Hallo BeeBee,
Danke für den Hinweis. Im Hier und Jetzt zu leben fällt mir tatächlich schwer. Wie gelingt es dir?
Mal grundsätzlich: Da säuft sich jemand jahrelang kaputt, richtet sein komplettes Leben danach aus ( passiert in der Sucht automatisch), ruiniert sich Gesundheit, Job, Finanzen, Familie ( ist jetzt allgemein formuliert, pick Dir raus was evtl. auf Dich zutrifft ) und dann kommt der Riesendenkfehler, dieser Matrixfehler den wohl fast jeder Alkoholiker hat:
Diese lästige Krankheit so schnell wie möglich abschütteln, nach Möglichkeit so das es niemand merkt, ohne das es in der neugewonnenen Abstinenz Einfluss nimmt, ohne viel Zeit zu verbrennen mit dieser lästigen und eigentlich völlig unnötigen Rekonvaleszens, welche sich doch bitte nahtlos in den neuen / alten Alltag einzufügen hat.... denn es gibt ja jetzt soooo viel zu erledigen und nachzuholen.
Prognose: Überlastung, falsche Denkprozesse zur Trockenheit, gesundheitliches Karussell.... und das endet dann völlig überraschend im nächsten Alkoholcrash.
Du musst Dir die Zeit nehmen. Musst.
Teilstationär? Von wem kam denn diese Idee? Am Besten noch weiter arbeiten gehen?
Stationär wäre besser, um aus den alten Prozessen rauszukommen, die Möglichkeit haben umzudenken und etwas anders zu machen. 2 Wochen minimum, 6 Wochen wären besser, damit das Gehirn auch eine Chance bekommt sich zu entgiften bevor wieder Alltagsentscheidungen zu treffen sind. Selbstverständlich gehört in diesen Matrixfehler rein, das es immer mind. 55 "gute und wichtige Gründe" gibt um nicht stationär zu gehen. Ich weiss das.
Wenn Du dieser " leichten "Erkrankung die Wichtigkeit absprichst in der kitzeligen ersten Zeit( wir schreiben hier über eine akute lang andauernde Vergiftung, welche unbehandelt immer tödlich endet...immerhin.. ) , bekommst Du einen Bumerang vor den Kopf. Und der tut dann richtig weh. Versprochen.
Und plötzlich hast Du Zeit. Viel Zeit.
Du kannst die Alkoholkrankheit nicht einfach abschütteln wie ein lästiges Insekt und wieder zur Tagesordnung übergehen.
Mir hat damals ein langer Klinikaufenthalt geholfen trocken zu werden und zu bleiben. Ich musste erst lernen das es tatsächlich möglich ist wochenlang ohne Alkohol überleben zu können ohne das es mir schlecht geht, und konnte feststellen das Stück für Stück tatsächlich wieder so etwas wie Hoffnung kommt. Tatendrang und Ideen... Ohne Alkohol.
Vom Krankenhaus aus konnte ich Veränderungen vornehmen, ( es gibt Sozialstationen, Du bist nicht bei Wasser und Brot in einem Zimmer eingesperrt )um nicht wieder in den alten Trott zurückzumüssen... denn das ist der grösste Kampf. Unter den alten Umständen dann auch trockenzubleiben.
Alles triggert, alles erinnert... ich war gezwungen mich sehr lange mit dieser Krankheit zu beschäftigen. Das gehörte einfach dazu.
Im übrigen bist Du einfach nur ein kranker Patient der Hilfe braucht um sich zu erholen. Auf die kranke Seele wird auch geachtet, das war früher anders, aber die Zeiten sind zum Glück vorbei. Du wirst nicht als willensschwacher lästiger Säufer behandelt und mit Elektroschocks auf Linie gebracht.
Die Ärzte kennen diese Zeitspiele übrigens zur Genüge. Danach wurden die unsinnigsten Behandlungskonzepte entworfen ( wenn ich nur daran denke das es Kliniken gibt, welche kontrolliertes Trinken auf dem Zettel haben... )
Du als Patient bist der Chef solange Du nicht von einem Richter eingewiesen wirst. Wenn Du sagst: Ich hab keine Zeit für diesen lästigen Mist... tja, dann wird sich danach auch gerichtet. Du entscheidest... noch.
Wenn Du das Gespräch führst, versuch mal zwischen den Zeilen zu lesen, evtl. auf einen Rat hören und nicht " so schnell wie möglich" wieder rauszurennen. Nimm Dir Zeit.
GlG WW