Beiträge von kamarasow

    Guten Morgen Carl Friedrich,
    ja. Danke der Nachfrage.

    Das Fest verlief im engsten Kreis, wie im anderen Thread berichtet, alkoholfrei. Ich war angespannt. Das kann aber auch an der Arbeit bis zum 23.12. liegen.
    Insgesamt wurde es nicht sonderlich gemütlich - trotz der herzergreifenden Kinder. Es war eher ein Abhaken von Programmpunkten. Obs am fehlenden Alkohol lag (für die anderen war es auch ein Novum), kann ich nicht sagen. Vermutlich ist es schlicht so.

    Silvester verlief entspannter. Wir feiern das nicht sonderlich. Auch hier fühlte es sich erstmal komisch an. So unbenebelt den Jahreswechsel feiern.

    Ein Fazit der vergangenen Tage ist: Wenn die Familie und Bekannte nicht mehr mein geselliges, witziges und redseliges - aber angetrunkenen - Wesen erleben darf, dann muss es mir egal sein. Einige beschwerten sich schon flachsend darüber, dass ich so ernst bin und lieber wieder trinken solle. Tja Pech, nüchtern bin ich eher ernst und maulfaul. Witze kommen seltener. Schade für die anderen, aber so bin ich. Die Erkenntnis ist mir wichtig. Ich trinke nicht mehr, damit ich geselliger bin und andere Spaß haben. Die anderen müssen mich nehmen wie ich bin. Das andere ich ist nur die Droge.

    Viele Grüße
    kamarasow

    Guten Tag,
    hier noch ein kurzes Update von den Telefonaten bzw. persönlichen Gesprächen:
    Nun, es ist nicht so gewesen, dass für das alkfreie Fest vollste Unterstützung und Verständis vorliegt. Im Prinzip ging es eher in die Richtung: "Jetzt spinnt er wieder.", "Komm schon, willst du uns den Spaß nehmen?". Die Gespräche liefen insgesamt eher unter dem Thema "Drüber-Lustig-machen" ab. Also für Abstinenzler ist der Schritt keine einfache Sache. Auch selbst wenn alle über die Absichten informiert sind.
    Schlussendlich wird es aber so, wie ich es gewünscht habe, laufen. Das Ziel wurde erfüllt. Auf Kosten von etwas Spott. Ich hoffe es war der Kraftakt (für mich) wert. Nicht stabilen Menschen empfehle ich das erste alkfreie Weihnachten u.U. irgendwie anders zu lösen. Allein feiern war für mich jedoch keine Alternative.

    Ich wünsche euch allen ein besinnliches und geruhsames Weihnachtsfest. Auf das ihr Weihnachten mit den euch Liebsten gemeinsam verbringen könnt.

    Viele Grüße
    kamarasow

    Hallo,
    ich bin alkoholkrank und seit ca. 10 Wochen abstinent.
    Ohne einen wissenschaftlichen Hintergrund zu kennen oder Bücher über die Krankheit gelesen zu haben: Risikominimierung bedeutet für mich ganz konkret die Vermeidung des Suchtdruckauslösens (triggern). Demnach ist jede Situation die triggert ein Risiko. Um die Trigger vermeiden zu können, muss man sich aber erstmal bewusst werden, wann und wo sie bei einem ausgelöst werden.

    Bisher konnte ich verschiedene Triggerauslöser feststellen:
    a) visueller Trigger (Alkohol sehen; bspw: Werbung, Geschäfte)
    b) situativer Trigger (Alkoholgewohnheiten; bspw: nach Sport, am Abend; Weihnachtsfeiern; Stadion)
    c) thematischer Trigger (Thema Alkohol allgemein; bspw: Lesen im Forum, in Gesprächen)
    d) Grundlasttrigger (ständiger Begleiter; bspw: Spuckebildung ohne ersichtlichen Grund)

    Risikominimierung bedeutet dann für mich ganz konkret o.g. Orte und Situationen weitestgehend zu vermeiden oder zu verändern. Das einzige worauf ich keinen erkennbaren Einfluss habe, ist (d). Hier wird die Zeit wohl helfen.

