Hallo,
danke an alle Schreiber und Mitleser. Das war eine kurze Nacht heute, der Tag davor auch schon etwas komisch, irgendwie konnte ich keinen klaren Gedanken fassen und hatte zu nichts Lust. Zeitweilig zitterten meine Hände, nicht schlimm, aber deutlich merkbar. Ist das normal nach 14 Tagen Abstinenz? Aber das wichtigste: Kein Saufdruck!
Also einen Tag später als geplant hier nun die Stationen meiner Trinkerkarriere, die keineswegs so linear verlief, wie das immer angenommen wird. (Die schlimmste Phase hatte ich nämlich mit 23 hinter mir, was mich auch immer dazu verleitete zu glauben, ich sei doch auf einem guten Weg)
Mit 14 der erste Absturz bei einer Hochzeitsfeier einer Tante, bei der ich irgendwann allein am Tisch saß und eine Flasche Apfelkorn mich bat, mal zu kosten. Vom mir gestatteten Bier hatte ich genug, durstig war ich nicht mehr, die Erwachsenen tanzten und einfach nur rumsitzen war auch blöd. Also warum nicht? Irgendwann war die Flasche leer und ich hatte am Tag darauf den schlimmsten Kater meines Lebens. (Später hatte ich, vielleicht leider, nur noch ganz selten einen Kater, meist nur dann, wenn ich nach einem Entzug zu heftig wieder einstieg. Aber ich glaube, auch ein täglicher Kater hält einen Trinker nicht vom Trinken ab, oder? Insofern sollte ich vielleicht lieber froh sein)
Da ich schwerhörig bin, kam ich dann auch mit 14 nach Berlin ins Internat, weil es dort die einzige Möglichkeit gab, an einer Schule für Schwerhörige das Abitur zu machen. Für mich war das toll, raus aus dem verhassten Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) in die große Hauptstadt!
Wie das so ist im Internat: Man schmuggelt auch mal was rein, trifft sich auf dem Zimmer und trinkt zwei oder drei Bier, nichts schlimmes vorerst. Zu besonderen Anlässen ging es in die Kneipe, wo man uns anstandslos Bier und Schnaps servierte.
In der zehnten Klasse dann zum ersten Mal Frustsaufen allein in der Kneipe, nachdem mein Klassenlehrer mich drängte, ich solle mir Alternativen zum Abitur einfallen lassen, er sehe an der Schule für mich keine Perspektive. Zensurentechnisch war alles okay, das hatte andere Gründe. Da es zwei, drei Lehrer gab, die sich stark für mich einsetzten, durfte ich weitermachen. Kneipenbesuche häuften sich, aber Abstürze blieben aus. Im November '89 dann die Wende, alles war plötzlich anders aber irgendwie auch nicht, man ging ja weiter zur Schule und schlief im Internat. Inzwischen (11. Klasse) schmuggelte ich bereits regelmäßig Bier ins Internat. (Ich bin mir grad nicht sicher, aber ich glaube, ich musste es gar nicht schmuggeln, weil es den Älteren, also über 16-jährigen, nicht verboten war)
Mit meinem heute noch besten Freund nachts diverse heimliche Ausflüge durchs Fenster in die Kneipen Westberlins. Erste Filmrisse.
Zum Halbjahr der 12. Klasse, also ein paar Monate vor den Abiturprüfungen, werde ich wegen diverser Verletzungen der Hausordnung des Internats verwiesen. Zum Glück studiert meine Schwester gerade in Berlin und gewährt mir in ihrer kleinen Wohnung Unterschlupf. Ich trinke nun regelmäßig fünf Bier am Abend und gebe mir am Wochenende die Kante.
Das Abitur wird bestanden und durch die politischen Umwälzungen anderthalb Jahre zuvor liegt mir im Prinzip die Welt zu Füßen. Aber genau das ist wahrscheinlich zu viel für mich. Ich bin völlig orientierungslos und habe keine Ahnung, was ich will.
Aufgrund fehlender alternativer Ideen schreibe ich mich an der Humboldt-Uni für das Fach Sonderschulpädagogik ein.
Erst mal Pause, gleich geht's weiter.