Beiträge von Whitewolf

    Wir hatten auch einmal einen sehr erfahrenen Therapeuten, schon über 35 Jahre in der Suchtberatung tätig, der immer noch der festen Ansicht ist, dass Alkoholismus keine Krankheit ist, sondern ausschließlich eine Willensschwäche mit einer psychischen Verhaltensstörung. Und auch, dass die WHO Alkoholismus 1968 als anerkannte Krankheit bestätigt hat, wird seine Meinung darüber nicht ändern.

    Das sind noch die Jungs vom alten Schlag. Alkohol wurde als Willensschwäche behandelt... wenn überhaupt. Wir können froh sein, das es in der Psychiatrie um die 90er ein Umdenken gegeben hat und das Krankheitsbild als solches auch wahrgenommen wurde. Statt kalter Entzug und kalte Wasserbäder als Abschreckung wird heute mit Medikamenten gearbeitet, damit es die Seele nicht noch mehr zerreißt als sowieso schon geschehen.

    Alkoholismus ist eine Krankheit welche unbehandelt zum Tode führt. Ich denke alleine das würde den Begriff schon rechtfertigen. Es ist aber noch viel mehr und deshalb so gefährlich.

    Brich das mit der Lernerei ab. Du kannst einen alkoholkranken Menschen, welcher in der Sucht steht, nicht verstehen.

    Selbst Alkoholkranken selber kann das manchmal schwerfallen. Die Sucht ist eine eigene Welt mit eigenen Regeln. Und mit ganz anderen Überlebensschwerpunkten als in der "gesunden Norm" .

    Der Körper und die Psyche sind in diesem Zustand schwerkrank und im roten Überlebensmodus. Das Suchtmittel hat überall Priorität, rund um die Uhr und in allen Lebensbereichen.

    Du hast einen völlig veränderten Menschen vor Dir, welchen Du nicht mit " normalen " Maßstäben behandeln oder gar einschätzen kannst. Das geht immer schief.

    Die besten Therapeuten welche ich kennengelernt habe ,waren selbst mit Suchtvergangenheit. Sie waren manchmal auch sichtbar von der Sucht gezeichnet, sahen im Gesicht aus als ob ein Panzer drübergefahren wäre. Wenn die allerdings den Mund aufgemacht haben , hat jedes Wort die Punkte getroffen die wichtig waren.

    Es gibt nur einen Weg um erfolgreich diese Krankheit zu behandeln. Zuerst muss das akute Suchtverhalten gestoppt und der Körper und auch das Gehirn entgiftet werden.

    Die Wesensveränderung durch das Gift muss zuerst in " normale " Bahnen gelenkt werden. Das alles schafft ein nasser Alkoholiker schon meist garnicht mehr alleine. Dann kann therapeutisch vorgegangen werden und es muss auf die personenbezogenen Eigenschaften / Erlebnisse / Werdegänge und den Charakter eingegangen werden. Bei jedem etwas anders, deshalb so schwierig.

    Grundvoraussetzung für einen Erfolg ist unabdingbar der Wille des Patienten nie wieder Alkohol zu trinken, der entsteht meist bei langem anhaltenden Leidensdruck und muss sich entwickeln und manifestieren.

    Dann auch die Aufklärung darüber was im Körper passiert, um zu zementieren das jeder Schluck eine alte Festplatte im Körper neustartet und alles wieder von vorn losgeht.

    Es ist ein langer Weg.

    Was dabei für Dich interessant ist, ist die Tatsache das ein gesundeter ( nicht gesunder, die Krankheit ist nur gestoppt, lebenslang ) Mensch ein ganz anderer ist als in der Sucht.

    Vermutlich würdest Du Deinen Partner nicht mehr wiedererkennen, das führt oft zu Trennungen, weil König Alkohol im vorherigen Leben die Psyche und das Verhalten maßgeblich beeinflusst haben.

    Du gerätst als Nicht-Süchtiger in einen Strudel, den Du nicht kontrollieren und beherrschen kannst, jede unfachmännische Hilfe ist nur Leidensverlängerung auf beiden Seiten und endet im Desaster.

    Das ist der Grund, warum so viele User hier versuchen Dir aus diesem Co-Dilemma Wege zu zeigen. Es ist ein sinnloser Kampf den Du da führst und er kostet Deine Kraft und Lebenszeit. Versuche um Himmelswillen den Fokus auf Dich zu setzen , sonst hat die Alkoholkrankheit zwei Opfer.

    Gruss WW

    Liegt da etwa der Auslöser von den nassen Träumen. Doch noch der Gedanke einer kann doch noch gehen?

    Das glaub ich eigentlich weniger. Dann wären diese Träume wohl eher positiv geartet, Euphorie oder Vorfreude auf den nächsten Schluck.

    Da ich nach etl. Rückfällen und Saufpausenunterbrechungen genau weiss was passiert nach dem ersten Schluck, kommt der Gedanke " einen kann ich ja mal wieder... " mit Sicherheit nicht mehr auf. Ein entscheidender Faktor bei mir ist tatsächlich, das ich in den Träumen nie trinke, sondern aufwache bevor da etwas konkreteres als die Planung oder Beschaffung auftaucht.