    zu a) Hier wird bewusst vom Weinregal beim Einkauf weggeschaut. Motto: Aus dem Auge aus dem Sinn. Werbung wird umgeschaltet. Adblocker im Internet. Weingläser aus Glasschrank entfernt.
    zu b) Da der Sport ein wesentlicher Baustein für meine Zufriedenheit ist, ist mit Sport aufzuhören keine Option. Nach dem Sport belohne ich mich daher mit Zuckergetränken oder viel Wasser. Das hilft. Gewohnte Geselligkeiten, bei denen Alkohol getrunken wird, werden meist gemieden. Bisher aber noch nicht konsequent, da ich auch Geselligkeit zur Zufriedenheit benötige.
    zu c) Hier bin ich mir aktuell nicht sicher. Offenheit ist zwar gut, aber manchmal ist das Thema auch eine psychische Belastung. Vor allem dann, wenn das vertraute Gegenüber ziemlich unreflektiert zur Alkoholkrankheit steht. Vermutlich muss das jeder für sich herausfinden, welches Maß gut ist. Der Vorteil an der Krankheit ist, man erkennt relativ schnell richtige Freunde.

    Soweit meine Beobachtungen und Erfahrungen.

    Viele Grüße
    kamarasow

    Hallo ihr beiden,
    ja, der Alk würde auf der Terasse stehen und die Frau kauft ihn. Wenns nicht alle wird, dann solls mitgenommen werden.

    Hm, irgendwie fühlt sich das alles halbherzig an. Ich werde die Gäste mal telefonisch vorbereiten. Wenn Weihnachten bei uns stattfinden soll, dann eben unter unseren Randbedingungen. Die paar Stunden werden sie aushalten müssen. So. Es muss mir egal sein, dass für sie Wein/Bier zu Weihnachten dazugehört.

    Danke euch.
    Viele Grüße

    Hallo Thalia,
    Danke für deine Zeilen.

    Hast du deiner Familie / Bekannten, die zu deiner Feier kommen, wirklich vorgeschrieben keinen Alkohol trinken zu dürfen?

    Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich Heilig Abend gestalten soll. Da erhalten wir auch Besuch. Gewöhnlich gibt es Bier und Wein zur Gans. Alle wissen auch über meine Absichten Bescheid. Dieses Jahr muss es daher irgendwie anders werden. Fraglich ist, ob die Einsicht bzw. Selbstreflexion bei allen Besuchern vorhanden ist. Die paar Stunden wird für einige sicher schwer (weil sie selbst unreflektierte Alkoholiker sind).
    Mein Plan ist, dass wenn einer schon unbedingt nicht darauf verzichten kann und will, er dann wenigstens vor der Tür oder der Terasse den Alk konsumieren sollte. Wie Raucher eben. Das Haus bleibt alkfrei. Punkt. Wer das nicht hinbekommt, soll zu Hause bleiben. Sinnvoll oder Blödsinn?

    Grüße
    kamarasow

    Guten Morgen,
    mir geht es gut. Wieder sind ein paar Tage verstrichen. So langsam zählt man gar nicht mehr die einzelnen Tage, sondern eher einzelne Wochen. Der Druck rückt nach und nach in den Hintergrund. Das fällt vor allem dann auf, wenn der Druck mal wieder präsent ist. Da erschrickt man und denkt: Huch, so stark ist das. Wachsam bleiben.

    Im Moment findet nachwievor ein Kopfprozess statt. Als ob sich das Hirn neu sortieren würde. Besser geworden ist der Schlaf. Mittlerweile schläft man wieder regelmäßig durch und kann sich am Morgen an die Träume erinnern. Eine lang vermisste Erfahrung.

    Von einer Begebenheit möchte ich dennoch berichten. Es war eine Weihnachtsfeier (ja, ich weiß, viel zu riskant. Habe es im Nachhinein auch bereut.). Am Tisch wurde natürlich ordentlich Wein getrunken. Was mir diesmal auffiel war, dass das Thema Alkohol in den Gesprächen sehr gehuldigt wurde. Fast schon wie eine Religion. Somit spaltete sich der Tisch in Personen die gar keinen Alk tranken und in Personen die den Alk, vor allem den Wein, liebten. Die Weinhuldiger hielten Vorträge über Weinsorten, -reben und -herkunft. Den ganzen aufgeplusterten Zinnober eben. Für mich als abstinenten Alkoholiker ergab sich damit ein ulkiges Bild des Geschehens. So wie sie nass darüber berichten, in welchen Mengen sie den Wein tranken. Sie müssen ebenfalls Alkoholiker sein, die nur die Wissenschaft um den Wein als Vorwand nutzten. Aber es sah nicht so aus, als ob sie sich dessen bewusst wären. Das bestätigte sich dann auch in einem Gespräch mit einem nahestehenden Kollegen, als ich mit ihm offen über das Thema sprach. Er war der Ansicht kein Alkoholiker zu sein, obwohl er jahrelang regelmäßig Wein konsumiert. Man sah ihn beim Thema Wein, früh auf Arbeit, ab und an die Spucke runterschlucken. Die Begründung kein Alkoholiker zu sein war, dass er doch 2 bis 3 Tage pro Woche nichts trank. Nun, das enttäuschte mich etwas, aber ich widersprach ihm nicht. So wie ich die Krankheit kenne, würde das nur zu unnötigen Mißverständnissen führen. Das was mich auch enttäuschte war, dass er durch seinen Arzt eher bestärkt wurde weiter zu trinken. Es wäre doch alles halb so schlimm. Das hört ein Alkoholiker natürlich gern.

