Für Aurora und alle die sich beteiligen wollen:
Meine These zur Krankheit CoAbhängigkeit
Wie Aurora schon richtig anmerkt, gehört Co-Verhalten in gesundem Maße auch zum natürlichen Verhalten von Mensch und Tier. Schutz der schwächeren und pflegebedürftigen Mitglieder. Insbesondere der noch unselbständigen Kinder. Beim Oktopuss-Weibchen sogar grds. der Verlust des eigenen Lebens beim Aufzucht der Brut. Beim Menschen sind Alte und Kranke mit eingeschlossen - sicher nicht nur als Ausdruck der Kultur, sondern ursprünglich auch zum Erhalt der erwobenen Erfahrung, des (für das Überleben notwendige) Wissens.
Krank wird es dann, wenn der Pfleger / Beschützer seine Aufgabe darin sieht, dem Schwachen auch dann zu helfen, wenn dieser die Hilfe gar nicht mehr nötig hat: sprich gesund und erwachsen ist. (Was viele Kinder heut garnicht mehr werden dürfen) Oder wenn die Hilfe noch angeboten wird, wenn sie gar nicht mehr gefragt ist oder nur "benutzt" wird um nicht selbständig und eigenverantwortlich handeln zu müssen. Wenn die Unterstützung nur dem Eigennutz und nicht der zunehmenden Eigenverantwortlichkeit dient.
Vorab zwei Buchtitel die hier als Leitfaden dienten:
"Ich lasse Deins bei Dir" und wie von Roswitha schon erwähnt:
"Wenn Frauen zu sehr lieben - die heimliche Sucht gebraucht zu werden"
Jeder CoAbhängige ist ein Individuum mit eigener Historie und erworbenen so wie vererbten Eigenschaften. Die Ausprägung und die
von der eigenen Persönlichkeit beeinflußten Verhaltensweisen sind daher
z. T. sehr unterschiedlich.
Gemeinsamkeiten :
Meist haben Menschen die sich Co verhalten eine traumatisch instabile Kindheit erlebt in der sie folgende Erfahrungen gemacht haben:
a) ich kann mich nur auf mich selbst verlassen, alles andere ist unberechenbar
b) ich erfahre keinen Schutz (werde nicht angenommen) wenn ich schwach bin und selbst Hilfe benötige
c) ich werde beschuldigt, wenn ich nicht funktioniere - werde für die
darauf folgende Instabilität verantwortlich gemacht.
d) ich liebe obwohl ich mich distanzieren sollte. (z.B. die Eltern)
ich ertrage unerträgliches, weil ich nicht weg kann.
ich muß unentschuldbares entschuldigen, weil sonst kein Zusammenleben mehr möglich ist - kein Friede einkehrt.
e) andere Familienmitglieder erkennen die Not nicht oder verdrängen sie
schützen den, der die Not verursacht.
Folgen für das Erwachsenen-Leben und Partnerschaft:
Wer wie oben beschrieben traumatisiert ist, hat es gelernt nach außen stark und belastbar aufzutreten, obwohl tief im Inneren eine Unsicherheit
und ein mangelndes Selbstwertgefühl besteht. Eine tiefe Sehnsucht nach
Angenommen sein, läßt den "an seiner Seele Kranken" zu Höchstleistungen auflaufen, um die Anerkennung anderer zu gewinnen.
Dieses Auftreten zieht Menschen die nicht 100% auf eigenen Beinen stehen, oder eine andere Unsicherheit in sich tragen (z.B. durch Drogen-Alkoholabhängigkeit verursacht) an.
Oft ist die Unselbständigkeit oder die Neigung zu einer Sucht noch gar nicht offensichtlich oder zum Tragen gekommen.
