Beiträge von Pancho

    Beendet:
    Reginald Hill, Der Schrei des Eisvogels

    (Nicht vom blöden deutschen Titel abschrecken lassen, da kann Reginald Hill nichts dafür. Überhaupt ist das im negativen Sinn bemerkenswert, mit welcher Einfallslosigkeit englische Titel "übersetzt" werden.)

    Vor etwa einem Jahr nahm ich auf gut Glück aus einer Wühlkiste ein Buch des mir bis dato unbekannten Reginald Hill mit. Der Titel: Das Dorf der verschwundenen Kinder.
    Und ich hatte Glück:
    Es war einer der besten Kriminalromane, den ich gelesen hatte.
    Mit den folgenden zwei Büchern, die ich vom Autor las, eroberte sich Reginald Hill einen Platz ganz weit oben in der Liste meiner Lieblingskrimiautoren.

    Nun das vierte Buch, und ich wurde wieder nicht enttäuscht.
    "Der Schrei des Eisvogels" einen Krimi zu nennen, ist fast verwegen.
    Es gibt eigentlich gar keinen wirklichen Kriminalfall.
    Wie auch in den anderen mir von Hill bekannten Büchern übernehmen die Hauptrolle die Protagonisten, die ermittelnden Polizisten und die Bewohner eines englischen Dorfes.
    Viel mehr will ich nicht verraten.
    Das alles ist so liebevoll geschildert, so warmherzig, schalkhaft, abseits von Stereotypen - Reginald Hill macht einfach großen Spaß!

    Was ich inzwischen bemerkt habe:
    Es ist nicht zwingend notwendig, bei Reginald Hills Gesamtwerk chronologisch vorzugehen, aber es ist sinnvoll, weil man so wunderbar die Entwicklung bestimmter Personen miterleben kann und weil sich manchmal auch Passagen auf bereits in früheren Büchern Geschehenes beziehen.

    Und weil es so viel Spaß gemacht hat, freue ich mich jetzt auf:
    Reginald Hill, Das Haus an der Klippe

    Gruß Pancho

    Hallo Forum,

    @thalia

    Zitat

    Du scheinst mir (ähnlich wie ich es war und bin) recht ungeduldig mit dir selbst zu sein.

    Da kann schon was dran sein, obwohl ich mich eher als geduldig einschätzen würde.
    Ich mache mir ja auch immer wieder bewusst, dass nicht von heute auf morgen alles super wird, dass das Phasen sind, die auch wieder vorübergehen.
    Aber es ist eben ein bisschen Angst dabei, dass es nicht vorübergeht und fortan mein Leben bestimmt.
    Insgesamt gibt es aber für mich nichts zu klagen, die positiven Aspekte überwiegen bei weitem.
    Die Gedanken führen nicht zu Saufdruck und können nicht verhindern, dass ich weiterhin mit Optimismus in die Zukunft sehe.

    @Nobby

    Code
    In solchen Situationen versuchte ich den Alkohol zu ersetzen.

    Zum Glück ist es ja kein akutes Verlangen nach Alkohol, nur diese Grübelei, wie es denn dann werden soll, in dieser und jener Situation.
    Also Gedanken an Situationen, die ich seit der Entgiftung noch gar nicht hatte.

    Code
    Ging es mir schlecht, trank ich. Ging es mir gut, trank ich.

    Genau so war es bei mir.
    Die Gedanken kreisen ausschließlich um den zweiten Fall.
    Als Beispiel: Bis vor zwei Jahren, als ich noch die Kraft hatte, habe ich es geschafft, wenigstens einmal im Jahr für ein paar Tage mit Fahrrad und Zelt eine Tour zu machen.
    Dabei ging es mir immer sehr gut.
    Aber auch dazu gehörte der Alkohol.
    In meinen Fahrradtaschen waren zwei 3-Liter-Boxen Rotwein für die Abende, und wenn ich nachmittags am Ziel ankam, waren ein paar kalte Bier am Zeltplatz-Imbiss die wunderbare Belohnung für die Strapazen.
    Ich hab da dann einen Abend sogar mal Leute kennengelernt auf einem Zeltplatz, obwohl ich überhaupt nicht der Typ bin, der einfach Leute kennenlernt.
    Und das war, das muss ich leider sagen, nur mit dem Alkohol möglich.
    Und das war eine schöne Erfahrung.
    Um sowas kreisen die Gedanken.

    Rattenschwanz

    Code
    Was mir in der LZT geholfen hat, waren vor allen Dingen die räumliche Trennung zu meiner Saufumgebung und der klar strukturierte Tagesablauf

    Genau darauf baue ich auch, außerdem auf Spaziergänge in der schönen Natur dort, Sportangebote etc.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass eine LZT niemandem nützt, der nicht auch im Kopf die entscheidende Einstellung hat.
    Aber für den, der entschlossen ist, für den kann es sicher ein zusätzlicher und nützlicher Faktor auf dem Weg sein.

