Beiträge von Cadda

    Hallo Andreas,

    schön, dass Du direkt hier nach der Freischaltung geschrieben hast. Klar ist es vor allem dann ungewohnt, zu Corona-Zeiten, wenn man sonst regelmäßige Termine hat. Zusätzlich arbeitest Du auch noch von zu Hause aus, hab ich das richtig in Erinnerung?

    Ich selbst bin ganz froh, dass ich ganz normal arbeiten kann. Mir würde so eine große Veränderung auch nicht gefallen. Ob ich dadurch allerdings Suchtdruck bekommen würde? Ich glaube eher nicht. Aber ich habe seit dem
    Abschluss meiner ambulanten Therapie auch keine Termine mehr. Im Forum lese ich aber jeden Tag. Mir hilft das sehr.

    Guten Morgen,

    ich sehe es, wie alle Anderen. So eine Verantwortung würde ich niemals übernehmen. Dazu kommt noch, dass man ja überhaupt nicht mehr von Entgiftung oder Entzug sprechen kann, da er ja offensichtlich trinkt. Also ist das eh hinfällig. Ich würde den RTW rufen und die Verantwortung abgeben.

    Guten Morgen Lia,

    find ich klasse, dass Du Dich auch für den erweiterten Bereich anmelden möchtest. Du brauchst glaub ich Karsten nur eine PN schreiben und der sagt Dir dann Weiteres.

    Das mit dem guten Schlaf freut mich für Dich! Ich kann auch viel, viel besser schlafen, seit dem ich nicht mehr trinke. Am Anfang hab ich allerdings lange Zeit schlecht geträumt. Man verarbeitet ja auch viel. Aber das hat sich auch gebessert.

    Einen schönen erholten Tag für Dich :)

    Hallo zusammen,

    aber wie Carl-Friedrich schon schrieb... eine Diskussion, über die man in einem Forum wohl nur sehr schwer auf einen Nenner kommen wird. Es wurde hier ja schon bereits darum gebeten, das hier in diesem Thread nicht mehr zu vertiefen und ich finde, dieser Bitte sollten nun auch alle nachkommen...

    Einen schönen Abend für Dich Carl-Friedrich.

    Jessica, das ist doch auch alles nicht einfach. Ich find das total toll, dass Du Dich schon so rechtzeitig kümmerst. Zu dem Zeitpunkt dachte ich auch, das wäre ne gute Idee. Du hinterfragst das ja selbst. Aber es ist nicht einfach zu hören, „dies und das geht nicht, Du liegst falsch“ usw.

    Das ist nicht mal klugscheißermäßig gemeint, sondern bei uns Betroffenen gegen zwangsweise die Alarmglocken an und man hat direkt das Bedürfnis, Dich zu schützen oder zu warnen. Weil man aus eigener Erfahrung weiß „ooooh neeeeein, das geht schief, wenn sie es so macht“. Tja und dann kommt es besserwisserisch und überheblich rüber, wenn alle mit dem Holzhammer zu Dir kommen :)

    Für mich war das auch immer ein Notgetränk. Ein Ersatz quasi. Selbst wenn ich danach kein richtiges Bier getrunken habe... in der Schwangerschaft z.B. habe ich alkoholfreies Bier getrunken. Und das nur aus einem einzigen Grund: Weil ich kein richtiges Bier trinken „durfte“.

    Aber dass man den Gedanken zunächst hat, zu einem Zeitpunkt an dem man noch nicht so tief in der Sucht drin steckt, das passiert wohl vielen. Also mir jedenfalls. Da war ich bereits süchtig, im Nachhinein gesehen. Aber ich dachte, es wäre ne gute Alternative. Dachte.... war es natürlich nicht.

    Hallo Jessica,

    ab wann ist man denn süchtig?

    Ich denke, das waren nur Gedankenanstöße. Ob Du es letztendlich so machen möchtest, entscheidest Du, das ist klar.

