Beiträge von Carl Friedrich

    Fortsetzung;

    Auch der dritte abstinente Urlaub verlief angenehm. Gelegentliche Gedanken an Bier konnten zügig verworfen werden, ohne dass ich ernsthaft in Gefahr geriet.

    Bei Restaurantbesuchen kehrte ebenfalls beträchtliche Routine ein. Letztes Jahr dachte ich noch daran, wie kommt es wohl ankommt, wenn ich in einem Speiserestaurant lediglich Wasser orderte und eigentlich alle anderen etwas Alkoholisches konsumierten. Dieses Jahr war es mir meine Außenwirkung in diesem Punkt völlig egal. Ich bin ich und mache das, was ich für richtig halte. Dafür muss ich mich vor niemand rechtfertigen oder gar entschuldigen. Es ist mein Leben und meine Entscheidung. Was andere darüber denken oder gar davon halten, ist mir "Wurscht".

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo Lh!

    Das ist exakt das richtige Beispiel. Das Suchtgedächtnis sitzt in dem Teil des Hirns, in dem automatisierte Handlungsabläufe gespeichert sind wie Schwimmen, Gehen, Laufen, Radfahren ... oder das Öffnen der Türe. Gerade deshalb ist es ja so schwer mit der Abstinenz. Der Automatismus "Griff zur Flasche" muss halt durch andere Verhaltensweisen wie eine Software, die sich nicht deinstallieren lässt, durch eine andere Software überschrieben werden.


    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von Martin

    Hallo Carl Friedrich,


    hat sich denn auch das Verständnis für deine eigenen Schwäcchen verändert, falls du welche hast :?::lol:

    LG Martin

    Gute Frage!

    Klar doch und nicht zu knapp. Aber mit den eigenen Schwächen mache ich es so wie die allermeisten Leute, ich begegne ihnen mit deutlich mehr Toleranz, als bei anderen. Leider fällt das immer erst hinterher auf.

    Klar Hans. Das sollte man in der Tat; nur im Restaurant bemerke ich, wie ich gründlich sondiere, ob das was auf mich lecker wirkt, auch wirklich ohne Alkohol zubereitet ist. Das war mit "Nachteil" gemeint. Dass ich nicht mehr völlig frei nach Lust und Laune bestellen kann, sondern zumeist einen Großteil der angebotenen Sachen durch mein Raster fallen.

    Ende nächste Woche geht's noch mal in den Süden den Sommer verlängern und die Akkus mit Wärme und Energie aufladen, dass wir über den Winter kommen.

    Schnell noch mal geschaut, dass ich bei C..... gebucht habe und nicht bei den Fluglinien, die zur Zeit extrem hohe Ausfallquoten haben.

    Bezüglich des Urlaubs , der 3. alkoholfreie, hat sich ebenfalls eine gewisse Routine eingespielt. Kein Hotel, keine Verpflegung, kein Animationsquatsch. Wir machen vieles selbst. In der Ferienwohnung/Apartment gibt es keinen Alkohol, meine Frau gönnt sich bei Restaurantbesuchen aber mal ein Gläschen Wein/Sekt, halt moderat, wie ich es nicht/nie mehr kann.

    Gruß Carl Friedrich

    Gruß Carl Friedrich

    Oh schon mehr als 1 Monat nichts in diesem Teil des Forums geschrieben. Zeit dies zu ändern.

    Bei mir läuft es recht ordentlich. Gelegentlicher Suchtdruck stellt sich ein. Zumeist, wenn ich in Situationen komme, in denen ich früher getrunken habe. Mit meinen üblichen Strategien konnte ich stets gegensteuern.

    Es ist schon erstaunlich, welch hocheffizientes Teil dieses Suchtgedächtnis doch ist. Es wird sich niemals komplett ausschalten lassen. Schade.

    In diesem zweiten Jahr der Abstinenz fällt mir vieles leichter, als im ersten. Ich habe bei weitem nicht so oft Gedanken an den Stoff, wie noch im letzten Jahr zu dieser Zeit. An die Abstinenz habe ich mich gewöhnt und ich will sie auch nicht missen. Dennoch bin ich wachsam. Ganz über den Berg bin ich jetzt nach 1 Jahr 5 Monaten und ein paar Tagen noch nicht. Ich bin mir des Gefahrenpotentials und der Tücken des Suchtgedächtnisses durchaus bewusst.

    Was mir sehr positiv an meiner Abstinenz auffällt, ist die größere innere Ruhe und Gelassenheit im Vergleich zu früher. Ich fahre nicht mehr so leicht aus der Haut und habe mehr Verständnis für die Schwächen anderer Leute. Zudem kommuniziere ich lockerer mit anderen.

