Wer ich bin - aber auch vor allem, wer oder was nicht Ich bin - das ist eine der Kernfragen. Identitätsmäntel hab ich mein Leben lang angezogen, weil ich mein eigenes Fell nicht spüren konnte. Die haben aber nicht überall gewärmt, oder waren zu eng, so dass ich nicht atmen konnte, oder zu weit, dass ich mich darin verloren hab und die Welt außerhalb nicht mehr sehen konnte. Und sie mich nicht.
Mein eigenes Fell spüre ich jetzt manchmal. Da bin ich dann ganz sicher, dass ich ich bin. Das nehme ich dann mit Staunen wahr. Darin liegt der Schlüssel zur Selbstliebe. Mich sehen. Momentan häufig noch etwas Kleines, bei dem ich ganz sicher bin, dass das zu mir gehört. Dass ich eine bestimmte Musik mag. Oder es mag, Vögel im kahlen Gebüsch zu entdecken. Oder nachmittags schwarzen Tee lieber mag als Kaffee. Mich selbst zu sehen und zu spüren und zu erkennen - da wird Selbstliebe möglich.
Ich kann üben. Zum einen, indem ich darauf achte. Auf diese Momente des Erkennens, des bei mir Seins. Und ich kann Fürsorge für mich üben. Üben, Ja zu mir zu sagen. Nicht Ja aber, sondern Ja. Das finde ich sehr schwer. Aber diese kleinen Momente, in denen ich mein eigenes Fell spüre, die geben mir die Zuversicht, dass ich das kann. Dass ich da bin und dass ich mich auch Stück für Stück erkennen, annehmen und lieben lernen kann.