    Da ist sie wieder... die individuelle Wahrnehmung. Der Gang durch die Diele ist mir egal, das Arbeiten in der Nähe eines Weinregals auch.
    Beim Einkaufen gehe ich jedoch nicht durch die Gänge mit Alkohol, wo ich mich früher eingedeckt habe mit Sekt und Wein. Da gucke ich sogar bewusst weg. Das bringe ich nämlich direkt mit meinem Elend in Verbindung.

    Also vermutlich wirkt das auf Jeden anders. Ich kann also nur von mir persönlich berichten. Ich wohne mit mehreren Familienmitgliedern in einem Haus, jeder hat jedoch seine abgeschlossene Wohnung. In meiner Wohnung befindet sich kein Alkohol. In der Diele der Hauseigentümerin befinden sich Kühlschränke, in denen auch Alkohol ist. Ich gehe jeden Tag mehrfach über die Diele, weil ich über diese zu meiner Wohnung gelange. Dieser Alkohol gehört mir nicht, er interessiert mich auch nicht. Wenn ich trinken wollen würde, dann kann ich auch in unserem kleinen Dorfladen gegenüber gehen. Ja, ich weiß. Je weiter weg, umso besser. Mich stört das Wissen, dass da außerhalb meiner Wohnung etwas ist, trotzdem nicht.
    Davon mal ganz abgesehen, arbeite ich in einem kleinen Hofladen, der auch Wein anbietet. Ich sehe das gar nicht mehr. Es ist wie eine dekorierte Wand.
    Natürlich nehme ich das ab und zu wahr. Aber was soll’s, ich will ihn nicht trinken.

    Verbieten würde ich meinem Partner nicht, etwas zu trinken, wenn es ab und zu wäre. Ich würde mich aber nicht daneben setzen. Bei dem Exemplar, der seit einem halben Jahr an meiner Seite ist, kam das bisher aber noch nie vor, dass er in seinem Zuhause etwas alkoholisches getrunken hat.

    Puh, das Thema kann man endlos in die Länge ziehen....

    Könnte spazieren gehen etwas für Dich sein? Ich hab das für mich entdeckt, seit dem ich nicht mehr trinke. Kein Aufraffen, weil es ja nicht direkt Sport ist. Aber Bewegung an der frischen Luft. Macht den Kopf sehr frei.

    Weißt Du Carmen, ich möchte auch keinen falschen Eindruck hinterlassen. So nach dem Motto „Bei mir ist immer alles soooo schöööön und das Leben ist ja soooo toll“. Ja, grundsätzlich finde ich das wirklich und deshalb gelingt es mir immer wieder, mich auf die Sonnenseite des Lebens zu konzentrieren.

    Aber ich habe im Moment auch eine tolle Lebensphase erwischt. Trocken, zwei Jungs, die zur Zeit beide recht entspannt sind (das geht auch anders), einen Mann in meinem Leben, der super zu mir passt (und auch DAS ging bisher immer anders) :)
    Meine Arbeit macht mir Spaß, also alles gut.

    Aber da gab es auch andere Zeiten und da fiel es mir deutlich schwerer, positiv zu denken. Liebeskummer gehörte ständig dazu. Furchtbar.

    Aber auch jetzt, wo alles gut ist, geht’s mal blöd. Nachdem ich gestern so viel über meine Mutter geschrieben habe, wie es damals war, konnte ich den ganzen Tag an nichts anderes mehr denken. Ich musste heulen beim Auto fahren und bin dann abends noch ans Grab in den Ruheforst gefahren. Aber hinterher ging’s besser. Ausgeheult hab ich mir hinterher gesagt, dass ich es trotz allem gerade gut habe. Heute Morgen war ich wieder motiviert. Aber auch da ist es nicht lange her, dass ich es als Aufraffen empfunden habe, etwas zu tun, wie laufen. Ich hab nur Süßkram in mich reingestopft und war genervt von mir selbst.

