Beiträge von Cadda

    Also vermutlich wirkt das auf Jeden anders. Ich kann also nur von mir persönlich berichten. Ich wohne mit mehreren Familienmitgliedern in einem Haus, jeder hat jedoch seine abgeschlossene Wohnung. In meiner Wohnung befindet sich kein Alkohol. In der Diele der Hauseigentümerin befinden sich Kühlschränke, in denen auch Alkohol ist. Ich gehe jeden Tag mehrfach über die Diele, weil ich über diese zu meiner Wohnung gelange. Dieser Alkohol gehört mir nicht, er interessiert mich auch nicht. Wenn ich trinken wollen würde, dann kann ich auch in unserem kleinen Dorfladen gegenüber gehen. Ja, ich weiß. Je weiter weg, umso besser. Mich stört das Wissen, dass da außerhalb meiner Wohnung etwas ist, trotzdem nicht.
    Davon mal ganz abgesehen, arbeite ich in einem kleinen Hofladen, der auch Wein anbietet. Ich sehe das gar nicht mehr. Es ist wie eine dekorierte Wand.
    Natürlich nehme ich das ab und zu wahr. Aber was soll’s, ich will ihn nicht trinken.

    Verbieten würde ich meinem Partner nicht, etwas zu trinken, wenn es ab und zu wäre. Ich würde mich aber nicht daneben setzen. Bei dem Exemplar, der seit einem halben Jahr an meiner Seite ist, kam das bisher aber noch nie vor, dass er in seinem Zuhause etwas alkoholisches getrunken hat.

    Puh, das Thema kann man endlos in die Länge ziehen....

    Könnte spazieren gehen etwas für Dich sein? Ich hab das für mich entdeckt, seit dem ich nicht mehr trinke. Kein Aufraffen, weil es ja nicht direkt Sport ist. Aber Bewegung an der frischen Luft. Macht den Kopf sehr frei.

    Weißt Du Carmen, ich möchte auch keinen falschen Eindruck hinterlassen. So nach dem Motto „Bei mir ist immer alles soooo schöööön und das Leben ist ja soooo toll“. Ja, grundsätzlich finde ich das wirklich und deshalb gelingt es mir immer wieder, mich auf die Sonnenseite des Lebens zu konzentrieren.

    Aber ich habe im Moment auch eine tolle Lebensphase erwischt. Trocken, zwei Jungs, die zur Zeit beide recht entspannt sind (das geht auch anders), einen Mann in meinem Leben, der super zu mir passt (und auch DAS ging bisher immer anders) :)
    Meine Arbeit macht mir Spaß, also alles gut.

    Aber da gab es auch andere Zeiten und da fiel es mir deutlich schwerer, positiv zu denken. Liebeskummer gehörte ständig dazu. Furchtbar.

    Aber auch jetzt, wo alles gut ist, geht’s mal blöd. Nachdem ich gestern so viel über meine Mutter geschrieben habe, wie es damals war, konnte ich den ganzen Tag an nichts anderes mehr denken. Ich musste heulen beim Auto fahren und bin dann abends noch ans Grab in den Ruheforst gefahren. Aber hinterher ging’s besser. Ausgeheult hab ich mir hinterher gesagt, dass ich es trotz allem gerade gut habe. Heute Morgen war ich wieder motiviert. Aber auch da ist es nicht lange her, dass ich es als Aufraffen empfunden habe, etwas zu tun, wie laufen. Ich hab nur Süßkram in mich reingestopft und war genervt von mir selbst.

    Also wie gesagt, etwas Glück, dass ich gerade eine gute Phase habe, weil das Drumherum auch gut läuft, ist auch dabei :)

    Guten Morgen Correns,

    mir ist es auch schon aufgefallen, dass eine schöne Nebenwirkung dieser Zeit ist, dass die Menschen irgendwie offener miteinander umgehen. Das ist zwar in dem Zusammenhang, dass ja ABSTAND das große Zauberwort ist, im Grunde genommen auf den ersten Blick ein Widerspruch in sich "Abstand aber offener", aber es ist so. Durch die Gesten und Worte sind die Menschen mehr miteinander verbunden. Ich erlebe das auch bei mir auf der Arbeit. Ich arbeite ja in einem sehr kleinen Laden, wo man eh noch mehr miteinander redet und es nicht so anonym ist, aber gerade jetzt in der Zeit ist es noch einmal viel mehr, dass nett miteinander umgegangen wird. Da reden sogar die, die sonst nie etwas sagen, ein paar Worte. Und beim Spazieren gehen fällt es mir auch, genau wie Dir, auf. Es sind mehr Leute unterwegs, aber Lächeln ist groß in Mode gekommen :D
    Mir gefällt es.

