Beiträge von Rattenschwanz

    Nein Karsten, ich würde hier nicht mehr schreiben, weil das dann für mich keinen Sinn mehr machen würde. Nimm mir's nicht übel aber für mich hatt das hier mehr den Charakter eines Erfahrungsaustausches oder schreiben über Dinge, über die ich jetzt gerade mit Niemandem reden kann. Für die Selbsthilfe, da ist dann doch die reale Selbsthilfegruppe "zuständig". Dort seh ich die Menschen wenn ich mit Ihnen spreche und das ist mir unheimlich viel wert. Und das wären wahrscheinlich - neben meiner Frau - die einzigen Menschen mit denen ich über einen Rückfall reden würde. Bei allen anderen wär mir's eben peinlich. Tja Calida, warum mir das peinlich wäre? Weil das an meinem Ego kratzen würde. Ja, da bin ich eitel. Fehler geb ich nicht gern zu und ich bin auch ein schlechter Verlierer, da ist in früheren Zeiten schon mal das "Mensch ärger dich nicht" - Brett durch die Wohnung geflogen wenn ich verloren habe. Und so wäre das auch bei einem Rückfall, ich hätte verloren - für mich jedenfalls. Ich weiß, dass die Eitelkeit nicht gerade der beste Charakterzug ist aber ich kann es (will es?) nun auch nicht mehr ändern. Meine Frau holt mich schon wieder auf den Boden zurück, wenn ich am Abheben bin.

    Vielleicht ist das auch damit zu erklären, dass ich - seit ich keinen Alk mehr trinke - sehr viel Achtung und Schulterklopfen von Bekannten und Kollegen erfahren habe und das gefällt mir natürlich - wem nicht ? Das würde mich einfach anko.tzen, wenn ich nun sagen müsste: Alles aus! Ja gut es wär nicht das Ende und vielleicht würde macher auch wieder sagen, dass er den Mut bewundert, so offen zu sein und den Rückfall zum Thema zu machen ... bla bla bla ... Ich würde es eben erst mal - mit dem Wissen, dass es irgendwann raus kommt - nicht sagen. Was später wird ... tja.

    Zitat von Thalia1913

    Calida, nein, ich denke nicht im Traum dran (;)), wieder zu trinken.

    Ich schon manchmal und dann werd ich munter, bin völlig fertig und muss erst mal realisieren, dass ich wirklich nur im Traum gesoffen habe.

    Wenn ich nen Rückfall hätte, ich glaube ich würde lügen, so lange es nur geht.

    3 Wochen Urlaub sind vorbei. Na gut, geht der Trott eben weiter. Ja manchmal isses Trott. (Wenn sie nicht so relativ einfach wäre, würde ich Büroarbeit im ÖD schei.ße finden.) Eins ist Fakt, so ein Urlaub passiert mir nicht noch mal. Wir – meine Frau und ich – haben uns ge-dacht, dass unsere Küche eine Umgestaltung vertragen könnte. Ich hab natürlich gesagt: Mach ich im Urlaub. Als wir das Haus gekauft haben, da gefiel so eine „Insel“ in der Mitte der Küche an der gearbeitet werden- und z. B. auch ein Schnack abgehalten werden konnte, ohne dass Einer dem anderen den Rücken zudrehen musste. Das gefiel uns nun nicht mehr und es sollte ein Tisch mit Stühlen her an dem wir gemütlich sitzen können. Wasser- und Abflussleitungen umlegen, bissl Elektrik, Fließen etc. - alles kein Problem fürn Ossi, als ge-lernter Handwerker kann ich das noch. Auch wenn ich seit Jahren im Büro arbeite. Aaaaber … hallo, ich bin keine 30 mehr - auch wenn ich das vielleicht gerne hätte. Ich hab mich bissl übernommen, mir taten alle Knochen weh und ich war ganz schön geschafft. Naja, nun ist alles fertig und der Urlaub vorbei.

    Auch nach den trockenen Jahren dachte ich am Ende der Arbeiten: Jetzt hätteste dir einen Feierabendschnaps verdient. Der Gedanke war zwar schnell wieder vorbei aber er war da. Nö, nicht dass ich darüber erschrocken gewesen wäre oder erstaunt. Da ist immer noch was in mir – und ich denke mal, dass das nie weggeht – das mir sagt: Alles an dem Saufen kann ja nicht schlecht gewesen sein, sonst hätteste ja nicht gesoffen. Und manchmal denk ich, dass so ein völlig weggeknallter Tag ohne an was „richtiges“ zu denken sondern einfach nur an dummes Zeug, vielleicht auch eine erholsame Wirkung für Geist und Seele haben könnte. Dann schießt mir‘s aber wieder in den Kopf, dass die Nachteile bei Weitem überwiegen werden und die Vernunft sagt mir: Lass es sein, es wird kein gutes Ende nehmen.

    Ob das so richtig ist? Der Gedanke, dass doch nicht alles schlecht war, dürfte doch gar nicht erst auftauchen. Offensichtlich fehlt immer noch was zur zufriedenen Trockenheit (Oder trockene Zufriedenheit?).

    Und nein – weil ich das gerade irgendwo hier gelesen habe – mich würde nicht abschrecken, dass ich vielleicht in den Keller gehen müsste um heimlich zu saufen. Das würde bei mir nicht unter die bei Weitem überwiegenden Nachteile fallen.