    @Correns

    Zitat

    vor kurzer Zeit hatte ich ebenfalls wieder so eine Phase.
    Du hast recht. Die Gedanken sind lästig.
    Abstellen konnte ich sie bisher noch nicht.
    Selbst das Akzeptieren, dass es eben so ist, fällt mir schwer.
    Vielleicht gelingt mir dies nie???

    Genau das ist meine Sorge.
    Vielleicht muss man das dann auch für sich akzeptieren:
    Dass die Gedanken immer wieder kommen und auch mit den Jahren nicht seltener werden.
    Dass sie zu einem gehören.
    Dein Thread war übrigens, da ganz oben, der erste hier, den ich durchgearbeitet habe.
    Und trotz deiner nicht immer vor Glück sprühenden Schilderungen mit die Initialzündung für meinen Entschluss.
    Auch wenn ich nicht alle 380 Seiten durchgelesen habe:
    Du bist sicher jemand (korrigiere mich, wenn ich falsch liege!), der prinzipiell viel grübelt, auch über Dinge, die man vielleicht selbst gar nicht ändern kann.
    Das ist bei mir ähnlich.
    Und führt eben öfter auch zu depressiven Verstimmungen.
    Und das ist bei mir auch ein Punkt, bei dem ich denke, das wird durch die Nüchternheit wahrscheinlich nicht viel besser oder anders.
    Aber ich glaube und hoffe, dass ich
    1. durch die Nüchternheit nicht mehr wochenlang darin versinken werde, weil ich
    2. nüchtern viel mehr Kraft habe, damit umzugehen und zumindest teilweise dagegen zu steuern, sei es durch Sport oder Spaziergänge oder sonstiges.

    Du machst das ja eigentlich alles richtig.
    Dein Engagement, das Laufen, du bist da schon ein Vorbild für mich und meine Ziele gehen auch in diese Richtung.
    Trotzdem werde ich mich wahrscheinlich niemals leicht fühlen. (Kann es nicht besser ausdrücken, vielleicht verstehst du mich)

    Aber so viele kleine glückliche Momente wie möglich will ich mir erarbeiten und das konnte ich zum Schluss gar nicht mehr.

    Gruß Pancho

    Guten Morgen!

    Slowly :
    Zwischendurch mal vielen Dank fürs immer wieder Vorbeischauen und Kommentieren hier!

    Was mich momentan nervt:
    Dass die blöden Gedanken immer wieder kommen.
    Die mir weismachen wollen, dass es bestimmte Momente gibt, die ich ohne Alkohol nicht werde genießen können.
    Und vermehrt Einflüsterungen, dass ich akzeptieren muss, nicht dafür geschaffen zu sein, meinen Platz in dieser Gesellschaft zu finden und bevor ich nüchtern daran verzweifle, lieber Trost im Rausch zu suchen.

    Ich weiß, dass es Unsinn ist und ich kann ganz gut dagegen steuern, aber ich will sie gar nicht erst haben, die Gedanken.
    Sie sind lästig.

    Sie schleichen sich offenbar durch irgendwelche Türen ein, die noch nicht ganz zu sind.
    Ich bin mir aber sicher, alle Türen geschlossen zu haben!
    Und mehrfach verriegelt!

    Warum kann mein vorhandenes Bewusstsein, dass es Unsinn ist, dass es nicht funktioniert, dass ich es gar nicht will, diese Gedanken nicht aussperren?

    Ich bin sehr froh, dass mein nächster Schritt, die LZT, so nah und greifbar ist, auch wenn ich mir davon keine Wunder erwarte.

    Und was mich auch positiv stimmt:
    Dass die Gedanken nicht zu depressiven Verstimmungen führen oder zu Saufdruck.
    Ich habe in der Diskussion mit dem Suchtteufel oder wem auch immer die besseren Argumente auf meiner Seite und bis jetzt bleibt ihm nichts weiter übrig, als sich immer wieder beleidigt zurückzuziehen.

    Ich wünsche dem ganzen Forum einen schönen 1. Advent!

    Gruß Pancho

    Guten Morgen!

    Gestern war ein beschissener, trauriger Tag.
    Die Perserkatze, die meine Tochter und ihr Freund erst vor ein paar Wochen als kleines Fellknäuel hier anbrachten, ist bei einem Unfall gestorben.
    Ist beim Spielen in großem Tempo gegen die Kommode gerannt, unter der
    sie sich normalerweise verkriecht, ein schmaler Spalt, den sie irgendwie
    verpasst hat.
    Ich bin kein Katzenliebhaber, aber dieses kleine Ding, dass einen so treuherzig mit großen Augen anguckte, hatte ich ins Herz geschlossen.

    Die Trauer, das in den Arm nehmen meiner Tochter, das Reden darüber: Das war nüchtern eine ganz neue Erfahrung.
    Eine gute Erfahrung, auch wenn sich das im Kontext blöd anhört.
    Ich kann das nur schwer beschreiben, aber es war irgendwie das Gefühl, ganz da zu sein, mit allen Sinnen.
    Es war nicht leichter nüchtern, das kann ich nicht behaupten, aber besser.

    Ich würde das gern besser beschreiben können, aber das gelingt mir grad nicht.

