Beiträge von Pancho

    Hallo Sunshine,

    Zitat von Sunshine_33

    Joah, das is typisch Suchtteufel-Gelaber :roll:

    Du hast mich jetzt ganz schön ins Grübeln gebracht, dafür schon mal vielen Dank!
    Bei der Gelegenheit auch noch mal ans ganze Forum Dank, weil es mich dazu drängt, mich ständig selbst zu hinterfragen.

    Da ich nicht ganz sicher bin, was du meinst (Zitat), stelle ich mal ein paar Fragen, die sich bei meiner Grübelei aufdrängten und auf die ich noch keine sichere Antwort weiß, aber gern Antworten finden möchte:

    Muss ich den Alkohol hassen und verachten, um erfolgreich den trockenen Weg gehen zu können?

    Sind meine Erinnerungen an das "gute Trinken" ein Zeichen dafür, dass ich noch nicht so weit bin?
    Auch wenn ich fest entschlossen bin, mich davon nicht abbringen zu lassen in meinem Entschluss?

    Sind Suchtteufel-Erklärungen der Versuch, sich aus der Verantwortung zu nehmen?

    Sind Suchtteufel und Alkohol Synonyme? Oder ist der Suchtteufel nur der Bote des Alkohols?

    Wäre die Welt eine bessere ohne Alkohol? (Ernst gemeinte Frage!)
    Für mich selbst: Ja klar! Aber prinzipiell?

    Mit dem "kontrollierten Trinken" sehe ich das genau so wie du.
    Ich konnte situationsgebunden "kontrolliert trinken", aber die Kontrolle hatte ich natürlich trotzdem schon lange verloren.

    Trotzdem sind diese Gedanken da.
    Das kann ich nicht einfach leugnen und muss mich damit auseinandersetzen.
    Den richtigen Ansatz versuche ich zu finden.

    Und den von dir verlinkten Brief würde ich unterschreiben, das ist wunderbar auf den Punkt gebracht.
    Aber worin besteht der Unterschied zum "Suchtteufel-Gelaber"?
    Im Begriff?
    Hier "Suchtteufel", da "Alkohol"?

    Gruß Pancho

    Hallo Sunshine,

    Zitat von Sunshine_33

    Könnte ja durchaus sein, das Du schon morgen eine supernette Frau beim Einkaufen kennenlernst? :shock:

    Da hätte ich natürlich nichts dagegen, wenn sich dieser Schritt dazwischen schiebt :wink:
    Will aber auch nicht aufgrund einer überzogenen Erwartungshaltung womöglich wieder in ein Loch fallen, weil dies und das nicht klappt.
    Also: Ich rechne nicht damit, heiße aber eine Überraschung dieser Art herzlich willkommen.

    Zwischenfrage: Wie bringt man mehrere Zitate in einem Post unter?

    Ich behelfe mir mal so:

    Zitat:

    > Pancho, wir sind Alkoholiker.
    WENN wir trinken, können wir nicht aufhören, wenn wir es wollen. <

    Das Problem ist, dass es durchaus bei mir (ist ja bei jedem anders) auch Situationen gab, in denen ich kontrolliert trinken konnte, in denen ein Schluck nicht zwangsweise zum Absturz führte.
    Und diese Situationen versucht dieses hinterlistige, durchtriebene Teufelchen mir als etwas zu verkaufen, das mir in Zukunft sehr fehlen wird.
    Dass ich mit meinem Entschluss mich einer Bereicherung meines Lebens versage.

    Dieser Gedanken kann ich mich nicht erwehren.
    Aber das gute ist: Ich weiß inzwischen um die abgrundtiefe Bösartigkeit und vor allem Tücke des Teufelchens, so dass diese Gedanken mir zwar lästig sind, mich aber nicht wanken lassen.

    Ich baue darauf, dass sie sich auf Dauer verflüchtigen, je mehr positive Erlebnisse ich ohne Alk haben werde.

    Gruß Pancho

    Zitat von Thalia1913

    Die Korrekturen habe ich auch vor so langer Zeit gelesen, dass es sich bestimmt lohnt, das Buch nochmal hervorzuholen. Ich weiß noch, dass es mich begeistert hat.

    Mach das, es lohnt sich!
    Manche Situationen haben sich in mein Gehirn gebrannt (der mäkelnde Sohn am Esstisch und wie der mit seinen Gefühlen kämpfende Vater aus Liebe zu ihm die von ihm selbst ungeliebten Kohlrüben vom Teller des Sohnes in sich reinwürgt).
    Eines der Bücher, bei denen man nach dem Lesen seufzt: "Hach!" und sich irgendwie zugleich glücklich und traurig fühlt.

