Beiträge von Carl Friedrich

    Zitat von Sunshine_33


    Entschuldige bitte, aber ich sehe an diesem Satz, das Du Dich bisher noch wenig mit der Alkoholkrankheit beschäftigt hast.
    Es wurde hier gerade in der letzten Zeit von Carl Friedrich Literatur zum Thema genannt.
    Vielleicht wäre es gut für Dich, Dich über das Wesen unserer Krankheit genauer zu informieren.
    Denn dann wüßtest Du, wie schnell ein Rückfall passieren kann... meist, weil man nicht gut genug auf sich aufgepasst hat und die Krankheit vernachlässigt hat.
    Mit willenloser Marionette hat das wenig zu tun... eher mit den Regeln der Sucht. Denn die folgt nun mal ihren eigenen Regeln, die mit Verstand und Logik wenig zu tun haben.

    Hallo!

    Dem schließe ich mich vollumfänglich an. Mir scheint es, als sei dies deine größte offene Baustelle.

    Ist halt nur ein gutgemeinter und bewährter Rat. Was Du daraus machst, ist allein deine Entscheidung.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zeit für ein Fazit 2017

    Dieses Jahr konnte zwar nicht mit dem sehr erfreulichen Jahr 2016 mithalten. Es brachte hier und da ein paar Widrigkeiten, die sich jedoch bewältigen ließen, obgleich sie mir doch phasenweise auf die Nerven gingen. Aber gemessen an dem, was ich hier im Forum so lese und auch anderswo mitbekomme, geht es mir richtig gut. Und dafür bin ich dankbar. Dankbar vor allem, dass ich weiterhin unfallfrei abstinent sein darf.

    Ich möchte an dieser Stelle das Titelbild des aktuellen Spiegel Nr. 1/30.12.2017 zitieren:

    GESUNDES NEUES! Bewegen, gut essen, entspannen: Der Masterplan für ein viel längeres Leben.

    Ich ergänze noch: Frei von psychotropen Substanzen; Koffein im Kaffee (in Maßen) mal ausgenommen.

    In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einen guten Rutsch und einen gesundes Jahr 2018.

    Schließen möchte ich mit den Worten, wie sie früher hier im Forum öfter gelesen habe und in denen alles Wesentliche steckt: "Sorgen Sie dafür, dass es Ihnen gut geht."

    Gruß
    Carl Friedrich

    Noch ein paar Literaturtipps, die zumindest meinen Blick geschärft haben, zumindest bilde ich es mir ein:

    1. Die Suchtfibel*
    2. Lindenmeyer: Lieber schlau als blau*
    3. Alk von Borowiak
    4. Neuper: Alkoholsucht
    5. Röhr: Sucht-Hintergründe und Heilung*
    6.Sommer: Jetzt ist es genug

    *Werke von Therapeuten

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Sven!

    ich fürchte, Du hast meinen Beitrag hinsichtlich der geschilderten 3 Phasen nicht so eingeordnet, wie ich es für mich sehe und es mehrfach so bei anderen Betroffenen (Fachliteratur) nachvollziehbar gelesen habe.

    Hast Du dich schon mit Fachliteratur auseinandergesetzt?

    Was macht denn die Kontaktaufnahme zur Suchtberatung?

    Dass Du keinen Alkohol brauchst ist prima, nur nehme ich dir das nicht so ganz ab.

    Ich kann dich beruhigen, ich bin weder Lehrer, noch leite ich eine SHG. Ich besuche nicht mal mehr eine.

    Ich habe absolut nicht vergessen, dass man ohne Alkohol glücklich und zufrieden sein kann. Ich laufe garantiert nicht griesgrämig und nach Bier lechzend durch die Gegend und kasteie mich selbst, dass ich keinen mehr trinken kann/darf/möchte/brauche. Ich bin mit mir im Reinen und heilfroh nicht mehr an der Flasche zu hängen. Mein Leben hat ganz erheblich an Qualität gewonnen, die ich nicht mehr missen möchte.