    Ich hab immer mit den Augen gerollt und gebrummelt, wenn ich wie ein Storch stakend durch die Wohnung lief, weil sie, zwischen meinen Beinen mitlaufend, keine andere Fortbewegungsart zuließ.
    Jetzt werde ich es vermissen.

    Gruß Pancho

    Guten Morgen!

    Vielen Dank für die vielen Rückmeldungen!

    Mal sehen, ich wünsche mir sehr, in einem Jahr das Vergnügen zu haben, auf ein trockenes Jahr zurückblicken zu können.
    Aber für mich wird nicht der erste trockene Tag während des Entzugs das wichtige Datum sein, trockene Tage hatte ich ja auch schon vorher.
    Wenn ich mich an ein Datum erinnern werde, dann wird es der 9.11. sein, der Tag, an dem ich nicht nur körperlich, sondern auch geistig trocken wurde.

    Heute muss ich nun etwas tun, vor dem es mich sehr graust.
    Vor der Entgiftung hatte ich schon mehrere Wochen die Briefpost zwar gelesen, aber immer nur gestapelt.
    Nach der Entgiftung hab ich die Bearbeitung des Stapels auch erst mal verschoben, da war mir anderes wichtiger.
    So ist der Stapel noch weiter gewachsen.
    Jetzt muss ich ran, sind ja nur noch paar Tage bis zu meiner Abfahrt in die Rehaklinik.
    Die Steuererklärung hab ich Gott sei Dank schon irgendwann im September gemacht, das bleibt mir erspart, aber es ist noch genügend anderer unangenehmer Kram da.

    Gern würde ich jetzt wieder prokrastinieren und lieber weiter ununterbrochen bis heute abend hier ins Forum schreiben, nur um den Stapel nicht bearbeiten zu müssen, aber ich versuch jetzt mal, mir mit dem zu erwartenden guten Gefühl Mut zu machen, das mich nach getaner Arbeit erwartet.
    Auf geht's!

    Gruß Pancho

    Guten Morgen!

    Gestern brauchte ich mal eine Auszeit.
    Vom Forum und vom Thema überhaupt.
    Hab aber dann abends doch noch ein bisschen gelesen, und zwar im Thread von "kleiner schelm".

    Ist schon ein komisches Gefühl:
    Vieles von dem, was "kleiner schelm" schreibt, hab ich vor kurzem noch genau so gedacht.
    War teilweise wie ein Ausflug ins eigene Gehirn von vor drei Wochen.
    Und mir ist auch klar geworden, dass ich auch einfach ein bisschen Glück gehabt habe.
    Wenn ich z.B. an dem einen Tag nicht bei Google die Stichworte "Alkoholiker" und "Forum" eingegeben oder am Tag davor nicht ein langes Gespräch sowohl mit meiner Mutter als auch meinem Vater gehabt hätte, bei dem ich alles wieder versuchte zu relativieren, was mir dann erst am Tag danach bewusst wurde, wenn viele verschiedene Faktoren nicht zusammengetroffen wären, dann hätte es möglicherweise auch bei mir nicht "Klick" gemacht.

    Slowly

    "When a man loves a woman" und "Leaving Las Vegas" habe ich auch gesehen, allerdings vor langer Zeit.
    Wenn ich mich richtig erinnere, fand ich beide gut, aber auch zwiespältig.
    Ich kann mich auch erinnern, dass ich damals eine Phase hatte, in der der Gedanke daran, so zu enden wie der Protagonist aus "Leaving Las Vegas" für mich nichts beängstigendes hatte, sondern eher sogar etwas tröstliches.

    Kennst du "Der Trinker" mit Harald Juhnke?


    @Nobby

    Noch trinkend habe ich zuletzt immer stundenlang amerikanische Fernsehserien am Schreibtisch am Laptop geguckt.
    Und ich merke, dass ich das momentan gar nicht kann, weil ich nach kurzer Zeit unruhig werde.
    Das ist mit ein Grund, weshalb ich momentan auch immer noch sehr früh ins Bett gehe und dann im Bett noch lese.
    Das ist so eine Art Zuflucht für mich, da wird im Gehirn überhaupt nichts mit Alkohol verknüpft und das tut mir gut.
    Überhaupt fällt es mir momentan noch schwer, nach 16 oder 17 Uhr noch konzentriert was sinnvolles zu machen, weil zu der Zeit im Normalfall Trinkbeginn war und alles andere unwichtig.
    Aber auch das wird mit der Zeit vergehen, denke ich.
    Einerseits, weil ich mir Dinge suchen werde, mit denen ich diese Zeit ausfüllen kann (reale SHG, Sport, andere regelmäßige Veranstaltungen) und andererseits, wie du schreibst, manches im Gehirn überschrieben wird.

    Und wieder eine Frage an alle:

    Wie haltet ihr das mit euren Trockendaten?
    Ist das Datum des ersten Tages fest im Gehirn eingebrannt, wie der eigene Geburtstag? (ist ja immerhin wie ein zweiter Geburtstag)
    Wird der Jahrestag feierlich begangen?
    Stoßt ihr darauf an? :wink:
    Irgendwelche Rituale?
    Oder einfach nur ein kurzes, zufriedenes "Ach schön, wieder ein Jahr trocken!"

