Ja das Suchtgedächtnis funktioniert immer noch ausgezeichnet und meldet sich dann, wenn man es mal gerade nicht auf dem Schirm hat.
Heute Nachmittag wollten meine Frau und ich einfach mal einen Kaffee trinken gehen. Beim Vorübergehen sah ich einen Kellner, der gerade frisch gezapftes Weißbier an einen Tisch brachte. Sofort und wie aus dem Nichts triggerte es und zwar nicht unbeträchtlich. Wir gingen weiter zu einer anderen Lokalität, wo keiner Bier trank und genossen unsere Kaffee. Sicherheitshalber orderte ich gleich dazu ein großes Wasser. Ob ich beim besagten Bier zugegriffen hätte, wenn es mir der Kellner direkt vor die Nase gestellt hätte, weiß ich nicht, aber ich bildete es mir irgendwie ein.
Obwohl wir zig Male während meiner heute auf den Tag genau 16-monatigen Abstinenz in Cafes saßen, stellte sich heute ganz plötzlich das Verlangen nach dem Stoff ein. Ich bin augenscheinlich noch lange nicht über den Berg, obwohl ich wahrlich viele Situationen erlebt habe.
Auch das sollte ich weiterhin berücksichtigen. Da ich schon öfter, wenn auch schon länger nicht mehr, Suchtdruck hatte, schaltete das mein Körper dank entsprechender innerer Schulung schnell auf das Notprogramm um. Weg von dem Ort und innerlich klar machen: "Halt da stimmt was nicht, da musst Du sofort gegensteuern." Gottlob war die Attacke schnell vorbei.
Fazit: Das Suchtgedächtnis kann uns alle jederzeit böse überraschen, wenn wir gerade nicht damit rechnen. Tatsächlich schlummert es im Verborgenen, um dann plötzlich wie eine giftige Natter hervor zu schießen.
Man sollte daher stets Vorsicht walten lassen. Nicht das sich vor lauter Selbstüberschätzung, weil es ein paar Male gut gegangen ist (Feiern, Biergärten, Restaurants,Cafes), plötzlich ein Glas in unmittelbarer Nähe befindet und man es trinkt, nur weil die Begleitumstände so angenehm sind (schönes Wetter, historischer Platz mit interessanten Gebäuden, Erinnerung an frühere Zeiten)
Ich habe die mögliche Gefahr, womöglich bei Besuchen von Cafes überrascht zu werden, nunmehr wieder präsent im Kopf. Es geht nichts über eine gute Vorbereitung. Das hatte ich zuletzt wahrscheinlich etwas vernachlässigt.
Gruß Carl Friedrich