    Natürlich stellen sich auch Nachteile ein: Im Restaurant muss ich bei der Auswahl meiner Speisen viel mehr Sorgfalt aufwenden und stets darauf achten, ob und wo Alkohol drin ist. Die frühere Lockerheit, auch mal unbekannte Dinge spontan zu probieren, ist der grundsätzlichen Vorsicht und gründlichen Überprüfung gewichen. Aber das ist der Preis der Freiheit und er ist sicherlich nicht zu hoch.

    Schmunzeln muss ich über einen Beitrag eines Mitglieds meiner R-SHG der süffisant, aber zutreffend meinte: "Eigentlich war uns schon früher klar, dass es mit der Sauferei nicht gut gehen konnte und unser persönlichen Maß (an Alkohol) ist nun mal voll."

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo Antje!

    Ich habe Verständnis dafür, das man an einer Feier für oder mit einer älteren Dame teilnehmen will. Das ist dieses Mal gut gegangen. Leite daraus keine Garantie ab, dass es auch beim nächsten Mal funktioniert.

    Mein ehemaliger Therapeut pflegte zu solch einem Verhalten zusagen: "Das geht ein paar Male gut, dann kommt der Rückfall". Warum? Weil man leichtsinnig wird und sich selbst dem Alkohol zu sehr nähert. Irgendwann schlägt dann das glänzend funktionierende Suchtgedächtnis zu, getreu der Devise: "Jetzt war ich so lange brav, jetzt darf ich mal einen trinken." Oder es kommt jemand und drückt einem ein Glas in die Hand, um auf den Jubuliar anzustoßen. Das sind ganz heikle Situationen.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Ich habe es gerne gelesen. Es ist aus Therapeutensicht geschrieben und keine so schwere Kost wie die Suchtfibel. Es ist daher eine Abwechselung zu all dem, was trockene Alkoholiker zu erzählen haben, sozusagen die zweite Seite der Medaille. Mit dem Buch machst Du m.E. nichts verkehrt.
    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Dein Sohn ist 21. Er dürfte es schon längst wissen. Keine falsche Scheu. Ich tippe mal, es ist dir persönlich einfach nur peinlich, dich vor ihm als alkoholkrank zu outen. Dem Alkoholismus wohnt auch eine gehörige Portion Scham inne.

    Zum Buch: Ich habe es mehrfach gelesen. Ich finde es klasse.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo Citchy!

    Die Ausgangsvoraussetzungen sehen schon mal richtig gut aus. Alle um dich herum spielen mit. Jetzt bist Du am Zug. Du kannst unbeschwert in die Reha gehen. Du hast keine privaten Baustellen mehr offen, die dich unangenehm ablenken könnten.

    Du kannst dich voll und ganz auf sie einlassen.

    Gutes Gelingen
    wünscht Carl Friedrich

    Mindestens 2:

    1.) Zutreffend bereits genannt: Alk von Borowiak (ist ein Synonym) aus Patientensicht

    2.) und noch eines aus Therapeutensicht "Lieber schlau, als blau" von Lindenmeyer.

    Warum? Um das Problem von beiden Seiten zu beleuchten.

    Das sind beides keine Wälzer, sowie gut und zügig zu lesen.

    Gruß Carl Friedrich

    Ja das Suchtgedächtnis funktioniert immer noch ausgezeichnet und meldet sich dann, wenn man es mal gerade nicht auf dem Schirm hat.

    Heute Nachmittag wollten meine Frau und ich einfach mal einen Kaffee trinken gehen. Beim Vorübergehen sah ich einen Kellner, der gerade frisch gezapftes Weißbier an einen Tisch brachte. Sofort und wie aus dem Nichts triggerte es und zwar nicht unbeträchtlich. Wir gingen weiter zu einer anderen Lokalität, wo keiner Bier trank und genossen unsere Kaffee. Sicherheitshalber orderte ich gleich dazu ein großes Wasser. Ob ich beim besagten Bier zugegriffen hätte, wenn es mir der Kellner direkt vor die Nase gestellt hätte, weiß ich nicht, aber ich bildete es mir irgendwie ein.

    Obwohl wir zig Male während meiner heute auf den Tag genau 16-monatigen Abstinenz in Cafes saßen, stellte sich heute ganz plötzlich das Verlangen nach dem Stoff ein. Ich bin augenscheinlich noch lange nicht über den Berg, obwohl ich wahrlich viele Situationen erlebt habe.

    Auch das sollte ich weiterhin berücksichtigen. Da ich schon öfter, wenn auch schon länger nicht mehr, Suchtdruck hatte, schaltete das mein Körper dank entsprechender innerer Schulung schnell auf das Notprogramm um. Weg von dem Ort und innerlich klar machen: "Halt da stimmt was nicht, da musst Du sofort gegensteuern." Gottlob war die Attacke schnell vorbei.

    Fazit: Das Suchtgedächtnis kann uns alle jederzeit böse überraschen, wenn wir gerade nicht damit rechnen. Tatsächlich schlummert es im Verborgenen, um dann plötzlich wie eine giftige Natter hervor zu schießen.