    Es ist ja auch ein bisschen ein zweischneidiges Schwert, oder?
    Wenn das trockene Leben normal sein soll, warum dann etwas feiern oder auf etwas stolz sein?

    Gruß Pancho

    Jetzt auch beendet:

    Philip Kerr, Die Berlin-Trilogie

    Ich hatte es ja schon geschrieben:
    Ich schätze den Autor, aber nicht für alle Werke.
    Hätte ich die Berlin-Trilogie als erstes Buch von ihm gelesen, wäre es wahrscheinlich auch das letzte gewesen.

    Der interessanteste Aspekt ist noch die Verknüpfung von historisch realen Figuren und Geschehnissen (das Buch spielt im Zeitraum 1936-1947) mit Fiktion.
    Die Kriminalfälle sind kaum der Rede wert, spannend waren sie jedenfalls nicht für mich.
    (Ich erwarte nicht jederzeit Hochspannung bei einem Krimi, aber ein gewisses Interesse für den Fall sollte sich bei mir schon einstellen. Das war nicht der Fall.)
    Am meisten gestört hat mich aber wohl das gewollte, aber nicht gekonnte Trimmen der Hauptfigur auf Hardboiled-Detective.
    Ich glaube wirklich, das sollte man den Amis überlassen, die können das!
    Ich kenne zumindest keinen außeramerikanischen Hardboiled-Detective, der nicht immer auch ein wenig lächerlich auf mich wirken würde.
    Einwände sind willkommen!

    Also: Kann man lesen, muss man nicht.

    Gruß Pancho

    Guten Morgen!

    @Sunshine, @Carl-Friedrich

    Schön, dass ihr euch einigen konntet. :)

    Ich denke, dass unter trockenen Alkoholikern weitgehend Einigkeit herrscht. Nur beschreibt es jeder für sich anders, die verwendeten Begriffe sind nicht die gleichen.

    Was den Kampf betrifft:
    Ich glaube, wenn man jeden Tag und permanent kämpfen muss, dann läuft was falsch, dann ist man im Kopf den entscheidenden Schritt noch nicht gegangen.
    Aber in der speziellen Situation des Saufdrucks ist ein Kampf schon angebracht.
    Und je besser man gerüstet ist, um so kürzer wird der Kampf und um so glorreicher der Sieg. :)

    Was die von Sunshine beschriebene Zugsituation betrifft:
    Mein erster Gedanke war, klar, da würde ich mich auch wegsetzen.
    Dann musste ich mir ehrlich eingestehen, dass mir das wahrscheinlich gar nicht so leicht fallen würde.
    Die Aufmerksamkeit, die ich damit auf mich ziehen würde, wäre mir unangenehm.
    Klingt bekloppt, ist aber so.
    Aber auch diese Hemmungen will ich ja überwinden.
    Weshalb ich mir fest vornehme, mich in einer solchen Situation wie Sunshine zu entscheiden.


    Gestern hat mir ein Bekannter erzählt vom Film "Alki Alki" erzählt.
    Läuft seit kurzem im Kino, er fand ihn ganz gut.
    Hat ihn schon jemand gesehen?

    Wie ist das überhaupt:
    Seid ihr, auch wenn vielleicht schon viele Jahre trocken, immer noch an Filmen und Literatur zum Thema besonders interessiert?
    Sind z.B. Alk-Dokus im Fernsehen für euch Pflichttermine, quasi aus professionellem Interesse?

    Gruß Pancho

    Hallo Karsten,

    im Prinzip sind wir uns ja einig.
    Es ist niemandem zu empfehlen.
    Aber ich würde auch niemanden verurteilen oder ihm Vorhaltungen machen, wenn er nach vielen gescheiterten Versuchen glaubt, diesen Weg gehen zu müssen.

    Vielleicht sehe ich es irgendwann auch anders, aber momentan kann ich nicht sagen:
    Jeder kann es schaffen, wer es nicht schafft, will nur nicht.

    Interessant wäre natürlich gewesen im Artikel zu erfahren, welcher Art die Therapieversuche waren. Ist er denn bspw. regelmäßig zu einer SHG gegangen oder hat sich anderweitig bemüht?

    Es bleibt also letztlich nur Spekulation, ob er wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat und ihm nur diese Alternative bleibt.

    Und in dem Punkt sind wir uns dann wahrscheinlich uneinig:
    Du glaubst nicht daran.
    Ich will und kann es nicht ausschließen.

    Gruß Pancho

    Hallo Karsten, garcia, martin!

    Danke für eure Beiträge.

    Karsten schrieb:

    Zitat

    Ich möchte hier auch keine Diskussion, wo Cannabis positiv dargestellt wird.
    Wenn sich die Süddeutsche dafür nicht zu schade ist, zeigt es aus meiner Sicht deren Niveau.

