heute vor 20 jahren als es mir so richtig mies ging, als alle rings rum mit dem finger auf mich gezeigt haben und sich das maul zerrissen hat meine nachbarin mich in ihr auto gepackt und mich erst zum arzt, dann zur suchtberatung und im anschluß zur entgiftung ins krankenhaus gefahren. die ersten tage liegen noch schwer im nebel, die medis zur entgiftung, die krausen gedanken, das selbstmitleid, die vorwürfe von meinem mann und der schwiegermutter. mein mann hatte am 21. seinen 50igsten geburtstag und ich hab ihm das versaut, weil ich endlich mein leben zurück wollte. so kann man es auch sehen. mein mann hat sich tot gesoffen, soviel zu ich habs ihm versaut. wenn ich so zurück denke, was hatte ich für kämpfe, mein mann wollte mich so brav im suff behalten, abhängig vom alk und ihm. ich habe den kampf aufgenommen, und das leben war manchmal richtig abgrundtief mies. aber ich wollte nicht mehr trinken, damals nicht und heute erst recht nicht. ich habe mich vom duckmäuser zur selbstständigen geschäftsfrau entwickelt, hab meine höhen und tiefen, hab geheult und gelacht. das ich all das erlebe hab ich letztendlich marianne zu verdanken, sie war da als nichts mehr ging. meine kinder haben an mich geglaubt und standen mir zur seite, als ich meinen mann dann verlassen habe kam mein neuer mann, bis heute an meiner seite und meine stütze, er gibt mir kraft und halt wenn ich mal wieder nur heulen könnte, er bremst wenn ich mir geschäftlich zu viel auflade, und er schiebt mich wenn ich mein licht mal wieder untern scheffel stellen will. das leben ist kein ponyhof, aber nüchtern kriegt man es in griff. an alle da draußen die jetzt denken, oh mein gott, 20 jahre, das schaff ich nie. genau das hab ich auch gedacht, unser co therapeut war 18 jahre trocken als ich anfing. ich hab heute 20 voll. das ganze geheimniss zum trocken werden heißt "ich will".
doro