    Ich selbst habe auch keine Angst. Wenn ich diesen Virus bekomme, lege ich mich 2 Wochen ins Bett und dann geht's mir wieder gut. Davon bin ich ziemlich überzeugt und ich hoffe zumindest, dass es genau so wäre. Aber was ist mit den älteren oder vorerkrankten Menschen? Ich möchte niemanden anstecken. Meine Kinder dürfen draussen auf dem Hof spielen, aber nicht mit ihren Freunden. Da wir aber viele Leute in einem Haushalt sind mit Kindern (wir wohnen mit meinem Schwager unter einem Dach), können meine Kinder sich eigentlich nicht beklagen. Wir haben sozusagen eine große "Kernfamilie" mit einem gemeinsamen Grundstück. Außerdem haben sich die beiden ja auch untereinander. Kurz gesagt: Sie halten sich daran, nicht mit den Nachbarkindern zu spielen und es gelingt ihnen auch ganz gut, weil sie hier zu Hause nicht allein sind. Da haben es die Kinder in den Wohnungen ohne Garten wirklich viel schlimmer und das tut mir manchmal ganz schön leid.

    Ich selbst muss arbeiten, von daher merke ich gar nicht so einen großen Unterschied. Ok, in der letzten Woche hatte ich Urlaub, aber nur eine Woche und da habe ich es genossen, einfach mal nichts zu tun. Ich war sehr viel hier im Forum, sehr viel im Garten und ich war JEDEN Tag laufen :D
    Ich empfinde es inzwischen auch übrigens nicht mehr als "aufraffen". Ich hab mich irgendwie wieder daran gewöhnt. Es gehört dazu. Und es tut mir gut. Man achtet dann auch automatisch mehr auf seine Ernährung, was wiederum auch gut tut.

    Ich hatte 4 Wochen lang komplett auf Süßigkeiten verzichtet. Keine Schokolade, kein Kuchen, keine Chips. Ich kaufe die Dinge immer noch nicht. Aber als ich Ostern etwas geschenkt bekommen habe, hab ich es auch gegessen. Und ab und zu mal in der Sonne ein Eis essen, das gönne ich mir auch. Ich muss jetzt nur aufpassen, dass es nicht wieder so krass wird, wie vor den 4 Wochen, wo ich mir suchtartig alles gekauft und mir reingepflügt habe. Das tat mir nämlich gar nicht gut. Ich werde ja sehen, wie es jetzt weiter geht. Sonst lasse ich es wieder ganz nach. Aber bisher geht es gut, auch im Urlaub.

    Correns nochmal: Ja, es ist mir wichtig, auch hier im offenen Bereich zu schreiben. Denn Du hast Recht, nur so erreichen die Geschichten auch Menschen, die hier noch trinkend lesen und vielleicht am überlegen sind, aufzuhören. Ich selbst habe hier ja auch eine sehr lange Zeit gelesen, während ich noch nicht an dem Punkt angekommen war, wirklich aufzuhören. Aber dieses Forum hat mir EXTREM geholfen, meinen Entschuss auch in die Tat umzusetzen. Ich glaube, jeder hat so seine Geschichte, die einem am meisten im Gedächtnis geblieben ist und irgendwie einen am meisten dazu gebracht hat, sich auseinander zu setzen und schlussendlich aufzuhören. Bei mir war es DEINE Geschichte. Aber das sagte ich Dir ja bereits schon ein Mal (oder auch öfter).

    Neulich habe ich das erste Mal gesagt bekommen, dass es MEINE Geschichte war, die besonders im Kopf geblieben ist und mit dafür gesorgt hat, es anzugehen hier im Forum. Das freut mich dann sehr und dann fühle ich mich auch bestärkt, dass es richtig ist, auch hier im offenen Bereich weiter zu schreiben, obwohl ich auch im geschlossenen Bereich bin.

    Gestern habe ich auch im geschlossenen Bereich viel geschrieben und da bin ich halt ins Detail gegangen, was ich hier nicht machen möchte. Also ich gehe hier ja auch sehr ins Detail, weil es mir auch egal ist, wenn mich jemand wieder erkennt. In meinem Umfeld weiß eh jeder Bescheid. Aber es gibt ja so ein paar Geschichten und Gefühle, die man dann doch nicht unbedingt so ganz offen teilen möchte.

