Beiträge von Thalia1913

    Hallo Epic,

    erstmal find ich es gut, wie intensiv du dich auseinander setzt.

    Zitat von Epic

    Ich wusste doch, dass da noch was offen war. Also sonst ist mir nichts aufgefallen. Aber als ich vorhin in den Spiegel geschaut habe (ungeschminkt, da ich ja im Krankenhaus bin), kam mir meine Gesichtshaut schlechter vor. Unreiner, geröteter.

    Ich meinte meine Frage allgemeiner, nicht "nur" auf körperliche Einschränkungen bezogen. Die "Einschränkungen", die ich aufgrund meines abhängigen Trinkens hatte, waren bei mir besonders schmerzhaft im sozialen und emotionalen Bereich - mein Selbstwertgefühl war am Boden zum Beispiel. So nicht mehr leben zu müssen ist für mich die Hauptmotivation.

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Taurus,

    willkommen hier (nochmal).

    Du schreibst, du warst schon einmal "trocken", hast jedoch regelmäßig (Wein) getrunken.

    Wie sieht es denn jetzt aus: Bist du in den vergangenen zwei Monaten wirklich trocken (abstinent), oder nur bierfrei?

    Du schreibst von Kampf - du bist allerdings auf verlorenem Posten, so ist das mit der Sucht nun mal. Daher auch "Kapitulation", d.h. Schluss mit Kämpfen. Und dann brauchst du auch nicht mehr den Alkohol in Reichweite, um dir "was zu beweisen", denn dann ist der Kampf beendet und du kannst dich stattdessen wieder deinem Leben widmen.

    So geht es mir.

    Die Suchtfibel ist auch eine gute Lektüre.

    Viele Grüße
    Thalia

    Hi Tina,

    schön, dass du hier draußen schreibst. :)

    Mein Bestes heute (also heute, nicht gestern) war der Sonnenaufgang, und dass ich ihn sehen und mich daran freuen konnte.

    Vielleicht aber auch der Keks vorhin. Gar nicht so einfach.

    Kennst du den "3 Dinge für die ich dankbar bin" Thread?

    Was war heute dein Bestes?

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Friedrichson,

    willkommen hier im Forum.

    Mir hat das Lesen zu unserer Krankheit auch sehr geholfen. Und :
    Ich genieße noch immer die Freude und Dankbarkeit darüber, dass ich nicht mehr trinken muss. :)

    Fällt es dir leicht, Maßnahmen zur Risikominimierung umzusetzen? Magst du erzählen, was das für dich konkret bedeutet? Was hast du verändert?

    Ich wünsch dir heute einen schönen zweiten Advent.

    Grüße, Thalia

    Liebe Step,

    ich freu mich, von dir zu lesen. Und soll ich dir was verraten? Bei mir liegt auch noch die Herbstdeko neben dem Adventsgesteck, und was du über deinen alljährlichen Ärger darüber schreibst, nicht schon vor dem zweiten oder dritten Advent weihnachtlich dekoriert zu haben, kann ich auch sehr gut nachvollziehen. :) Wir können uns ja mal gegenseitig gestatten, uns da nicht unter Druck zu setzen in diesem Jahr, was meinst du.

    Dein was-wäre-wenn Spiel spiele ich übrigens mit dem gleichen Ergebnis, und das ist schon sehr hilfreich beim gedanklichen Trockenbleiben.

    Dir eine gemütliche erste Adventswoche.

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Martina,

    Danke für deine Nachfrage! :)

    Zitat

    "Gestaltet Du Dein Leben jetzt,heute,so, das es Deiner Trockenheit dient"


    Das ist für mich eine der zentralen Fragen, die ich mir auch heute noch manchmal bewusst stelle.

    Ich weiß nicht, wie es bei dir ist/war, aber ich neige dazu, allem Möglichen in meinem Leben Priorität zu geben, nur nicht meiner eigenen Zufriedenheit und Ausgeglichenheit, die ich aber als sehr wichtig für meine stabile Trockenheit ansehe. Insofern ist es für mich, seit ich trocken leben will, wichtig, immer mal wieder zu gucken: wie setze ich gerade meine Prioritäten?