    Gruß Pancho

    Zu euren Fragen bzgl. realer SHG, Hobbys, etc.

    Ich hatte ja schon bei meiner Vorstellung bzw. im zweiten Post über meine Pläne berichtet.
    Für mich ist klar, da ich momentan weder Job noch Partner habe, ich mich in Berlin nicht mehr wohlfühle und vielerlei Ängste habe, dass es nur radikal geht.
    Das heißt konkret:
    1. Schritt: Schaffung eines risikominimierten Umfeldes.
    -> Aufnahme in die SOS-Station Serrahn.
    Dazu muss ich aber erst die Mietsituation klären, weil meine Tochter noch bei mir wohnt.
    Da unklar ist, wie lange das dauert, bin ich gestern zu meinem Vater aufs Land gefahren.
    Er hat das Haus alkfrei gemacht und auch schon eine Beschäftigung für mich:
    Es gilt, tausende Briefmarken zu sortieren :lol:
    (Er will seine vor sich hin staubende Sammlung zu Geld machen)

    2. Schritt: Langzeittherapie
    Ist beantragt und würde ebenfalls in Serrahn stattfinden.

    3. Schritt: Mit Hilfe der auch in Serrahn befindlichen Nachsorgestation Wohnung und Job in der Gegend dort finden.

    Und dann erst 4. und weitere Schritte: reale SHG, Sport, Partnersuche, etc.

    Für mich würde es keinen Sinn machen, vorher in Berlin zu einer realen SHG zu gehen. Im Gegenteil, momentan würde ich das als Gefährdung betrachten, wegen meiner Ängste.
    Einer meiner Entschlüsse ist zwar, mich endlich diesen Ängsten zu stellen.
    Aber ich möchte nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun.
    Und mich jetzt schon in Situationen begeben, die mir Angst machen und bei einem womöglich negativen Erlebnis Saufdruck erzeugen.

    Mit dem Laufen habe ich aber heute schon angefangen!
    Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis es nicht mehr wie ein leicht beschleunigtes Humpeln aussieht.
    Lunge und Schienbeine brannten und fast die Hälfte der geplanten Strecke konnte ich dann nur noch gehen, aber das angenehme Gefühl der körperlichen Erschöpfung war es auf jeden Fall wert!
    Außerdem liefen mir im Wald zwei fette Wildschweine über den Weg! :o
    Hat mich den Rest des Weges glücklich grinsen lassen.

    Gruß Pancho

    Hallo Tahlia, hallo Hans, hallo Sunshine,

    vielen Dank für eure Kommentare.

    Gestern auf der Busfahrt zu meinem Vater hatte ich wieder viel Zeit zum Nachdenken und mir ist aufgefallen, dass ich immer noch eine Unterscheidung zwischen "gutem" und "bösem" Trinken treffe.

    Ich möchte das nicht, aber es passiert, ich kann es nicht wegwischen.
    Trotz der Erleichterung und Befreiung, die auch ich empfunden habe, als das "Nie wieder!" einen festen Platz in meinem Hirn eingenommen hatte.

    Zum Glück führen diese Gedanken weder zu Saufdruck noch belasten sie mich übermäßig.
    Ich sehe das momentan als ein (wahrscheinlich leider nicht letztes) großes Aufbäumen des kleinen Teufelchens.
    Dessen Versuch, mir etwas Wehmut und Traurigkeit einzuimpfen und mich an "all die tollen Stunden zu erinnern, die es doch auch gab".

    Mein Entschluss gerät dadurch nicht ins Wanken.
    Meine Strategie ist momentan, mir zu sagen:
    Selbst wenn es diese tollen Stunden gab, selbst wenn mir diese tollen Stunden in Zukunft verloren gehen, ist der Gewinn durch die Trockenheit ungleich höher.
    Es lohnt sich, trocken zu bleiben.

    Gleich noch mehr zu euren konkreten Fragen.

    Hallo,

    danke für eure Kommentare. Zum Arzt gehe ich sehr ungern, aber sollte das noch öfter vorkommen, werde ich mir eure Worte zu Herzen nehmen.
    Ansonsten erkläre ich das für mich als eine Art krassen physischen Flashback.