    Aber das Grundsätzliche wird von mir weiterhin auch hier landen. In dem Bereich, wo alle lesen und wenn sich der Ein- oder Andere dadurch besser auf ein trockenes Leben vorbereiten kann, wäre das toll. Das würde mich freuen. Denn wie sagen wir alle immer so schön?

    Es lohnt sich!!!!!

    In diesem Sinne... Correns, ich gehe jetzt Laufen und muss mich nicht aufraffen, denn ich habe Lust dazu... Ob es eine große oder doch nur eine kleine Runde wird, das zeigt sich, wenn ich unterwegs bin :D

    Hallo Carmen,

    der Satz "nie mehr Alkohol trinken zu können" verändert sich im Kopf im Laufe der Zeit, wenn Dein Gehirn mit dem positiven Gefühl des Nüchtern-Seins gefüllt wird.

    Ich halte NULL davon, Wörter im Mund umzudrehen, denn man könnte ja jetzt entgegnen, dass Du Alkohol trinken kannst, es aber ja bewusst nicht willst. Das habe ich hier im Forum schon öfter gelesen und mich hat es immer ein wenig wahnsinnig gemacht. Zum Einem, weil es zwar stimmt, wenn man es genau nimmt, aber zum Anderen weiß man ja genau, wie es gemeint ist. Man KANN halt nichts trinken, ohne nicht wieder an dem Punkt zu gelangen, zu dem man eben nicht hin will. Also kann ich eben streng genommen nicht so, wie man am Anfang gern noch würde.

    Ich schreibe bewusst "am Anfang". Denn ich möchte Dir (und vielleicht da auch anderen) ein wenig Hoffnung machen:

    Zurück zum ersten Satz... Der Satz "nie mehr Alkohol trinken zu können" wird sich, wenn man diese Nüchternheit wirklich richtig LEBT und die positiven Seiten bewusst zulässt, dahingehend verändern, dass man irgendwann GLÜCKLICH ist, nicht mehr trinken zu MÜSSEN. Es wandelt sich von einem Verzicht zu einem GEWINN. Dafür muss aber die Festplatte im Kopf erst einmal neu überspielt werden mit den positiven Dingen des Nüchtern-Seins. Das kann bei Einigen halt länger dauern, als bei Anderen.


    Das sind meine Gedanken dazu. Vielleicht helfen sie dabei, ein wenig Geduld zu haben bzw. sich öfter BEWUSST zu machen, wie positiv es ist, nicht zu trinken.

    Guten Morgen Jessica.

    Genau das ist ja eben das Tückische. Es ging vor 1,5 Jahren mal 2 Monate lang und danach ging es gut... eine Weile. An die Zeit erinnert man sich nach den Trinkpausen immer und immer wieder und handelt dann immer und immer wieder so. Klappt ja danach immer eine Weile ganz gut. Dennoch landet man doch immer wieder am selben Punkt. Wenn man über einen bestimmten Punkt hinaus ist, kann das nämlich einfach nicht mehr funktionieren, dass es dauerhaft ganz gut klappt. Ich glaube, das haben hier wohl so ziemlich alle über eine sehr, sehr lange Zeit versucht. Ich hab mir wirklich von Herzen gewünscht, ganz normal trinken zu können. Ich hab mir so unendlich viele Pläne überlegt. Nur Alster zu trinken. Nur WeinSCHORLE trinken. Nur an den Wochenenden zu trinken. Sogar nur in der Woche trinken, war auch schon dabei. Um an den Wochenenden in der Öffentlichkeit nicht unangenehm aufzufallen. Nur Alster zu trinken, das war übrigens auch ein ganz schlauer Plan von mir. Lasst Euch gesagt sein, auch mit Alster kann man sternhagelvoll werden. Man muss nur genug trinken... Meine Güte, wie dämlich. Aber die Not macht erfinderisch.

    Wie gesagt, viele beginnen ihre Trockenheit NICHT mit dem Plan NIE wieder. Das muss jeder für sich selbst sehen. Bei mir war es so. Ich wusste schon eine SEHR lange Zeit, dass ich Alkoholikerin bin und definitiv aufhören werde, zu trinken. Da für mich aber immer schon ganz realistisch im Kopf war, dass es dann NIE wieder sein wird, brauchte ich sehr lange, bis ich dann wirklich endlich aufhörte. Aber es war vorprogrammiert. Ich war sogar schon hier im Forum immer am lesen und ich habe quasi meinen Ausstieg aus der Sucht in der Theorie perfekt durchdachte. Während ich mir meinen Wein reingezimmert habe, wusste ich, irgendwann wird das vorbei sein und wenn es vorbei ist, dann für immer.