Der Co spürt aber beinahe instinktiv, daß dieser Partner ihn nicht nur liebt, sondern sich auch an ihn wendet, sich abhängig macht. Dies wird zunächst
als Zuneigung empfunden und was für den Co so wichtig ist:
Es vermittelt ihm das Gefühl, gebraucht zu werden und damit den weiteren Verlauf kontrollieren bzw. beeinflussen zu können. Sein Selbstwertgefühl hängt stark an dem Gelingen des gemeinsamen Projekts. Bei Erfolg befördert ihn das in ein "süchtig machendes" Glücksgefühl. Bei Niederlage gibt sich der Co aus der Erfahrung, für alles verantwortlich gemacht zu werden, selbst die Schuld.
O.g. Verhalten kommt dem unselbständigen Partner des Co entgegen.
Lt. psychologischen Erkenntnissen ist es so, daß Suchtkranke mehr und mehr verlernen eigene Entscheidungen zu treffen - dafür aber eine beinahe übermenschliche Fähigkeit erwerben andere zu manipulieren.
Folge: der "Tick" des Co wird geschickt für das Ausleben und die Rechtfertigung des Drogen bzw- Alkoholmißbrauchs und des Süchtigen
benutzt.
Der Co nimmt dem Suchtkranken die Verantwortung aus den Händen um seine vermeintliche sichere Harmonie zu bewahren. Der Suchtkranke empfindet dies einerseits angenehm, fühlt sich aber gleichzeitig erniedrigt.
Er lehnt sich auf, kommt zur Erkenntnis, daß er alleine nicht klar kommt und holt sich deshalb seinen Co wieder zurück.
Der Co erlebt dieses Zurückholen als Liebes-Beweis und als Sicherheit: Er wird ja gebraucht, also wird er auch die Lage wieder unter Kontrolle bringen.
Erlebtes Unrecht, Gemeinheiten, Lügen, Gewalt etc. wurden bereits in der Kindheit als unvermeidbaren Lebensinhalt wahrgenommen und es ist dem Co auch nicht beigebracht worden, wie man sich davor schützt. Der Selbstschutz setzt nur kurz ein, danach die Sucht nach dem vom Co abhängigen Partner und danach die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen.
Mein Eindruck bei mir selbst ist, daß ich versucht habe der erlebten Kindheit im Erwachsenenleben ein Happy-End zukommen zu lassen.
Mein XY erschien mir stark und selbstbestimmt. Ein Hafen zum Ankommen. Als ich bemerkte, daß er bei mir nach Hilfe sucht hat mich das zunächst beflügelt. Er würde sich gegen seine Frau entscheiden, die ihm nur weh tat. Er würde mit mir glücklich werden. Im Übertragenen Sinn:
Mein Vater würde sich und mich vor meiner Mutter retten.
Das Problem daran: Ein wirklich Starker verursacht im Co nicht das Gefühl die Kontrolle zu haben. Folglich wird sich ein Co bei einem Starken nicht sicher fühlen. Er hat ja gelernt, daß nur auf ihn selbst Verlaß ist und alles andere unberechenbar.
Der Teufelskreis schließt sich. Es werden 1 + 2 immer 3 geben nicht 4.
Die Krankheit Co führt den Betroffenen in die Irre. Der Partner des Co entwickelt bald so was wie einen 7ten Sinn um seine Macht über den Co auszuüben in dem er dem Co die Sicherheit oder Geborgenheit vorspielt, nach der sich der Co so sehnt. Der Partner des Co kann dies aber nicht geben und steht somit immer wieder als Versager oder Lügner da. Er haßt sich selbst und den Co dafür.
Die Ergebnisse dieses Hin und Hers lesen wir hier von allen Beteiligten.
Keinem will ich absprechen, dabei auch geliebt zu haben.
Mir selbst attestiere ich, daß mein Verhalten krankhaft war. Weil der gesunde Selbstschutz in einem Menschen mit gesundem Selbstwertgefühl viel früher gegriffen hätte und spätestens nach der Trennung möglich gewesen wäre, auch die Verantwortung für meinen XY abzugeben.
Auf ein gesundes Neues Jahr!
LG Nys