Beiträge von Carl Friedrich

    Tolle Familie, guter Job, gute Ausbildung, läuft auch ohne Alkohol ganz prima.
    Schnell schleicht sich der Gedanke ein, dass, weil so alles in Butter ist, man ja vielleicht doch nur übertrieben hat & sich doch mal ein Gläschen gönnen könnte.

    Dem wirkt tägliche Beschäftigung mit der Materie entgegen. ;)

    Hallo!

    Da hat Dante absolut recht. So sahen es auch meine Therapeuten bezüglich meiner Person. Ich hatte noch nicht Führerschein, Familie, Wohnung, Job und Gesundheit versoffen, stand noch nicht mit einem Bein im Grab. Ich bin einfach in die Sucht durch zu regelmäßigen und stets gestiegenem Konsum rein gerutscht.

    Ich war halt noch nicht ganz tief unten angelangt. Dies nennen viele Aussteiger ihren persönlichen Tiefpunkt, den sie zugleich auch benötigten, um umzusteuern. Letztere können sich bei aufkommendem Suchtdruck einfach mal vorhalten, von wo sie kommen und sie dort nie mehr hinmöchten.

    Es war auch für mich ein längerer Prozess bis ich wirklich eingesehen hatte, dass bei mir nichts mehr mit Alkohol geht, auch nicht ein Gläschen.

    Am Schluss meiner ambulanten Therapie gab mir ein erfahrener Suchtmediziner mit auf den Weg: "Den ersten Schritt in Richtung Rückfall macht man, wenn man sich nicht mehr regelmäßig mit der Krankheit auseinandersetzt."

    Diese Auseinandersetzung muss nicht täglich stattfinden. Die Art und Weise bleibt jedem selbst überlassen. Anfangs besuchte ich noch eine "analoge" SHG, die mir mit der Zeit aber zu besitzergreifend wurde und mir nichts mehr brachte. Seitdem (knapp 3 Jahre) bin ich nur noch digital unterwegs und komme damit hervorragend klar, meine ich zumindest :wink:

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Hallo!

    Ersetze dden Begriff der Schuld doch einfach durch den der "Verantwortung". Du bist für dich, dein Tun und deine Krankheit verantwortlich. Und dieser Verantwortung stellst Du dich, indem Du aktiv etwas gegen die Sucht unternimmst. Später kannst Du dich dann immer noch bei denen entschuldigen, denen Du weh getan hast. Das klappt m.E. besser, wenn Du schon eine Weile clean bist, damit diese Personen sehen, dass Du es wirklich ernst meinst.

    Mein Rat zu den Büchern: Fang mit dem Borowiak an, der ist total locker geschrieben.

    Gruß
    Carl Friedrich


    Zu oft habe ich versagt.

    Hallo!

    Mich stört das Wort "versagt". Es beinhaltet einen schweren persönlichen Schuldvorwurf. Und der ist fehl am Platze.

    Du bist "schwach" geworden, weil Du alkoholkrank bist. Diese Schwäche ist doch gerade kennzeichnend für unsere Krankheit, deshalb hat sie so viele Opfer.

    Das Geheimnis dieser Schwäche liegt im Suchtgedächtnis begründet. Und das sitzt nun mal in dem Teil unseres Hirns, in dem die automatischen Abläufe wie Gehen, Laufen, Schwimmen, Radfahren .... abgespeichert sind.

    Man kann das Suchtgedächtnis mit einer Software auf einem Computer vergleichen, die nicht deinstalliert, sondern nur überschrieben werden kann. Dennoch zuckt das alte Program ab- und an und zeigt, das es noch da ist.

    Du bist jetzt eine Weile standhaft geblieben, warum sollte es dir nicht in Zukunft auch gelingen?

    Mir schrieb hier der gute Dante vor 4 3/4 Jahren, als ich von heftigem Suchtdruck durchgeschüttelt wurde, dass mich jede Triggerabwehr für die Zukunft stärker macht. Recht hatte und hat er.

    Mein Tipp: Beschaffe dir Lektüre:

    Empfehlen kann ich für den Neueinsteiger

    a) Alk von Borowiak

    b) Lindemeyer "Lieber schlau als blau".

    Gruß
    Carl Friedrich

    Vielen Dank für eure Einschätzungen! Ich werde die Suchtberatungsstelle auf jeden Fall kontaktieren und hier am Ball bleiben!

    Hallo!

    Das ist ein richtig guter Schritt, externen Sachverstand hinzuzuziehen, anstatt nur im eigenen Saft zu schmoren.

    Ich bin seit knapp 5 Jahren clean und habe eine ambulante Therapie gemacht. Daneben tummelte ich mich in diesem Forum und zog Fachliteratur und zwar aus

    a) Therapeutensicht und

    b) Patientensicht

    hinzu. Alle diese 3 Elemente griffen nachher wie die Rädchen einer Maschine ineinander.

