Beiträge von Carl Friedrich

    Zitat von Marie86


    Kürzlich erst habe ich gelesen, dass das Wort "Sucht" im Althochdeutschen "Mangel" bedeutet.
    Fälschlicherweise nehmen viele an (ich auch), dass Wort käme von "Suche", oder "Sehnsucht".

    "Mangel" erschließt sich mir in dem Sucht-Zusammenhang, ich weiß nur nicht so genau, wie es zu interpretieren ist.

    Hallo Marie!

    Ich tendiere eher zu folgender Herleitung: Sucht ist die altdeutsche Bezeichnung für KRANKHEIT und kommt von SIECH = krank. Vergleiche: Schwindsucht, Eifersucht etc. Allerdings hat sich im Laufe der Jahrhunderte die Bedeutung verändert, hin zu Abhängigkeit.

    Mangel meine ich im Sinne von fehlerhafter Eigenschaft, dass man halt an solchen Treffen aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen kann.

    Übrigens: Das hast Du genau richtig gemacht. Und Klasse, dass sich deine Freundin ohne Alk mit dir treffen will.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Wir sind hier im Offenen Teil. Daher würde ich nicht auf Details und Personen eingehen, die deine Identifizierung ermöglichen.

    Anders dagegen im Geschützten (Erweiterten) Teil des Forums, sozusagen eine Geschlossene Gesellschaft. Dort kann man auch nicht mittels Suchmaschinen aufgefunden werden.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von Marie86


    Jetzt gerade ärgert es mich total, dass ich nicht trinken "kann", also den vernünftigen Umgang nicht beherrsche......


    Könnt Ihr, die schon länger trocken sind sagen, wann Ihr mal mit gutem Gefühl und innerer Sicherheit losgezogen seid?

    Hallo!

    An deinen Ausführungen erkennt man, dass Du noch ganz am Anfang deines Weges stehst.
    Das sind die typischen Verzichtsgedanken eines erst kurz abstinent lebenden Menschen. Genauer gesagt, es ist typisch "nasses" Denken.

    Abstinenz wird als Mangel, als evidenter Verzicht auf etwas Angestammtes gesehen.

    Ich rate, dich mal intensiv mit unserer Krankheit zu befassen.

    Wenn Du erst mal richtig "trocken" geworden bist d.h. auch dein alkoholverseuchtes Hirn getrocknet worden ist, dann wirst Du schlichtweg keine Lust auf versoffene Treffen haben. Warum? Als nüchterner Mensch erträgt man das Verhalten und das Geschwätz der Trinker nicht. Man fühlt sich dann nicht nur unwohl, sondern schlichtweg fehl am Platz.

    Ich habe mal im Netz bei einer alkoholkranken abstinenten Dame gelesen: "Und dann wird nichts mehr so sein, wie es mal war." Genau so ist es.

    Schau dir mal den Trocken-Doc an. Wie sagt Thränhardt so schön: "Lass das erste Glas stehen und ändere dein gesamtes Leben." Er weiß, wovon er spricht.

    Das wird jetzt erst mal schockierend auf dich wirken, aber deine Damen wirst Du, wenn Du es ernst meinst, nur noch im anderen Rahmen treffen können.

    Ich wünsche Dir, die nötige Kraft und Ausdauer für deinen langen Weg.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo hier im Forum!

    9 Jahre sind eine Hausnummer!

    Respekt!

    Du schriebst, Du wärst beinahe rückfällig geworden. Ich fände es aufschlussreich, wenn Du -nicht unbedingt heute- in anonymisierter Form schildern könntest, wie es dazu kommen konnte und wie es dir gelungen ist, das Lenkrad noch mal rumzureißen.

    Deine Ausführungen verdeutlichen, dass man die Tücken der Krankheit nicht unterschätzen darf und dass man ein Leben lang "auf der Hut" sein muss.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Mach dich mal mit dem Gedanken vertraut, dass Suchtdruck in den ersten Monaten häufig auftaucht. Später werden die Abstände immer größer.

    Dagegen helfen nur die hier vielfach beschriebenen Verhaltensweisen:

    Viel Wasser trinken; mit was Sinnvollem beschäftigen; Sport treiben; einen Spaziergang machen -aber bloß nicht zu nächsten Tanke-; Freunde/Verwandte anrufen; mit dem Partner/Freund diskutieren; im Forum tummeln; Fachliteratur studieren....

    Hauptsache, du beschäftigst dich und lenkst dich auf diese Weise ab.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von kamarasow

    Ich werde die Gäste mal telefonisch vorbereiten. Wenn Weihnachten bei uns stattfinden soll, dann eben unter unseren Randbedingungen. Die paar Stunden werden sie aushalten müssen.

    Hallo!

    Du hast dir die erforderliche Antwort soeben selbst gegeben.

    An die Terrassennummer glaube ich nicht. Der erste wird jaulen, es sei so kalt draußen und schon hockt der schneller drin, als Du gucken kannst und zwar mit Glas in der Hand.

