Hallo Haussperling!
Ich frage mich, was hattest Du auf so einer Veranstaltung zu suchen? Ich kann ausdrücklich nur zu absoluter Risikominimierung raten und zwar in der Variante, dass man der Gefahr aus dem Weg geht. Deine Trockenheit sollte jetzt oberste Priorität haben.
Die Frage, wie offen man mit unserer Krankheit umgeht, wird hier sehr unterschiedlich gehandhabt und beurteilt. Ich gehöre auch zu den eher defensiv agierenden Teilnehmern. Ich habe genau diejenigen eingeweiht, die es wirklich was angeht und der Kreis ist sehr überschaubar. Es sind genau diejenigen, die ich auch über andere sehr intime Erkrankungen informieren würde.
Andere gehen offensiver zu Werke und dann folgt schon mal die Kritik, man versuche sich aus der Krankheit zu stehlen; mangels Offenheit stehe man nicht zu ihr; man eiere rum usw.
Ich habe das Problem mit insgesamt 3 Therapeuten diskutiert. Die finden meinen Standpunkt konsequent und gut vertretbar. Ich bin mit ihm jetzt mehr als 9 Monate lang gut gefahren.
Es gibt jedoch Einschränkungen: Wenn schon der Arbeitgeber einem eine Therapieauflage gemacht hat oder man dort mehrfach als Alki aufgefallen ist, bringt ein Schweigen und Ausweichen nichts.
Gleiches gilt gegenüber Personen, die einen als heftigen Kampftrinker kennen gelernt und in Erinnerung haben. Aber auch da kann man diplomatisch vorgehen: "Mir ist, wie Euch bekannt ist, der Alkohol nicht bekommen, daher verzichte ich jetzt ganz auf ihn". Später kann man ergänzen, dass man die Abstinenz schätzen gelernt habe und daher an ihr festhalte.
Eines möchte ich aber ausdrücklich festhalten: Ich lasse mich zu meiner Krankheit nicht von Neugierigen ausfragen und auch das würde ich dem Fragenden mit einem freundlichen Lächeln und absolut ruhiger Stimme mitteilen: "Ich habe jetzt nicht vor, mit Dir/Ihnen über den Alkoholgehalt meiner Getränke zu diskutieren". Dann bietet sich ein sofortiger Themenwechsel an.
Fazit: Es kommt halt immer auf die Umstände des Einzelnen an.
Wer meint, er/sie müsse wesentlich mehr Leute in Kenntnis setzen, mag das bitte schön so praktizieren. Ich respektiere und akzeptiere es vollkommen. Das nehme ich aber auch für mich in Anspruch.
Gruß Carl Friedrich