Hallo Ernest!
Es gibt in der Tat verschiedene Wege, die Sucht zu stoppen. Wenn Du mit deiner Vorgehensweise klar kommst, dann ist es für dich ok.
Ob dein Weg jedoch auf Dauer zielführend sein wird, wird die Zukunft zeigen.
Mein Weg ist er jedenfalls nicht. Mir wäre er viel zu riskant. Wenn die Weinsauce, der Alkohol verdunstet nur zu einem Teil, so toll und prima mundet, ist der Weg zur Weinpulle nicht mehr weit, um auf die Sauce doch noch gleich mal ein richtiges Gläschen zu kippen.
Ich schließe nicht aus, dass ich ab- und an im Restaurant mal in Saucen etwas Alk vorgesetzt bekommen habe, ohne dass ich ihn bemerkt habe und die Speisekarte auch keinen entsprechenden Hinweis beinhaltete, wobei ich schon gehörig aufpasse.
Sich jedoch bewusst den Alk zuzuführen, das halte ich bei einem Alkoholiker -Du bist doch einer?- für eine sehr riskante Nummer.
Mir riet mein ehemaliger Therapeut: "Stets eine Armlänge Distanz zum Alk zu wahren". Damit meinte er, sich den Alk auf Distanz zu halten und ihm nicht noch entgegen zu laufen.
Aus deinen Ausführungen entnehme ich, dass Du innerlich mit deiner Krankheit, sofern Du sie hast, noch lange nicht abgefunden hast. Das dauert halt eine Weile, länger als Du momentan nicht "säufst."
Auch ich habe mir die Krankheit nicht ausgesucht und ich finde sie alles andere als prickelnd. Aber ich habe meinen inneren Frieden mit ihr gemacht, weil ich weiß, sie klebt wie eine zweite Haut an mir und ich werde sie nie mehr los. Da hilft kein Jammern und Lamentieren, das ist halt so.
Ich bringe mal ein Beispiel: Ein Motorradfahrer verliert nach einem selbst verursachten und verschuldeten Unfall ein Bein. Er kann erst dann wieder ein befreites und ihn erfüllendes Leben führen, wenn er den Verlust des Beins akzeptiert und sich damit abfindet. Sein Leben wird etwas anders verlaufen, als er es von früher gewohnt ist. Aber es kann durchaus mit Lebensqualität gefüllt sein.
Gruß
Carl Friedrich