ZitatIrgendwie habe ich aber auch ein schlechtes Gewissen, mich gerade jetzt von ihm zu trennen, wo er doch versucht aufzuhören seit fast einer Woche. Meint ihr, es ist nur "Taktik", um seine Co nicht zu verlieren?
Würde er es ernsthaft versuchen, hätte er sich doch professionelle Hilfe gesucht oder?
Ich will nicht wieder darauf reinfallen, er hat schon sooo oft versprochen aufzuhören
Das ist schwer zu beurteilen, SasiHasi.
Man kann ja nicht in andere Menschen hineinsehen, das können wir auch nicht.
Ich kann nur mal von mir erzählen, wie das war:
Wenn es Ärger mit dem Partner gab wegen der Sauferei, dann habe ich schon versucht, damit aufzuhören.
Und das dann auch wirklich so gemeint.
Mir war zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht klar, das ich das nicht allein schaffen werde.
Und ich habe es auch nicht geschafft, weil ich bereits abhängig soff.
Später, in den letzten beiden Jahren meiner Sauferei wurde es besonders schlimm. Ich musste da bereits jeden Tag trinken.
Mich hat natürlich kein Mensch dazu gezwungen, aber die Sucht/die Krankheit tat es.
Wenn man auf Entzug kommt, hat das meist heftige Auswirkungen.
Bei mir waren es am Ende Schweißausbrüche, Zittern, nicht mehr Schlafen können, bis hin zu heftigen Panikattacken mit
einhergehenden Todesänsgten.
(Depressionen kamen übrigens auch hinzu, die aber mit der Abstinenz verschwanden, die kamen also eindeutig von dem Alkoholmissbrauch).
Wenn man dann in diesem Stadium ist und weiß, das der nächste Schluck Erleichterung verschaffen wird bis hin zum Verschwinden
der genannten Symptome, was meinst Du, wird man tun?
Als es soweit war, habe ich nur noch versucht, die Wogen zuhause zu glätten..
Und dann begannen auch bei mir die Spielchen der Versprechungen, die gar nicht mehr gehalten werden konnten aufgrund der Sucht.
Und ich log auch für den Alkohol.
Kalte Entzüge startete ich keine mehr, zum Glück, denn die hätte ich wohl auch nicht mehr überlebt.
Ein kalter Entzug kann nämlich tödlich enden, was mir aber zu dem Zeitpunkt nicht bekannt war.
Allein darum ist es immens wichtig, zum Arzt zu gehen und sich dort erst einmal Hilfe zu holen, sprich, einen professionellen Entzug einzuleiten.
Ich weiß nicht, ob das Deinem Freund bekannt ist, das ein kalter Entzug brandgefährlich sein und auch tödlich ausgehen kann?
Ich weiß auch nicht, ob ihn denn diesen Wissen dazu bringen würde, sich professionelle Hilfe zu suchen?
Ich möchte ihm aber auch die Ernsthaftigkeit seines Vorhabens nicht komplett absprechen, ich kenne ihn ja nicht mal.
Wie auch immer, das alles ist aber nicht DEINS, liebe Sasihasi, er ist ja für sein Leben, also auch für seine Sauferei selbst verantwortlich.
Es gibt ja gute Hilfsangebote, er muss ja "nur" hingehen und drum bitten.
Aber das ist halt gar nicht so einfach, sondern in Wirklichkeit ziemlich schwer. Es lohnt sich trotzdem.
Vielleicht ist aber alles auch nur Taktik, das könnte ebenso der Fall sein, ich weiß es wirklich nicht.
Ein nasser Alkoholiker verliert nun mal nur sehr ungern seinen CO und wird erstmal alles daran setzen, ihn zu halten.
Sollte es trotzdem zur Trennung kommen, ist es immer wieder erstaunlich, wie schnell dann ein CO gegen den nächsten ausgewechselt wird.
Es geht also nicht wirklich um den anderen Menschen oder gar um Liebe, sondern darum, seine Sucht weiter leben zu können und das möglichst bequem.
ZitatAußerdem wäre, selbst wenn er tatsächlich trocken wird, nicht alles gut zwischen uns...
Ich denke, so ist es recht häufig.
Das Alkoholproblem ist selten das einzige Problem. Dahinter lauert meist noch viel mehr.
Und schau, Du hast Dich bereits neu verliebt, das spricht doch auch Bände...
Würde es sich um eine gesunde, stabile und liebevolle Partnerschaft ohne gravierende Probleme handeln, wäre das ja kaum bis gar nicht passiert.
Sowas ist aber leider mit einem nassen Alkoholiker gar nicht möglich, wie Du ja auch selbst erfahren musstest.
Zitataber wäre es gemein, sich gerade jetzt zu trennen, wo er aufhören will? Bin so hin und her gerissen.
Kann ich schon gut nachvollziehen, das man da hin-und hergerissen ist.
Aber schau mal, möchtest Du denn Dein weiteres Leben opfern oder viele Jahre davon, nur um kein schlechtes Gewissen zu haben?
Ist es das denn wert?
Ich denke, manchmal muss man auch mit diesen negativen Gefühlen leben, wichtiger ist aber, aus der Sache wieder rauszukommen.
Und zwar zeitnah, um weiteres Leid zu vermeiden.
Oder mal ganz brutal: Sollen denn zwei Menschen zugrunde gehen, weil der eine den anderen mitreisst?
Es reicht schon, bzw. ist es traurig genug, wenn sich einer dem Alk opfert, das müssen nicht gleich 2 Menschen werden.
LG Sunshine