Manchmal frag ich mich, ob dieses ganze durchtherapieren überhaupt Sinn macht oder für Irgendjemanden gut ist – außer für den Geldbeutel des Therapeuten.
Ich hab selten gelesen, dass es Therapiewilligen gut dabei geht, wenn Sie in Ihr – angeblich – Innerstes sehen wollen, können, sollen, dürfen … was auch immer. Ich schreib jetzt nicht von irgendwelchen Missbrauchsopfern oder so, nein, von Alkoholikern. Was bringt mir das, wenn ich erfahre – oder mir eher jemand einredet – dass ich aus irgendeinem Grund, der meistens irgendwo in der Kindheit/Jugend liegt, gesoffen habe? Das ist vielleicht für einen 18 bis na ja, so 30 Jährigen interessant aber dann?
Zum größten Teil – denk ich mal – ist es doch so, dass die/der Therapierende denkt: Was ist das denn wieder für eine Schei.ße. Und sich richtig elend dabei fühlt und – ich will den Teufel mal an die Wand malen – sich vor Schreck erst mal einen Schnaps genehmigt, weil sie/er das ganze Leiden überhaupt nicht aushalten kann, überhaupt nicht gelernt hat so was auszuhalten. Gehört das zum Leben unbedingt dazu so was auszuhalten, aushalten zu müssen? Ich denke: Nein.
Bei all den Therapieversuchen, die ich – freiwillig – über mich ergehen lassen habe und das zum größten Teil auch gern, hab ich mir immer Hintertüren offen gelassen und hab auch nie alles erzählt. Ich hab die Therapien eher so als bezahlten Urlaub mit Vollpension unter Einhaltung bestimmter Regeln – die mir nach den Extremsaufzeiten auch ganz gut taten - gesehen. Und dort wäre ich im Leben nicht auf die Idee gekommen auf Knopfdruck mein Leben auszuschütten. Nö, schön dosiert und kontrolliert und alle waren zufrieden. Alles erzählt oder geschrieben, hab ich irgendwo Irgendwem wenn mir so war und ich das Gefühl hatte, dass die/der/das Gegenüber auch wirkliches Interesse dafür zeigte, Interesse an mir als Mensch und nicht an mir als zu Therapierender. Und da hab ich auch nicht erzählt um irgendwelche Hilfestellungen zu bekommen, sondern um es eben zu erzählen weil mir grad so ist, aus purem Egoismus sozusagen. Ist vielleicht auch Therapie aber eher unbewusste und ohne dem Ziel, nun unbedingt den Punkt überhaupt zu suchen. Und dabei ging mir’s ganz gut.
Mal ganz ehrlich, in die Tiefen unseres Lebens haben wir – also ich auf jeden Fall – doch sowieso schon jedes Mal geblickt wenn wir uns die nötigen Drehzahlen angesoffen hatten und das oft genug. Das war besoffen schon beschi.ssen und das soll ich mir jetzt nüchtern noch mal antun?