    Was mich freut: Im Hier und Jetzt habe ich keinen akuten Saufdruck.
    Bei Gedanken an die Zukunft schleichen sich allerdings immer wieder böse Bilder ein.
    Ich träume ja immer noch von einem Häuschen am Wald, und ich sehe mich im Garten sitzen an einem Sommerabend und dieses Bild verknüpft sich automatisch mit Alkohol.
    Und so sehr ich dagegen steuere, es gelingt mir nicht, die positiven Assoziationen, die mit diesem Bild verbunden sind, aus dem Kopf zu bekommen.

    Es fällt mir leicht, die vielen dunklen, einsamen Stunden hier in der Wohnung negativ zu belegen.
    Aber es fällt mir nach wie vor sehr schwer, mir verschiedene Situationen, die mein Gehirn positiv mit dem Trinken verknüpft, als genau so angenehm ohne das Trinken vorzustellen.
    Ich habe mir auch die Frage gestellt: Waren die Situationen in der Vergangenheit angenehm, WEIL oder OBWOHL ich getrunken habe.
    Aber ich kann die Frage nicht eindeutig beantworten, weil ein milder Rausch ja durchaus auch positive Emotionen verstärken kann.

    Diese Gedanken schieben sich nicht so weit in den Vordergrund, dass ich von meinem Entschluss auch nur ein My abweiche.
    Aber ein wenig Angst habe ich davor, dass diese Gedanken sich häufen und es irgendwann schaffen, alles andere zu überlagern.

    Gruß Pancho

    Guten Morgen!

    Ich hatte ja schon mal einem moderaten Händezittern berichtet. Gestern dann aus heiterem Himmel, nach dem Baden, als ich mein Hemd zuknöpfen wollte, ein sehr heftiger Tremor, der noch ungefähr zwei Stunden anhielt und dann nach und nach vorüberging.
    Es gab überhaupt keinen Anlass. Weder war ich aufgeregt noch hatte ich vorher alkoholische Gedanken. Es hat mir auch keine Angst gemacht, aber seltsam finde ich es schon. Auch weil ich weder hier im Forum noch bei Google Informationen dazu finden konnte. Es scheint also nicht normal zu sein.

    Daher frage ich hier mal: Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Gibt es dafür eine Erklärung?

    Heute freue ich mich auf einen vergnügungsreichen Tag mit meinen Kindern, bevor es morgen aufs Land zu meinem Vater geht.

    Allen Forumsusern einen schönen Sonntag!

    Gruß Pancho

    Hallo Hans,

    Zitat von Hans im Glück


    Ganz viele Berichte hier im Forum zeigen ja, dass der Weg zur Selbstbestimmung nur und ausschließlich über die Erkenntnis der Krankheit und die konsequente Arbeit an der Abstinenz führt.

    danke für deine Worte.
    Genau das war für mich der entscheidende Punkt, den ich erst jetzt für mich akzeptieren konnte und allein diese Erkenntnis hat schon sehr viel verändert.

    Wünsche dir ein schönes Wochenende!

    Hallo Nobby,

    ja, so sehe ich es jetzt auch. Die Weichen sind gestellt und nun geht es Schritt für Schritt. Das mindert ja auch die Gefahr von ständigen Enttäuschungen.

    Auch dir ein schönes Wochenende,

    Gruß Pancho

    Hallo Karsten,

    vieles ist anders. Die erste stationäre Entgiftung, der Wille zur und die beantragte Langzeittherapie, das Offenlegen meiner Situation meiner Familie gegenüber, aber am absolut wichtigsten: Die Einsicht, dass diese Punkte zwar schön und gut und wichtige Hilfen sind, aber der Grundbaustein in einem Leben ohne Alkohol besteht.
    Ich hab ja vorher nie einen Entzug gemacht, um danach nie wieder zu trinken!

    Das sind für mich schon gewaltige erste Schritte. Und natürlich möchte ich von Leuten mit Erfahrung lernen und natürlich hab ich Fragen, hab ja auch schon paar gestellt :wink:

    Bevor ich mich hier angemeldet habe, habe ich zwei Tage in diesem Forum gelesen und das hat mir in meinem Lernprozeß extrem geholfen. Und viele Fragen konnten dadurch auch schon beantwortet werden, aber ich bin mir sicher, dass auf meinem Weg noch viele Fragen kommen werden.

    Im Moment habe ich das Bedürfnis nach Austausch und Aufarbeitung. Das war noch nie so. Damit das auch ja nicht wieder so schnell erlischt, schreibe ich unter anderem hier ins Forum. Mitunter vielleicht etwas zu impulsiv.