    Und dass meine Frau gelegentlich mal ein Glas Wein/Sekt trinkt, berührt mich überhaupt nicht. Es löst bei mir keinerlei Suchtdruck aus. Damit kann ich umgehen. Nur renne ich "alkoholtriefenden" Veranstaltungen z.B. an Silvester nicht hinterher.

    Und zum Thema "nasse Denkweise": So hat dein letzter Beitrag (Vereinsamung) nun mal auf mich gewirkt.

    Aber jetzt möchte ich dich nicht weiter mit meinen Ausführungen nerven

    und wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg.

    Carl Friedrich

    Zitat von aboa

    Hallo
    Aber eins ist Fakt ich werde mich nicht einschliessen und am Leben nicht mehr teilnehmen und keine sozialen Kontakte meiden denn dann ist das Leben nicht mehr Lebenswert und der Rückfall ist wahrscheinlich vorprogrammiert..

    Hallo!

    Das ist eine typisch nasse Denkweise wie ich sie von so manch einem Neuankömmling in meiner ambulanten Therapie zu Ohren bekommen habe. Auf der Basis wird es verdammt schwer mit der Abstinenz.

    Ich hoffe mal für dich, dass sich diese negative Einstellung ändern wird.

    Auf dem Weg zur erfolgreichen und zufriedenen Abstinenz durchläufst Du mehrere Stadien, die subjektiv von vielen wie folgt empfunden werden:

    1. Ich darf nicht trinken (verbunden mit einem negativen Beigeschmack, da alles was bislang schön war, auch im Alkohol schwamm)

    2. Ich will nicht trinken

    3. Ich brauche nicht trinken.


    Du befindest dich in Phase 1.

    Was kann ich dir raten:

    1. Kontakt zur Suchtberatung zwecks Klärung, ob weitergehende therapeutische Maßnahmen angezeigt sind.

    2. Lektüre von Fachliteratur aus Patienten- und Therapeutensicht.

    3. Wiederentdeckung von Betätigungen, die nicht mit dem Alkoholkonsum im Zusammenhang stehen, um dich abzulenken und positive Erlebnisse zu bescheren.

    Was hat dir denn früher einmal vor deiner Saufkarriere Freude bereitet? Kannst Du da nicht irgendwie anknüpfen?

    Gruß Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Sachen gibt's. Da öffnete heute an Heiligabend ein örtlicher Supermarkt seine Pforten. Ich ging dort ein paar Sachen, die man ja gerne mal vergisst kaufen und wunderte mich an der Kasse, dass man mir weder einen Hygieneartikel, noch ein aktuelles Wochenmagazin verkaufen wollte. Begründung: "Nur Lebens- und Genussmittel." Was für ein Irrsinn: Wodka und Nikotinstängel hätte ich in rauen Mengen erwerben können, eine Zeitschrift, um sie bei Kaffee/Tee/Saft zu lesen jedoch nicht. Das Personal an der Kasse ertrug meine erstaunte Reaktion mit Gelassenheit, ich war nicht der Einzige, der den Kopf schüttelte.

    Die nächstgelegene Tanke konnte Abhilfe leisten.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zitat von aboa

    Hallo Martin
    Da magst Du bestimmt zu 90% Recht haben aber ein vollkommen Alkoholfreier Kinderpunsch den auch Kinder trinken ist für mich OK.Dann dürfte man ja auch kein Tee mehr trinken erinnert ja an Grog oder Tonic erinnert ja an Gin Tonic usw.,sicherlich man muß schon genau hinschauen wo Alkohol enthalten sein kann.Nach Deiner These dürfte man ja nur noch Wasser trinken oder ist das wirklich so?Du hast ja da mehr Erfahrung.
    Frohes Fest Sven

    Hallo Sven!

    Mir scheint, Du hast noch sehr viel zu lernen.