    Also wie gesagt, etwas Glück, dass ich gerade eine gute Phase habe, weil das Drumherum auch gut läuft, ist auch dabei :)

    Guten Morgen Correns,

    mir ist es auch schon aufgefallen, dass eine schöne Nebenwirkung dieser Zeit ist, dass die Menschen irgendwie offener miteinander umgehen. Das ist zwar in dem Zusammenhang, dass ja ABSTAND das große Zauberwort ist, im Grunde genommen auf den ersten Blick ein Widerspruch in sich "Abstand aber offener", aber es ist so. Durch die Gesten und Worte sind die Menschen mehr miteinander verbunden. Ich erlebe das auch bei mir auf der Arbeit. Ich arbeite ja in einem sehr kleinen Laden, wo man eh noch mehr miteinander redet und es nicht so anonym ist, aber gerade jetzt in der Zeit ist es noch einmal viel mehr, dass nett miteinander umgegangen wird. Da reden sogar die, die sonst nie etwas sagen, ein paar Worte. Und beim Spazieren gehen fällt es mir auch, genau wie Dir, auf. Es sind mehr Leute unterwegs, aber Lächeln ist groß in Mode gekommen :D
    Mir gefällt es.

    Ich selbst habe auch keine Angst. Wenn ich diesen Virus bekomme, lege ich mich 2 Wochen ins Bett und dann geht's mir wieder gut. Davon bin ich ziemlich überzeugt und ich hoffe zumindest, dass es genau so wäre. Aber was ist mit den älteren oder vorerkrankten Menschen? Ich möchte niemanden anstecken. Meine Kinder dürfen draussen auf dem Hof spielen, aber nicht mit ihren Freunden. Da wir aber viele Leute in einem Haushalt sind mit Kindern (wir wohnen mit meinem Schwager unter einem Dach), können meine Kinder sich eigentlich nicht beklagen. Wir haben sozusagen eine große "Kernfamilie" mit einem gemeinsamen Grundstück. Außerdem haben sich die beiden ja auch untereinander. Kurz gesagt: Sie halten sich daran, nicht mit den Nachbarkindern zu spielen und es gelingt ihnen auch ganz gut, weil sie hier zu Hause nicht allein sind. Da haben es die Kinder in den Wohnungen ohne Garten wirklich viel schlimmer und das tut mir manchmal ganz schön leid.

    Ich selbst muss arbeiten, von daher merke ich gar nicht so einen großen Unterschied. Ok, in der letzten Woche hatte ich Urlaub, aber nur eine Woche und da habe ich es genossen, einfach mal nichts zu tun. Ich war sehr viel hier im Forum, sehr viel im Garten und ich war JEDEN Tag laufen :D
    Ich empfinde es inzwischen auch übrigens nicht mehr als "aufraffen". Ich hab mich irgendwie wieder daran gewöhnt. Es gehört dazu. Und es tut mir gut. Man achtet dann auch automatisch mehr auf seine Ernährung, was wiederum auch gut tut.

    Ich hatte 4 Wochen lang komplett auf Süßigkeiten verzichtet. Keine Schokolade, kein Kuchen, keine Chips. Ich kaufe die Dinge immer noch nicht. Aber als ich Ostern etwas geschenkt bekommen habe, hab ich es auch gegessen. Und ab und zu mal in der Sonne ein Eis essen, das gönne ich mir auch. Ich muss jetzt nur aufpassen, dass es nicht wieder so krass wird, wie vor den 4 Wochen, wo ich mir suchtartig alles gekauft und mir reingepflügt habe. Das tat mir nämlich gar nicht gut. Ich werde ja sehen, wie es jetzt weiter geht. Sonst lasse ich es wieder ganz nach. Aber bisher geht es gut, auch im Urlaub.

    Correns nochmal: Ja, es ist mir wichtig, auch hier im offenen Bereich zu schreiben. Denn Du hast Recht, nur so erreichen die Geschichten auch Menschen, die hier noch trinkend lesen und vielleicht am überlegen sind, aufzuhören. Ich selbst habe hier ja auch eine sehr lange Zeit gelesen, während ich noch nicht an dem Punkt angekommen war, wirklich aufzuhören. Aber dieses Forum hat mir EXTREM geholfen, meinen Entschuss auch in die Tat umzusetzen. Ich glaube, jeder hat so seine Geschichte, die einem am meisten im Gedächtnis geblieben ist und irgendwie einen am meisten dazu gebracht hat, sich auseinander zu setzen und schlussendlich aufzuhören. Bei mir war es DEINE Geschichte. Aber das sagte ich Dir ja bereits schon ein Mal (oder auch öfter).