    So ist es zumindest bei mir. Ich habe dann aufgehört mit dem Wissen, das wars für immer und von diesem Gedanken hab ich mich bisher auch nicht in die Irre führen lassen.

    Wie gesagt habe ich aber nun wirklich schon sehr oft gelesen, dass es anders herum auch klappen kann. Dass man aufhört zu trinken und danach die Theorie im Kopf soweit ausgereift wird, dass man sich Schritt für Schritt dem Ziel nähert, abstinent zu bleiben, mit der 24 Stunden Taktik.

    Welche der zwei Varianten man wählt, ist letztendlich egal, solange man trocken bleibt.

    Cadda

    'Guten Morgen,

    vielen Dank, für Deinen Bericht, wie es bei Dir mit dem Rückfall oder Rückfällen abgelaufen ist. Ich finde das sehr wichtig. Es ist zwar erschreckend zu lesen, weil man im ersten Moment denkt "Was? Das kann doch gar nicht sein", aber genau SO hat es mir immer meine Therapeutin erklärt, dass genau DAS eben passieren kann. Dass es unüblich ist, weil es meistens geplant ist, aber sie kannte von ihren Patienten auch Geschichten, die genau so abliefen, wie Deine. Einen Mann hab ich mal in der Gruppe kennengelernt, der dort nach weit über 20 Jahren ankam, weil ihm ein Rückfall so wie von Dir beschrieben passiert ist. Er benutzte übrigens genau das gleiche Wort. Es sei MECHANISCH abgelaufen. Ich finde es wie gesagt wichtig, da diese Art Rückfall ja eher nicht so das ist, was man im Kopf hat, wenn man an einen Rückfall denkt, dass davon berichtet wird.

    Meine Therapeutin meinte immer zu mir, ich solle mir in so einem Fall verinnerlichen, dass ich MEHRERE Chancen habe, einen Rückfall zu verhindern. Sie beschrieb nämlich genau die Situation, wenn die Flasche wie mechanisch im Einkaufswagen landet. Da hat man bereits die erste Möglichkeit STOP zu sagen. Der Rückfall ist noch nicht vollzogen, man kann sie immer noch zurückstellen. Dann ist da die Kasse. Auch da hat man noch die Möglichkeit STOP zu sagen und sie im Laden zu lassen. Auf dem Partkplatz kann man sie noch entsorgen. Die nächste Möglichkeit ist, dass man sie noch aus dem Auto werfen kann (nicht toll, aber geht notfalls auch :D ). Sie meinte immer, selbst wenn die Flasche es bereits in die heiligen Wände nach Hause geschafft hat, kann man immer noch aussteigen. Man kann sie immer noch entsorgen und selbst wenn sie schon offen vor einem steht und das erste Glas vor einem steht, kann man immer noch STOP sagen und sie wegkippen und das Glas ebenfalls. Das erste Glas stehen lassen sozusagen. Bis man dort angekommen ist, ist ein weiter und langer Weg mit vielen Möglichkeiten, auszusteigen. Sie sagte mir öfter, dass wir das unbedingt verinnerlichen sollen. Weil ihr oft gesagt wurde, dass die Flasche im Einkaufskorb gelandet war, weil man kopflos und mechanisch reagierte und dass dann viele hinterher sagten: "Und dann hatte ich sie ja eh und der Rückfall war vorprogrammiert". Sie wollte halt darauf hinaus, dass es immer noch Möglichkeiten gibt, eine Fehlentscheidung vor dem Trinken wieder umzukehren.

    Entschuldige, dass ich Dein Tagebuch nun missbraucht habe, für diese Gedanken meiner Therapeutin, weil es bei Dir ja nun einmal anders abgelaufen ist und zum Rückfall kam. Aber es passte hier gerade ganz gut rein....

    Toll ist jedenfalls, dass Du hier her gefunden hast und wieder aufhören willst. Ich finde es wie gesagt immer erstaunlich, wenn jemand schon so lange trocken war und dann so etwas passiert. Aber es hält einen in der Realität. Danke dafür.

