Hallo Jessica,
eines kann ich schonmal vorweg nehmen, ich hätte auf die Art, wie Du es versuchst, mit aller Wahrscheinlichkeit nicht trocken bleiben können.
Nur nicht mehr trinken reicht nämlich keinesfalls... aber das weiß und merkt man noch nicht nach ein paar Tagen oder Wochen Abstinenz... 
Ich möchte mir mal ein paar Sätze herauspicken aus Deinen Thread hier, habe allerdings eine andere Sichtweise auf die Dinge.
Liegt aber sicher auch an meiner persönlichen Vorgeschichte bezüglich unserer Krankheit.
Zitat
Ich kann von meinem Mann nicht verlangen, nichts mehr zu trinken, nur weil ich nicht mehr will!!!
Das wäre ja mal mega egoistisch!
Aha. Ich dagegen finde es "mega egoistisch", wenn jemand neben mir weiter trinkt mit dem Wissen, das ich trockene Alkoholikerin bin.
Da käme ich mir als Mensch und auch mit meiner Krankheit missachtet vor und das würde ich sicher nicht so mitmachen wollen.
Und selbst wenn ich aus anderen Gründen den Entschluss gefasst hätte, nicht mehr trinken zu wollen, würde ich mir eine Art Solidarität wünschen von Freunden und erst recht von meinem Mann.
Dazu kommt, das niemand ein Problem hat, ein paar Stunden (oder auch Tage oder Wochen) ohne Alkohol auszukommen, wenn er kein Alkoholproblem hat.
Kann er das nicht, hat er wahrscheinlich selbst ein Alkoholproblem, so einfach ist das. 
Zitat
Ich hab die grösste Mühe damit, zu dem zu stehen, was ich denke, fühle und möchte.
Oft weiss ich nicht mal, was ich will, sondern schaue, was andere wollen.
Meine Gefühle waren schon immer "falsch".
Und ich wurde zu oft als dumm betitelt.
Ich denke, hier liegt eher der Hase im Pfeffer... alles andere beruht darauf. 
Dann ist das eine zusätzliche Baustelle, dir Du angehen solltest.
Denn ein trockenes Leben wird einen nicht in den Schoß fallen, und mitunter muss man auch beharrlich seinen eigenen Weg gehen.
Und sich vor allem nicht bequatschen lassen a la "ach komm, eins kannst doch mal mittrinken, sei mal keine Spaßbremse" und weitere Laberei dieser Art.
Im übrigen sind Deine Gefühle nicht falsch, Gefühle sind nun mal Gefühle und weder falsch noch richtig, es sind Deine eigenen Gefühle aufgrund Deiner eigenen Wahrnehmung, und darin darfst Du völlig frei sein.
Es hat niemand das Recht, einem anderen deren Gefühle abzusprechen... so weit kommts ja gerade noch, was? 


Zitat
Ich müsste schon irgendwann mal mit meinem Mann reden. Schon weil es mich echt inzwischen fast ekelt, wenn er dann Wein trinkt und ich nicht...
Oh, das wird noch "besser"
, allein der Geruch kann unerträglich werden, wenn jemand Alk trinkt oder ausdünstet. Ich kann das nicht ertragen und bin auch nicht bereit dazu.
Dazu kommt, das es sehr schwer werden wird, neben einen alkoholtrinkenden Partner auf Dauer trocken zu bleiben.
Zitat
Aber es war bisher immer so, dass ich das dann gesagt hatte, wenn ich nichts mehr trinken will, und 2-3 Tage später war der Vorsatz dann dahin.
Darum sage ich diesmal nichts
Ja, das verstehe ich gut.
Ich habe auch oftmals versprochen, nichts mehr zu trinken, weniger zu trinken und bliblablubb und konnte es nicht halten.
Ich kam mir dann jedes Mal wie eine Versagerin vor, und das machte auch was mit mir.
Ich habe damals aber auch noch nicht begriffen gehabt, das ich Alkoholikerin bin und somit eine KRANKHEIT habe.
Mir war es auch nicht klar, das ich kaum eine Chance habe, es allein zu schaffen, trocken zu werden.
Und so war es dann auch, ich brauchte Hilfe von mehreren Seiten, um ein trockenes Leben beginnen zu können.
Zitat
Lia schrieb Dir:
Meiner trinkt ja abends auch mal was, wenig allerdings, aber das stört mich Gott sei dank nicht, es würde mir schwer fallen von ihm zu verlangen das zu unterlassen, kann ja echt nix für meine Krankheit. Würde ja auch nicht auf Kuchen verzichten, wenn er Diabetes hätte.
Nein, natürlich kann der Partner nichts für die Krankheit beim anderen.
