Beiträge von Kalliopi

    Hallo und guten Morgen!

    Ich bin in den letzten Tagen innerlich ziemlich aufgewühlt. Einerseits durchs Nachdenken über mich selbst, andererseits durchs Lesen der vielen anderen Co-Fäden, die mich schon sehr berühren.

    Bevor ich mich meinen Fragen widme, will ich noch eine Begebenheit der letzten Tage erzählen, die mir ein Stück die Augen geöffnet hat, wie unterschiedlich man ein und dieselbe Situation wahrnehmen kann. Mein Partner war zu einer Geburtstagsparty eingeladen, zu der er aber überhaupt keine Lust hatte. Klar, da wurde getrunken, und es waren auch Leute da, die er nicht wirklich hätte treffen wollen. Ich hab ihm vorgeschlagen, dass er anstandshalber nur mal kurz hingucken und dann wieder gehen könnte. Schon als ich das gesagt habe, hab ich mir gedacht, was das für ein bescheuerter Vorschlag ist. Wieso sollte er aus Gefälligkeit anderen gegenüber irgendwas tun, was ihm nicht gut tut? Zum Glück hat er nicht auf mich gehört: Er hat eine viel bessere Lösung gefunden: Er hat die Party abgesagt und trifft sich irgendwann mal so mit dem Geburtstagskind. Was mir das zeigt: Während er vielleicht einen klitzekleinen, aber entscheidenden Schritt in Richtung Risikovermeidung gemacht hat, hab ich versucht, ihm meine verquere "Du musst tun, was du denkst, was andere von dir erwarten könnten"-Denke überzustülpen. Ich muss mich wohl noch viel, viel mehr zurücknehmen und loslassen. Mein Partner kann seine eigenen Entscheidungen treffen. Es wird immer Entscheidungen geben, die ich gut finde, und welche, die mir gar nicht passen. Und wenn er zu viele Entscheidungen treffen sollte, die mir nicht passen, dann liegt es ja an mir, ob ich das mittrage oder nicht. So weit so gut – in der Theorie ist das bei mir durchaus angekommen.

    Das führt mich gleich zu meiner ersten Frage.

    Zitat

    - Warum glaube ich trotzdem, dass ich vielleicht doch irgendwann lieber still leiden würde als zu gehen? Was steckt in mir, dass ich mir sowas zutraue?


    Mit dieser Frage habe ich ganz schön zu kämpfen. Was da in mir steckt, ist vor allem die Angst, dass es so kommen könnte. Weil es so vielen anderen schon passiert ist, weil es genauso ist, wie Renate es aus ihren Erfahrungen beschreiben hat: Man kann in diesen Strudel einfach so hineinrutschen, ganz unmerklich. Nun kann aber ein gesunder Mensch ja einfach darauf vertrauen, dass er eine Beziehung, wenn sie ihm nicht mehr gut tut, beenden würde. Auch ich habe das mit früheren Beziehungen getan, als ich merkte, das war nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Was ich im Moment nicht aufdröseln kann: Kann ich darauf vertrauen, dass ich auch diesmal das für mich Richtige tue? Oder ist die Angst berechtigt? Versteht Ihr was ich meine?

    Die Frage nach dem Vertrauen in mich selbst führt mich zum nächsten Punkt:

    Zitat

    - Wenn ich jetzt, nach zwei Jahren, doch noch nicht vollends verstrickt bin: Was habe ich in ganzen dieser Zeit schon gemacht dafür, dass es mir gut geht? Wo kann ich weiter anknüpfen?