    Neulich habe ich das erste Mal gesagt bekommen, dass es MEINE Geschichte war, die besonders im Kopf geblieben ist und mit dafür gesorgt hat, es anzugehen hier im Forum. Das freut mich dann sehr und dann fühle ich mich auch bestärkt, dass es richtig ist, auch hier im offenen Bereich weiter zu schreiben, obwohl ich auch im geschlossenen Bereich bin.

    Gestern habe ich auch im geschlossenen Bereich viel geschrieben und da bin ich halt ins Detail gegangen, was ich hier nicht machen möchte. Also ich gehe hier ja auch sehr ins Detail, weil es mir auch egal ist, wenn mich jemand wieder erkennt. In meinem Umfeld weiß eh jeder Bescheid. Aber es gibt ja so ein paar Geschichten und Gefühle, die man dann doch nicht unbedingt so ganz offen teilen möchte.

    Aber das Grundsätzliche wird von mir weiterhin auch hier landen. In dem Bereich, wo alle lesen und wenn sich der Ein- oder Andere dadurch besser auf ein trockenes Leben vorbereiten kann, wäre das toll. Das würde mich freuen. Denn wie sagen wir alle immer so schön?

    Es lohnt sich!!!!!

    In diesem Sinne... Correns, ich gehe jetzt Laufen und muss mich nicht aufraffen, denn ich habe Lust dazu... Ob es eine große oder doch nur eine kleine Runde wird, das zeigt sich, wenn ich unterwegs bin :D

    Hallo Carmen,

    der Satz "nie mehr Alkohol trinken zu können" verändert sich im Kopf im Laufe der Zeit, wenn Dein Gehirn mit dem positiven Gefühl des Nüchtern-Seins gefüllt wird.

    Ich halte NULL davon, Wörter im Mund umzudrehen, denn man könnte ja jetzt entgegnen, dass Du Alkohol trinken kannst, es aber ja bewusst nicht willst. Das habe ich hier im Forum schon öfter gelesen und mich hat es immer ein wenig wahnsinnig gemacht. Zum Einem, weil es zwar stimmt, wenn man es genau nimmt, aber zum Anderen weiß man ja genau, wie es gemeint ist. Man KANN halt nichts trinken, ohne nicht wieder an dem Punkt zu gelangen, zu dem man eben nicht hin will. Also kann ich eben streng genommen nicht so, wie man am Anfang gern noch würde.

    Ich schreibe bewusst "am Anfang". Denn ich möchte Dir (und vielleicht da auch anderen) ein wenig Hoffnung machen:

    Zurück zum ersten Satz... Der Satz "nie mehr Alkohol trinken zu können" wird sich, wenn man diese Nüchternheit wirklich richtig LEBT und die positiven Seiten bewusst zulässt, dahingehend verändern, dass man irgendwann GLÜCKLICH ist, nicht mehr trinken zu MÜSSEN. Es wandelt sich von einem Verzicht zu einem GEWINN. Dafür muss aber die Festplatte im Kopf erst einmal neu überspielt werden mit den positiven Dingen des Nüchtern-Seins. Das kann bei Einigen halt länger dauern, als bei Anderen.


    Das sind meine Gedanken dazu. Vielleicht helfen sie dabei, ein wenig Geduld zu haben bzw. sich öfter BEWUSST zu machen, wie positiv es ist, nicht zu trinken.

    Guten Morgen Jessica.

