Hallo Ahimsa,
Du solltest ein paar Freunde schon einweihen und die Wichtigkeit auch herausstellen. Du bist krank und darauf müsste dann schon Rücksicht genommen werden.
In einer trinkfesten Dorfumgebung wissen mindestens die Hälfte das sie zuviel saufen. Von daher wird es Dir passieren das es gnadenlos heruntergespielt wird. Mangelndes Wissen über die Erkrankung kommt noch dazu. Es wird einige geben welche davon nichts hören wollen, weil sie dann bei sich schauen müssten.
Die Spreu der Personen wird sich vom Weizen trennen, manche Bekanntschaften gehen dann eben einfach nicht mehr weil Alkohol eine grosse Rolle spielt. Aber die wirklichen Freunde werden bleiben, weil der Mensch eben die grosse Rolle spielt.
Du hast das für Dich als Risikostelle erkannt und danach solltest Du Dich dann auch richten wenn Du nicht wieder akut erkranken ( saufen ) möchtest.
Trotzdem da hingehen, trotz schlechtem Gefühl im Magen, ist eine Kraftprobe, und selbst wenn Du es schaffst abstinent zu bleiben, hast Du hinterher evtl. noch Tage mit den auf Dich einstürzenden Eindrücken zu kämpfen, entwickelst evtl. Suchtdruck ( auch Craving genannt, das liest Du bestimmt noch öfter irgendwo ) , dem Du dann irgendwann wieder nachgibst. Tage später noch, leider nicht ungewöhnlich.
Natürlich musst Du Dich nicht einigeln. Du bist kein gesuchter Schwerverbrecher, allerdings solltest Du schon vorher überlegen was Dir diese Veranstaltungen / Treffen noch bringen wenn da getrunken wird und die Konversation immer mehr ins betrunkene übergeht.
Wenn Du mit erhobenem Kopf Deinen Standpunkt vertrittst wird es akzeptiert. Darauf kannst Du Dich verlassen, das ist tatsächlich so. Du trinkst keinen Alkohol mehr, basta. Warum? Das will genaugenommen eigentlich niemand mehr wissen.
Du musst Dich auch für garnichts entschuldigen oder ( noch schlimmer ) Dich für irgendetwas rechtfertigen.
Wenn Du doch der Meinung bist Du müsstest unbedingt irgendwo hingehen, solltest Du Dir vorher eine Strategie zurechtlegen.
-Was mache ich wenn mir was angeboten wird?
-Auf welche Zeichen muss ich für mich achten um dann evtl. diese Runde ( schnell ) zu verlassen und was sage ich da?
-Weihe ich auf Nachfrage jemanden ein und wie am Besten?
Am Anfang kann das alles ziemlich anstrengend sein, Du kannst Dich allerdings darauf verlassen das es leichter wird, das "Nein" von Dir schneller ,selbstverständlicher und bestimmter kommt.
Selbstverständlich wird Dir jeder, der von dieser Erkrankung etwas versteht oder betroffen ist, generell abraten alkoholgeschwängerte Veranstaltungen zu besuchen. Am Anfang besonders, soweit klar.
Ich persönlich habe im ersten Jahr diese Veranstaltungen, Treffen und Personen gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Ich bin im Geiste durchgegangen was auf mich zurollt und habe vorher schon Saufdruck bekommen. Also wegbleiben. Auch heute noch meide ich gewisse Lokalitäten und Personen, weil ich genau weiss was es innen in mir macht.
Nicht das ich das nicht händeln könnte nach fast 20 Jahren... aber es ist mir einfach zu anstrengend.
Ich bin für mich verantwortlich , ich habe Schuld wenn ich wieder trinke und ich habe auch alleine die Folgen zu tragen. Niemand anders ist irgendwie schuld daran.
Ich denke Du wärest da auf einem guten Weg, wenn Du die Kompromisse diebezüglich auf ein absolutes Mindestmaß reduzierst und Du Dir auch darüber klarwirst, das Du nie wieder im Leben Alkohol trinken willst ( dürfen sowiso )um die Krankheit nicht wieder ausbrechen zu lassen. Und das tut sie wenn Du wieder trinkst, ganz sicher.
Übrigens: Wenn Du darüber nachdenkst, das Du ein für Dich komplett alkoholfreies ( noch langes ) Leben vor Dir hast, ist der Zeitraum dieser anfänglichen Schwierigkeiten sehr kurz und wird Dir nach längerer Abstinenz nur wie eine kurze Episode vorkommen.
Wenn Du Dich hier im Forum umschaust, wirst Du sehen das es zufrieden möglich und auch sicher erstrebenswert ist.
GlG WW