    Als mir klar war, dass es um eine handfeste Suchterkrankung geht, hab ich alles zum Thema Alkoholismus und Co-Abhängigkeit verschlungen, was mir in die Hände gefallen ist. Ich habe Co-Verhaltensweisen, die sich in den ersten Monaten schon eingeschlichen hatten (Flaschen-Kontrolle, Vorwürfe, Schönreden) sofort sein gelassen. Immer wieder hinterfrage ich mich seitdem selbst und rufe ich mir immer wieder in Erinnerung, was ich mir von einer Partnerschaft erwarte und ob das noch alles so noch passt. Was auch sehr wichtig war: Ich habe im Grunde mein eigenes Leben fast 1:1 in die Partnerschaft integrieren können - es gibt nichts, was ich in meiner Partnerschaft hätte aufgeben müssen. Was für mich schon sehr wichtig ist: Eine Partnerschaft ist im Idealfall nicht die Basis für ein erfüllendes Leben, sondern das i-Tüpfelchen auf dem, was man sich selbst aufgebaut hat. Und wenn ich tief in meine Arbeit versunken bin, abends mit Freunden unterwegs bin oder mich gerade irgendein spannendes Buch fesselt, dann kann ich meinen Partner auch schon mal stundenlang vergessen... :D Aber auch mein Partner hat einen großen Anteil daran, dass ich mich mit ihm wohlfühle. Und ich nehme ihm immer noch ab, dass er trocken leben möchte.

    Weiter zur nächsten Frage:

    Zitat von Kalliopi


    - Verbiege ich mich in meiner Partnerschaft?


    Ich habe im Moment nicht den Eindruck, mich zu verbiegen. Aber, wie oben schon angesprochen, Angst davor, dass es so kommen könnte.

    Bleibt noch eine Frage:

    Zitat

    - Gibt es vertraute Menschen, denen ich eigentlich schon längst mal "reinen Wein" (haha, Wortspiel :lol: ) einschenken will? Was hindert mich denn daran, offen zu sprechen?


    Hm, dabei merke ich, wie sofort ein Gedanke in mir aufsteigt: Was sollen dann die Leute von mir denken? Völliger Quatschgedanke, weiß ich auch. Aber aus irgendeinem Grund ist es mir wichtig, was andere Menschen von mir halten. Weiter bin ich hier noch nicht gekommen, aber ich vermute, dass das auch ein wichtiger Knackpunkt sein könnte.


    Erstmal dankeschön fürs Lesen und fürs Durchkämpfen durch meine Gedanken. Und nun Feuer frei für Eure Anregungen. :wink: Könnt Ihr mein Geschreibsel irgendwie nachvollziehen?


    LG Kalliopi

    Hallo liebes Forum,

    Zeit für eine erste kleine Zusammenfassung. Ich hab aus den ganzen Beiträgen mal die Fragen herausgefiltert, mit denen ich mich noch genauer beschäftigen will.

    - Verbiege ich mich in meiner Partnerschaft?

    - Gibt es vertraute Menschen, denen ich eigentlich schon längst mal "reinen Wein" (haha, Wortspiel :lol: ) einschenken will? Was hindert mich denn daran, offen zu sprechen?

    - Wenn ich jetzt, nach zwei Jahren, doch noch nicht vollends verstrickt bin: Was habe ich in ganzen dieser Zeit schon gemacht dafür, dass es mir gut geht? Wo kann ich weiter anknüpfen?

    - Warum glaube ich trotzdem, dass ich vielleicht doch irgendwann lieber still leiden würde als zu gehen? Was steckt in mir, dass ich mir sowas zutraue?


    So, damit hab ich wohl erstmal zu tun. Weitere Fragen sind aber natürlich willkommen. :wink:

    LG Kalliopi

    Guten Morgen!


    girasole

    Zitat von girasole


    warum würdest du lieber still leiden, als zu gehen?
    LG girasole


    Danke für die Frage - auch wenn ich sie tatsächlich noch nicht beantworten kann. Ich mache mir Gedanken. :wink:


    Renate
    Vielen, vielen Dank für Deine Erfahrungen.

    Zitat von RenateO


    Vor der Beziehung mit meinem (inzwischen) Ex,war ich auch ein zufriedener Single und ich dachte wenn ich tägliche draufschaue ob es sich für mich gut anfühlt,dann bin ich auf der sicheren Seite.


    Ja, genau! So geht's mir gerade, das hätte ich auch schreiben können.

    Zitat von RenateO


    Der Alkohol schleicht sich ein wie ein Krake nimmt immer mehr Raum ein und das Verhalten der Angehörigen verändert sich ebenso ,,schleichend,, passt sich quasi an.
    Da liegt meiner Meinung nach die große Gefahr.
    Irgendwann stecken alle zu tief drin .