    Es geht sicherlich auch ohne Therapie, das gilt aber nicht für jedermann. Manche benötigen halt begleitende Hilfe "vor Ort".

    Schau doch einfach mal

    a) in Fachliteratur an

    b) die eine oder andere analoge SHG "vor Ort" ab, auch wenn es zur Zeit keine Treffen geben dürfte.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Danke der Nachfrage.

    Angesichts der momentanen Lage in D hoffe ich mal, dass mein Kontakt zum besagten Virus, wenn er denn kommt, nicht so heftig ausfällt.

    Ansonsten haben wir uns gut vorbereitet. Können zur Not 2 Wochen Quarantäne ohne weitere Einkäufe klar kommen.

    Ich habe mir abgewöhnt, irgend etwas zu planen. Zur Zeit wird ausschließlich auf Sicht gefahren.

    Ich befürchte jedoch, dass uns alle dieser verdammte Virus noch einige Monate fest im Griff haben wird.

    Zum Glück saufe ich nicht mehr, sonst hätte ich bestimmt etlichen Stoff gebunkert und jeden Tag einen prima Vorwand, mich zu betrinken und sei es nur, um mich scheinbar innerlich zu desinfizieren.

    Ich wünsche alles Lesern, gesund und gut über die nächsten Hürden zu kommen.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Carmen!

    Streich das Wort Schuld einstweilen. Niemand ist schuld daran, dass sie/er eine Krankheit hat. Wir tragen aber für sie die Verantwortung. Und der kommen wir nach, indem wir was gegen sie tun.

    Im Vergleich zu Krebs, Aids u.a. haben wir eine vergleichsweise gut zu behandelnde Krankheit. Wir müssen uns nicht durch Bestrahlungen und Chemo quälen. Wir werden auch sonst nicht mit der chemischen Keule traktiert. Wir müssen einzig und allein etwas unterlassen, nämlich Alkohol zu konsumieren. Das ist in der Tat schon schwer genug, aber durchaus zu schaffen.

    Die Krankheit zu akzeptieren, das dauerte bei mir bestimmt mehrere Monate, wenn nicht gar mehr als 1 Jahr. Und wer hat schon gerne eine Krankheit und dann noch eine, die bei vielen als asozial gilt. Vielleicht hilft es dir, die Krankheit zunächst zu respektieren, bis zur Akzeptanz ist es ein längerer Weg, der vor allem Zeit braucht, viel Zeit.

    Ich habe mir in den ersten Jahren gesagt: "Andere mögen zwar mit Alkohol umgehen können, ich kann es nicht. Aber dafür kann ich andere Dinge, die sie nicht beherrschen."

    Vielleicht kannst Du ja damit was anfangen.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Der einzig wahre Weg ist der, der mich in eine zufriedene Abstinenz führt.

    Ein Alt-Kanzler hat mal zutreffend darauf hingewiesen, entscheident sei, was hinten raus kommt. Wenn da zufriedene Abstienz steht, ist alles richtig gemacht worden.

    Die Wege, die wir nehmen sind schon mal unterschiedlich, wichtig ist, das Ziel zu erreichen. Den Königsweg dahin, den gibt es m.E. nicht.

    Es ist wie mit der Aufgabe von Hamburg nach München zu kommen. ich kann fliegen, den Zug nehmen, über unterschiedliche Straßen auch den PKW, das Fahrrad nehmen oder einfach zu Fuß laufen. Sogar per Schiff käme ich dort hin. :D

    Das Beachten der Grundbausteine ist sicherlich eine hervorragende Richtschnur. Ich habe sie zwar nicht alle, jedoch überwiegend befolgt. Jedoch nicht, weil sie hier wie eine Art Verfassung abgelegt sind, sondern weil ich sie nach gründlicher Prüfung mittels Therapie, Literaturstudium und Forum für mich als richtig und gut erkannt habe. Dennoch gehe ich persönlich in 2 Punkten nicht mit den Grundbausteinen überein, habe es noch nie und werde es wahrscheinlich auch nie tun. :wink:

    Gruß
    Carl Friedrich


    Wenn 2 Alkoholiker genau den selben Weg der Nüchternheit gehen wird einer von denen mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder rückfällig.

    Hallo!

    Manche benötigen halt einen oder mehrere Rückfälle, bis sie es doch schaffen.

    Nicht jeder Rückfällige säuft sich zu Tode, sondern benötigt halt einen oder mehrere Anläufe.

    ich vergleiche es mal mit Sporttrainern, es gibt "Schleifer" un d es gibt "Flüsterer", die die Spieler pädagogisch geschickt zur Leitungssteigerung bringen.

