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Manche Beziehungen lassen sich nicht so einfach beenden, Sunshine, auch unabhängig davon, ob Alkoholismus im Spiel ist oder nicht. Wir stehen nicht am Anfang unserer Lebensplanung, sondern am Ende, sind beide 50. Unser Heim ist noch gar nicht fertig..wir renovieren gerade den letzten Raum..auch das geht nur sehr langsam, liegt ja auf der Hand. Der Gedanke etwas hinter mir zu lassen, was ich - zum ersten Mal in meinem Leben - als MEIN zu Hause angesehen habe. Was ich so gestalten konnte, wie ich es wollte. Mit einem eigenen Garten ( ich bin ein besserer Mensch, wenn ich in der Erde wühlen kann) ...nur der Gedanke daran kostet mich endlos Kraft, und Kraft musste ich ihn den letzten 10 Jahren genug lassen. ( Scheidung, Probleme mit den Kindern, Patchwork-Chaos, Mobbender Chef...)
Hallo Trinkula,
Lassen sich Beziehungen denn überhaupt einfach beenden, wenn sie länger dauerten?
Ich denke, das ist dann immer besonders schwer.
Ich bin 55 Jahre alt, kann das also schon ganz gut nachvollziehen, ich würde auch sehr viel verlieren, wenn ich hier gehen müßte.
Wir haben auch ein Haus mit Garten und ich wohne sehr gern hier mit meinem Mann zusammen.
Wir können jeder machen was wir wollen in unserem eigenen Heim und nutzen das auch gern.
Aber... wäre mein Mann Alkoholiker oder würde es noch werden, dann wüßte ich, was zu tun ist.
Denn ich habe ja die Krankheit an eigenen Leibe erfahren und ich habe sie ja auch noch, wir können ja unsere Krankheit nur stoppen, heilbar ist sie nicht.
Ich weiß auch, das man da ohne Hilfe von außen nicht mehr rauskommt.
Angehörige können da nicht helfen, sie sind zu stark persönlich involviert und es funzt auch einfach nicht.
Meine Angehörigen hätten machen können, was sie wollen, ich hätte weiter gesoffen.
Ich hab mich fast tot gesoffen, mich hat der RTW abgeholt und ich landete sofort auf der Intensiv.
Ich wäre beinahe an meiner Alkoholsucht gestorben.
Erst da konnte ich meine Krankheit stoppen, leider nicht eher.
Anderen gelingt das aber mitunter, aber ein Tiefpunkt muss bei jedem wohl erst erreicht sein, wo es so nicht mehr weiter geht.
Dieser Tiefpunkt kann unterschiedlich sein.
Ich schreibe das nur, um Dir klar zu machen, das Hoffnungen meist umsonst sind, das der Partner einsichtig wird, nur weil man sich nun abgrenzen möchte.
Und ist Dir das denn am vergangenen WE überhaupt gelungen?
Wenn es einigermaßen läuft oder sogar ausnahmsweise entspannend ist, kann man sich denn dann trotzdem noch abgrenzen?
Trinkula, ich hatte auch Zeiten, wo ich tagelang mal ganz zurückhaltend trinken konnte.
Da habe ich sogar selbst wieder Hoffnung geschöpft, das ich die Sauferei aus eigener Kraft beenden kann.
Ich habe später dann auch viel heimlich gesoffen, um die Sucht vor meinem Partner zu vertuschen.
Der ahnte nicht mal, wie viel ich wirklich gesoffen habe und war schockiert, als er davon erfuhr, wie viel ich gesoffen haben muss und das ich schwerstabhängig bin.
Das haben ihm die Ärzte gesagt, ich konnte nicht mehr viel sagen, weil ich im KH mit Medikamenten abgeschossen wurde, mir fehlen da einfach einige Tage.
Später haben wir natürlich viel darüber gesprochen und ich habe ihm alles gessagt, was war.
Ich will mit dem allen nur sagen, ich weiß nur zu genau, wie die Krankheit ist.
Wenn Dein Partner auch alkoholkrank ist, bräuchte er auch Hilfe.
Und zwar nicht Deine, sondern die von Ärzten und einer SHG und gegebenenfalls auch von Psychologen.
Holt er sich diese Hilfe nicht, sehe ich keine Chance für ihn, die Alkoholkrankheit zu stoppen.
Und wenn er sie nicht stoppen kann, dann steht DIR auch noch sehr viel Leid bevor.
Ich wüßte, was ich dann zu tun hätte.... ich würde zusehen, das ich mir mein Leben nicht auch noch selbst zerstöre, indem ich bleibe.
Denn ich habe auch nicht mehr endlos Lebenszeit zur Verfügung, ich möchte JETZT ein schönes und zufriedenes Leben haben und nicht irgendwann mal vielleicht...
Und nicht jahrelang leiden, weil ich Haus und Garten nicht verlieren will.
DAS wäre mir die Sache im Endeffekt nicht wert.
Da wäre mir persönlich meine Gesundheit wichtiger, denn auch die wird leiden, wenn man so eine Sache endlos weiter macht.
So schwer es mir auch persönlich fiele... ich kenne andererseits diese Krankheit zu genau.
Und ich wüßte, das ich mit einem nassen alkoholkranken Partner kein Leben führen kann und auch kein Leben führen möchte.
Dann würde ich sogar lieber ganz allein leben als so etwas mitmachen zu müssen.
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Dieses Schwanken zwischen Wut und Liebe. Ich mache mir eigentlich keine Hoffnung, dass er was ändert, aber auf den ersten Blick sieht es natürlich so aus.
Ich stelle mir diese ambivalenten Gefühle sehr anstrend vor.
Und ich sag Dir mal ganz ehrlich, was ich denke:
Wenn DU nichts an der Situation änderst, ändert sich gar nix.
Warum sollte sich was ändern, solange Du noch so gut funktionierst?
ER hat doch kein Problem mit seinem Gesaufe, sondern DU !!!
Trinkula, man kann andere Menschen nicht ändern, die machen was sie wollen. Und wenn sie saufen wollen, werden sie das tun.
Egal was Du sagst, egal, was Du tust.
Und wenn jemand dazu noch abhängig ist, KANN er gar nicht mehr anders.
Wir saufen nicht aus Bosheit und um andere Menschen zu ärgern, sondern oftmals, weil wir derart abhängig geworden sind und einfach nicht mehr anders können.
Und dann sind wir völlig unerreichbar für andere Menschen.
Auch für Partner.
LG Sunshine