    Trotzdem sehe ich auch diese Gefahr. Wenn sich was langsam einschleicht, ist es viel schwerer, klare Grenzen zu ziehen, als wenn es mal irgendeinen großen Knall gibt.


    @Sunshine

    Zitat von Sunshine_33


    Du hörst Dich allerdings schon recht gut sortiert an.
    Und hängst evtl. auch noch nicht ganz so tief drin?


    Ich weiß nicht, ich hab ja keinen direkten Vergleich, ich hab sowas ja noch nie zuvor erlebt. Irgendwie hänge ich sicher drin, vielleicht nur noch nicht so tief, dass es mein ganzes Leben bestimmt und ich darunter leide. Soweit soll es nicht kommen, deshalb bin ich hier. :wink:


    Zum Nochtieferschürfen bin ich noch nicht gekommen, die Woche ist gerade etwas stressig...

    LG Kalliopi

    Hallo Foris,

    @Sunshine

    Vielen Dank für Deine klaren Worte. Im ersten Moment hat sich in mir alles gesträubt bei Deinem Beitrag, dann hab ich doch gesehen, dass er mir ein bisschen aus dem Herzen spricht. Ich hoffe, ich hab Dich richtig verstanden, wenn nicht, gibt mir bitte Bescheid.

    Zitat von Sunshine_33


    Mir stellt sich da erstmal die Frage, will ich mich denn überhaupt vom Verhalten meines Partner abgrenzen (müssen) ?
    Was ergibt es für einen Sinn, wenn ich in einer Beziehung lebe, in der ich mich von meinem Partner abgrenzen muß ?? :shock:
    Ich lebe in einer Beziehung, um mit meinem Parter ZUSAMMEN zu leben, und nicht, um mich abzugrenzen.
    Dann hätte ich auch Single bleiben können :wink:

    Ich meine das ganz mal abgesehen davon, das ich auch in einer Beziehung immer ich bleibe und mein Partner bleibt auch er selbst.
    Es gibt in meiner Beziehung durchaus gesunde Abgrenzungen vom anderen, wie sind keine Einheit, sondern jeder ist auch trotzdem noch ein eigenständiges Wesen.


    Ich hab schon recht klare Vorstellungen, was für mich eine schöne Partnerschaft ausmacht. Bevor ich mit meinem Partner zusammenkam, war ich mehrere Jahre Single. Ich war's also gewohnt, allein durchs Leben zu gehen, und hab mich dabei auch sehr gut gefühlt. Eine Partnerschaft besteht für mich aus zwei gleichberechtigten, eigenständigen Menschen, die ohne einander könnten, weil sie auch in der Lage sind, auf eigenen Füßen zu stehen, die aber miteinander wollen, weil sie sich lieben. Zu einer gesunden Partnerschaft gehört für mich, dass sich jeder auch mal am anderen anlehnen kann, gegenseitiger Respekt, dass man sich immer auf Augenhöhe begegnet. Ein Partner steht nicht hinter mir, um mir zu folgen, nicht vor mir, damit ich ihm folge, sondern neben mir, weil wir gemeinsam durchs Leben gehen. Solange der Weg der gemeinsame Weg ist. Freilich gehört dazu auch, dass man sich gegenseitig sein Herz ausschütten kann, wenn man Probleme oder eben eine Krankheit hat.

    Was meine Partnerschaft trübt, sind alle paar Wochen die Abende, an denen er betrunken schnarchend auf dem Sofa liegt und man nicht mehr mit ihm über ein Problem sprechen kann, weil er es für sich gerade in den Hintergrund gesoffen hat.

    Nun weiß ich, wie auch Renate gesagt hat: Die Alkoholkrankheit ist eine fortschreitende Krankheit, wenn der Erkrankte sie nicht stoppt. Bei dieser Partnerschaft mit ein paar trüben Abenden wird es also höchstwahrscheinlich nicht bleiben.

