Beiträge von Thalia1913

    Hallo Thena,

    schön, dass du „mal anfängst“. :) Damit geht‘s doch los.

    Ich kann deine Gefühle gut nachvollziehen:

    Zitat

    Ich fühle mich nicht mehr allein. Das mag äußerst makaber klingen aber ich bin froh, dass es so viele gibt die die gleiche harte Zeit durchmachen oder gemacht haben. Ich fühlte mich so lang als Sonderling und gefangen. Ich kann endlich aufatmen und mal durchatmen.

    So ging es mir auch, als ich in meiner anfänglichen Abstinenz dieses Forum fand, und so ähnlich geht es mir noch immer, weil ich es nicht mehr so weit kommen lasse, dass ich mich so alleine und gefangen fühle wie damals in der nassen Zeit.

    Ich finde es auch ganz super, dass du deinem liebevollen Herzen eine Stimme gibst. Diese Selbstfürsorge ist in meiner Erfahrung unglaublich wichtig.

    Ich wünsche dir hier einen weiterhin guten Austausch.

    Herzlich,
    Thalia

    Liebe Inka,

    Ein Umbruch in deinem Leben passiert da gerade, so lese ich das. Du veränderst dich, deine Perspektive auf deine Beziehung verändert sich, das schafft bestimmt ganz viel Unsicherheit. Umbrüche, auch wenn sie gewollt sind, sind ja immer mit Angst verbunden, weil wir eben nicht wissen, was kommt.

    Und wenn man emotionale Regulierung lange durch Alkohol betrieben hat wie du (und ich), dann ist es nicht überraschend, dass du das Bedürfnis spürst, zu trinken, bzw. Suchtdruck bekommst.

    Allerdings bin ich in einer Hinsicht anderer Meinung:

    Zitat

    Ganz ehrlich... es wäre ein wahrhaftiges Wunder, wenn das gut ginge. :(

    Du bist ja jetzt schon ein paar Tage (10? 14?) abstinent. Wenn du jetzt wieder trinkst, ist es deine Entscheidung. Es nicht zu tun, ist auch kein „Wunder“, sondern ebenfalls deine Entscheidung. Du bist diejenige, die entscheidet.

    Die Frage ist doch, was bringt es dir, wenn du wieder Alkohol einsetzt? Benebelung? Und was bringt dir Benebelung? Glaubst du, die Situation/deine Gefühle anders nicht aushalten zu können? Wird etwas besser sein, wenn du getrunken hast? Hinterher? Und wenn nicht, wäre es nicht sinnvoller, die Situation/deine Gefühle anders zu be-/verarbeiten, durch Gespräche, schreiben, lesen, Therapie?

    (Ich merke gerade, dass ich beginne, auf dich einzureden, und das ist natürlich Quatsch. Entschuldige bitte. Nur du weißt, wie es ist, in deiner Situation zu sein, und deine Gefühle zu haben. Und die Entscheidung, zu trinken oder auch nicht, ist ganz allein deine.)

    Ich wünsch dir sehr, dass du dir deine Selbstbestimmtheit nicht selber nimmst.

    Herzlichen Gruß,
    Thalia

    Liebe Inka,

    wenn du dies vor deinem Feierabend noch liest, dann wünsche ich dir Kraft - und die richtigen Mittel - um dem Druck nicht nachzugeben.
    Kannst du heute Abend mit einer Freundin telefonieren? Hier schreiben? Sport machen? Dich anderweitig irgendwie ablenken?

    Oder dich mit ner Kiste Wasser hinsetzen und weinen? Wenn „alles Mist“ ist, dann hilft es manchmal auch nicht, sich abzulenken, sondern dann müssen die Tränen, die Trauer, die Hilflosigkeit, die Wut, oder was da noch so ist, einfach mal raus.

    Ich wünsch dir, dass du dem Druck, dem Suchtgedächtnis, nicht nachgibst, weil es ja absolut rein gar nichts besser macht.

    Ich schicke einen ganz herzlichen Gruß!
    Thalia

    Liebe Inka,

    ja, ich fand (und finde) es auch hilfreich, mich nicht so alleine zu fühlen. Es ist ja beides wahr: nur du allein kannst es schaffen, aber du brauchst es nicht alleine zu schaffen. (So ähnlich.)