    Warum willst Du das Fest nicht komplett alk-frei gestalten? Wenn dann gewisse Gäste nicht erscheinen wollen, sollen sie doch woanders aufschlagen.

    Letztlich ist es deine Entscheidung, wie Du dein Weihnachten feierst.

    Nur solltest Du nicht den Fehler machen, zu sehr auf die Befindlichkeiten der Gäste zu achten. Die kommen zu dir und Du bist der Hausherr.

    An meinem ersten alk-freien Weihnachten (2015) hatte ich keine Gäste eingeladen. Warum: Um mich vor meinem blendend funktionierenden Suchtgedächtnis zu schützen. Das war genau die richtige Entscheidung. An Weihnachten hatte ich früher immer kräftig gebechert. Letzten Heiligabend stellte sich massiver Suchtdruck ein. Das entsprechend gepolte Hirn verlangte nach dem scheinbar edlen Festtagsstoff. Hätte ich da noch trinkende Gäste beherbergt, weiß ich nicht, ob ich standhaft geblieben wäre. Sicherheit geht vor.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Weihnachtsmarkt ist ein ganz heikles Thema: Ich bin nicht der Auffassung, dass eine "leicht Angetrocknete" wie Du dort was zu suchen hat.

    Letztes Jahr während meiner ersten abstinenten Adventszeit ging ein solcher Besuch gar nicht. Allein der Duft des Glühweins, der um die Buden zog, machte mich gereizt und unruhig. Das stellte ich fest, als ich einen solchen Markt nur mal am Rande streifte, um schneller durch die Stadt zu kommen.

    ich halte den Besuch für einen Anfänger für eine Hochrisikonummer. Selbst wenn man dort unfallfrei wieder runter kommt, kann das Erlebnis derart triggern, dass man später daheim plötzlich starken Suchtdruck verspürt, der einen "umfallen" lassen kann.

    Dieses Jahr bin ich gefestigter und habe mir den einen oder anderen Markt unfallfrei zusammen mit meiner Frau angeschaut. Mich hat dieses Jahr nichts getriggert und ich habe dort Kaffee/Tee bzw. heißen Apfelsaft mit Gewürzen getrunken.

    Gruß Carl Friedrich, der dir dringend rät, den Besuch um 1 Jahr zu verschieben.

    Fortsetzung:

    Die zweite abstinente Advents-/Weihnachtszeit läuft. Ich fühle mich viel lockerer, freier und unbeschwerter als letztes Jahr. Lauf ich mal durch die eine oder andere Stadt, triggern mich die zu dieser Jahreszeit typischen Glühweinschwaden nicht (mehr). Das war letztes Jahr noch ganz anders. Ich deute dies als ein Zeichen meiner voranschreitenden persönlichen Festigung. Die kommt nicht von "Jetzt auf Gleich", sondern muss behutsam gedeihen, wachsen und reifen.

    Dennoch bin ich auf der Hut. Die Demut vor der Krankheit mit all ihren Tücken darf und will ich nicht verlieren. Sie ist für mich der Schlüssel zum Erfolg.

    Parallel zu diesem Forum hier gehe ich weiter regelmäßig zu meiner R-SHG. Gerade an Tagen, an denen ich mich förmlich aufraffen muss, dort teilzunehmen, werde ich innerlich beschämt, wie konstruktiv die Beiträge anderer Teilnehmer auf mich wirken und wie gut es mir im Vergleich zu vielen dort doch geht.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von lalu14

    Ich kann dann vielleicht auch verstehen, wie es meinen Verwandten und Freunden mit mir ging. Auch wenn ich glaubte, dass keiner soviel mitbekommen hat. Damals als ich heimlich trank. Das ist wohl ein Irrtum, dem wir heimlichen Trinker immer wieder aufgesessen sind...

    Hallo lalu!

    Das hast Du absolut zutreffend formuliert. Was für Fehlvorstellungen wir mal erlegen sind.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von kamarasow

    Du willst doch nicht wie eine dahinvegetierende Mumie im Pflegeheim landen. Dann ist es doch besser wenn man seinen Körper vor dem Verfall des Geistes zerstört...

    Hallo!

    Da bist Du nicht auf dem Laufenden. Ein Tod an multiplem Organversagen infolge eines notorischen Alkoholabusus ist keine schöne Angelegenheit, sondern ein elendiges Krepieren.

    Den Geist erhälst Du dir auch nicht, den knipsen man sich dank Korsakow gründlich aus.

    Recherchier das mal.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von kamarasow

    Es gibt Tage da heißts: "Klar, nie mehr Alkohol. Wozu denn.". An anderen Tagen: "Sag niemals nie. Bei besonderen Anlässen muss das in Gesellschaft doch drin sein. Irgendwann.". Bei letzterem ist sicher das Suchtzentrum der Vater des Gedankens.