    Woher weist Du denn, dass in dem Kinderpusch kein Alkohol drin war? In Deutschland darf sich "alkoholfrei" nennen, was bis 0,49 % enthält:
    Quelle: https://beispiel.rocks/www.gesetze-im…_1995/__47.html

    Die Gefahr bei diesen Mischungen besteht darin, dass das Zeugs optisch und geschmacklich zu nahe am richtigen Glühwein ist und daher enorm triggern kann. Dieser Effekt kann auch zeitlich verzögert eintreten, beispielsweise nach Rückkehr ins eigene Heim. Und dann wunderst Du dich, wo das plötzliche Suchtverlangen herkommt.

    Du bist erst seit Kurzem trocken und dennoch rennst Du dem Alkohol förmlich hinterher. Die Damen und Herren hier im Forum, die seit Jahren erfolgreich abstinent leben, haben in den ersten Monaten einen großen Bogen um Treffen gemacht, bei denen der Alkohol eine wesentliche Rolle spielte.

    Ich habe in meinem ersten Jahr z.B. erst gar keinen Weihnachtsmarkt besucht. Meine persönliche Sicherheit war mir wichtiger.

    Dein Weihnachtsausflug in ein Fußballstadion war m.E. schon eine sehr riskante Nummer. Mein ehemaliger Therapeut pflegte stets zu sagen: "So was geht ein paar Male gut, dann kommt der Rückfall."

    Also wundere dich nicht, wenn es dich bei so einem Verhalten dann mal erwischt.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Das las ich soeben in einem von thalia dankenswerter Weise verlinkten Artikel eines seit 2 Jahre abstinenten Alkoholkers im Magazin Spiegel:

    "Wenn man seinen inneren Schweinehund überlistet, kann es jeder schaffen." Das sei vor allem eine Frage der Eigenkontrolle. Man muss selbst aufpassen, was man macht."

    Um sich zu schützen, hat er sein Umfeld darüber aufgeklärt, dass er keinen Alkohol mehr trinken darf. Nur die engsten Freunde wissen, was der eigentliche Grund dafür ist.

    Absolut zutreffend. Man kann es nicht oft genug wiederholen und beherzigen.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von aboa

    Das Problem was ich jedoch sehe wenn es überhaupt ein Problem ist, ist die Familie ich kann doch meinem Schwiegersohn und den Schwiegereltern nicht das Trinken verbieten, ich muß da einfach drüberstehen.

    Hallo!

    Das ist doch gerade das Problem. Ein trinkendes Umfeld animiert ungemein und lässt dein glänzend funktionierendes Suchtgedächtnis Kapriolen schlagen.

    "Einfach drüber stehen" : Das ist viel schwerer, als gedacht. Nur mit dem bloßen Willen wird das wahrscheinlich nicht klappen.

    Falls ich jetzt meine Abstinenz eingeläutet hätte, würde ich mich in den ersten Monaten von allem fern halten, was mit dem Konsum von Alkohol verbunden und bei dem der Alkohol ein wichtiger Begleiter ist.

    Apropos Schwiegersohn und Familie: Denen sollte doch deine Gesundheit gerade nicht gleichgültig sein, oder?

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Sven!

    Ich glaube, Du hast mich falsch verstanden.

    Von einigen Herrschaften, die rückfällig geworden sind, habe ich erfahren, dass sie schon lange vor ihrem Rückfall irgend so einen Gedanken im Hinterkopf herumschwirren hatten, irgendwann geht ja vielleicht doch wieder was mit dem Alkohol. Das heißt, sie standen letztlich nicht vorbehalt- und rückhaltlos zu ihrer Abstinenz.

    Das ist kein persönlicher Vorwurf, weder an Dich, noch an andere.


    Für mich gehört diese Frage durchaus zur Rückfallanalyse, um daraus für mich zu lernen.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Gutes Gelingen beim Re-Start.

    Du bist ein erneuter Beweis dafür, dass Alkoholiker niemals kontrolliert trinken können. Wir kommen trotz jahrelanger Trockenheit nie mehr an den Punkt zurück, an dem wir uns vor unserer "Alkoholkarriere" befunden haben.