    Zitat


    Wenn ich merke, ich komme mit dem Verhalten eines anderen nicht zurecht, dann trenne ich mich und versuche nicht,
    da auf Teufel komm raus doch was hinzubiegen, indem ICH mich komplett verbiege.

    Darüber habe ich lange nachgedacht und bin auch noch nicht ganz fertig mit nachdenken... :wink: Wann verbiege ich mich? Wie verbiege ich mich? Wie würde ich mich eigentlich gerne verhalten? Diese Fragen muss ich noch für mich beantworten.

    Vielleicht kriege ich das mit der inneren Abgrenzung nicht hin, weil innere Abgrenzung doch gleichbedeutend ist mit Trennung? Vielleicht ist aber die innere Abgrenzung auch ein Prozess, dessen Ende eine Trennung sein könnte? Ich weiß nicht. Eine Trennung ist (im Moment) für mich die Option, falls die Situation kippt und ich nicht mitkippen will. Ich versuche mir zu verinnerlichen: Wenn ich nicht mehr will, dann darf ich auch gehen. Ob ich das machen würde, weiß ich nicht... Die vielen Erfahrungsberichte im Co-Bereich gehen nicht spurlos an mir vorbei: Da sind so viele Menschen, die in ihrer verfahrenen Situation auch einfach aufstehen und gehen könnten, es aber dann doch nicht tun. Vielleicht würde ich mich ganz genauso verhalten und - wie Du sagst - den Hintern nicht mehr hochbekommen und lieber still leiden. Ich weiß nicht. Auch darüber muss ich noch nachdenken.

    Zitat


    Nun ist Alkoholismus eine Krankheit, Ja.
    Und sie wird hier immer wieder mal mit Krebs oder anderen schrecklichen Krankheiten verglichen, und das man dann den anderen doch auch nicht allein lassen würde.
    Das ist ein sehr hinkender Verlgeich, Suchterkrankungen sind so nicht vergleichbar mit anderen Erkranungen.


    Ja, das ist wohl wahr. Wobei man sicherlich auch co-abhängig werden kann von einem Menschen, der eine andere schwere Krankheit hat, weil man ihn nicht im Stich lassen möchte und für ihn sorgen will und am Ende die Krankheit die ganze Familie bestimmt.

    So, schonmal vielen, vielen Dank für den vielen Input hier im Forum. Da sind echt jede Menge Gedankenanstöße dabei. :wink:

    LG Kalliopi

    Hallo liebes Forum!

    Weil girasole den Selbstwert und die Identität angesprochen hat, hab ich darüber die letzten Tage mal nachgedacht.

    Mir ist es schon sehr wichtig, was andere Menschen über mich denken. Ich bin ein perfektionistisch veranlagter Mensch und will immer alles zu meiner, aber auch zur Zufriedenheit anderer möglichst gut erledigen. Ich fühle mich gar nicht gut, wenn ich mir einbilde, dass ich Erwartungen mal nicht erfüllen kann. Was ich dabei schon erkannt habe: Ich weiß oft gar nicht, was die Erwartungen der anderen an mich sind, ich zerbreche mir vielmehr selber den Kopf darüber, was andere von mir erwarten könnten. Dabei kommt dann oft was ganz Irreales raus. Das betrifft sebst klitzekleine Kleinigkeiten wie zum Beispiel, was man von mir denken könnte, wenn ich mal ungeschminkt das Haus verlasse. Oder zu laut Musik höre. :roll:

    Ich habe immer das Gefühl, ich müsste mich erklären und rechtfertigen, auch wenn andere das vielleicht überhaupt nicht erwarten, weil sie sich darüber, anders als ich dachte, gar keine Gedanken gemacht haben. Wahrscheinlich fällt's mir deshalb auch nicht ganz leicht, offen damit umzugehen, dass ich mit einem alkoholkranken Partner zusammenlebe.

    Ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine. Was das in Bezug auf die innere Abgrenzung gegenüber dem Alkoholproblem meines xy bedeutet, weiß ich noch nicht. Ich möchte mich emotional davon abgrenzen, einfach sein Problem bei ihm lassen und nicht immer darüber nachdenken müssen. Wie das genau gehen soll - keine Ahnung...