    Cadda

    Ich bin morgens nicht verwahrlost losgezogen und mir war es nicht egal, was die Leute dachten. Losgezogen bin ich trotzdem, wenn ich Wein brauchte. Ich hab mich fertig gemacht, versucht Haltung zu bewahren und habe mir den Wein trotzdem besorgt und getrunken. Und wenn ich besoffen, z.B. auf ner Feier war, hätte ich auch gern Haltung bewahrt, aber das gelang mir aufgrund des Kontrollverlustes nicht immer.

    Wenn ich angefangen hatte zu trinken, dann auch so lange, bis ich betrunken war. Mit einem leichten Glimmer (das Gefühl, was ich mochte) hat es NIE aufgehört. Das ist es, was ich immer beibehalten wollte. Angeduselt sein und dann aufhören, es dabei belassen. Kann ich nicht. Bei mir geht nur ganz oder gar nicht.

    Marianee, vielen Dank für Deinen Gedanken dazu. Die sind für mich SEHR hilfreich. Dieses Beispiel mit Dir oder Deinem Freund, der schon so weit war, dass er nicht mal mehr an Alkohol dachte, zeigen, dass man ein Leben lang auf sich achten sollte. Wie Du selbst schreibst „Achtsamkeit ein Leben lang“. Das empfinde ich auch nicht als Druck oder Belastung. Denn es ist schließlich etwas sehr Gutes und Positives auf sich zu achten.

    Das stimmt, ich bin stolz, dass ich jetzt hier angekommen bin, in meinem Leben. Ich bin sonst immer bescheiden, mache ein Lob von Anderen grundsätzlich klein. Warum, weiß ich gar nicht. Vielleicht, weil ich eine grauenhafte Allgemeinbildung habe, weil ich mich im Suff auf zu viele Männer eingelassen habe und durch diese ganzen widerlichen und peinlichen Aktionen im Suff mein Selbstbewusstsein im Keller war? Oder manchmal noch ist? Ich mache mich oft selbst klein. Das mit dem trocken werden ist das Einzige, wo ich wirklich Stolz zulasse. Weil es daran nichts zu rütteln gibt. Und weil mich sonst die Vergangenheit auch zu sehr belasten würde, wenn ich mir selbst nicht sagen könnte, dass es jetzt etwas Positives hat.

    Ich weiß nicht, warum ich immer so bescheiden bin. Ich werde auf der Arbeit sehr geschätzt und finde trotzdem etwas, wo ich nicht so gut bin. Meine Jungs sind trotz meiner Alkoholvergangenheit so gut gelungen und ich finde trotzdem meine Fehler, die ich in der Erziehung mache. Verrückt ist das. Dabei kann man sich doch auch mal sagen, dass man was gut macht. Das ist ja auch ne Form von Achtsamkeit. Aber ich arbeite schon seit dem ich nüchtern bin daran. Offensichtlich ist es mir schon ein bisschen gelungen, sonst hättest Du ja keinen Stolz rauslesen können :D

    Ich glaub, es gibt Zeiten, da beschäftigt man sich mehr mit dem Thema und mal weniger. In dieser Woche hatte ich Urlaub und war viel hier im Forum. Da denkt man viel nach. In einer bekannten Serie im TV, wird neuerdings das Thema (wie ich finde sehr gut) aufgegriffen, wie eine Frau in die Sucht rutscht. Auch da wieder viele Gedanken dran. Aber ich find es ok. Es werden auch wieder Zeiten kommen, wo man kaum dran denkt. Hatte ich vor meinem Urlaub gerade. Ich nehme das so wie es sich ergibt.

    Danke für Deine Worte. Da kann ich viel draus mitnehmen.

    Jedenfalls habe ich immer nur an den Wochenenden gesoffen in meiner Jugendzeit. Später dann auch mal auf einem Geburtstag in der Woche. Als ich dann geheiratet habe, war es bei uns zu Hause auch so, dass zwar Alkohol im Haus war, aber es musste schon Besuch da sein, um mal in der Woche was zu trinken. Da war es irgendwie im Rahmen, es gehört nicht zum Alltag. Ich hab mir da jedenfalls NIE allein eine Flasche Wein geöffnet. Auf die Idee bin ich gar nicht gekommen, weil es sich irgendwie für mich nicht gehörte. Ich kannte das aus meinem Elternhaus auch nicht, vielleicht deshalb. Der Gedanke kam mir gar nicht irgendwie.