    In den bisherigen vertrauten Gesprächen musste ich oft feststellen, dass nur die wenigsten gegenüber der Droge reflektiert sind. Ich schreibe das nieder, weil es mich, trotz des Wissens darüber, beschäftigt. Bei Cannabis ist es anerkannt, dass es auf Dauer schlecht ist. Alkohol hingegen wird bagatellisiert, obwohl es vielleicht gefährlicher ist. Auf den Zigarettenschachteln werden Horrorbilder gezeigt. Alkohol hingegen wird in der Werbung glorifiziert. Verdammte Doppelmoral.

    Viele Grüße
    kamarasow

    Hallo Carl Friedrich,
    den trocken-doc werde ich mir mal anschauen.
    Grüße

    Hallo Hans im Glück,
    bei dem Rattenexperiment bin ich mir nicht sicher, ob man die Übertragbarkeit zweifelsfrei ausschließen kann. Sind wir nicht alle instinkt- und hormongetriebene Lebewesen? Nuja. Eine Diskussion darüber würde hier vermutlich zu weit gehen. Dafür fehlt mir auch das Wissen darüber.
    Dein letzter Absatz gefällt. Damit lässt sichs leben.

    Eine Ergänzung zum Suchtzentrum:
    Vor ca. 20 Minuten hatte ich während der Arbeit einen deutlich spürbaren emotionalen Schub. Der ging in die Richtung: Der Arzt bescheinigt dir: Du bist gesund. Leber und Bauchspeicheldrüse sind im normalen Parameterbereich. Warum hörst du auf zu trinken? Dir gehts doch gut? Das Suchtzentrum legte noch einen drauf und argumentierte. Ok, wer wieder anfängt, der wird unweigerlich alles kaputt machen. Aber hey, was ist, wenn selbst das dir egal wäre. Scheiß doch drauf, sterben muss jeder mal. Du willst doch nicht wie eine dahinvegetierende Mumie im Pflegeheim landen. Dann ist es doch besser wenn man seinen Körper vor dem Verfall des Geistes zerstört...
    Jetzt kommts: Währenddessen ich das jetzt schreibe, empfinde ich null, nichts mehr dergleichen. Alle Emotionen dazu sind weg. Nichts mehr, nur Gleichgültigkeit gegenüber dem Alk. Und das nur, weil ein berufliches Telefonat dazwischen kam. Entschuldigt den Ausdruck: Du kannst mich mal Suchtzentrum. Lass mich in Ruhe.

    Für mich ein schönes Beispiel für die Wirkung der 10-Minuten-Regel und einem alkfreien Zuhause. Für die Tanke zieht man die Schuhe und Jacke an, läuft ein paar Meter. Zeit vergeht. Spätestens am Tankeneingang würde wohl der Schub nachlassen.

    Guten Morgen Thalia,
    was ich selbst glaube? Hm. Wohl dem, der das zweifelsfrei weiß. Es gibt Tage da heißts: "Klar, nie mehr Alkohol. Wozu denn.". An anderen Tagen: "Sag niemals nie. Bei besonderen Anlässen muss das in Gesellschaft doch drin sein. Irgendwann.". Bei letzterem ist sicher das Suchtzentrum der Vater des Gedankens.

    Nuja, da eiere ich mal noch ein bissl gedanklich rum und bleibe derweil abstinent. In der Hoffnung, dass sich Variante A mehr in den Vordergrund rücken wird.

    Grüße
    kamarasow

    Hallo Karsten,
    eigentlich wollte ich nur sagen, dass sich die o.g. Theorie mit dem deckt, wie sich ein LZT verhält. Er formt sich den Käfig so, sodass kein Rückfall mehr eintreten kann.
    Das interessante für mich war, dass der Autor die Sucht eine Anpassung und keine Krankheit nennt. Aber eigentlich ist es egal wie es heißt. Die Konsequenz für ein trockenes Leben ist die Gleiche: Das Achten auf sich selbst und seine Umgebung.