    So ist es auch bei uns Alkis. Der Flüsterer wäre ein schlechter Trainer für mich, für Hartmut und noch einige andere. ich benötigte eine härtere Ansprache, damit was bei mir ankommt. Aber so war ich schon als Schüler. Die knallharten Lehrer waren meine besten. Die "weicheren" Vertreter hatte ich nicht immer für voll genommen. Ist halt so. Kann halt nicht aus meiner Haut raus.

    Es gibt verschiedene Lern- und Trainingsmethoden. Wenn nachher das Ergebnis stimmt, ist doch alles in Butter.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Hartmut!

    Ich fand an anderer Stelle von dir den herrlichen Satz:

    „Wahre Worte sind nicht immer schön. Schöne Worte sind nicht immer wahr“

    Ich habe mir erlaubt, diesen in meinen eigenen Sprachgebrauch zu überführen.

    Dankend
    grüßt
    Carl Friedrich


    trocken werden geht nur ganz ohne Alkohol. Und damit ist der Weg für alle gleich!

    -Verzicht auf Alkohol-

    Das ist für sich genommen, absolut richtig.

    Die Schwierigkeit besteht halt darin, den Neueinsteiger auf diesen Kurs zu bringen. Und da ist ein jeder nun mal verschieden. Die Holzhammermethode funktioniert bei einigen Herrschaften, andere wollen sanft und behutsam angestoßen und gelenkt werden, weil sie nur so ans Ziel kommen können. :wink:

    Gruß
    Carl Friedrich


    Nur leider kann das bei einigen Neuen gar nicht richtig wirken, da sie sich schon längst wieder in ihr Schneckenhaus zurückgezogen haben, durch den manchmal verständnislos wirkenden Ton.

    Nicht desto trotz würde ich mir wünschen, dass so mancher Neuer sich hier nicht so schnell abschrecken lässt.

    Ich glaube nicht, dass es allein der Ton ist, der abschreckt. Hinzu tritt das Bezahlmodell, mit dem das Forum seit mehr als 1 Jahr gefahren wird. Entweder der Neuling blecht nach kurzer Zeit oder er wird abgeschaltet.

    Gruß
    Carl Friedrich, für den als Altfall noch eine Sonderregelung gilt, der jedoch doch auch schon mal ausgesteuert wurde.

    Aber ob ich das neun Jahre so machen kann?
    Ich sollte in kleineren Schritten denken. Bis 2024 bleibt das aktuelle Stellwerk noch am Netz. Nach der Schließung sind es dann noch vier Jahre bis zur Rente.

    Hallo!

    Die kleinen Schritte sind es, die uns weiter bringen. Wir gehen kontinuierlich und beständig auf dem Pfad der Abstinenz und so machen wir es auch im Job. Schritt für Schritt.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Seit dem bin ich frei. Nun seit fast 2,5 Jahren und ich hätte damals niemals gedacht, dass ich es nicht mehr als Verzicht, sondern als Gewinn sehen würde, keinen Alkohol mehr zu trinken. Hätte ich gewusst, dass sich meine Gefühle da mit der Zeit dahingehend verändern, hätte ich vermutlich früher meinen Entschluss in die Tat umzusetzen.


    Hallo Cadda!

    Ja, das habe ich auch mehrmals gedacht, warum bist Du nicht schon viel früher ausgestiegen, sagen wir mal so 10 Jahre. Antwort: ich war einfach noch nicht so weit. Es klingt zwar abgedroschen: "Alles hat seine Zeit, alles braucht seine Zeit." Auf mich trifft der Spruch jedenfalls zu.

    Gruß
    Carl Friedrich


    mittlerweile zur Rente rückwärts zählend & sich dabei albern vorkommend, weil es ja immerhin noch fast neun Jahre sind.

    Hallo Dante!

    Rein verstandesmäßig stimmt es. Andererseits sind es die Emotionen, die sich melden. Insbesondere dann, wenn langjährige Kollegen sich in den Ruhestand verabschieden. :wink:

    Also alles normal. Meine Restlaufzeit ist ähnlich lange.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Wie kann sich Suchtdruck denn noch äußern? Vielleicht ist die Frage blöd. Aber wie gesagt dachte ich immer, wenn jemand von Suchtdruck spricht, sind diese oben beschriebenen Gedanken gemeint.

    Hallo!

    Ich habe dann Suchtdruck, wenn ich das Verlangen spüre, Alkohol trinken zu wollen. Der bloße Gedanke an Alkohol reicht zumindest bei mir noch nicht aus. Jedoch kann sich aus dem Gedanken der entsprechende Wunsch durchaus noch entwickeln. Auf der Hut bin ich, wenn mir mein inneres Ich vorgaukeln möchte, wie schön doch jetzt 1-2 "Weißbierchen" (Achtung Verniedlichung) wären. Spätestens dann steuere ich aktiv dagegen.

    Gruß
    Carl Friedrich