    So, nun hab ich erstmal wieder ein paar Gedanken dagelassen. Danke schon mal fürs lesen. :wink:

    LG Kalliopi

    Hallo girasole,

    danke schön für den Willkommensgruß. Von Dir hab ich schon viel gelesen, als ich immer mal wieder im Forum gestöbert habe. :wink:

    Zitat von girasole


    Innere Abgrenzung: wenn dir das schwer fällt oder unmöglich ist, könnte es daran liegen, dass du generell ein Thema mit "Grenzen" hast. So war es bei mir. Daran knüpften sich dann an: mein Selbstwert, meine Identität unvm.
    Da empfiehlt sich echt prof. Hilfe. Ohne hätte ich es nicht geschafft.

    Ein generelles Problem mit Grenzen... das könnte schon sein. Darüber muss ich genauer nachdenken.

    Liebe Grüße
    Kalliopi

    Ach ja, was ich auch gerne möchte, aber nicht kann, weil ich aus irgendeinem Grund Hemmungen verspüre: offener mit dem Thema umgehen.

    Ich trinke ja selbst nichts mehr. Zwar habe ich mich anfangs wegen meines Partners dazu entschieden (ohne dass er's verlangt hätte), mich aber schnell selbst total wohl ohne Alkohol gefühlt. Ich finde es sehr schön, in jeder einzelnen Minute nüchtern durchs Leben zu gehen. Nun fällt das guten Bekannten aber natürlich auf. Die mit Abstand häufigste Frage, wenn ich mich lieber an einer Apfelschorle festhalte: "Bist Du schwanger?"

    Im Moment sage ich immer nur, dass ich gerade keine Lust habe. Dabei würde ich eigentlich gern klarstellen, dass das für immer gilt.

    Kennt Ihr diese Hemmungen?

    Liebe Grüße
    Kalliopi

    Hallo Traurig,

    hab Dich gefunden. Jetzt verstehe ich Dich besser.

    Ich lasse Dir einfach mal liebe Grüße da und wünsche Dir und Deinem Kind eine schöne und erholsame Zeit auf der Kur. Und dass Du viel Kraft sammeln kannst. :wink:

    Viele Grüße
    Kalliopi

    Hallo Traurig,

    danke schön für Deine Antwort und dass Du Deine Erfahrungen mit mir teilst.

    Zitat von Traurig903


    Bei mir hat der Prozess ziemlich lange gedauert, es hat sich eingeschlichen.

    Ich bin mir sicher, dass sich das bei mir genauso eingeschlichen hätte und noch einschleichen kann. Den Anfang hatte ich ja schon gemacht. Ich hab nur anfangs alles im Schnelldurchlauf erlebt: Von "Irgendwie hat er komische Trinkgewohnheiten" bis zu "Das ist eine handfeste Suchtkrankheit" hat's nur wenige Monate gedauert. Trotzdem habe ich mich ja auf die Beziehung eingelassen. Und auch wenn's mir im Moment ganz gut geht, lauert irgendwo die Gefahr, dass sich das ratzfatz ändern könnte.

    Zitat

    Nur ist bei mir so das ich seit seinen Rückfällen die Kraft mich zu trennen verloren habe, aber ich habe mich abgegrenzt innerlich.

    Wie hast Du das gemacht? Wie gehst Du heute mit seinen Rückfällen um? Ich hab's beim letzten Mal zur Kenntnis genommen und bin dann mit Freunden ausgegangen. Am nächsten Tag hab ich dann gefragt, was denn passiert ist und wie es dazu gekommen ist. Kann ich hierbei irgendwas anders/besser machen?

    Übrigens: Du kommst für mich auf den ersten Blick gar nicht so kraftlos rüber. Muss mal Deinen Faden suchen. :wink:

    Zitat

    Aus diesem Forum habe ich in den letzten Tagen sehr viel lernen und verstehen können. Ich lese täglich hier und beschäftige mich mit mir selbst.

    Ich lese auch schon lange immer wieder mal hier rein. Schön zu sehen, dass das vielen sehr gut tut. Mal sehen, was es mit mir macht. :wink:

    Alles Gute und liebe Grüße
    Kalliopi

    Hallo liebes Forum!