    Gruß Pancho

    Zitat von Slowly

    Du hörst dich total energiegeladen Slowly

    Ganz gut, dass das Forum keinen Videomodus hat, bei dem du sehen könntest, wie ich hier im Stuhl hänge :wink:

    Bis auf das letzte Jahr, in dem die Entzüge zwangsweise, weil körperlich bedingt waren, hatte ich nach einem Entzug immer ein Hoch und tausend Pläne, wie ich jetzt alles besser machen will. Gereicht hat es meist für drei, in besseren Fällen für sieben und ganz selten für mehr als zehn Tage.

    Und mir ist auch bewusst, dass es genau so wieder sein kann. Nur dass ich mir (und das ist der Unterschied) diesmal die Optionen Rückzug und Trinken versagen und das Tief annehmen und überstehen werde. (Das ist zumindest der Plan!)

    Das Sich-wieder-Aufrappeln wird dann hoffentlich nicht drei Monate dauern und es wird nicht erst der Selbstekel oder eine entzündete Magenschleimhaut nach drei Monaten Suff und dem folgenden Entzug sein, der mir wieder den nötigen Energieschub bringt.

    Gruß Pancho

    Guten Morgen!

    Letzte Nacht hatte ich einen Rückfall, zum Glück nur im Traum.

    Auch Nachrichten wie die aus Paris waren für mich früher ein legitimer Anlass. Ich konnte es dann vor mir selbst entschuldigen. Sehr eklig eigentlich, den Tod vieler Menschen fürs eigene Saufen zu instrumentalisieren. Aber ich kanns nicht mehr ändern, das Vergangene.

    Da meine Hausverwaltung aus Erfahrung beim Bearbeiten von Anfragen mit der Geschwindigkeit einer auf dem Panzer liegenden, bewusstlosen und phlegmatischen Schildkröte arbeitet und eine Klärung der Mietsituation für nächste Woche kaum zu erwarten ist, werde ich am Montag meinem Vater auf die Pelle rücken.
    Das Haus hat er bereits alkoholfrei gemacht, zu tun gibt es dort auch immer was und die frische Landluft ist gratis.

    Habe mir vorgenommen, weil ich einige Leute kenne, für die es ein wichtiger Bestandteil des Lebens geworden ist und auch hier im Forum etliche gute Erfahrungen damit gemacht haben, das Laufen für mich zu entdecken.
    (Sport war für mich als Kind und Jugendlicher elementar. Fußball, Handball, Leichtathletik, Tischtennis, ohne mindestens 2 Stunden Bewegung am Tag fehlte mir was. Auch etwas, das verschütt ging ...)

    Morgen werde ich dann den ganzen Tag mit meinen Töchtern verbringen, freue mich shcon sehr drauf. Eventuell wird es auf ein "The-Walking-Dead-Binge-Watching" hinauslaufen. :lol:

    Gruß Pancho

    Ich würde diesen Thread gern neu beleben und würde es toll finden, wenn die User hier regelmäßig reinschreiben, was sie grad lesen. Anregungen kann man ja immer gebrauchen.

    Mir geht es wie von "garcia" im Eingangspost beschrieben: Als Kind und Jugendlicher exzessiv gelesen, später dann weniger. Lesen ist auf jeden Fall eines der Dinge, die nur nüchtern funktionieren.

    Richtig viel gelesen hab ich dann eigentlich immer während meiner kalten Entzüge, so waren zumindest die Tage ganz gut ertragbar.

    "Unendlicher Spaß" steht schon lange auf meiner Wunschliste, ich war schon davor großer Fan seiner Short Stories.

    Da Tschick genannt wurde: Ich kann den Nachfolger "Sand" nur wärmstens ans Herz legen.

    Während der Entgiftung in der Klinik habe ich noch mal "Die Korrekturen" von Franzen gelesen. Zum Glück hatte ich fast alles vergessen :wink: , und so war es erneut ein prächtiges vergnügen.

    Im Moment lese ich von Philip Kerr die Berlin-Trilogie. Hm, geht so. Nicht schlecht genug, um aufzuhören und es in die Ecke zu legen, aber auch nicht berauschend. Toll von ihm finde ich "Der zweite Engel" u. "Newtons Schatten", aber das Qualitätsgefälle bei ihm ist groß, finde ich; die anderen, die ich kenne, waren nicht so gut.

    Einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller ist Hans Fallada, von dem ich alles empfehlen kann.

    Gruß Pancho

    Hallo Waschbaer,

    ich musste irgendwann auch ein paar Sachen weglassen, weil ich sonst so viel geschrieben hätte, dass vermutlich das Internet abgestürzt wäre :wink:
    Darum fehlen dann ein paar Details.

