Saufdruck zu kämpfen haben, nicht aus dem Haus wollen, müssen andere auf die Euphoriebremse drücken...bei denen ist dann urplötzlich alles super...:-)
Insofern hast Du schon recht...wir Alkoholiker sind nicht alle gleich...jeder hat eine andere Herangehensweise, bevorzugt einen anderen Weg.
Gleichzeitig solltest Du vielleicht wissen, daß hier eine durchaus geteilte Meinung in Bezug auf Therapien herrscht. Manche finden, es wird zu viel therapiert, manche finden, es sollte manchmal früher therapiert werden.
Genau aus dem Grund wirst Du hier auch ganz unterschiedlichen Antworten zu dem Thema finden.
Ganz allgemein will ich Dir nochmal sagen, daß Ihr Euch (gilt auch für Max) nicht gleich eingeschüchtert fühlen solltet, wenn hier mal ein etwas rauherer Ton herrscht. Keiner meint es böse, auch wenn es manchmal durchaus so rüberkommt.
Es ist halt so, daß manche User hier über Jahre, teilweise Jahrzehnte immer wieder diesselben Sprüche hören von neuen Usern, die ständig auf ihre Individualität hinweisen und dabei vergessen, was wirklich wichtig ist. Diese User sind dann relativ schnell wieder verschwunden und, so vermute ich zumindest, wieder am Saufen.
Ein individueller Weg ist es immer, weil wir alle unterschiedliche Voraussetzungen haben, unterschiedliche Hintergründe, unterschiedliche Geschwindigkeiten. Manche raffen es relativ schnell, manche brauchen vier, fünf Anläufe und packen es dann, wie z.B. Frank, dann wider Erwarten besonders eindrucksvoll.
Mein Rat an Dich, wenn Du ihn hören willst:
Mute Dir am Anfang nicht zu viel zu. Ich lese hier z.B. oft, daß User das Saufen und das Rauchen gleichzeitig aufhören...mir persönlich wäre das zuviel gewesen auf einmal, da bin ich mir sicher. Es ist schon schwer genug, die Trockenheit zu betonieren.
Mit einer Therapie sehe ich das ganz ähnlich. Eine Therapie, so denk ich mir das jedenfalls, rührt ja in Wunden, die Dir jetzt noch gar nicht bewußt sind...wühlen Dich auf, beschäftigen Dich...da werden Tage dabei sein, in denen es Dir noch beschissener geht als jetzt schon.
Es besteht aus meiner Sicht durchaus das Risiko, daß dieses Aufwühlen durch eine Therapie das Risiko für einen Rückfall steigert. Was, wenn Du von der Therapeutin nach Hause fährst, geknickt, verzweifelt und an einer Tankstelle vorbeikommst ? Meinst Du nicht, daß das Risiko, dort schnell mal reinzuspitzen, größer wird ?
Die Entscheidung triffst Du ganz alleine, aber es kann nie schaden, die Medaille von verschiedenen Seiten zu beleuchten.
Schönen Gruß und schöne Zeit
Andreas
P.S.:
Eine Sache noch:
Ich bin genetisch vermutlich ebenfalls vorbelastet...meine Oma hat gesoffen, meine zwei Onkels haben gesoffen, einer ist mit 30 am Alkohol jämmerlich eingegangen. Ausgerechnet mein Vater und meine Mutter haben sich dagegen in punkto Alkohol immer sehr zurückgehalten...
Wenn ich jemanden überhaupt keinen Vorwurf machen kann, daß ich zum Alkoholiker geworden bin, dann meinen Eltern. Mein Onkel ist gestorben, als ich 14 war...ich habe es live miterlebt und meine Eltern haben keinen Hehl draus gemacht, woran mein Onkel gestorben ist...und trotzdem bin ich selbst in diesen Sumpf geraten...sehenden Auges und mit der masslosen Arroganz, ich wäre intelligent genug, nicht so zu enden.