    Hattest Du denn jemals ernsthaft vor, auf Dauer trocken leben zu wollen oder spukte schon immer irgendwo im Hinterstübchen der Gedanke herum, irgendwann doch mal wieder moderat trinken zu können?

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zitat von Ernest

    Es muss mir gelingen die Angst mit Demut (nach Definition von Carl Friedrich) abzulösen.

    Hallo Ernest!

    Ich habe nichts definiert. Den Begriff der "Demut vor der Krankheit" habe ich mehrfach gehört und gelesen. Er gefällt mir, spricht mich an und ich verwende ihn gerne. Er bedeutet für mich, dass ich bloß nicht leichtsinnig werden soll, nur weil ich eine Zeitlang abstinent bin. Ich hoffe, ich kann mir den nötigen Respekt vor der Heimtücke des Suchtgedächtnisses und der Gefährlichkeit der Krankheit bewahren.

    Na ja bis zur Rente wird's bei Dir ja hoffentlich nicht dauern.

    Gruß Carl Friedrich

    Dann setze ich mal fort:

    Ja die Weihnachtszeit hat es in sich, besonders für frische Abstinenzler im ersten Jahr. Von Weihnachtsmärkten und -feiern mal abgesehen, lauern noch andere Gefahren:

    Die Prospekte der Super- und Getränkemärkte laufen förmlich über mit Angeboten, zu gefühlten 95% alkoholischen Inhalts. Das Betrachten dieser Prospekte kann Suchtdruck auslösen. All die vermeintlich schönen und guten Sachen, die man sich früher mal im Dezember gegönnt hat -Säufer waren ja immer die anderen, man selbst der Genießer- können das Suchtgedächtnis ordentlich ans Rumoren bringen und Suchtdruck auslösen.

    Was mache ich in meinem dritten abstinenten Jahr? Ich blättere rasch weiter und mein Blick verweilt nicht bei ihnen. Falls dennoch der "Schmacht" nach einem Bier/Drink aufkommen sollte, frage ich mich, ob dies nicht doch an der Jahreszeit liegt, da ich früher gerade im Dezember gerne und heftig auch mal teure Alkoholika gebechert habe. Der Impuls für mein Suchtgedächtnis lautet: Weihnachtszeit=hochwertiger/teurer Sprit.

    Ich habe das Problem im Blick. Bislang bin ich noch nicht gepeinigt worden. Aber wer weiß, was noch kommt?

    Es grüßt
    Carl Friedrich

    Zitat von Ernest

    Der Autor, spricht das Thema Alkoholiker und Gesellschaft auch an. Da überlege ich nochmals dreimal, wem ich meine Krankheit mitteile. Das allerwichtigste ist, dass ich mich nicht selber belüge.

    Hallo!

    Das war und ist mein Weg. Ich schulde niemand eine Erklärung, daher auch nicht auf die Frage, warum ich keinen Alkohol trinke. Gefragt wurde ich in meiner bisherigen Zeit ganz selten. Ich habe stets wahrheitsgemäß geantwortet, weil er mir einfach nicht mehr bekommt.

    Ich weihe nur denjenigen ein, dem ich auch von anderen intimen Krankheiten erzählen würde. Der Kreis ist umgrenzt und überschaubar.

    Mein ehemaliger Therapeut, ein sehr erfahrener Mann, hat mich in dieser Vorgehensweise ausdrücklich bestätigt. Falls andere mit dem Thema offener verfahren, weil es ihnen mehr Absicherung ihrer Abstinenz verspricht, dann machen sie für sich alles richtig.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Das Outing beim Doc und bei der Suchtberatung fielen auch mir schwer und hinterließen ein mulmiges Gefühl, aber nicht für lange. Anschließend überkam mich eine immense Erleichterung. Vielleicht stellt sie sich auch bei Dir ein. Warte noch mal ab. Du hast es genau richtig gemacht. Glückwunsch.

    Gruß Carl Friedrich