    Genau das ist ja eben das Tückische. Es ging vor 1,5 Jahren mal 2 Monate lang und danach ging es gut... eine Weile. An die Zeit erinnert man sich nach den Trinkpausen immer und immer wieder und handelt dann immer und immer wieder so. Klappt ja danach immer eine Weile ganz gut. Dennoch landet man doch immer wieder am selben Punkt. Wenn man über einen bestimmten Punkt hinaus ist, kann das nämlich einfach nicht mehr funktionieren, dass es dauerhaft ganz gut klappt. Ich glaube, das haben hier wohl so ziemlich alle über eine sehr, sehr lange Zeit versucht. Ich hab mir wirklich von Herzen gewünscht, ganz normal trinken zu können. Ich hab mir so unendlich viele Pläne überlegt. Nur Alster zu trinken. Nur WeinSCHORLE trinken. Nur an den Wochenenden zu trinken. Sogar nur in der Woche trinken, war auch schon dabei. Um an den Wochenenden in der Öffentlichkeit nicht unangenehm aufzufallen. Nur Alster zu trinken, das war übrigens auch ein ganz schlauer Plan von mir. Lasst Euch gesagt sein, auch mit Alster kann man sternhagelvoll werden. Man muss nur genug trinken... Meine Güte, wie dämlich. Aber die Not macht erfinderisch.

    Wie gesagt, viele beginnen ihre Trockenheit NICHT mit dem Plan NIE wieder. Das muss jeder für sich selbst sehen. Bei mir war es so. Ich wusste schon eine SEHR lange Zeit, dass ich Alkoholikerin bin und definitiv aufhören werde, zu trinken. Da für mich aber immer schon ganz realistisch im Kopf war, dass es dann NIE wieder sein wird, brauchte ich sehr lange, bis ich dann wirklich endlich aufhörte. Aber es war vorprogrammiert. Ich war sogar schon hier im Forum immer am lesen und ich habe quasi meinen Ausstieg aus der Sucht in der Theorie perfekt durchdachte. Während ich mir meinen Wein reingezimmert habe, wusste ich, irgendwann wird das vorbei sein und wenn es vorbei ist, dann für immer.

    So ist es zumindest bei mir. Ich habe dann aufgehört mit dem Wissen, das wars für immer und von diesem Gedanken hab ich mich bisher auch nicht in die Irre führen lassen.

    Wie gesagt habe ich aber nun wirklich schon sehr oft gelesen, dass es anders herum auch klappen kann. Dass man aufhört zu trinken und danach die Theorie im Kopf soweit ausgereift wird, dass man sich Schritt für Schritt dem Ziel nähert, abstinent zu bleiben, mit der 24 Stunden Taktik.

    Welche der zwei Varianten man wählt, ist letztendlich egal, solange man trocken bleibt.

    Cadda

    'Guten Morgen,

    vielen Dank, für Deinen Bericht, wie es bei Dir mit dem Rückfall oder Rückfällen abgelaufen ist. Ich finde das sehr wichtig. Es ist zwar erschreckend zu lesen, weil man im ersten Moment denkt "Was? Das kann doch gar nicht sein", aber genau SO hat es mir immer meine Therapeutin erklärt, dass genau DAS eben passieren kann. Dass es unüblich ist, weil es meistens geplant ist, aber sie kannte von ihren Patienten auch Geschichten, die genau so abliefen, wie Deine. Einen Mann hab ich mal in der Gruppe kennengelernt, der dort nach weit über 20 Jahren ankam, weil ihm ein Rückfall so wie von Dir beschrieben passiert ist. Er benutzte übrigens genau das gleiche Wort. Es sei MECHANISCH abgelaufen. Ich finde es wie gesagt wichtig, da diese Art Rückfall ja eher nicht so das ist, was man im Kopf hat, wenn man an einen Rückfall denkt, dass davon berichtet wird.