    Die Träume haben eher was panisches an Sich und das Gefühl nach dem aufwachen ist entsprechend.

    Es wird vermutlich mit dem Gesammtzustand der Psyche zusammenhängen wenn solche Warnvideos auftauchen. Ich denke der Alkohol wird da als bekanntes Mittel zum Zweck genutzt um Angst und Panik zu schüren.

    Hallo Berni,

    ich würde Dir tunlichst davon abraten Deinen alkoholkranken Partner hier in Deinen Austausch mit einzubeziehen.

    Du schreibst dann auch anders, als wenn Du es nur für Dich (mit dem Wissen das nur wir anonym mitlesen) tun würdest.

    Es wird kein Umdenken deswegen stattfinden... eher im Gegenteil, ein Grund mehr um sich die Lampe anzumachen. Es hat nicht eineneinzigen Vorteil, nur Nachteile.

    Ich würde Dir ( und jedem anderen in ähnlicher Situation übrigens auch ) raten alles mögliche zu tun um auf einem gemeinsam genutzten Rechner den Zugriff hier zu sichern ( Browserverlauf, Autofill, Passwort, eMail-Empfang... etc. )

    Falls es Dir tatsächlich gelingen sollte Abstand zwischen Euch Beide zu bekommen ( Vater..? ) und Du nicht alltäglich mit diesen Situationen konfrontiert bist, wirst Du merken, das sich Dein Themenbereich immer weiter in Deine Richtung verschiebt und Du anfängst immer mehr bei Dir zu schauen.

    Da willst Du eigentlich hin und da können wir Dir auch raten und zur Seite stehen.

    Bleib am Ball.

    Gruss WW

    mal mache ich mir Gedanken um die Orgnisation des Alkohols oder wie ich heimlich trinken kann.

    Die Erinnerung beim Aufwachen ist unangenehm, ich schüttel es ab und bin froh, nicht mehr trinken zu müssen.

    Das trifft es ziemlich genau. Das eigentlich blöde daran ist das Gefühl danach, schlechtes Gewissen zuerst, wie ein Schlag in den Magen. Saufdrucklevel checken, wo stehe ich? Muss ich jetzt evtl. wieder los und Stoff kaufen?

    Dann Erleichterung nicht mehr trinken zu müssen und Selbstberuhigung... und schnell " abschütteln"

    Ich habe ja Anfang September mal die Frage nach den Empfindungen bei Saufdruck gefragt. Da kamen ja ne Menge interessante Aussagen zusammen wie ich finde.

    Das ist ja auch die passende Plattform für so etwas denke ich. Wenn nicht hier... wo dann?

    Jetzt habe ich eine irgendwie ähnlich gelagerte Frage, welche mich öfters mal beschäftigt.

    Habt Ihr noch " nasse Träume " ?

    Also Träume welche sich um den Alkohol drehen, in denen die Suche nach Alkohol und die Beschaffung auftauchen und ein ganz blödes Gefühl hinterlassen?

    Ein bekanntes Gefühl im Bauch aus vergangenen Tagen?

    Im Alltag haben wir ja sowas wie eine Kontrolle über unser Tun und Denken, können dagegen ansteuern, uns beruhigen das alles in Ordnung ist und dafür sorgen das es evtl. durch Beschäftigung oder manigfaltige Strategien wieder weg geht.

    Im Schlaf haben wir diese Kontrolle nicht und das Unterbewusstsein hat freie Bahn.

    Wenn so etwas passiert, wie geht Ihr damit um? Traumdeutung? Psychologisches Gespräch? Ignorieren und weiter im Text? Warnschuss oder einfach falsches Regal im Unterbewusstsein aufgemacht?

    Es ist ja nunmal ein Teil von mir / uns und abgespeichert. Manchmal wird es Thema und wenn ich aufwache, ist es als ob ich kurz davor war zu trinken .

    ( Da bekommt das Wort " schlaftrunken" eine ganz andere Bedeutung;) )

    Ich bin dann heilfroh das es nur ein Traum war, je nach Intensität kann das aber schon noch ein paar Stunden nachwirken. Bei mir ist es allerdings eigenartigerweise so, das ich nie trinke sondern nur in einer sehr kräfteraubenden Vorbereitung zum trinken umherirre. Der Rest ist so unrealistisch aufgebaut, das es keiner weiteren Betrachtung bedarf. Orte und Personen welche nicht erkenne.

    Das letzte Erlebnis dieser Art war vor etwa 2 Wochen... ohne das etwas wesentliches passiert wäre vorher. Es kommt so überraschend, so unberechenbar und hat ganz offensichtlich nichts mit der Dauer der Trockenheit zu tun.

    Da ich mittlerweile weiss das es vorkommt, nicht einzuplanen ist und von der Intensität unterschiedlich ist, reicht es im Normalfall hinterher es einfach als Traum zu betrachten und froh zu sein aus der Mühle draussen zu sein.

    Wie ist das bei Euch? Kennt Ihr so etwas auch? Wie geht Ihr damit um?