    Du schriebst neulich, dass du einen Termin in der Suchtambulanz vereinbart hast. War der schon?

    Deine Frage, ob „man“ automatisch irgendwann nüchtern bleiben will, kann ich nur aus meiner Perspektive beantworten. Für mich war nach einigen (vielen) Monaten der Abstinenz, in denen ich mich intensiv mit meinem Trinken und der Funktion (den Funktionen), die das Trinken für mich hatte, auseinandergesetzt hatte, irgendwann klar, dass ich abhängig war und dass es kein Zurück in ein nicht abhängiges Trinken mehr gab. Und das abhängige Trinken war (nüchtern betrachtet) wirklich schrecklich und (selbst)zerstörerisch. Das wollte und will ich nicht mehr.

    Aber an dem Punkt war ich auch noch nicht von Anfang an. Wie gesagt, gib dir (nüchterne) Zeit. Und nutz die Hilfen, die es gibt. Hier schreiben und lesen. Gespräch in der Suchtberatungsstelle. Nutze alle Möglichkeiten, dich zu öffnen und „es“ nicht mit dir alleine auszumachen.

    Zu deinem Freund: Warum sollte er denn denken, dass „die Hütte brennt“, wenn du ihm sagst, du willst (zumindest eine Weile) abstinent leben, weil du das Gefühl has, dein Trinken ist nicht gesund?

    Ich hatte in der Vergangenheit auch manchmal den Plan, aufzuhören, ohne es jedoch jemandem mitzuteilen, und da hat dann durchaus der Gedanke mitgespielt, dass ich mir dann ja auch keine Blöße gebe oder Erklärungen liefern muss, wenn es „nicht klappt“. Spielt das bei dir auch eine Rolle?

    Aber ich hab gut reden, ich konnte erst (endgültig, hoffe ich) aufhören, als ich mich von meinem Mann getrennt hatte. Daher musste ich „nur“ ehrlich mir selbst gegenüber sein und nicht noch gegenüber einem Partner.

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende dir!
    Thalia

    Liebe Inka,

    Zitat

    Wann wird das leichter...?

    Bald. :)

    Dein Bild, einen (trockenen) Tag an den anderen zu reihen wie Perlen ist schön!

    Und darauf kommt’s am Anfang vor allem an - abstinente Zeit ansammeln. Ich kann mich noch gut erinnern an die Stimmungsschwankungen, die innere Unruhe, auch Aggression und Frustration in den ersten Tagen.

    Überhaupt fühle ich mich durch einiges, was du von dir beschreibst, an mich erinnert.

    Zitat

    Morgens ist es immer besonders schlimm, jedenfalls wenn ich alleine, also daheim aufstehen muss.
    Ich fühle mich dann richtig nackt und schutzlos und den ganzen negativen Gefühlen hilflos ausgeliefert.
    Der Kokon, in den ich mich immer eingesponnen habe, fehlt.


    Auch hier wieder: Ich kann dich so gut verstehen!

    Es braucht Geduld mit dir selbst. (Das fällt mir oft auch heute noch schwer!)
    Und ich habe auch in solchen Situationen, wenn ich dachte „Ich schaff das nicht“, und mir alles zu viel wurde, und ich dachte, „wie soll ich meinen Alltag nur ohne Wein meistern“, eine Sprudelwasserpause gemacht. Wasser getrunken, tief durchgeatmet, vielleicht vor mich hingemurmelt „Eins nach dem anderen“ (das hat mir oft geholfen, wenn ich mich von den Anforderungen, die an mich gestellt wurden - oder die ich an mich stellte - überrannt fühlte.) Ganz ruhig. Eins nach dem anderen.

    Ich habe übrigens erst nach einem halben Jahr Abstinenz den Weg in eine reale SHG gefunden (in der ich jetzt noch bin). Ich mag, ähnlich wie du, auch solche Situationen mit fremden Leuten gar nicht gerne (auch hier hatte mir der Alkohol zuvor “geholfen“, meine sozialen Ängste überspielen zu können. (Nicht überwinden, das geht erst ohne!)