    Hm, das verstehe ich nicht.
    Weder wird im Artikel irgendwas verherrlicht noch etwas beworben, geschweige denn dazu aufgefordert, es doch auch zu versuchen.
    Mag sein, dass zwischen den Zeilen durchschimmert, dass der Autor kein radikaler Gegner der Legalisierung von Cannabis ist, viel mehr aber auch nicht.
    Warum es schlechtes Niveau sein soll, diesen Artikel zu drucken, erschließt sich mir nicht.
    War jetzt etwas offtopic, wollte ich aber nicht unkommentiert stehen lassen.

    Zitat

    Ich finde das Thema überhaupt nicht diskussionswürdig

    Ich bin immer an Meinungen interessiert.
    Und immerhin haben sich jetzt schon drei Forumsuser ganz klar positioniert.
    Womit die Diskussion ja begonnen hat, auch wenn es im Verlauf bisher keine Pro-Argumente gab.
    Mich würden diese Pro-Argument aber natürlich auch interessieren und ich hätte viele Fragen.

    Ich habe zu Trinkzeiten manchmal darüber nachgedacht: Mit Kiffen anzufangen, sollte ich je mit dem Saufen aufhören.
    Weil das permanente Nüchternsein so undenkbar schien.
    Mittlerweile ist mir ja nun einiges klar geworden.
    Ich will in Zukunft das Leben beim Schopf packen und nicht vor ihm weglaufen.
    Und das kann ich nur mit klarem Kopf.
    Darum wäre es keine Option für mich.

    Auch prinzipiell halte ich es nicht für einen geeigneten Lösungsansatz.
    Aber individuell? Warum nicht?
    Wenn erkennbar ist, dass jemand aus bestimmten Gründen seine Rauschsucht nicht wird überwinden können, dann ist mir ein Kiffer lieber als ein Alkoholiker.
    Hier stellt sich dann natürlich die Frage, woran man persönlich glaubt.
    Ob prinzipiell jeder seine Sucht überwinden kann.
    Und dem, der es nicht kann, nur die richtige Einstellung fehlt.
    Ich bin mir da nicht sicher.

    Gruß Pancho

    Guten Morgen!

    Slowly

    Zitat

    Wie geht es dir heute ?

    Mit heute meinst du ja gestern:
    Da ging es mir gut.
    Ein schön fauler Tag.
    Und ich habe viel Zeit damit verbracht, die geschätzt 30 - 40 Seiten zu lesen, die dem Bescheid zur Therapie beiliegen.
    Wichtigste Erkenntnis: Ich habe keinen Bademantel! (Soll man mitbringen)
    Auch über den noch jungen heutigen Tag kann ich nicht klagen.
    Es ist mir ein wichtiges und schönes Ritual geworden, den Tag mehr oder weniger (mal vor, mal nach dem Frühstück und manchmal kommt auch noch was dazwischen) damit zu beginnen, hier ins Forum zu schreiben.

    Ich habe das Gefühl, es geht mir momentan genau richtig.
    Ich bin neugierig auf das Kommende.
    Das ist mit Freude verbunden, die aber nicht zur Euphorie führt.
    Was vielleicht ganz gut ist so.

    Ich bilde mir ein, mich jetzt schon geistig frischer zu fühlen als die letzten zehn Jahre.
    Auch das ist ein gutes Gefühl.

    Es gibt keine Zweifel mehr an meiner Entscheidung.
    Alles ist bei mir momentan danach ausgerichtet.
    Alles dafür notwendige werde ich tun.
    Das Forum hilft mir dabei sehr.
    Gestern las ich z.B. den Lebensmittel-Thread.
    Darüber hatte ich mir noch gar keine Gedanken gemacht.
    Hat mich vielleicht vor einer Unachtsamkeit bewahrt.

    Carl Friedrich

    Zitat

    Du hast dieser Situation erfolgreich getrotzt. Das zeigt, Du bist auf einem guten Weg. Weiter so.

    Danke dir!
    Es ist mir fast peinlich, das zu schreiben, aber es war überhaupt nicht schwer.
    Es war kein wirklicher Kampf, sondern ein K.O.-Schlag in der ersten Runde.
    Das macht mich aber nicht leichtsinnig.
    Ich habe mir folgendes gedacht:
    Wenn ich die Tipps und Ratschläge annehme und umsetze, die es z.B. hier im Forum von langjährig Trockenen gibt, dann kann ich nichts falsch machen.
    Auch wenn mir nicht alles sofort einleuchtet - es gibt doch einen Grund, warum sie schon so lange trocken sind!
    Gestern hat mir ein Bekannter geschrieben:
    Werd mir aber kein Besessener!
    Weil der Bekannte wiederum einen trockenen Bekannten hat, der keinen Ketchup isst (wegen Branntweinessig), was mein Bekannter albern findet.
    Und was ich vor zwei Wochen wahrscheinlich auch noch albern gefunden hätte.
    Inzwischen denke ich:
    Es hat damit zu tun, wie wichtig es einem ist, trocken zu bleiben, nicht mit "Besessenheit".
    Wenn ich die Nüchternheit für mich als unabdingbar für mein Leben begreife, wie viel wiegt da der Verzicht auf Ketchup?
    Wenn ich für mich darin eine Gefahr sehe, dann muss ich darauf verzichten, auch wenn sie noch so gering ist!
    Was nicht heißt, dass jeder darin eine Gefahr sehen muss.
    (Ich würde niemanden, der Ketchup isst, für leichtsinnig halten. Bei alkoholfreiem Bier sieht das schon ganz anders aus.)
    Letzten Endes ist der Entschluss, auf Ketchup zu verzichten, aber so oder so eine sehr weise Entscheidung :wink:


    garcia

    Code
    Klasse! Mach so weiter!