    Meine Therapeutin meinte immer zu mir, ich solle mir in so einem Fall verinnerlichen, dass ich MEHRERE Chancen habe, einen Rückfall zu verhindern. Sie beschrieb nämlich genau die Situation, wenn die Flasche wie mechanisch im Einkaufswagen landet. Da hat man bereits die erste Möglichkeit STOP zu sagen. Der Rückfall ist noch nicht vollzogen, man kann sie immer noch zurückstellen. Dann ist da die Kasse. Auch da hat man noch die Möglichkeit STOP zu sagen und sie im Laden zu lassen. Auf dem Partkplatz kann man sie noch entsorgen. Die nächste Möglichkeit ist, dass man sie noch aus dem Auto werfen kann (nicht toll, aber geht notfalls auch :D ). Sie meinte immer, selbst wenn die Flasche es bereits in die heiligen Wände nach Hause geschafft hat, kann man immer noch aussteigen. Man kann sie immer noch entsorgen und selbst wenn sie schon offen vor einem steht und das erste Glas vor einem steht, kann man immer noch STOP sagen und sie wegkippen und das Glas ebenfalls. Das erste Glas stehen lassen sozusagen. Bis man dort angekommen ist, ist ein weiter und langer Weg mit vielen Möglichkeiten, auszusteigen. Sie sagte mir öfter, dass wir das unbedingt verinnerlichen sollen. Weil ihr oft gesagt wurde, dass die Flasche im Einkaufskorb gelandet war, weil man kopflos und mechanisch reagierte und dass dann viele hinterher sagten: "Und dann hatte ich sie ja eh und der Rückfall war vorprogrammiert". Sie wollte halt darauf hinaus, dass es immer noch Möglichkeiten gibt, eine Fehlentscheidung vor dem Trinken wieder umzukehren.

    Entschuldige, dass ich Dein Tagebuch nun missbraucht habe, für diese Gedanken meiner Therapeutin, weil es bei Dir ja nun einmal anders abgelaufen ist und zum Rückfall kam. Aber es passte hier gerade ganz gut rein....

    Toll ist jedenfalls, dass Du hier her gefunden hast und wieder aufhören willst. Ich finde es wie gesagt immer erstaunlich, wenn jemand schon so lange trocken war und dann so etwas passiert. Aber es hält einen in der Realität. Danke dafür.

    Cadda

    Ich bin morgens nicht verwahrlost losgezogen und mir war es nicht egal, was die Leute dachten. Losgezogen bin ich trotzdem, wenn ich Wein brauchte. Ich hab mich fertig gemacht, versucht Haltung zu bewahren und habe mir den Wein trotzdem besorgt und getrunken. Und wenn ich besoffen, z.B. auf ner Feier war, hätte ich auch gern Haltung bewahrt, aber das gelang mir aufgrund des Kontrollverlustes nicht immer.

    Wenn ich angefangen hatte zu trinken, dann auch so lange, bis ich betrunken war. Mit einem leichten Glimmer (das Gefühl, was ich mochte) hat es NIE aufgehört. Das ist es, was ich immer beibehalten wollte. Angeduselt sein und dann aufhören, es dabei belassen. Kann ich nicht. Bei mir geht nur ganz oder gar nicht.

    Marianee, vielen Dank für Deinen Gedanken dazu. Die sind für mich SEHR hilfreich. Dieses Beispiel mit Dir oder Deinem Freund, der schon so weit war, dass er nicht mal mehr an Alkohol dachte, zeigen, dass man ein Leben lang auf sich achten sollte. Wie Du selbst schreibst „Achtsamkeit ein Leben lang“. Das empfinde ich auch nicht als Druck oder Belastung. Denn es ist schließlich etwas sehr Gutes und Positives auf sich zu achten.

    Das stimmt, ich bin stolz, dass ich jetzt hier angekommen bin, in meinem Leben. Ich bin sonst immer bescheiden, mache ein Lob von Anderen grundsätzlich klein. Warum, weiß ich gar nicht. Vielleicht, weil ich eine grauenhafte Allgemeinbildung habe, weil ich mich im Suff auf zu viele Männer eingelassen habe und durch diese ganzen widerlichen und peinlichen Aktionen im Suff mein Selbstbewusstsein im Keller war? Oder manchmal noch ist? Ich mache mich oft selbst klein. Das mit dem trocken werden ist das Einzige, wo ich wirklich Stolz zulasse. Weil es daran nichts zu rütteln gibt. Und weil mich sonst die Vergangenheit auch zu sehr belasten würde, wenn ich mir selbst nicht sagen könnte, dass es jetzt etwas Positives hat.