    Wenn du dich doch hin traust, kannst du ja auch, wenn du dich vorstellst, gleich sagen, dass du sehr unsicher bist und beim ersten Mal noch nicht so viel sagen möchtest. Ich bin ziemlich sicher, dass das respektiert wird.

    Ich wünsche dir hier weiterhin einen guten Austausch und für die nächsten Tage eine wachsende Ruhe im Bauch.

    Alles Gute!
    Thalia

    Hallo Karamasow,

    Zitat von „Karamasow“

    Heute, also nach über 2 Jahren Abstinenz, fällt es mir immer noch schwer, Sachverhalte zweifelsfrei zu bewerten. Damit meine ich nicht Probleme auf Arbeit, sondern persönliche Belange. Bevor ich Entscheidungen treffe, fahre ich meistens gedankliche Extrarunden und muss mindestens einmal drüber schlafen. Warum? Ich erwische mich dabei, wie ich im Verlaufe eines Tages den gleichen Sachverhalt unterschiedlich bewerte. Ich vertraue meinen Rückschlüssen nicht.

    Ich kenne das. Diese Extrarunden habe ich, denke ich, schon immer gedreht, auch vor der Trinkerei, aber ich hab es mir nicht so bewusst gemacht, war nicht so achtsam (mir selbst gegenüber aufmerksam) wie heute.
    Ich sag mir heute, dass es zwar oft nervig ist, so ambivalent zu sein, aber andererseits auch eine Stärke sein kann, wenn ich dadurch zum Beispiel nicht so schnell Urteile fälle und offener bleibe für die Welt außerhalb meiner selbst.

    Viele Grüße!

    Thalia

    Hallo Risu,

    ich träume immer noch hin und wieder davon, Alkohol zu trinken. Oder zu verstecken. Oder loswerden zu wollen. Oder ähnliches. Ich bin fünf Jahre trocken.

    Es war eine schlimme Zeit. Die sitzt mir nun mal noch im Hirn.

    Gruß, Thalia

    Hallo Sany,

    Zitat

    Ich hatte am Montag die kleinen Verantwortungen, die mich mitunter belastet haben abgegeben. Das war schon ein großer Schritt und der Erste.

    Sowas hat mir auch geholfen. Grenzen anders setzen. Verantwortung übernehmen für mich und meine Trockenheit und dafür andere (vermeintliche) Verantwortlichkeiten loswerden. Prioritäten bewusst setzen.

    Das hilft mir noch immer, und daran hab ich mich jetzt gerade wieder erinnert. Danke.

    Grüße, Thalia

    Hallo Sany,

    Zitat

    So weit will ich es nicht wieder kommen lassen.

    Was tust du konkret dafür?
    Machst du bewusst irgendwas anders als vor Samstag, oder sogar vor dem letzten Urlaub, denn

    Zitat

    Schon da merkte ch dass ich nicht im Gleichgewicht war.

    Grüße, Thalia

    Hallo Sany,

    willkommen (zurück) hier.

    Ich könnte mir vorstellen, dass ich mich ähnlich selber „fertiggemacht“ hätte, wenn ich nach einem halben Jahr rückfällig geworden wäre. Was aber sowas von gar nichts bringt. Es birgt eher die Gefahr, schnell erneut rückfällig zu werden.

    Carl Friedrich hat es schon geschrieben: Du konntest den Rückfall sofort stoppen. Das ist gut, und noch besser ist, wenn du jetzt herausfindest, wann er genau angefangen hat.

    Zitat

    Schon da merkte ich dass ich nicht im Gleichgewicht war.

    Da könntest du zum Beispiel ansetzen. Es ist doch sehr gut, wenn du spüren kannst, dass was im Argen liegt.

    Mir persönlich hilft ja auch der regelmäßige Austausch mit anderen trockenen Alkoholikern sehr. Auch in einer „realen“ SHG. Auch ich muss eine Kinderbetreuung organisieren. Es ist letztlich eine Frage der (deiner) Prioritäten.

    Bleib dran.

    Gruß, Thalia

    Hallo RiSu,

    was ist es für ein Gefühl, das sich mit dem von dir beobachteten „kleinen Verlangen“ nach Alkohol verbindet?

    Wie möchtest du dich (durch den Konsum von Alkohol) fühlen?