    Das ist das eine. Das andere ist die Risikominimierung.
    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…echternheit.php

    Da geht meine Frage dahin: gestaltest du dir dein Leben möglichst so, dass du
    - offen mit deinem familiären und engen Umfeld über deine Krankheit redest,
    - hast du ein alkoholfreies Zuhause und soweit wie möglich ein alkoholfreies Umfeld
    - hast du deinen Alltag verändert, seit du nüchtern lebst? D.h. hilfst du dir selbst dabei, trocken zu bleiben, indem du deinen Alltag (alkoholfrei) umgestaltest, auch zum Beispiel deine Freizeitbeschäftigungen

    Bei mir ist es oft so, dass ich das Gefühl habe, funktionieren zu müssen, irgendeiner Aufgabe oder Anforderung gerecht werden zu müssen. Seit ich erkannt habe, das sich alkoholkrank bin, versuche ich immer wieder zu sagen: Halt, wenn ich das und jenes jetzt tue, was bedeutet das für meine Trockenheit.

    Ich finde das gar nicht einfach, meine Trockenheit und damit mich selbst wichtig genug zu nehmen, besonders wenn ich im Alltag auf Widerstand oder Unverständnis stoße.

    Ich hoffe, ich konnte meine Frage etwas konkretisieren. Frag mich sonst gerne wieder.

    Einen guten Start ins Wochenende wünsche ich dir. Was liegt an?

    Thalia

    Hallo Carl Friedrich,

    Ich freue mich, dass du mir geschrieben hast, weil ich in diesem Thread auch gerne in einen Austausch kommen würde. :)

    Ich glaube, ein bisschen hast du mich missverstanden, das finde ich aber nicht schlimm. Das gibt mir im Gegenteil nochmal die Möglichkeit, mich klarer auszudrücken.

    Der Laden, in dem ich neulich war, liegt an einer Straße, durch die ich normalerweise nicht komme; deshalb ergab es sich bisher nicht, dass ich dort einkaufe. Und daher waren wohl die Erinnerungen so "un-überlagert".

    Für mich gehören auch diese Beklemmungen zum Suchtgedächtnis, die körperliche Erinnerung an die Panik, an das Schamgefühl, an die verzerrte Wahrnehmung. Obwohl das mit Suchtdruck nichts zu tun hat. Der Alkohol selber war es nicht, sondern das Drumherum, an das ich mich mit Schrecken und Mitgefühl erinnert habe.

    Hast du nicht auch noch Momente, in denen dir deine nasse Vergangenheit wieder ganz gegenwärtig ist?

    Ich finde das, so wie ich auch schrieb, gar nicht schlimm. Auch das ist übrigens ein Grund für mich, in der SHG zu sein. Und mich auch mit frisch Trockenen auszutauschen. Auch das hält die Erinnerung wach (wenn einem die Supermärkte ausgehen) und das ist ein Schutz.

    Viele Grüße dir!

    Thalia

    Vor ein paar Tagen war ich zum ersten Mal seit drei Jahren wieder bei dem Supermarkt, bei dem ich mir oft Wein gekauft habe. Er liegt nicht in meinem normalen "Einzugsgebiet", daher war das gar nicht mal so eine bewusste Entscheidung, den Laden zu meiden oder so. Aber neulich war ich gerade in der Gegend und brauchte Milch, und so hielt ich dort frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit an.

    Der Laden öffnete gerade. Schon als ich auf den Parkplatz fuhr, drückte sich mein Magen zusammen, wurde ich kurzatmig und bekam starkes Herzklopfen. Als ich dann drin war, ließ ich mir bewusst Zeit. Mein Instinkt war, mir die Milch zu schnappen und durchzueilen zur Kasse. Aber ich hab erstmal tief durchgeatmet und bin bewusst langsam durch die Gänge gegangen. Ich wurde dann auch ruhiger.
    Sie hatten in der Zwischenzeit etwas umgebaut, aber das Weinregal war immer noch links am Gang vor den Kassen.

    Ich erinnere mich, dass ich dort oft sechs Flaschen Weißwein aufs Band gelegt habe. Irgendwie bildete ich mir ein, das würde so wirken wie eine "Einheit", so eine Kiste, die man beim Weinhändler bekommt (was mir auf Dauer zu teuer wurde).

    Und ich erinnere mich an das Gefühl der Erleichterung, wenn ich mit den sechs Flaschen den Laden verließ. Der Vorrat war gesichert. (Manchmal kaufte ich in einem anderen Laden aber auch noch ein oder zwei Flaschen, um auch ganz ganz sicher durchs Wochenende zu kommen.)