    Ich weiß nicht, warum ich immer so bescheiden bin. Ich werde auf der Arbeit sehr geschätzt und finde trotzdem etwas, wo ich nicht so gut bin. Meine Jungs sind trotz meiner Alkoholvergangenheit so gut gelungen und ich finde trotzdem meine Fehler, die ich in der Erziehung mache. Verrückt ist das. Dabei kann man sich doch auch mal sagen, dass man was gut macht. Das ist ja auch ne Form von Achtsamkeit. Aber ich arbeite schon seit dem ich nüchtern bin daran. Offensichtlich ist es mir schon ein bisschen gelungen, sonst hättest Du ja keinen Stolz rauslesen können :D

    Ich glaub, es gibt Zeiten, da beschäftigt man sich mehr mit dem Thema und mal weniger. In dieser Woche hatte ich Urlaub und war viel hier im Forum. Da denkt man viel nach. In einer bekannten Serie im TV, wird neuerdings das Thema (wie ich finde sehr gut) aufgegriffen, wie eine Frau in die Sucht rutscht. Auch da wieder viele Gedanken dran. Aber ich find es ok. Es werden auch wieder Zeiten kommen, wo man kaum dran denkt. Hatte ich vor meinem Urlaub gerade. Ich nehme das so wie es sich ergibt.

    Danke für Deine Worte. Da kann ich viel draus mitnehmen.

    Jedenfalls habe ich immer nur an den Wochenenden gesoffen in meiner Jugendzeit. Später dann auch mal auf einem Geburtstag in der Woche. Als ich dann geheiratet habe, war es bei uns zu Hause auch so, dass zwar Alkohol im Haus war, aber es musste schon Besuch da sein, um mal in der Woche was zu trinken. Da war es irgendwie im Rahmen, es gehört nicht zum Alltag. Ich hab mir da jedenfalls NIE allein eine Flasche Wein geöffnet. Auf die Idee bin ich gar nicht gekommen, weil es sich irgendwie für mich nicht gehörte. Ich kannte das aus meinem Elternhaus auch nicht, vielleicht deshalb. Der Gedanke kam mir gar nicht irgendwie.

    Meine Eltern waren immer locker und klasse in der Erziehung. Nicht zu locker, wir hatten Grenzen und Regeln, aber sie ließen uns Freiraum. Meine Mutter sprach mich zwar mal an, ob das nicht ein bisschen viel mit der Feierei ist, aber ich habe das verharmlost, weil ja schließlich ALLE feiern. Ich glaub, sie hatte damals den richtigen Riecher, aber sie war vermutlich selbst unsicher, ob es normal ist oder nicht unter uns Jugendlichen. Jedenfalls haben meine Eltern selbst auch ab und zu gefeiert, aber wirklich nur, wenn jemand eine Geburtstagsparty geschmissen hat. Das kam ab und zu mal vor, aber das wars dann auch. Zu Hause wurde ansonsten bei uns kein Alkohol getrunken. So etwas wie ein Feierabendbier gab es nicht. Wenn wir als Familie z. B. Weihnachten mit mehreren zusammen saßen, gab es gar kein Alkohol. Es gab Cola und fertig. Das stand nie im Raum, als wir Kinder waren. Im Grunde genommen fing es erst an, dass uns mal was angeboten wurde, als wir Erwachsen waren, weil meine Eltern wussten, dass die Männer vielleicht gern mal ein Bier trinken würden. Was ja auch völlig in Ordnung war. Ich schweife ab. Ich wollte eigentlich nur erklären, dass es für mich normal war, mal auf einer Party zu trinken, aber eben nicht normal, im Alltag Alkohol auf dem Tisch stehen zu haben. Meine Eltern haben mir glasklar vorgemacht, dass Alkohol nicht in den Alltag gehört. Deshalb bin ich wie gesagt auch zunächst nie auf die Idee gekommen, mir zu Hause ne Pulle aufzumachen, obwohl keine Partyzeit ist.