    Wenn du dir auf die Schliche kommst, kannst du andere Wege finden und hast Handlungsspielraum.

    Ich wünsch dir Mut, in die SHG zu gehen. Mir bedeutet es nach wie vor viel, mich regelmäßig „IRL“ mit trockenen Alkoholikern auszutauschen. Ich hatte damals auch Angst davor und brauchte viele Monate, bis ich mich traute.

    Grüße
    Thalia

    Gestern Abend war so ein Moment. Bevor ich in meinem Wohnzimmer das Licht löschte, um schlafen zu gehen, da schaute ich mich um, und da flutete mich so ein Gefühl an, das sich im Kopf als „Danke“ formuliert. Das Danke hat dann für mich in dem Moment gar kein fest umrissenes Gegenüber, keinen Empfänger, außer „allem“. Es ist Freude. Aber eben auch eine Freude, die so, in dieser jetzt empfundenen Form nicht da wäre, nicht da sein könnte, wenn es nicht auch das Gegenteil gegeben hätte. Es ist Freude darüber, dass es mir - jetzt, in diesem Moment - gut geht und dass ich das empfinden kann.

    Ich hab mit Interesse gelesen, was MieLa über ihr Gefühl von Dankbarkeit geschrieben hat, und das beschreibt es für mich auch gut.

    Zitat von „MieLa“

    Die Dankbarkeit gegenüber Personen ist wohl selbsterklärend. Dazu gehören mein Lieblingsmensch, meine Freunde, die Menschen in diesem Forum, diejenigen, die die Bücher geschrieben haben, die mir geholfen haben, diejenigen, die mit einer Äußerung, einem Satz etwas in mir zum Klingen und zum Verstehen gebracht haben - vielleicht sogar ohne es zu merken.

    Die Umstände zu erklären ist etwas schwieriger. Damit meine ich meine (glücklichen) Lebensumstände (z.B. Beruf, Einkommen, Reflektionsfähigkeit und vieles mehr), die es mir ermöglichen, relativ komfortabel ein Leben ohne Alkohol zu lernen und zu führen. Ursache dafür sind nicht nur meine eigene Leistung und die Entscheidungen, die ich getroffen habe, sondern [auch] Menschen, die mir die Möglichkeit geboten haben, mich zu entwickeln und zu lernen.

    Ja, so gehts mir auch. Danke, MieLa, und danke Penta für deinen kurzen Exkurs zu „Sowohl-als auch“, den ich komplett für mich so unterschreibe.

    Schönen Sonntag.

    Thalia

    Hallo Moony,

    es klingt wirklich, als tätet ihr euch nicht gut.
    Vielleicht ist dies jetzt ja für dich ein hilfreicher „Aufrüttler“, der dir hilft, dich aus der Situation (Beziehung) zu lösen?

    Mir ist neulich ein Absatz von dir aufgefallen:

    Zitat

    Vllt ist es auch nur seine Verletzlichkeit, diese zarten Momente kurz nach der Entgiftung die mir das Gefühl geben ich bin stark für ihn und wir sind ein Team und wir schaffen das, die dieses "zusammen eins" auslösen. Das Gefühl ist nicht oft da aber wenn dann haut es mich regelrecht um.

    Vielleicht liegt darin ja auch eine wichtige Erkenntnis für dich: warum du bisher weiterhin an der destruktiven Beziehung festhältst? Was bekommst du?
    Kannst du dir Hilfe (Gespräche, Therapie) suchen, damit du deine eigenen Bedürfnisse, die die destruktive Beziehung für dich erfüllt, anders befriedigen lernst?

    Viele Grüße und alles Gute,
    Thalia

    Hallo Miela,

    schön, das es dir gut geht.

    Dankbarkeit, das hat sich bei mir auch als stetig vorhandenes Gefühl herauskristallisiert. Ich schrieb wohl auch schon das ein oder andere Mal davon. Auch gerne in Kauf nehmend, dass ich mich wiederhole. Weil ich es halt immer wieder so fühle.

    Ich finde deine Methode der Visualisierung und des „Überschreibens“ der Bilder im Kopf, bevor du in die Situation hineingehst, eine richtig gute Idee. Danke dafür.

    Viele Grüße und dir ein schönes Wochenende.

    Thalia