    Hallo!

    Solange Nr. 2 noch im Kopf verankert ist, wird das nichts mit der Abstinenz. Denn dann stehst Du nicht rückhalt- und bedingungslos zu deiner Entscheidung.

    Anfangs hatte ich auch mal so Gedanken. Was mir geholfen hat, waren Lektüre, meine ambulante Therapie und Gespräche mit Rückfälligen, die mir klar vor Augen geführt haben, dass wir niemals kontrolliert trinken können. Sie waren alle relativ schnell wieder bei den alten Schlagzahlen angelangt, wenn nicht gar darüber.

    Schau dir mal in der Mediathek des MDR den auch hier zitierten Beitrag "Der Trocken-Doc" an. Bernd Thränhardt bringt es auf den Punkt: "Sucht ist eine Einbahnstraße, es gibt kein zurück in ein früheres Stadium".

    Lass das mal auf dich wirken.

    Gruß Carl Friedrich

    Zunächst einmal möchte ich dem letzten Beitrag von lalu14 ausdrücklich Respekt zollen. Was für ein enormer Fortschritt. Das las sich vor einigen Wochen/Monaten (Geburtstag) noch völlig anders.

    Und recht hat sie.

    Wir haben noch nichts geplant. Es ist ja noch gut 3 Wochen hin.

    Aber eines steht fest. Auch dieses Jahr nehmen wir an keiner Silvesterfeier teil, sei es privat oder aber gewerblich arrangiert.

    Vorher stehen noch ein Geburtstag (nicht meiner, der war schon) und Weihnachten an.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Das Problem ist, das beim Milchreis dieser bekannten deutschen Molkerei mir bislang alkoholische Produkte mitten im Milchsortiment nicht aufgefallen sind.

    Und die älteren Semester -wie ich- haben häufig ihre Lesebrille nicht dabei, da die Hersteller diese Hinweise gerne in schwer lesbarer Microschrift aufdrucken.

    Wie gesagt, nicht mal bei vermeintlich sicheren Produkten ist man heute auf der sicheren Seite.

    Gruß Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Auf was der Mensch so alles achten muss: Heute Mittag ging ich in einen Supermarkt ein Häppchen zu essen besorgen. Am Kühlregal griff ich zielgerichtet zu einem Milchreis mit Kirschen drauf. Ich dachte nur, was ist die Farbe heute so dunkel für 'ne Kirsche: RUMTOPF.

    Wir schnell hat man so so was gegessen, wenn man in Eile und durch andere Dinge abgelenkt ist. Selbst bei den Joghurts muss man aufpassen wie ein Luchs.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Die Ausführungen von Sunshine in allen Ehren, aber ich belüge niemand, wenn ich ihm nicht auf die Nase binde, trockener Alki zu sein. Die Antwort: "Ich vertrage ihn nicht und er bekommt mir nicht", ist absolut wahrheitsgemäß und beinhaltet keine Lüge.

    Genaue Krankheitsdiagnosen gehen m.E. Außenstehende überhaupt nichts an. Ich fühle mich nicht verpflichtet, mich von Hinz und Kunz ausfragen zu lassen. Aber das versuchen die bei mir erst gar nicht. Das mache ich ihnen notfalls klar, wo genau die Grenze verläuft.

    Aber das soll bitte schön ein jeder so handhaben, wie er es für richtig hält. Ich gehe meinen Weg und das mit der nötigen Gelassen- und Zufriedenheit.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Kleine Ergänzung von mir:

    In unserem Haushalt befindet sich immer noch Alkohol.

    Warum? Weil meine Frau ganz gelegentlich mal ein Glas Wein oder Sekt trinkt. Und genau das Zeug und zwar ein ziemlich süßliches, steht noch im Keller. Ich schätze mal ca. 6 Flaschen à 0,7l und ca. 3-4 Piccolos.

    Sind die Pullen für mich gefährlich? Ich behaupte NEIN. Ich habe dieses "süße Gesöff" nie gemocht. Wenn ich wirklich was trinken wollte, würde ich eine Straßenecke weiterziehen, dort befindet sich eine Tanke 24/7. Die führen auch meine früheren Marken.

    Was ich jedoch komplett entsorgt habe, ist der Stoff, den ich früher im Übermaß konsumiert habe. Davon kommt mir auch nichts in die Bude.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von garcia


    Klar, jeden Kontakt zu Alkohol in irgendeiner Form radikal vermeiden wird in einer derart alkoholdurchfluteten Gesellschaft wie der diesigen nicht gelingen, aber darum geht es ja auch nicht. Aber darum, auf sich aufzupassen und wachsam zu bleiben. Nach und nach geht das immer automatischer, und dann ist es eher eine Bereicherung, kein Verzicht, so hab ich's erlebt.

    Hallo!

    Absolut zutreffend. Dem schließe ich mich vollauf an.

    Gruß Carl Friedrich