    In der Druckerei war ich zwei Jahre. Jetzt seit zehn Jahren selbständig als freier Autor, aber bis auf zwei Jahre immer auch vom Jobcenter abhängig gewesen, da später auch alleinerziehend. (Diese Details hab ich dann auch weggelassen, weil sie mit meinem Alkoholismus nichts zu tun haben.)
    Aber seit zwei Jahren läuft im Prinzip gar nichts mehr beruflich.

    Gruß Pancho

    Hallo Slowly,

    danke für den Hinweis. Finanziell ist momentan bei mir nicht mal der kleine Betrag für das geschützte Forum drin.
    Außerdem habe ich mir absolute Offenheit geschworen, egal wem gegenüber. Das gehört für mich auf meinem neuen Weg dazu, der alte war zu sehr von Verschlossenheit und Rückzug geprägt.
    Und mit den Absätzen hast du recht :wink:

    Gruß Pancho

    Weiter geht's:

    Rückblickend betrachtet beginnen für mich die glücklichsten fünf, sechs Jahre meines Lebens. Ich trinke zwar regelmäßig jeden Abend 1,5 bis 2 Liter Wein, am Wochende auch mal mehr, aber das beeinträchtigt das Glück (noch) nicht. Recht schnell und mit kurzem Abstand kommen meine Töchter zur Welt, die das Glück noch mal potenzieren.
    Ich fasse Fuß in der Arbeitswelt und komme als Druckvorlagenhersteller in einer kleinen Druckerei unter. (Die Grundlagen dafür wurden vorher in einem Sozialhilfeprojekt geschaffen)
    Wir ziehen um in eine schöne große Wohnung. Erste größere Meinungsverschiedenheiten, vor allem, was die Erziehung der Kinder betrifft.
    Zum Glück neige ich weder nüchtern noch alkoholisiert zu Gewalt oder Aggression, so bleibt es bei allerdings immer häufigeren verbalen Auseinandersetzungen.
    Zunehmend Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt. Schmerzhafte Bauchkrämpfe, kaum noch fester Stuhlgang. Eine Darmspiegelung soll Aufklärung bringen. Im Vorfeld der Untersuchung wird mir Blut abgenommen, die Ärztin klärt mich über die schlechten Leberwerte auf und empfiehlt mir dringend, Hilfe zu suchen und nicht mehr weiterzutrinken. Die Darmspiegelung ergibt keine auffälligen Befunde, ein Reizdarmsyndrom wird diagnostiziert, das in Verbindung mit der Fettleber die Komplikationen verursacht. Vom Punkt, Hilfe anzunehmen, bin ich noch weit entfernt. Eine kurze Internetrecherche verspricht: bei absoluter Abstinenz bildet sich die Fettleber innerhalb eines halben Jahres zurück. Ich setze mir den Termin im Kalender und bleibe fast ein halbes Jahr konsequent abstinent, nur aus einem Grund: endlich wieder komplikationsfrei trinken zu können.
    Zwei Wochen vor Ablauf der Frist lasse ich Fünfe grade sein und hole mir vor einer Zugfahrt von Berlin nach Innsbruck 8 Bier, die ich im Zug sitzend trank. (Diese Erinnerung ist mit sehr positiven Emotionen verknüpft. Es war Winter, die Landschaft verschneit, ich sah die ganze Zeit nur aus dem Fenster, trank mein Bier und freute mich)
    Am nächsten Tag, der Rückfahrt, war es dann schon so, dass ich mir die Zugfahrt ohne ausreichend flüssigen Proviant gar nicht mehr vorstellen konnte und mir ging es auch nicht mehr so gut wie am Vortag und auch die Zugfahrt selbst kam nicht annähernd an die Hinfahrt ran. (Das angenehme, langsame Betäuben bei der Hinfahrt wich irgendwie einem stumpfen Befriedigen von Bedürfnissen)
    Es ging also weiter wie gehabt, ich trank meine 2 Liter Wein am Abend. Die schon lange überfällige Trennung folgte 2 Jahre später. Anfangs ging es mir ganz gut in meiner neuen Wohnung, ich genoss es, mich nicht streiten zu müssen. Am Wochenende besuchten mich die Kinder und ich hatte teilweise nüchterne Phasen von bis zu zwei Wochen.
    Und hier kürze ich jetzt mal ab: Die letzten Jahre waren ein ewiger Teufelskreis aus dem "normalen" Konsum meiner 2 Liter Wein, gefolgt von einer Woche des kompletten "Sich-raus-Nehmens" und des Trinkens von morgens bis abends, wiederum gefolgt von einem kalten Entzug.
    Im letzten Jahr dann sowohl geistig wie körperlich immer mehr Probleme.
    Den Rest kennt ihr ja schon.