    Zur Frage nach der Suche des Weges? Hier kreiselt das Hirn noch etwas. Ein paar wenige Sachen wurden verändert. Verantwortung wurde zurückgeschraubt. Das insgesamte tägliche Pensum verringert. Die Frage bleibt: Reicht das?
    Die Fragen von Kumpels, ob ich das jetzt für immer so wolle, habe ich leider mit: "Das werde ich jetzt erstmal ne Weile durchziehen. Bis ich es im Griff habe.". Dabei wusste ich gleich, dass das die falsche Antwort war. Natürlich hat man es später auch nicht im Griff. Habe ich das gesagt, um das Gegenüber nicht zu enttäuschen oder weil ich es selbst denke und unsicher bin? 2 Monate sind nichts.

    Hallo,
    heute bin ich über etwas interessantes aber auch verwirrendes gestolpert. Und zwar über Auszüge eines Buches "Drogen. Die Geschichte eines langen Krieges.". Vielleicht kennt das einer und kann etwas darüber berichten. Darin niedergeschrieben ist die These: "Alkohol ist keine Krankheit, sondern eine Anpassung." Darin wird auf ein Experiment von Dr. Bruce Alexander verwiesen, welches die pharmazeutische Suchttheorie widerlegt. Der Autor schlussfolgert, dass nicht die Droge Schuld am schädlichen Umgang mit der Droge sei, sondern die Umgebung. Zitat: "Eine isolierte Ratte wird fast immer zum Junkie. Eine Ratte mit einem guten Leben dagegen so gut wie nie, auch wenn man ihr noch so viele Drogen bereitstellt. [..] Sucht, sei also keine Krankheit, sondern eine Anpassung. Es läge nicht am Einzelnen, sondern an dem Käfig, in dem er steckt." (Buchempfehlung, Deutschlandfunk, 18.01.2016)

    Soweit die Theorie. Schaut man sich hier die Grundbausteine oder die Argumentationen von LZT an, so kann die Theorie nicht so richtig widerlegt werden. Ziel eines LZT ist es, sich selbst und damit einhergehend seine Umgebung (also seinen Käfig) derart umzuformen, sodass er den Alkohol dauerhaft nicht mehr brauch.

    Waren wir Suchtkranken im nassen Zustand im Prinzip nur isolierte angepasste Ratten in einem für uns schlechten Käfig?

    Guten Morgen Epic,
    ich habe soeben auch deinen Strang durchgelesen. Dabei habe ich mich in einigen Dingen wiedergefunden. U.a. bei der Meinung über die Gesellschaft und der Spielsuchtanfälligkeit. Nur hier kurz ein paar Anmerkungen zur Gesellschaft: Übe Gelassenheit gegenüber der Gesellschaft und den Menschen. Du wirst sie nicht ändern können. Was die Gesellschaft über dich denkt ist nicht von Belang. Wichtig bist du allein. Wichtig ist, was gut für dich ist. Die Alkoholkrankheit ist nicht gut für dich.
    Ferner glaube ich, dass du augenscheinlich zu viele Szenarios gedanklich durchspielst und zu oft im konjunktiv abwägst. Oft weiß man erst, was gut für einen ist, wenn man bestimmte Dinge macht.
    Was die Alkoholkrankheit betrifft, muss ich feststellen, dass vieles nicht rational erklärbar ist. Auch auf deine Gefühle ist kein Verlass. Das ist so, als würdest du in der Logikvorlesung sitzen und der Prof erzählt die Mengenlehre mal so mal so. Je nach tagesform. Das ist für einen Logiker bzw. wie dich als Informatiker der absolute Supergau. Auch die if then Schleifen machen was sie wollen. Zumindest muss ich aktuell die Erfahrung damit machen. Was mir halt gibt, ist zu versuchen, die Grundregeln einzuhalten. Und zu warten und zu warten... Bis die Synapsen wieder klarer sehen.

    Hallo Epic,
    Gründe: ca. 80% Entspannung/Runterkommen nach Arbeit und 20% Geselligkeit.

    Lösungsansatz: Im Moment stehen verschiedene Entspannungsvarianten ohne Alkohol auf dem Programm. Zu kündigen wäre ein zu einschneidender Schritt. Zu Hause hat man es auch im Griff.

