Heute hatte ich ein interessantes Gespräch mit meinem Therapeuten. Da musste ich gleich an einige hier im Forum denken, die den Standpunkt vertreten, dass manche erst richtig tief im Schlamassel stecken müssen bis hin zur akuten Lebensgefahr, um überhaupt bereit zu sein, langfristig und nachhaltig trocken leben zu wollen und zu können.
Mein Therapeut meinte, nachdem wir die möglichen Gefahren des kommenden Silvester thematisiert hatten, dass nach seiner langjährigen Einschätzung, diejenigen dauerhaft gute Chancen hätten, trocken zu bleiben, die nach der Papierform eine eher schlechte Ausgangslage hätten, wie Job weg, Familie weg, Führerschein weg, Gesundheit konkret gefährdet. Bei diesen Personen sei der Leidensdruck besonders hoch und sie seien, wenn es denn im Kopf endlich mal Klick gemacht hätte, ausreichend motiviert und sensibilisiert, nicht wieder in dieser Misere zu landen.
Bei Personen wie mir, die noch voll beruflich, sozial und familiär integriert seien, wäre oft zu bemerken, dass es ihnen häufig an dem Willen mangele, für immer trocken zu bleiben. Sie nähmen es sich erst Mal vor, schaffen es eine gewisse Zeit z.B. 1 Jahr, um dann alles neu zu beurteilen. Das verleite sie womöglich dazu, sich für kuriert zu halten, womit ein Rückfall prädestiniert sei. Gerade aus diesem Grund sei es für Leute wie mich unbedingt erforderlich, sich nach Therapieende einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, um sich fortlaufend die eigene Krankheit und den Nutzen der Trockenheit vor Augen zu halten, da der eigentliche Leidensdruck relativ niedrig sei.