    Solche Erinnerungen tauchen nicht mehr oft bei mir auf, aber dieser Supermarkt holte das wieder hervor. Ich kann mittlerweile Mitleid empfinden mit mir selbst, wenn ich daran denke. (Das klingt doof: Selbstmitleid.) Ich meine Mitgefühl. Und ich weiß auch, dass meine Suchtkrankheit mich auch heute noch, als der Mensch, der ich heute bin, mir-nichts-dir-nichts wieder so handeln lassen würde, auch wenn ich mich jetzt ganz weit weg davon fühle. Daher ist es gut, dass es das Suchtgedächtnis gibt. Es ist wichtig, nicht zu vergessen, aber die Erinnerung quält mich heute nicht mehr. Dafür bin ich sehr dankbar.

    Thalia

    Hallo Martina,

    Zitat

    Alkohol gelegentlich eine Begleiterscheinung eines größeren (Problem)Konstrukts.


    Das stimmt sicherlich. Bei mir war das auch so. Allerdings ist es mir mittlerweile klar, dass es zu Beginn der Trockenheit sehr schwer ist, das alles auseinanderzudröseln. Mir wird erst jetzt langsam klar, dass es nicht um "Schuld" geht. Ich bin nicht "schuld", dass ich alkoholkrank bin, aber es ist auch kein anderer "schuld".

    Es hat echt gedauert, bis ich mich davon lösen konnte - ich brauchte diese "Schuldzuweisung" eine ganze Weile, um mich weniger schlecht zu fühlen. Aber ich habe irgendwann gemerkt, dass mich das nicht weiterbringt. Dass mich dieses Denken im Gegenteil sogar in dem kranken System festhält.

    Das Gefühl, für mich verantwortlich zu sein, mein Verhalten zu verantworten, bedeutet eben auch, niemand anderen für mich und mein Verhalten verantwortlich zu halten, und für mich bedeutet das ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit und Macht über mich selbst.

    Gestaltest du dein Leben jetzt, heute, so, dass es deiner Trockenheit dient?

    Viele Grüße
    Thalia

    Nachtrag:

    Allerdings gibt es Momente in der SHG, gerade, wenn noch frisch Abstinente berichten und sich wehmütig an das angenehme Gefühl erinnern, das sie mit dem ersten Glas verbinden, da spüre ich das auch und erinnere mich daran. Das gehört für mich zur Trockenarbeit dazu. Es ist ja so - irgendwann fand ich das Gefühl, das der Alkohol vermittelte, ja angenehm, sonst hätte ich ja nicht weitergetrunken. Diese Erinnerung triggert aber immer weniger, je länger ich trocken bin.

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Kamarasow,

    das Suchtgedächtnis wird auch bei mir mitunter angesprochen bei der Beschäftigung mit Alkohol im Rahmen der Selbsthilfe, hier online oder in der "nicht digitalen" SHG.

    Der Unterschied für mich ist, dass ich mich in der SHG bewusst mit dem Thema auseinandersetze. Und sich so auch mein Verhältnis zu Alkohol wandelt. Das könnte es nicht, wenn ich das Thema komplett auszuklammern versuchte aus meinen Gedanken. Jetzt mache ich mir halt andere Gedanken zu dem Thema als in meiner nassen Zeit.

    Viele Grüße dir und einen guten Wochenstart.
    Thalia

    Vielen Dank für dir Beteiligung! :)

    Häufig (auch potentiell bei mir) ist die (Vor-)Weihnachtszeit ja gar nicht so sehr von Lebkuchenduft und Kerzenschein geprägt, sondern von ganz viel Stress. Da "müssen" Geschenke gekauft, Adventskalender gebastelt, Rezepte herausgesucht, Wohnräume geputzt und weihnachtlich dekoriert werden usw., und bei all dem "muss" man fröhlich und besinnlich gestimmt sein. Ich übertreibe mal etwas. Aber auch ohne Glühweinschwaden ist alleine durch den erhöhten Stresslevel, den viele Menschen haben, der Alkohol näher als vielleicht sonst; die vermeintliche Entspannung, die er verschafft.

    Ich finde, es hilft, sich dies klarzumachen, wenn man vor der Entscheidung steht, "gehe ich mit den Kollegen auf den Weihnachtsmarkt oder nicht".

    Und ich finde auch, es kann überhaupt auch generell nicht schaden, sich mal zu fragen, wieviel "müssen" denn eigentlich sein muss, auch und gerade in der Adventszeit. Und das schreib ich mir auch ganz groß hinter die eigenen Ohren.

    Viele Grüße und einen schönen Sonntag!

    Thalia