Danke euch,
Correns (den ich auch gern lese) schrieb in seinem Thread, dass augenscheinlich viele user nur lesen und wenig schreiben. Zu dieser Sorte user würde ich mich auch zählen. Oft habe ich selbst nichts groß beizutragen, da vieles schon geschrieben wurde oder man nicht in der Stimmung ist etwas zu schreiben. Den Gedankengang folgend will ich meinen Weg - ohne viel Geschwafel - zu einem Jahr Abstinenz aufzeigen. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen stillen nassen Leser.
Wieviel trank ich?
- 1 Flasche Wein am Abend, jeden Tag ca. 3-4 Jahre lang
Warum trank ich?
- Anfangs zur Entspannung/Berauschtheit nach der Arbeit oder nach dem Sport. Zum Teil aus Überforderung.
- mir fällt es schwer, nach der Arbeit runterzufahren
- aus wenigen Gläsern pro Woche wurde eine Flasche Wein pro Tag
Warum nichts trinken?
- Alkohol ist ein Gift
- Alkohol schädigt dauerhaft Körper und Hirn
- Alkohol löst keine Probleme, sondern ist nur ein weiteres Problem, das die Lösung der anderen Probleme erschwert oder unmöglich macht
- Alkohol verdrängt nur
- der Suff schädigt u.U. deine liebsten Mitmenschen
Warum wollte ich nichts mehr trinken?
- ich war nicht mehr Leistungsfähig auf Arbeit
- ich hatte Angst um meine Kinder
- ich hatte/habe Depressionsschübe
- ich wollte aus der Alk-Sklaverei raus (miese Gefühle beim Einkauf, Mittags Gedanken an den abendlichen Suff)
Was waren die ersten Schritte?
- Hier sehr viel nass gelesen. Insbesondere: "Lebensgeschichten - Erfahrungsberichte - Das Leben nach dem Alkohol"
- Eingeständnis, dass man Alkoholiker ist
- Hier angemeldet und Hinweis auf Arztbesuch bekommen
- Kalter Entzug (das war falsch) und Arztbesuch (Gesundheitscheck und viel wichtiger: Jemandem Fremden sagen, dass man zuviel trinkt und Alkoholiker ist)
- bei dem Anfangs starken Suchtdruck viel getrunken (Wasser, Saft, Cola) oder durch Sport abgelenkt
- sämtlicher Alkohol aus Wohnung entfernt (Teil der Grundbausteine)
- den engsten Kreis über die Absichten informiert und um entsprechende Berücksichtigung gebeten (z.B. 1.Weihnachten und Geburtstag war komplett alkfrei für die Gäste. Das ist u.U. sehr schwierig.)
Was wird besonders schwer:
- den Suchtdruck überstehen. Die böse Seite der Macht zieht euch ständig auf die falsche Seite. Seid euch dessen bewusst.
- den sozialen Druck überstehen. Das wird gleichwertig schwer, wenn nicht sogar schwerer. Freundschaften gehen zu bruch. Feierlichkeiten werden gemieden. Die Prämisse ist, dem Alkohol aus dem Weg zu gehen. Für die Gesellschaft ist Alkohol Spaß und Vergnügen, für mich jedoch Gift. Das stößt nicht bei jedem auf Verständnis. Stabil bleiben.
- das Verältnis zur Nicht-Alkohol-Frau: Sie kennt dich als benebelten Typen am Abend. Auf einmal redet der häufiger tiefsinnig mit wachen Geist. Daran müssen sich beide gewöhnen. Es wird Situationen geben, in denen sie sich den benebelten Typ zurückwünscht.
- für mich: alternative Entspannungsmethoden zu entwickeln, sich selbst verstehen und akzeptieren, insbesondere die eigenen Schwächen annehmen und ok zu finden.
Was hat sich nach dem einem Jahr verändert:
- Das Hirn verändert sich langsam und stetig. Alles wird wieder klarer und sortierter. Der Suchtdruck nimmt mit der Zeit ab.
- Die Blickweisen auf die Welt und die eigene Persönlichkeit. Früher war ich mit Alkohol gesellig, heute eher maulfaul und ungesellig.
- Wo man früher unlösbare Probleme sah, werden jetzt auch Lösungen sichtbar. Alles wirkt aufgeräumter.
- ich bin wieder leistungsfähig
- ich kann mich wieder an den vielen kleinen Dingen, die einem die Welt so bietet erfreuen (bspw. Sonnenuntergang, Blaumeisen, Kinderlachen, Quatsch mit den Kindern machen, schöne Musik, Bücher, Sport)
- die Depressionsschübe werden weniger und kürzer
- das Thema Alkohol rückt nach und nach in den Hintergrund. Man denkt einfach nicht mehr daran und schafft Platzt für andere Gedanken.
Falls das einer der stillen und unschlüssigen Leser liest: Ihr kommt da raus. Seid kein Sklave des Gifts und der Industrie.
Karamasow