    Eigentlich war ich auf der Suche nach einer realen SGH für Angehörige, und dann bin ich bei Euch gelandet. Ob das das Richtige für mich ist, weiß ich noch nicht. Ich probier's jetzt einfach mal aus.

    Ich bin Mitte 30 und lebe seit gut zwei Jahren mit einem alkoholkranken Mann zusammen. Dass mit dem Umgang meines Partner mit Alkohol irgendwas nicht stimmt, habe ich schnell bemerkt, konnte es aber anfangs nicht richtig einordnen. Schnell schlichen sich bei mir typische Co-Verhaltensweisen ein: Vorwürfe, Kontrollversuche, Schönreden der Situation vor Bekannten. Mir wird heute noch ganz anders, wenn ich daran denke, wie schnell man in so ein Verhalten rutscht. Und es zeigt mir, dass ich dafür sicher anfällig bin. Mein Glück: Die Karten lagen dann doch recht schnell offen auf dem Tisch. Ich muss zugeben, dass ich fast erleichtert war, dass es nicht mein Bauchgefühl war, das mich getäuscht hatte, sondern er. Also stand ich damals vor der Frage: Was mache ich mit dieser noch frischen Beziehung? Drei Alternativen gab's für mich:

    1. Mit einem nassen und uneinsichtigen Alkoholiker kann ich keine Beziehung führen. Dabei würde ich selbst krank werden.
    2. Eine Beziehung mit einem trockenen Alkoholiker kann ich mir gut vorstellen. Ich kann auch selber abstinent leben.
    3. Eine Beziehung mit einem Alkoholiker, der noch nicht trocken ist, es aber werden will, kann ich versuchen – doch nur, solange es mir selber damit gut geht.

    Es ist Alternative Nr. 3 geworden - und das ist jetzt immer noch aktuell. Ich habe irgendwo bei Euch gelesen, dass einfach nichts mehr trinken nicht reicht, dass ein Alkoholiker auch trocken denken und leben muss. Ich denke, genau hier liegt das Problem. Dass er der Sucht entfliehen will, nehme ich ihm ab. Einen konsequenten Weg hat er aber noch nicht gefunden. Es gab eine ganze Handvoll Rückfälle.

    Im Vorstellungsbereich hat man mir schon was ganz Wichtiges mit auf den Weg gegeben: Wo ist der Unterschied zwischen einem uneinsichtigen Alkoholiker und einem der zwar trocken werden will, aber uneinsichtig ist, sein Leben zu ändern? Im Endergebnis ja keiner: Beide trinken. Auch wenn das total logisch klingt, ich habe das bisher nie so gesehen, für mich war's doch ein erheblicher Unterschied, ob jemand möchte oder nicht. Diesen neuen Gedanken, der sich aus dieser völlig anderen Sichtweise ergibt, muss ich erst noch sacken lassen.

    Allgemein habe ich das Gefühl, mich im Moment nicht weiterzuentwickeln. Mir geht's zwar soweit ganz gut, aber merke doch, wie meine Gedanken zuletzt wieder mehr um ihn und den Alkohol kreisen. Ich hab mir die Grundbausteine für Cos schon mehrmals durchgelesen. In einigen erkenne ich mich wieder, in anderen nicht. Meine Baustelle ist, denke ich, im Moment der Grundbaustein "innere Abgrenzung". Ich möchte mir gerne so eine innere, eine emotionale Grenze setzen, über die ich das Alkoholproblem meines Freundes nicht an mich heranlasse muss. Da bin ich aber etwas planlos, wie habt Ihr das denn gemacht? Wie sieht sowas konkret im Alltag aus?

    So, das sind erstmal ein paar Dinge, die mir gerade einfallen. Ich erhoffe mir vom Austausch hier vielleicht einen kleinen Schubs in die richtige Richtung, sodass ich wieder allein weitermarschieren kann.

    Vielen, vielen Dank fürs Lesen. Jetzt bin gespannt, was mich erwartet. :)

    Liebe Grüße
    Kalliopi