Aber er sollte doch seinen Partner auch nicht gefährden, oder?
Es geht hier nämlich nicht um eine leichte Sommergrippe, die vorüber geht, Alkoholismus ist ein TÖDLICH verlaufende Krankheit, wenn man sie nicht stoppen kann.
Der Partner ist auch nicht verantwortlich für das trockene Leben des anderen, dafür ist der ganz allein zuständig.
Aber darf man nicht Unterstützung erwarten von einem der normalerweise liebsten Menschen in seinem Leben?
Darf man nicht erwarten, das der Partner Rücksicht auf einen nimmt?
Dann fände ich das eine unendlich traurige Beziehung, die ich sicher so nicht haben wollte.
Und ganz ehrlich, ich würde ganz sicher darauf verzichten, wenn meine Freundin oder ein Partner Diabetes hätte, in dessen Gegenwart ein fettes Stück Torte zu essen.
Das käme für mich überhaupt nicht in Frage, ich käme nicht mal auf die Idee, wenn ich das wüsste.
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Eben, ich verzichte auch auf nichts. Nicht auf Fleisch trotz Vegetarier in der Familie, nicht auf Milch trotz Lactoseintoleranz in der Familie, warum sollten die dann wegen mir auf Alkohol verzichten?
Aber ich zwinge sie nicht, das zu essen, und koche auch extra für sie was
Ich halte das anders, ein lieber Mensch in meiner Familie ist beispielsweise auch Vegetarierin und wenn sie zu Besuch ist, gibt es hier immer auch vegetarische Gerichte, ich empfinde das keineswegs als Einschränkung, sondern ganz im Gegenteil, es macht mir Spaß, auch Neues auszuprobieren.
Auch gibt es Laktoseintoleranz in meiner Familie, auch da biete ich dann Laktosefreies an, das macht mir gar nix aus.
Ich möchte damit auch meine Wertschätzung für die andere Person ausdrücken, und das ich ihr Leben und ihre Entscheidungen und auch Erkrankungen so akzeptiere, wie sie sind.
Da breche ich mir keinen Zacken ausser Krone. 
Ich möchte hier auch noch anreissen, warum ich wahrscheinlich vieles anders sehe als Du, liebe Jessica und auch Lia.
Möglichst in Kürze
:
Ich hing tief in der Sucht, aber es wußte kaum jemand wirklich, wie schlimm das war, denn ich hielt das möglichst geheim, soff auch fast nur zu Hause, wie das viele abhängig trinkenden Frauen tun.
Und ging bis zum Schluss meinen Job nach, erledigte den Haushalt samt Garten etc.pp und versuchte auch bis zum Schluss, eine gute Mutter zu sein.
Bis mein Körper nicht mehr mitmachte, ich landete auf der Intensiv, im Mai vor fast 19 Jahren.
Und ich bekam dort endlich professionelle Hilfe, die ich so dringend brauchte.
Meine Angehörigen wurden auch über meinen Zustand informiert, der anfangs sehr schlecht war, ich hatte nur mit Ach und Krach die Entgiftung überlebt.
Und vor allem sahen sie ja auch, wie es mir ging. Keiner von denen wollte mich noch einmal so da liegen sehen.
Sie unterstützten mich in allem, was folgte. Also auf meinen fortan trockenen Weg.
Mein Mann hat also mit eigenen Augen gesehen, was die Krankheit anrichten kann und er wäre nie auf die Idee gekommen, mich diesbezüglich im Weiteren zu gefährden.
Er trank die folgenden Jahre NIE in meiner Gegenwart, weil ich ihn darum bat.
Früher hatten wir auch öfters zusammen gesoffen, er konsumierte also durchaus auch Alk.
Aber er konnte es einfach so sein lassen, weil er im Gegensatz zu mir halt nicht abhängig soff.
Und wenn er doch mal ein Bier trinken wollte, tat er das außerhäusig oder in seinem Hobbykeller, entsorgte dann aber auch sofort das Leergut, damit ich damit erst gar nicht irgendwie in Kontakt komme.
Vor ein paar Jahren hat er dann völlig aufgehört, Alk zu konsumieren, es wollte es einfach gar nicht mehr und das wars dann für ihn auch.
Alkohol spielt in unserem Leben also gar keine Rolle mehr und wir sind außerordentlich glücklich und zufrieden damit.
Was aber sicher nicht heißt, das nun immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. 


Ich finde es also keineswegs zu viel verlangt, wenn man von seinem Partner Rücksicht und Unterstützung erwartet, ich finde das völlig normal in einer guten Beziehung und keineswegs egoistisch.
LG Sunshine