    Danke für deinen Ansporn.
    Ich freue mich auf die Therapie, ohne eine zu große Erwartungshaltung.
    Sie ist ja nur ein Schritt, ein hoffentlich hilfreicher zwar, aber nicht der alles entscheidende.
    Und selbst wenn der kaum anzunehmende Fall eintreten sollte, dass es eine negative Erfahrung wird, dann ist der Weg, den ich beschreiten will, deswegen ja nicht verbaut.
    Dann ist es eben ein Stolperschritt und der nächste passt wieder.

    Ich wünsche euch allen eine gute Woche!

    Gruß Pancho

    Zitat von garcia

    Je älter ich werde, desto mehr geht hier der Trend dahin, Bücher zum zweiten Mal zu lesen und je mehr ich dies tu, desto mehr neige ich der Ansicht zu, daß mir im Innern ein Buch eigentlich erst ganz "gehört" wenn ich es mehrmals gelesen habe.

    Ja, schön gesagt, das geht mir auch so.
    Gerade bei umfangreichen, komplexen Büchern ist man beim ersten Lesen ja mitunter schon komplett dadurch in Anspruch genommen, es überhaupt durchzulesen, weil es auch anstrengend ist.
    Erst beim zweiten Lesen wird es dann zur vergnüglichen "Entdeckungsreise".

    Selbst beendet:

    Daniel Richter
    Nüchtern. Über das Trinken und das Glück

    Wird wohl das erste Buch, in dem ich Absätze markieren werde.
    Weil sie so zutreffend und damit hilfreich sind bei der Arbeit an mir selbst.

    Ich hatte in meinem Thread schon einiges zitiert.
    Hier noch ein Zitat, dass mich zum Grübeln brachte und dessen Aussage ich nach getaner Grübelei zustimme:

    "Abhängig sein bedeutet auch immer, nicht erwachsen sein zu können."

    Klare Leseempfehlung von mir!

    Gruß Pancho

    Hallo galizier,

    hast du schon über eine Langzeittherapie nachgedacht?

    Bei all deinen Sorgen und Problemen könnte ich mir vorstellen, dass es genau das richtige für dich wäre.

    Vorteile:

    Du wärst mal eine längere Zeit richtig raus.
    Weg von den erdrückenden Sorgen.
    Zeit zum durchatmen.

    Die kümmern sich auch um deine Gesundheit, da werden entsprechende Fachärzte hinzugezogen.

    Sozialarbeiter vor Ort besprechen bei Bedarf finanzielle Probleme, die helfen dir auch beim Kampf gegen das Jobcenter.


    Ich habe gerade meine Therapie bewilligt bekommen.
    Kann dir also keine Empfehlung aus Erfahrung geben.
    Aber so, wie ich deinen Bericht lese, kannst du Hilfe auf allen Ebenen gebrauchen.
    Und da kann ich nur raten: nimm sie dir!

    Gruß Pancho

    Guten Morgen!

    @Sunshine

    Du schriebst:

    Zitat

    Es kommt vielleicht auch drauf an, wie weit man schon "unten" war?

    Da hab ich neulich auch drüber nachgedacht.
    Je mehr schlimmes man erlebt hat, um so größer ist wahrscheinlich die Motivation, trocken zu bleiben.
    Andererseits sind bei einem "nicht so schlimmen" Fall bestimmte Dinge wie Suchtgedächtnis vielleicht noch nicht so ausgeprägt.
    Egal eigentlich, schön, wenn es letztlich beide Fälle schaffen.
    Und seinen eigenen Weg muss man sowieso finden.

    Zitat

    "Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht"

    Ich zieh doch gar nicht
    :wink:


    Martin

    Du schriebst:

    Zitat

    Ich finde, wenn wir nur noch glücklich wären, 24 Stunden/Tag, könnten wir es bald nicht mehr schätzen

    Da ist was dran.
    Mich beschleicht ja auch nicht selten der Verdacht, dass die Leute, die nach außen hin immer glücklich wirken, die alles immer super unter einen Hut bekommen und denen scheinbar alles gelingt, dass die auch ihr Päckchen zu tragen haben. :wink:
    Krisen gehören zum Leben, es kommt darauf an, wie man mit ihnen umgeht.
    Und das ist wahrscheinlich nicht des Alkoholikers größtes Talent :wink:
    Für mich wie wohl für die meisten gilt (nicht nur auf Alkoholiker bezogen):
    Das Glück kommt in der Regel nicht mal eben bei einem vorbei und sagt: "Hier bin ich, stehe zur Verfügung!"
    Sondern es verlangt von einem, dass man zu ihm hingeht, und da liegen dann umgefallene Bäume auf dem Weg, die man überklettern muss, Fallstricke lauern auf einen, finstere Gestalten stehen am Wegesrand und flüstern dir verführerisch vermeintliche Abkürzungen ins Ohr.
    Na ja, das ist vermutlich nichts neues, aber es hilft, sich das immer wieder bewusst zu machen.