    Problembewusstsein war bei mir immer vorhanden. Mir selbst war sehr früh klar (mit 20), dass ich ein Suchtproblem habe. Hab das auch durchaus so anderen gegenüber artikuliert, aber immer mit dem Hinweis darauf, dass ich es jetzt im Griff habe, bzw. ich ja dadurch, dass ich eben nicht abstreite, süchtig zu sein, besser damit umgehen könne und dass ich ja früher viel mehr getrunken und die Entwicklung doch eigentlich positiv ist.
    Genützt hat mir dieses Problembewußtsein nicht viel. Weitergetrunken habe ich trotzdem. Die letzten zehn Jahre in der Regel allein zuhause. Viele Einladungen von lieben, netten Menschen ausgeschlagen, um hier zuhause in Ruhe trinken zu können. Das war mir wichtiger. Ganz schön bescheuert.

    Gruß Pancho

    Weiter geht's:

    Rückblickend betrachtet beginnen für mich die glücklichsten fünf, sechs Jahre meines Lebens. Ich trinke zwar regelmäßig jeden Abend 1,5 bis 2 Liter Wein, am Wochende auch mal mehr, aber das beeinträchtigt das Glück (noch) nicht. Recht schnell und mit kurzem Abstand kommen meine Töchter zur Welt, die das Glück noch mal potenzieren.
    Ich fasse Fuß in der Arbeitswelt und komme als Druckvorlagenhersteller in einer kleinen Druckerei unter. (Die Grundlagen dafür wurden vorher in einem Sozialhilfeprojekt geschaffen)
    Wir ziehen um in eine schöne große Wohnung. Erste größere Meinungsverschiedenheiten, vor allem, was die Erziehung der Kinder betrifft.
    Zum Glück neige ich weder nüchtern noch alkoholisiert zu Gewalt oder Aggression, so bleibt es bei allerdings immer häufigeren verbalen Auseinandersetzungen.
    Zunehmend Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt. Schmerzhafte Bauchkrämpfe, kaum noch fester Stuhlgang. Eine Darmspiegelung soll Aufklärung bringen. Im Vorfeld der Untersuchung wird mir Blut abgenommen, die Ärztin klärt mich über die schlechten Leberwerte auf und empfiehlt mir dringend, Hilfe zu suchen und nicht mehr weiterzutrinken. Die Darmspiegelung ergibt keine auffälligen Befunde, ein Reizdarmsyndrom wird diagnostiziert, das in Verbindung mit der Fettleber die Komplikationen verursacht. Vom Punkt, Hilfe anzunehmen, bin ich noch weit entfernt. Eine kurze Internetrecherche verspricht: bei absoluter Abstinenz bildet sich die Fettleber innerhalb eines halben Jahres zurück. Ich setze mir den Termin im Kalender und bleibe fast ein halbes Jahr konsequent abstinent, nur aus einem Grund: endlich wieder komplikationsfrei trinken zu können.
    Zwei Wochen vor Ablauf der Frist lasse ich Fünfe grade sein und hole mir vor einer Zugfahrt von Berlin nach Innsbruck 8 Bier, die ich im Zug sitzend trank. (Diese Erinnerung ist mit sehr positiven Emotionen verknüpft. Es war Winter, die Landschaft verschneit, ich sah die ganze Zeit nur aus dem Fenster, trank mein Bier und freute mich)
    Am nächsten Tag, der Rückfahrt, war es dann schon so, dass ich mir die Zugfahrt ohne ausreichend flüssigen Proviant gar nicht mehr vorstellen konnte und mir ging es auch nicht mehr so gut wie am Vortag und auch die Zugfahrt selbst kam nicht annähernd an die Hinfahrt ran. (Das angenehme, langsame Betäuben bei der Hinfahrt wich irgendwie einem stumpfen Befriedigen von Bedürfnissen)
    Es ging also weiter wie gehabt, ich trank meine 2 Liter Wein am Abend. Die schon lange überfällige Trennung folgte 2 Jahre später. Anfangs ging es mir ganz gut in meiner neuen Wohnung, ich genoss es, mich nicht streiten zu müssen. Am Wochenende besuchten mich die Kinder und ich hatte teilweise nüchterne Phasen von bis zu zwei Wochen.
    Und hier kürze ich jetzt mal ab: Die letzten Jahre waren ein ewiger Teufelskreis aus dem "normalen" Konsum meiner 2 Liter Wein, gefolgt von einer Woche des kompletten "Sich-raus-Nehmens" und des Trinkens von morgens bis abends, wiederum gefolgt von einem kalten Entzug.
    Im letzten Jahr dann sowohl geistig wie körperlich immer mehr Probleme.
    Den Rest kennt ihr ja schon.

