Hallo Neuweg,
viele deiner Ausführungen treffen auch auf mich zu.
Erst mit den Jahren und viel Hilfe von Freunden, Psychologen, Selbsthilfe, Literatur und nicht zuletzt der Liebe
wurde mir bewusst, dass meine Eltern wirklich grobe Fehler begangen haben.
Diese Verstöße gegen meine Seele ( körperlich musste ich von ihnen keine Schmerzen erleiden ) waren jedoch gesellschaftlich "anerkannt" und daher konnte ich es lange nicht sehen, wie wenig sie eigentlich zu einer positiven und zur Selbstliebe führenden Entwicklung beigetragen haben.
Sie vermittelten mir, dass das was sie tun ok ist und ich es eben nicht bin.
Um es ganz einfach auszudrücken.
Aber das war für mich als Kind so schwer zu durchschauen, dass ihr Gift unbemerkt für mich und andere wirken konnte.
Und hätte es jemand bemerkt, hätte es sie/ihn so sehr interessiert, um mir zu helfen, daran etwas zu verändern ?
Wohl eher nicht
.
Ebenso wie du, flüchtete ich in sehr jungen Jahren in eine selbstzerstörerische Ehe.
Von der Eheschließung erfuhren meine Eltern dann nur aus der Zeitung ;), was ja schon einiges über das Vertrauensverhältnis, das wir (nicht) hatten, aussagt.
Auch ich habe/hatte eine große Palette an Verhaltensstörungen/Süchten aufzuweisen, die ich seit langem und langsam abbaute und mit denen die noch übrig sind, versuche ich mich zu arrangieren.
Ich bin dabei einen wohlwollenden Blick auf mich und andere zu erlernen, das ist das, was meine Eltern nie hatten und umso dankbarer bin ich, dass es mir nun ( einigermaßen ) möglich scheint.
Die Krater die meine Eltern hinterlassen haben werde ich selbst wohl nie ganz auffüllen können und hin und wieder ( in besonderen Situationen ), wird mit das auch schmerzlich bewusst, ich halte mich aber nicht mehr so sehr damit auf.
Dazu ist mir der Rest meines Lebens zu wertvoll, denn ich habe jetzt die Chance relativ unabhängig, das Beste daraus zu machen.
(Akut wünsche ich mir zu diversen anderen Tierchen die bei mir zuhause sind, noch ein Pärchen Laufenten und einen kleinen Teich dazu. )
Dass das Beste manchmal "ganz wenig" ist ;)......das zu akzeptieren gehört mit dazu, zu meiner Trockenheitsarbeit.
Du schreibst, dass das Alkoholproblem zum Zeitpunkt des Todes deiner Eltern, kein Problem mehr für dich war.
Wie war es denn zuvor ?
Meine Eltern haben auch immer mal wieder ziemlich viel getrunken, ich hatte das aber nie als Alkoholismus erkannt.
Erst dann.....als ich mich selbst auf den Weg zur Trockenheit machte.
Ich bin gespannt, was du über dich heraus finden wirst und ich freue mich, dass du darüber im offenen Bereich berichten möchtest.
Grüße von slowly ( trockene Alkoholikerin )