    Und nun noch zu meinem Tag gestern:
    Auf der Fahrt von meinem Vater nach Hause im Bus kam zum ersten Mal seit meinem Entschluss der Gedanke, sich was zu trinken zu besorgen.
    Sorgte für eine erhöhte Speichelproduktion.
    Lag vielleicht daran, dass das früher das übliche Ritual war, wenn ich von einem Familientreffen wieder nach Hause kam:
    Auf dem Nachhauseweg von Bahn und Bus mich einzudecken.
    Dauerte aber höchstens zwei Minuten und wurde in keiner Sekunde von mir ernst genommen.
    Ich bin sehr glücklich darüber, das sagen zu können:
    Ich habe im Moment nicht das geringste Bedürfnis zu trinken.

    Zuhause dann die erfreuliche Nachricht:
    In Rekordgeschwindigkeit (ich hatte frühestens in 6 - 8 Wochen damit gerechnet) wurde mein Therapieantrag bewilligt.
    Am 3.12. geht es los.
    Ein bißchen Angst ist noch da, vor Gruppensituationen, aber die Freude auf den nächsten Schritt überwiegt.

    Gruß Pancho

    Hallo Slowly,

    du schriebst:

    Zitat

    Diese "Welle" von der du schriebst, die kannst du ja vielleicht auch durch andere Dinge erreichen, was beflügelt dich denn, was macht dir Freude, was wolltest du immer schon einmal ausprobieren ..... ?

    Das ist etwas, worauf ich mich sehr freue.
    Die vielen Interessen, die es mal gab, wieder neu zu beleben.
    Mir damit viele kleine, Glücksmomente zu schaffen und dadurch auch dann insgesamt zufrieden sein, wenn sich "das große Glück" nicht einstellen sollte.
    Was ich damit sagen will:
    Ich erwarte nicht, glücklich zu werden, das kann ich mir im Moment gar nicht vorstellen. (Falls ich doch irgendwann mal sagen sollte: Ich bin glücklich. Um so besser!)
    Aber man kann ja versuchen, durch die vielen kleinen Glücksmomente sich dem Idealzustand anzunähern.

    Und ich muss lernen, mich den Ängsten und Unsicherheiten, die ich damals als junger Erwachsener mit Alk überspielen wollte, zu stellen.
    Das sehe ich als größte Herausforderung für die Zukunft.

    Gruß Pancho

    Hallo Nobby, hallo Alkoholkrank,

    bei mir war es ja auch nicht so, dass die Erkenntnis, alkoholkrank zu sein, dazu führte, dass ich die Konsequenzen zog.
    Die Vermutung, alkoholkrank zu sein, hegte ich schon vor 20 Jahren.
    Aber ich dachte etwas, dass ihr vielleicht ähnlich gedacht habt und wahrscheinlich die meisten anderen Suchtkranken auch:
    Ich bin anders.
    Ich bin der EINE, für den die Regeln nicht gelten.
    Der trotz Suchtproblem mit dem Alkohol umgehen kann.
    Weil man doch: Gut mal eine Woche ohne Alk auskommt, bei diesem und jenem Essen nur ein Glas Wein getrunken hat, schon lange keinen Absturz mehr hatte, ... (beliebig erweiterbar)

    Blödsinn, natürlich.
    Uns so absurd, wenn ich mir überlege, wie oft ich eigentlich gegen meinen Willen und wie ferngesteuert zum Supermarkt / zum Späti / zur Tanke gelaufen bin.

    Ich denke, es hat alles immer nur damit zu tun:
    Der inneren Abwehr gegen die einzige logische Konsequenz: Nie wieder.

    Darauf bauen all die Selbsttäuschungen, Ausreden und Tricks:
    Man will einfach weitertrinken.

    Gruß Pancho

    Hallo Slowly,

    Zitat

    kann ich das direkte Glück ( trocken ) am Leben zu sein, jeden Tag ganz intensiv spüren.

    Ich freue mich für dich und hoffe ganz fest für mich (und arbeite darauf hin), dass ich irgendwann dasselbe sagen kann.

    Hallo Nobby,

    du meinst, du hast auch nach dem Trockenwerden noch lange gebraucht für diese Feststellung?
    Weil, 25 Jahre dauerte es ja bei mir auch.