    Meine Eltern waren immer locker und klasse in der Erziehung. Nicht zu locker, wir hatten Grenzen und Regeln, aber sie ließen uns Freiraum. Meine Mutter sprach mich zwar mal an, ob das nicht ein bisschen viel mit der Feierei ist, aber ich habe das verharmlost, weil ja schließlich ALLE feiern. Ich glaub, sie hatte damals den richtigen Riecher, aber sie war vermutlich selbst unsicher, ob es normal ist oder nicht unter uns Jugendlichen. Jedenfalls haben meine Eltern selbst auch ab und zu gefeiert, aber wirklich nur, wenn jemand eine Geburtstagsparty geschmissen hat. Das kam ab und zu mal vor, aber das wars dann auch. Zu Hause wurde ansonsten bei uns kein Alkohol getrunken. So etwas wie ein Feierabendbier gab es nicht. Wenn wir als Familie z. B. Weihnachten mit mehreren zusammen saßen, gab es gar kein Alkohol. Es gab Cola und fertig. Das stand nie im Raum, als wir Kinder waren. Im Grunde genommen fing es erst an, dass uns mal was angeboten wurde, als wir Erwachsen waren, weil meine Eltern wussten, dass die Männer vielleicht gern mal ein Bier trinken würden. Was ja auch völlig in Ordnung war. Ich schweife ab. Ich wollte eigentlich nur erklären, dass es für mich normal war, mal auf einer Party zu trinken, aber eben nicht normal, im Alltag Alkohol auf dem Tisch stehen zu haben. Meine Eltern haben mir glasklar vorgemacht, dass Alkohol nicht in den Alltag gehört. Deshalb bin ich wie gesagt auch zunächst nie auf die Idee gekommen, mir zu Hause ne Pulle aufzumachen, obwohl keine Partyzeit ist.

    Irgendwann hatte ich mich von meinem Mann getrennt und war spöter in einer neuen Beziehung. Bei ihm gehörte das Feierabendbier dazu, Alkohol gab es also auch zu Hause im Alltag. Bei ihm gab es keinen Kontrollverlust, aber bei mir. Er kannte seine Grenzen, ich nicht. Aber für mich war das praktisch. Er trank auch im Alltag sein Bier und ich konnte mich schön gemütlich dazu setzen und Wein trinken. Da wurde für mich eine neue Tür geöffnet. Irgendwann war es dann praktisch, dass ich Wein zum kochen brauchte. Merkwürdigerweise gab es ständig irgendein Gericht, wo man Wein für brauchte. Wenn mein Partner dann von der Arbeit kam, konnte ich sagen, dass ich Wein brauchte und bei der Gelegenheit konnte ich ja schon mal ein Gläschen trinken. Und so ging es weiter. Irgendwann war das so in den Alltag übergegangen, dass ich nicht mal mehr mir selbst vorgemacht habe, dass ich den zum Kochen brauche, sondern ich hab mir einfach Nachmittags in der Sonne schon mal eine Weißweinschorle gegönnt. Meinem Partner war das irgendwann zu viel.
    Tja, ich hab es natürlich immer verharmlost. Ich hab aber immer dafür gesorgt, dass ich genug Wein hatte. Ein Schicksalsschlag in der Familie hat mich ebenfalls dazu veranlasst, zu trinken, um wieder gut drauf zu sein.

    Die Beziehung in der ich war, ging irgendwann in die Brüche. Streitereien wegen anderer Dinge. Aber auch diese Streitereien arteten unter Alkoholeinfluss natürlich mehr aus. Lange nicht so, wie in meiner Ehe, aber man haut schon mal Dinge raus, die man nüchtern nicht sagen würde. Jedenfalls haben wir uns getrennt, ich zog mit den Kindern in meine eigene Wohnung. Wir haben uns im Guten getrennt und verstehen uns noch heute.

    Nun ja da war ich wie gesagt schon Alkoholikerin und dann kam ich mit meinem letzten Ex-Partner zusammen. Das war dann endgültig mein Untergang. Versteht mich nicht falsch, ich wäre eh am Tiefpunkt gelandet. Ich war wie gesagt schon abhängig. Aber nun war ich mit einem Mann zusammen, der selbst definitiv Alkoholiker war (und ist) und da ging es richtig zur Sache. Es wurde ständig gesoffen. Da habe ich es auch kennen gelernt, dass wir Samstags-Abends betrunken eingepennt sind und es einem Sonntag-Morgen so schlecht ging, dass man erstmal ein Bier drauf kippt. Dass es bei dem Bier natürlich nicht blieb, sondern der Sonntag mit Saufen verbracht wurde, versteht sich von selbst. Das war die schlimmste Zeit mit dem Alkohol überhaupt. Heute kann ich die Erinnerungen für mich nutzen, indem sie mich davon abhalten, jemals wieder ein Glas Alkohol zu trinken.