    Iss ja alles in Ordnung - oder eben nicht - kommt auf die Sicht an. Ich denke ja auch, dass wir irgendwie den Absprung verpasst haben - ob nun aus Dummheit, Leichtsinn ... oder was auch immer, auf jeden Fall verpasst. Und ab und zu meldet sich auch bei mir mal so was wie ein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Angehörigen und Kumpels. Da ist dann vielleicht die Demut, die Hartmut hier angemahnt hat.

    Ich wollte nur deine Begründung/Ansicht zur eigenen Schuld lesen, nichts weiter.

    Zitat von Alkoholkrank

    Niemals wieder Alkohol zu trinken ist Anfangs eine heftige Vorstellung!

    Und wenn du das einem Zwanzigjährigem in der SHG erklären sollst, dann wird's heftig - meine Meinung.

    Einfacher ist es - auch wieder meine Meinung - dann eben erst mal von Heute auf Morgen denken und später vielleicht von Woche zu Woche und so weiter. Ich hab mir sagen lassen, dass es das für viele Betroffene einfacher gemacht hat als der "Hammer" für immer und ewig.

    Zitat von Gianna210


    Vor allem, weil die "Krankheit" ja so gar nicht sein müsste.

    ...

    Und dann gibt es Menschen wie unsere Mütter, die ihre Krankheit selbst verschulden und ihr Leben einfach so wegwerfen.

    Du bist also der Meinung, dass deine Mutter säuft und sich damit ihr Leben und ihre Gesundheit ruiniert, weil ihr das Spaß macht, weil ihr grad nichts anderes eingefallen ist, als eben mal ... aus langer Weile vielleicht ... vom Alkohol abhängig zu werden? So oder so ähnlich?

    Zitat von Karsten

    Du schreibst vom guten Essen und gehst ins Fitnessstudio. Das kostet ja auch viel Geld und ist ja eigentlich nicht lebensnotwendig, aber du gönnst es dir, weil es dir es wert ist.

    Naja, Essen ist für mich schon irgendwie lebensnotwendig. Fitnessstudio kostet 19,99 € im Monat (immerhin 4 Flaschen Schnaps), "viel" ist relativ.

    Ansonsten schreib ich wahrscheinlich Chinesisch. Noch mal: Mir geht es nicht darum, dass überhaupt Geld ausgegeben oder eingenommen wird. Mir geht es um die Aussage, dass ich jetzt durch das "Nichtmehrsaufen" Geld für irgendwas übrig hätte und das ist - meiner Meinung nach - definitiv nicht so.

    Zitat von Thalia1913

    Es kommt also darauf an, welche Prioritäten du setzt. Oder?

    Darauf kommt's immer an, aber deshalb muss ich ja jetzt - nur weil ich nicht mehr saufe - nicht mehr Geld für irgendwas übrig haben als vorher.

    Verstehst du, ich finde diese Aussage, dass ich dadurch, dass ich nicht mehr saufe, Geld zu viel haben müsste, das ich jetzt für irgendwas anderes ausgeben könnte, grundsätzlich falsch.

    Früher hätte ich Geld übrig haben müssen, weil ich da "nur" gesoffen- und den billigsten Fraß (schnell und einfach) in mich rein gestopft habe und sonst nichts.

    Vorhin hab ich das schon wieder irgendwo gelesen: Der Alk den du gesoffen hast, der hat ja auch Geld gekostet und das hast du doch jetzt übrig.

    Nein, hab ich nicht!

    So ‘ne Flasche Weinbrand oder Wodka kostet im Supermarkt höchstens 5,00 €, das sind 10,00 manchmal 15,00 € am Tag und essen musste ich auch in der Saufzeit irgendwas.

    Ja gut, jetzt hab ich Arbeit aber: Jetzt esse ich relativ gesund, geh in’s Fitnessstudio, hab meine Fahrerlaubnis wieder, lese Bücher … und da ist ja nicht Schluss mit der Freizeitgestaltung, die früher auf’s Saufen reduziert war. Alles Dinge, für die ich jahrelang keinen Pfennig/Cent ausgegeben habe. Noch dazu, hab ich die Miete vom Amt bezahlt bekommen und einige andere Dinge auch, für die ich jetzt selbst aufkommen muss

    Wo bitte soll ich denn jetzt Geld zu viel haben?

    (Das musste ich jetzt mal los werden.)

    Mir geht's nicht darum, irgendwelche Sachen zu machen (Schützenfeste besuchen o. ä.), sondern darum - auch -, irgendwelche Sachen nicht zu machen oder zu meinen machen zu müssen. Zum Beispiel irgendwie ständig daran zu denken, was ich darf und was nicht - und das geht sicherlich Kranken mit anderen unheilbaren Krankheiten auch so. Natürlich geht das irgendwie in "Fleisch und Blut" über, aufzupassen oder auf die Krankheit hinzuweisen oder ..., klar ist das irgendwo normal geworden.

    Normales Leben bedeutet für mich nicht neben Besoffenen und ohne Alk am Stammtisch zu sitzen, irgendwas verstehst du da falsch Karsten.

    Das schönste wäre vielleicht - oder bestimmt - ohne krank zu sein, keinen Alk zu trinken. Im Moment kann ich's nicht genau definieren, was ich mit "normalem Leben" meine. Auch deshalb wollte ich diese Runde hier.