    Irgendwann hatte ich mich von meinem Mann getrennt und war spöter in einer neuen Beziehung. Bei ihm gehörte das Feierabendbier dazu, Alkohol gab es also auch zu Hause im Alltag. Bei ihm gab es keinen Kontrollverlust, aber bei mir. Er kannte seine Grenzen, ich nicht. Aber für mich war das praktisch. Er trank auch im Alltag sein Bier und ich konnte mich schön gemütlich dazu setzen und Wein trinken. Da wurde für mich eine neue Tür geöffnet. Irgendwann war es dann praktisch, dass ich Wein zum kochen brauchte. Merkwürdigerweise gab es ständig irgendein Gericht, wo man Wein für brauchte. Wenn mein Partner dann von der Arbeit kam, konnte ich sagen, dass ich Wein brauchte und bei der Gelegenheit konnte ich ja schon mal ein Gläschen trinken. Und so ging es weiter. Irgendwann war das so in den Alltag übergegangen, dass ich nicht mal mehr mir selbst vorgemacht habe, dass ich den zum Kochen brauche, sondern ich hab mir einfach Nachmittags in der Sonne schon mal eine Weißweinschorle gegönnt. Meinem Partner war das irgendwann zu viel.
    Tja, ich hab es natürlich immer verharmlost. Ich hab aber immer dafür gesorgt, dass ich genug Wein hatte. Ein Schicksalsschlag in der Familie hat mich ebenfalls dazu veranlasst, zu trinken, um wieder gut drauf zu sein.

    Die Beziehung in der ich war, ging irgendwann in die Brüche. Streitereien wegen anderer Dinge. Aber auch diese Streitereien arteten unter Alkoholeinfluss natürlich mehr aus. Lange nicht so, wie in meiner Ehe, aber man haut schon mal Dinge raus, die man nüchtern nicht sagen würde. Jedenfalls haben wir uns getrennt, ich zog mit den Kindern in meine eigene Wohnung. Wir haben uns im Guten getrennt und verstehen uns noch heute.

    Nun ja da war ich wie gesagt schon Alkoholikerin und dann kam ich mit meinem letzten Ex-Partner zusammen. Das war dann endgültig mein Untergang. Versteht mich nicht falsch, ich wäre eh am Tiefpunkt gelandet. Ich war wie gesagt schon abhängig. Aber nun war ich mit einem Mann zusammen, der selbst definitiv Alkoholiker war (und ist) und da ging es richtig zur Sache. Es wurde ständig gesoffen. Da habe ich es auch kennen gelernt, dass wir Samstags-Abends betrunken eingepennt sind und es einem Sonntag-Morgen so schlecht ging, dass man erstmal ein Bier drauf kippt. Dass es bei dem Bier natürlich nicht blieb, sondern der Sonntag mit Saufen verbracht wurde, versteht sich von selbst. Das war die schlimmste Zeit mit dem Alkohol überhaupt. Heute kann ich die Erinnerungen für mich nutzen, indem sie mich davon abhalten, jemals wieder ein Glas Alkohol zu trinken.

    Tja, das waren meine Gedanken, ausgelöst durch den anderen Thread von Jessica. Die an einem Punkt ist, an dem ich mir im Nachhinein wünsche, dass ich doch bloß da schon gehandelt hätte. Hab ich aber nicht, wie gesagt. Ich kann es nicht mehr ändern. Es gehört leider zu meinem Leben dazu.

    Dafür genieße ich das Leben jetzt umso mehr. Ich bin stolz, dass ich jetzt endlich die gute Mutter sein kann, die ich im Herzen eigentlich schon immer war. Ich freue mich über jeden Tag, an dem ich morgens nüchtern wach werde. Gerade neulich habe ich beim Spazieren gehen gedacht:

    "Seit meiner Kindheit ist das die schönste Zeit meines Lebens" und das ist auch so!


    In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen nüchternen, sonnigen Tag :)


    Cadda