    Problembewusstsein war bei mir immer vorhanden. Mir selbst war sehr früh klar (mit 20), dass ich ein Suchtproblem habe. Hab das auch durchaus so anderen gegenüber artikuliert, aber immer mit dem Hinweis darauf, dass ich es jetzt im Griff habe, bzw. ich ja dadurch, dass ich eben nicht abstreite, süchtig zu sein, besser damit umgehen könne und dass ich ja früher viel mehr getrunken und die Entwicklung doch eigentlich positiv ist.
    Genützt hat mir dieses Problembewußtsein nicht viel. Weitergetrunken habe ich trotzdem. Die letzten zehn Jahre in der Regel allein zuhause. Viele Einladungen von lieben, netten Menschen ausgeschlagen, um hier zuhause in Ruhe trinken zu können. Das war mir wichtiger. Ganz schön bescheuert.

    Gruß Pancho

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    Eine Clique hatte sich schon vorher gebildet, Freitag und Sonnabend wurde vorgeglüht mit Weinbrand und Cola, in der Disco ging es weiter.
    Nach drei Wochen Studium hatte ich keine Lust mehr auf die Uni und keinen Schimmer, wie es weitergehen sollte. Erstmal hatte ich viel Zeit. Ich fing an, schon am Morgen das erste Bier zu trinken und dann gab es kein Halten mehr. Ich gewöhnte mir an, wenn ich stockbesoffen morgens nach Hause kam, mir immer noch ein Sixpack am Imbiss zu holen. Meistens schlief ich über dem ersten Schluck dann ein, aber der Gedanke, nichts dazuhaben war unerträglich. Die Devise war fast jeden Tag: Ein typischer Tagesablauf sah so aus: Mittags aufwachen, das erste Bier. Nach ein paar weiteren Bier zu einem der Kumpels aus der Clique, weitere Bier, abends dann eine bis anderthalb Flaschen Weinbrand.
    Wochenlange Räusche waren die Folge, schlimme Stürze mit unter anderem einem Nasenbeinbruch, der aber für mich kein Anlass war, zum Arzt zu gehen, ganze Tage, die einfach aus dem Gedächtnis verschwanden, Kontrollverlust über Darm und Blase. Ich habe horrende Mietschulden und stehe bei fast jedem meiner Freunde in der Kreide.
    Mit 22 mein erster kalter Entzug, allein zuhause. Zittern, Schwitzen, in der Zimmerecke sitzt eine Katze, die es nicht gibt, im Flur reden Leute, die es nicht gibt. Ich kann mich nicht bewegen, weil ich bei der geringsten Bewegung das Gefühl habe, mein Herz explodiert, weil es so rast. Andererseits spüre ich meinen Herzschlag nicht, wenn ich ganz ruhig daliege. Todesangst die ganze Zeit. Vielleicht war es ein Delirium, vielleicht auch nicht, auf jeden Fall war es die grauenhafteste Nacht meines Lebens. Der Tag wird kaum besser, ich kann weder essen noch trinken, liege nur da. Die zweite Nacht ist weniger schlimm, ich sehe keine Katze mehr und die Stimmen im Flur melden sich auch nicht wieder, der Rest ist wie die vorige Nacht, nur etwas milder. Nach der vierten schlaflosen Nacht hab ich die Schnauze voll und hole mir was zu trinken. Das Trinken geht weiter, allerdings gemäßigter,da ich nun erst abends damit anfange.
    In einer guten Phase lerne ich die spätere Mutter meiner Töchter kennen. Ich sehe die Chance auf Struktur, Bindung, einen Neubeginn und ziehe wenige Wochen nach dem Kennenlernen bei ihr ein.

    Pause.