    Tja, das waren meine Gedanken, ausgelöst durch den anderen Thread von Jessica. Die an einem Punkt ist, an dem ich mir im Nachhinein wünsche, dass ich doch bloß da schon gehandelt hätte. Hab ich aber nicht, wie gesagt. Ich kann es nicht mehr ändern. Es gehört leider zu meinem Leben dazu.

    Dafür genieße ich das Leben jetzt umso mehr. Ich bin stolz, dass ich jetzt endlich die gute Mutter sein kann, die ich im Herzen eigentlich schon immer war. Ich freue mich über jeden Tag, an dem ich morgens nüchtern wach werde. Gerade neulich habe ich beim Spazieren gehen gedacht:

    "Seit meiner Kindheit ist das die schönste Zeit meines Lebens" und das ist auch so!


    In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen nüchternen, sonnigen Tag :)


    Cadda

    Guten Morgen.

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut das Forum einem hilft, sich immer wieder selbst zu erinnern und sortieren. Manchmal öffne ich diese Seite und lese einfach nur und manchmal möchte ich nur jemand Anderem etwas schreiben, so wie eben in dem Thread "Unsicher" von Jessica und schon ist man gedanklich automatisch wieder in der eigenen Geschichte. Als ich Jessica eben was geschrieben habe, nämlich, dass es mein Untergang war, als ich anfing, zu Hause im Alltag meinen Wein zu trinken, da musste ich nochmal eine Zeit nachdenken. War das wirklich erst mein Untergang oder war es schon viel früher? Ich war schon vorher süchtig, das weiß ich. Aber als der Alkohol im Alltag eine Rolle spielte, da war eine weitere Grenze überschritten und deshalb ging es mit der Abwärtsspirale nochmal deutlich weiter nach unten. Es war ein besonderer Schritt für mich, auf einmal Wein zu Hause zu haben und ungehemmt jederzeit da auch allein bei zu gehen und mir ne Flasche zu öffnen. Haben ja viele so gemacht. Warum nicht auch ich? Zum Entspannen, beim Kochen und so weiter. Aber DAS war im Grunde genommen ein Verhalten, was ich nicht kannte von zu Hause aus meinem Elternhaus. Deshalb hat es auch lange gedauert, bis das bei mir soweit war.

    Ich weiß, dass ich mich wiederhole, ich hab es hier schon mal beschrieben, aber ich greife es trotzdem nochmal auf. Das erste Mal betrunken war ich mit 14. Ich war bei Freunden und ich war direkt hackevoll. Kontrollverlust beim ersten Mal. Der Beweis, dass ich noch nie mit Alkohol umgehen konnte. Ich hab nicht oft was getrunken am Anfang, aber als ich nachher los durfte, in die Dorfdisse und zu Privatpartys im Jugendalter gab es im Grunde genommen keine Party?, an der ich nichts getrunken habe. Es ist nicht jedes Mal ausgeartet, weil ich in einem bestimmten Alter ja noch ne Uhrzeit mitbekommen habe, aber spätestens, nachdem ich solange weg bleiben durfte, wie ich wollte, war die Party erst zu Ende, wenn ich voll war. Ich bin auch nie Fahrerin gewesen. Damit ich bloß trinken kann. Wenn ich Montags an die peinlichen Geschichten dachte, hab ich immer gesagt "ich trink nächstes Wochenende nichts, ich fahre". Darüber wurde sich nachher schon lustig gemacht, weil ich sowieso Freitags entschieden hatte, dass ich doch nicht fahren werde. Da war ich doch im Grunde genommen schon drin in der Abhängigkeit. Ich konnte das, was ich mir selbst vorgenommen habe, nicht einhalten. Absolut nicht.