    Man sollte daher stets Vorsicht walten lassen. Nicht das sich vor lauter Selbstüberschätzung, weil es ein paar Male gut gegangen ist (Feiern, Biergärten, Restaurants,Cafes), plötzlich ein Glas in unmittelbarer Nähe befindet und man es trinkt, nur weil die Begleitumstände so angenehm sind (schönes Wetter, historischer Platz mit interessanten Gebäuden, Erinnerung an frühere Zeiten)

    Ich habe die mögliche Gefahr, womöglich bei Besuchen von Cafes überrascht zu werden, nunmehr wieder präsent im Kopf. Es geht nichts über eine gute Vorbereitung. Das hatte ich zuletzt wahrscheinlich etwas vernachlässigt.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Die habe ich alle mehrfach gelesen. Steht viel Interessantes drin.

    Die Suchtfibel ist am schwersten verdaulich und die würde ich an den Schluss setzen. Beginnen würde ich mit Alk, da es unter einem Pseudonym von einem/einer Betroffenen geschrieben wurde und einfach köstlich zu lesen ist. Man muss aber Sinn für Ironie haben und eine gehörige Portion Humor mitbringen.

    Danach "lieber schlau ..." Es wurde von Therapeuten geschrieben und führt mal aus anderer Sicht in die Problematik ein. Außerdem ist es deutlich leichter zu lesen und wesentlich kürzer, als die Fibel.

    Ich kann alle 3 Werke nachdrücklich empfehlen.

    Gruß Carl Friedrich

    Passend zum Thema:

    Habe mir heute mal einen Eisbecher in einer italienischen Eisdiele gegönnt. Beim Betrachten der Karte war ich positiv überrascht. Alle Becher, deren Saucen Alkohol enthalten, sind deutlich sichtbar gekennzeichnet. Respekt.

    Habe mich für ein Spaghetti-Eis mit Erdbeersauce entschieden.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Kleiner Nachtrag: Es gibt allerdings Lebensmittel, die nicht den mehrwertigen, sondern den einfachen und für mich gefährlichen Alk enthalten, z.B. bestimmte Süßigkeiten wie Törtchen in rechteckiger Form, Schokoscheiben mit Möchtegernmichfüllung, bestimmte Torten wie Schwarzwälder. Kirsch-, Schoko-, Herren-, Sacher .....

    Deshalb bin ich komplett auf Obstkuchen umgestiegen.

    Ja das ist nicht immer einfach, was in vielen Teilen so drin steckt. Wenn ich etwas probieren möchte, bei dem ich mir nicht sicher bin, schnüffel ich dran wie ein Hund. Im Zweifel bleibt es links liegen.

    Wie heißt es so schön: "Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht und wenn der Städter wüsste, was er isst, würde er schleunigst Bauer werden."

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Bei den Pastillen, die ich schon mal einwerfe, handelt es sich um sog. mehrwertigen Alkohole, als Zuckerersatz. Das hat nichts mit dem Stoff zu tun, den wir missbräuchlich verwendet haben. Mich triggert das nicht.

    Gefährlich für mich ist das, was aussieht wie Alkohol (Bier, Wein, Schnaps..) und genau so oder so ähnlich schmeckt (alkoholarme Varianten).

    Aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen und ggf. die Finger von lassen.

    Mein ehemaliger und sehr erfahrener Therapeut, hatte gegen diese Form von Begleitstoffen als Zuckerersatz nichts einzuwenden.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    So ein Zeug trinke ich auch gelegentlich auch schon mal, wenn es richtig sommerlich warm ist. Mich triggerte es bislang nicht, aber bei Leuten, die gerne mal sog. Radler eingeworfen haben, sehe ich das anders.

    Allerdings habe ich das Problem auf dem Schirm.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von Hans im Glück


    Sei wachsam mit dir, denn das Suchtgedächtnis arbeitet trotzdem im Untergrund und wird alles dransetzen, dich wieder zum Trinken zu animieren.
    Es arbeitet nicht rational, sondern nur emotional.
    Das ist gerade das heimtückische daran.

    Hallo!

    Hans hat völlig Recht. Auch dich wird es noch malträtieren. Bereite dich jetzt schon mal darauf vor, wie Du dann reagieren willst. Leg dir eine Strategie zurecht.

    Es meldet sich gerne in Situationen, in denen man früher gerne und viel getrunken hat, z.B. bei Stress, Entspannungstrinken .....

    Dann zu Beginn der Abstinenz beim Anblick von Alkohol oder trinkenden Menschen. Mir passierte es mal bei einer Radtour, als ich in einer als Hobbyraum umgebauten Garage Bier trinkende Männer gesehen habe. Das hat mich fast aus dem Sattel gehauen.

    Gruß Carl Friedrich