    Probleme: Die Gefahrenzonen sind derzeit vorrangig außerhalb der vier Wände, da Alkohol leider ein tagtäglich anerkannter Begleiter in der Gesellschaft ist. Eigentlich müsste ich mich häufiger abschotten, um nicht kraftkostende Situationen durchstehen zu müssen.

    Grüße

    Hallo Calida,
    zu deiner Frage: Das kann ich nicht vollständig beantworten. Im Gegensatz zu Karsten, geht es bei mir nicht um eine Leben oder Tod Entscheidung. Bei mir sind es die vielen kleinen Dinge, die in einem Prozess reiften. Bspw, jetzt, um diese Uhrzeit in der Sonne zu sitzen. Ohne Kater. Und der Tochter beim Spielen zuzuschauen. All die kleinen lebenswerten Details des Lebens.
    Dass man alkoholkrank ist, das wusste man längst. Das zu wissen hielt mich nicht vom saufen ab. Ich hatte auch keinen Tiefpunkt. Es war, wie geschrieben, ein längerer Prozess im Kopf. Ich wollte wieder selbstbestimmt und ohne Fernsteuerung Leben. Das ist es, was mich nicht zum Alk greifen lässt.

    Viele Grüße.

    Hallo Ihr Lieben,
    7 Wochen sind es nun. Der Druck und die Gedanken an Alk rücken immer mehr in den Hintergrund. Das ist schön und befreiend.
    Nachwievor habe ich das Gefühl, dass sich die Gedanken und Gefühle sortieren. Wenn ich die Gabe hätte, die Dinge besser auszuformulieren, dann könnte ich das sicherlich besser beschreiben. Aber ich versuch es trotzdem mal: Ist man ein nasser Alkoholiker, dann spürt man die Emotionen als gedämpften Wind auf der Haut. Die Emotionen sind da, aber irgendwie gedämpft. Als ob man eine dünne Jacke anhätte und damit den Wind nur als Druck spürt. In der Abstinenz hingegen, steht man unbekleidet hoch oben auf einem Fels an der windigen Küste. Wenn der Wind dich berührt, zeigt dir jedes einzelne Haar der Haut: Ja du lebst.
    Die Ausschläge von negativen und positiven Stimmungen sind viel deutlicher und heftiger zu spüren. Mir gefällt das, da man somit sein Wesen besser sieht. Was stört dich, was gefällt dir. Endlich ist man raus aus dieser grauen, vernebelten Emotionsmasse.

    Ein paar Worte noch zum Antrieb für ein alkoholfreies Leben: Im Moment glaube ich, dass der wichtigste Baustein für ein trockenes Leben die eigene Überzeugung daran ist. Wie man sich selbst dazu bekomt, es zu wollen? Das muss jeder für sich selbst, für sein jeweiliges Ich und sein Umfeld, herausfinden. Unpassend finde ich in diesem Zusammenhang das Wort 'Willen'. Das für mich passendere Wort ist: 'Entscheidung'. So schrieb es auch Karsten in seinem Strang. Es gibt die, die einen Entzug machen, weil es der Arzt sagt und es gibt die, die es wollen. Die, die sich im Inneren dafür entschieden haben.

    In diesem Sinne.
    Viele Grüße

    Hallo Sunshine,
    zugegeben, etwas überspitzt formuliert war es schon. Wenn du der Hobbyoptimist bist, dann bin ich der Hobbypessimist :).

    Zu den Firmenfeiern der Weihnachtszeit: Es ist sicherlich so, dass man nette Kollegen, ja auch Freunde, dabei hat. Prozentual auf alle Weihnachtsfeiern betrachtet sind die vermutlich aber in der Minderheit. Und so bleibt es meist unterm Strich ein Besäufnis. Die Einschätzung beruht aber eher einem Gefühl bzw. Erfahrungswert. Über prozentuale Anteile lässt sich daher vermutlich durchaus streiten.

    Zum Alkoholiker: Ja, ich meinte einen nassen Alkoholiker.

    Zum sich selbst belügen: Klar, jeder kann sich seine Welt malen wie es ihm beliebt. Alles gut. Meine Aussage zielte eher auf den nassen Alkoholiker ab. Der Vorwände sucht, wie z.B. den Weihnachtsmarkt, um Alk zu konsumieren. Allen anderen, insbesondere auch seiner Familie, aber erzählt, wie schön besinnlich der Markt war. Man das wieder machen könnte. Gleich morgen. Denn da im hinteren Eck gab es ja noch die schönen Holzschnitzereien. Neben dem Glühwein.