    Mir ist gestern nach dem Abschicken des Posts auch aufgefallen, dass mir meine Gedankengänge ein wenig ein Schnippchen geschlagen und mich fortgeführt haben von dem, womit ich mich eigentlich auseinandersetzen wollte.
    Das macht aber nichts, weil ich so das Thema "ein, zwei Gläser" nun auch für mich bearbeitet habe.
    Aber eigentlich ging es ja bei den Gedanken zum "guten Trinken" für mich vor allem um den "guten Rausch".
    Jene Situationen also, in denen man mittels Alkohol einen Zustand erreicht, in dem einem tatsächlich alles möglich scheint, in dem man auf einer Welle surft.
    Der aber immer nur einen schmalen Grat oder den nächsten Schluck vom Absturz entfernt war.
    Und darum auch nicht steuerbar.
    Und darum selten.

    Mir hat es geholfen, mal eine Rechnung anzustellen.
    Diese hat ergeben, dass das Verhältnis von solchen Tagen (deren Anzahl ich nur schätzen kann) zu den anderen, den normalen, den dunklen, denen mit Abstürzen, Depressionen, Suizidgedanken, in meiner Trinkerzeit bei 1 zu 437,5 liegt.
    Für einen guten Tag gab es also 437,5 schlechte.

    Auf ein vielleicht schlechtes Beispiel übertragen:
    Da steht eine Riesenschüssel vor einem mit , ähm, tausenden Schokoladeneiern.
    Alle verdorben und nur jedes 437. ist gut.
    Würde man da, mit diesem Wissen, einfach immer weiter reingreifen?
    In der Hoffnung, irgendwann ein gutes zu erwischen?
    Bei aller Liebe zu Schokoladeneiern?
    Ich hab jedenfalls keine Lust mehr drauf!

    Gruß Pancho

    Guten Morgen!

    @Sunshine
    Vielen Dank für deine Mühe mit meinen teilweise dussligen Fragen, so kommen sie mir jetzt nicht mal 24 Stunden später vor.

    Du schriebst:

    Zitat

    Man verklärt ja auch einiges mit der Zeit und so sieht die Vergangenheit oftmals besser aus als sie wirklich war.

    Ja. Diesbezüglich hatte ich gestern auch noch mal ein Aha-Erlebnis.
    Ich habe gestern von Daniel Schreiber "Nüchtern. Über das Trinken und das Glück" angefangen zu lesen.
    Fast jeder Absatz darin lässt mich erst mal schlucken, das Lesen unterbrechen und reflektieren.
    Er schreibt z.B.

    Zitate aus Daniel Richter, "Nüchtern. Über das Trinken und das Glück":

    "... dass man bei all dem, was einem früher Spaß gemacht hat, eigentlich gar nichts mehr empfindet."

    Und:

    "Eigentlich möchte man mit niemandem reden, der nicht auch trinkt, möchte nicht ins Kino, nicht ins Konzert, nicht ins Theater gehen, möchte keine Ausstellung sehen, kein Buch lesen, sondern nur noch trinken."

    Und:

    "Und irgendwann kommt es schließlich zu diesen erschütternden Momenten reiner Dunkelheit, reiner Pathologie, die wieder abzuschütteln enorme Kraft verlangt."

    Dabei ist mir klar geworden, dass mein Leben vor allem in den letzten Jahren aus nichts anderem als den zitierten Zuständen bestand.
    Und in den letzten zwei Jahren gab es nicht mehr nur Momente reiner Dunkelheit, sondern höchstens Momente, in denen die reine Dunkelheit kurz von Dunkelgrau unterbrochen wurde und ganz selten ein wenig Licht..

    Die Momente "guten Trinkens", an die ich mich zu erinnern glaube, waren vor allem Momente, in denen ich mit meiner Familie zusammen war.
    In der Regel trifft sich die ganze Familie im Sommer und zu Weihnachten auf dem Hof meines Vaters.
    Vor diesen Treffen stand bei mir immer ein Entzug an.
    Und dann konnte ich in dieser Zeit "kontrolliert" trinken.
    Weil ich nicht das Bedürfnis hatte, mich zu berauschen.
    Und weil ich darauf achtete, nur ein, zwei Bier oder ein, zwei Gläser Wein zu trinken. (Weil der Kontrollverlust sonst vielleicht doch gekommen wäre)
    Und es ging mir gut, weil es ein sehr gutes Miteinander gibt in meiner Familie.

    Diese Momente waren überhaupt keine Momente "guten Trinkens", es waren einfach gute Momente.
    Trotz des Glases Wein.
    Weil der Alkohol in diesem Moment nichts kaputt machen konnte.
    Und ich das Glas Wein wahrscheinlich nur getrunken habe, um nicht durch "Nichttrinken" aufzufallen.
    Es hat aber keine Wirkung gehabt auf den Moment, mit einer Tasse Tee hätte sich überhaupt nichts geändert.

    Und kaum zurückgekehrt nach Hause, ging ja auch alles wieder los.

    Das alles schließt vielleicht nicht aus, dass es nicht doch auch mal tolle berauschte Abende gegeben hat.
    Die liegen aber schon weiter zurück.
    Und sie sind vollkommen irrelevant.
    Weil einem tollen berauschten Abend viele dunkle Jahre gegenüber stehen.
    Und weil ich für einen tollen berauschten Abend nicht die Chance aufs Spiel setze, die Dunkelheit hinter mir zu lassen.

    Gruß Pancho