    Hallo,

    danke an alle Schreiber und Mitleser. Das war eine kurze Nacht heute, der Tag davor auch schon etwas komisch, irgendwie konnte ich keinen klaren Gedanken fassen und hatte zu nichts Lust. Zeitweilig zitterten meine Hände, nicht schlimm, aber deutlich merkbar. Ist das normal nach 14 Tagen Abstinenz? Aber das wichtigste: Kein Saufdruck!
    Also einen Tag später als geplant hier nun die Stationen meiner Trinkerkarriere, die keineswegs so linear verlief, wie das immer angenommen wird. (Die schlimmste Phase hatte ich nämlich mit 23 hinter mir, was mich auch immer dazu verleitete zu glauben, ich sei doch auf einem guten Weg)
    Mit 14 der erste Absturz bei einer Hochzeitsfeier einer Tante, bei der ich irgendwann allein am Tisch saß und eine Flasche Apfelkorn mich bat, mal zu kosten. Vom mir gestatteten Bier hatte ich genug, durstig war ich nicht mehr, die Erwachsenen tanzten und einfach nur rumsitzen war auch blöd. Also warum nicht? Irgendwann war die Flasche leer und ich hatte am Tag darauf den schlimmsten Kater meines Lebens. (Später hatte ich, vielleicht leider, nur noch ganz selten einen Kater, meist nur dann, wenn ich nach einem Entzug zu heftig wieder einstieg. Aber ich glaube, auch ein täglicher Kater hält einen Trinker nicht vom Trinken ab, oder? Insofern sollte ich vielleicht lieber froh sein)
    Da ich schwerhörig bin, kam ich dann auch mit 14 nach Berlin ins Internat, weil es dort die einzige Möglichkeit gab, an einer Schule für Schwerhörige das Abitur zu machen. Für mich war das toll, raus aus dem verhassten Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) in die große Hauptstadt!
    Wie das so ist im Internat: Man schmuggelt auch mal was rein, trifft sich auf dem Zimmer und trinkt zwei oder drei Bier, nichts schlimmes vorerst. Zu besonderen Anlässen ging es in die Kneipe, wo man uns anstandslos Bier und Schnaps servierte.
    In der zehnten Klasse dann zum ersten Mal Frustsaufen allein in der Kneipe, nachdem mein Klassenlehrer mich drängte, ich solle mir Alternativen zum Abitur einfallen lassen, er sehe an der Schule für mich keine Perspektive. Zensurentechnisch war alles okay, das hatte andere Gründe. Da es zwei, drei Lehrer gab, die sich stark für mich einsetzten, durfte ich weitermachen. Kneipenbesuche häuften sich, aber Abstürze blieben aus. Im November '89 dann die Wende, alles war plötzlich anders aber irgendwie auch nicht, man ging ja weiter zur Schule und schlief im Internat. Inzwischen (11. Klasse) schmuggelte ich bereits regelmäßig Bier ins Internat. (Ich bin mir grad nicht sicher, aber ich glaube, ich musste es gar nicht schmuggeln, weil es den Älteren, also über 16-jährigen, nicht verboten war)
    Mit meinem heute noch besten Freund nachts diverse heimliche Ausflüge durchs Fenster in die Kneipen Westberlins. Erste Filmrisse.
    Zum Halbjahr der 12. Klasse, also ein paar Monate vor den Abiturprüfungen, werde ich wegen diverser Verletzungen der Hausordnung des Internats verwiesen. Zum Glück studiert meine Schwester gerade in Berlin und gewährt mir in ihrer kleinen Wohnung Unterschlupf. Ich trinke nun regelmäßig fünf Bier am Abend und gebe mir am Wochenende die Kante.
    Das Abitur wird bestanden und durch die politischen Umwälzungen anderthalb Jahre zuvor liegt mir im Prinzip die Welt zu Füßen. Aber genau das ist wahrscheinlich zu viel für mich. Ich bin völlig orientierungslos und habe keine Ahnung, was ich will.
    Aufgrund fehlender alternativer Ideen schreibe ich mich an der Humboldt-Uni für das Fach Sonderschulpädagogik ein.

    Erst mal Pause, gleich geht's weiter.

    Guten Morgen, Forum!

    Noch vor vier Tagen hätte ich mit einem verächtlichen "Mir hilft sowas nicht!" Hilfsangebote wie dieses Forum beiseite gewischt. Es ist erstaunlich, wie viele Ansichten sich in so kurzer Zeit bei mir so radikal geändert haben.
    Mir tut es wahnsinnig gut, gerade jetzt in dieser Phase, in der zwar die Weichen gestellt wurden, aber "noch nichts passiert", hier in dieses Forum reinzuschreiben.
    Daher werde ich nachher mal meine Trinkerkarriere etwas ausführlicher schildern als im Eingangspost. Einfach, weil es mir vielleicht gut tut, mir noch mal selbst vor Augen zu halten, dass die positiven Aspekte des Trinkens, die mein Gehirn immer noch damit verknüpfen will, sich angesichts der negativen Folgen in Nichts auflösen.

    Gruß Pancho