    Grüssle vom WW8)

    und ich bin mir nicht sicher, ob dieser Weg nun gut für uns beide ist?

    Hallo Miga,

    das hast Du gut geschrieben, solltest Du vielleicht öfter tun:)

    Wenn es für Dich gut ist, dann ist es doch ok.

    Der Spagat ist ja nicht dauerhaft zu händeln, aber Du schreibst ja das Du vieles auch gut bei Ihm lassen kannst.

    Wenn Du diesen Gedankengang hast, wie geht der weiter? Müsstest Du mehr tun, oder weniger , oder...?

    GlG WW

    Aber wahrscheinlich gibt es da keine Alternative

    Nicht nur wahrscheinlich sondern ganz bestimmt sogar.

    Die Alkoholsucht bleibt für immer. Sie ruht nur tief im verborgenen und wartet auf Ihre neue Chance. Wenn Du wieder Alkohol zuführst startet alles neu. Du bist nach einer Therapie nicht " gesund " sondern lernst mit der Alkoholkrankheit zu leben.

    Gruss WW

    Evtl. macht ja während der Therapie noch etwas " klick " Es wird ja an Problemlösungsstrategien gearbeitet und an dem Umgang mit sich Selbst. Wenn nicht,.. dann hat er einen langen schmerzhaften Weg gewählt.

    Es gibt nur zwei mögliche Ergebnisse auf Dauer. Der Alkohol macht keine Gefangenen.

    Es ist gut das Ihr Abstand voneinander bekommt, ich fürchte leider das Du den brauchen wirst.

    Gruss WW

    ja, super, um wen denn sonst?

    Dies ist doch hier ein Forum zum Austauschen und Nachfragen, für beide Seiten. Gute Nacht!

    ...um DICH.

    Wenn Du unter austauschen verstehst, das Ihr Euch gegenseitig die Eskapaden der saufenden Person mitteilt, dann ist das tatsächlich nicht ganz das richtige Forum. Die Geschichten gleichen sich nämlich, allein die Wahrnehmung der Betroffenen unterscheidet sich etwas.

    Da wäre dann ein Forum " Hilfe im Umgang mit Alkoholikern" richtiger. Da würden sich dann Menschen austauschen, welche sich mit dieser Situation abgefunden haben und sich darüber informieren was alles aktuell passiert ist mit dem Suchtkranken ( z.B. die neuesten Alkoholverstecke, Orte und Umstände verschiedener Stürze, Verletzungen...etc., neueste Schimpfnamen, Jobverlust, Führerschein... u.s.w. )

    Hier ist allerdings ein " Selbsthilfe" - Forum. Hier tauschen sich Menschen aus, welche Ihre jeweilige Erkrankung akzeptiert und erkannt haben, auch erfolgreich bekämpft haben und nicht wieder rückfällig werden wollen. Und ja, das geht auch bei einem Co-Abhängigen.

    Co-Abhängigkeit ist eine Persönlichkeitsstörung, welche sich im Umgang mit Suchtkranken ausbilden kann. Und ja, die Co-Abhängigkeit hat sogar tatsächlich für die Kasse einen eigenen Diagnoseschlüssel.

    Wie bei allen diesen Störungen ist es erstmal wichtig eine Einsicht zu finden um das Problem anzugehen. Und das Problem ist nicht der Suchtkranke sondern der Co-Abhängige selbst.

    Wenn Du Dich hier umsiehst und bei anderen Betroffenen stöberst, kannst Du für Dich feststellen wie tief Du in der Co-Abhängigkeit schon drinnsteckst und entscheiden wieviel Handlungsbedarf für Dich besteht. Du könntest damit sogar zu einem Therapeuten gehen, wie schon geschrieben handelt es sich um ein eigenständiges Krankheitsbild.

    Wir kanzeln hier niemanden nach "Schema F" ab. Niemand sitzt in Deinem Kopf und auch nicht in Deinem Wohnzimmer. Niemand hier hat etwas davon wenn es auf eine Trennung hinausläuft.

    Leider ist es aber oft so, das viele Co-Abhängige nach einer gewissen Zeit eine Trennung als das einzige verbleibende Mittel zur Selbsthilfe erkennen, um wieder ein für sich selbst zufriedenes Leben führen zu können.

    Du hast Dich hier angemeldet, weil Dir diese Situation über den Kopf wächst und Du irgendwie Hilfe wolltest, verstehen wolltest was passiert und was Du tun kannst.

    Das Forum hilft Dir zu erkennen und zu verstehen was da passiert und wo Du stehst.

    Hier ist dann zu unterscheiden für wen Du Hilfe suchst. Für Dich oder für den Suchtkranken. Letzteres ist leider ein Kampf gegen Windmühlen.

    Wenn jetzt der Schrei kommt " Wer ist hier eigentlich der Kranke, ich doch nicht... habt Ihr Lack gesoffen...?? ". dann ist das ein guter Anfang.

    Ich als trockener Alkoholiker kann Dir nur raten auf Abstand zu gehen bevor Du Deine letzte Kraft verbraucht hast. Weil ich vieles davon verstehe was passiert im Verhalten eines Alkoholikers.

    Gruss WW