    So lebte ich von Party zu Party. Ich habe nie in der Woche zu Hause getrunken. Deshalb freute ich mich schon Montags auf Freitag bzw. Samstag-Abend. Wenn irgendwo ne Scheunenfete war, haben wir schon die Flyer ins Auto gehängt und wenn ich in der Woche mit dem Auto unterwegs war bekam ich immer ein gutes und euphorischers Gefühl, wenn ich durch den Flyer erinnert wurde "Samstag ist Party". Vergleichbar ist das mit dem Gefühl, was ich später hatte, wenn ich mir zu Hause meinen Wein geöffnet habe. Nein, nicht vergleichbar. Es war absolut gleich merke ich gerade. Dieses "Ja, jetzt trinke ich was" hatte solche Glücksgefühle ausgelöst. Viele werden es kennen, wenn nicht sogar alle. Beim Schreiben bekommt man direkt Lust drauf und wenn ich dann aber meine Methode anwende und den Gedanken zu Ende denke.....wie geht es nach dem ersten und zweiten Glas weiter. Wie sieht es nach der ersten Flasche aus?? Bereits DAS reicht mir, um die Lust auf das Trinken wieder zu verwerfen, denn bereits nach der ersten Flasche konnte man mich in die Tonne hauen. Wenn mir diese Gedanken nicht reichen, denke ich nochmal daran, wie es am nächsten Morgen ist, wenn ich mit einem Kater wach werde und mich definitiv nicht mehr daran erinnern kann, wie ich ins Bett gekommen bin und dann bin ich ein für alle Mal bedient mit der Lust auf ein Glas Wein. Gern kann ich mir als Krönung noch vorstellen, dass ich morgens im Bett liege, ich mich schäme, wenn ich meine whats app Nachrichten ansehe und wie meine Kinder reinkommen und sagen "Mama, Du warst ja gestern schon wieder so durcheinander" und wie ich mich dann frage, ob ich die Kinder eigentlich ins Bett gebracht habe oder mein Partner oder ob sie vielleicht sogar selbst gegangen sind. Heulen könnte ich gerade, wenn ich daran denke!!!! Laut los heulen, ganz ehrlich. So etwas sollten Kleinkinder niemals erleben müssen.


    Es ist ganz komisch gerade. Ich habe gerade das beste Beispiel live im Absatz davor durchlebt, wie es mir geht, wenn ich Lust auf etwas zu Trinken bekomme. Als ich anfing von der Partyzeit zu schreiben bekam ich beim Schreiben WIRKLICH Lust auf das Gefühl, was ich selbst beschrieben habe. Dieses euphorische Glücksgefühl. Ich hab dann genau das weiter geschrieben, was ich dachte. Zu Ende dachte. Meine Methode. Ihr ward quasi live dabei :D Und könnt ihr Euch vorstellen, wie die Lust auf ein Glas Wein am Ende meines Absatzes komplett weg war?? Es ist so. Ich bin jetzt, keine 3 Minuten später angewidert bei dem Gedanken an Alkohol....

    So nun bin ich abgewichen von dem, was ich eigentlivch schreiben wollte. Ich schicke auch einmal kurz ab, weil ich Angst habe, dass mein Laptop meinen Text wieder einmal verschluckt....

    Guten Morgen Jessica,

    ich denk nun schon ne Weile nach über Deine Geschichte. Als ich an dem Zeitpunkt war, wie Du jetzt, hab ich alles als noch „nicht schlimm“ empfunden und weiter gemacht. Wo es geendet hat, hätte es nie enden dürfen. Aber im Nachhinein betrachtet, war es an dem Zeitpunkt, an dem Du jetzt stehst, bereits vorprogrammiert.

    Ob das nun bei Dir so ist, das weiß ich natürlich nicht, aber ich bin ganz ehrlich... allein die Tatsache, dass Du Dich hier angemeldet hast und dass es Dir schwer fällt, auf Alkohol zu verzichten, sagt ja eigentlich alles aus. Ich halte normalerweise nichts von Ferndiagnosen und Einschätzungen, aber bei Dir kreist mir immer wieder im Kopf, dass Du vermutlich am Anfang einer psychischen Abhängigkeit stehst und bis einen die voll im Griff hat, geht’s schnell. Eine körperliche Abhängigkeit ist dann ebenfalls schnell erreicht.
    Aber diese Gedanken, dass man trinken möchte, um zu entspannen, um gut drauf zu sein oder was auch immer... die sind halt gefährlich im Alltag.

    Das was Carmen da gesagt hat, stimmt. Einem nicht süchtigen Menschen ist Alkohol völlig egal.

    Leider gibt es davon in der heutigen Zeit nur noch so wenige Menschen, dass einem die eigene Abhängigkeit zu spät bewusst wird. Alle Anderen trinken ja auch und das geht schon im Jugendalter los. Bei vielen normalisiert sich das Trinkverhalten, wenn die Partyzeit zu Ende ist und manche kommen nicht wieder raus, so war es bei mir.

    Für mich ist es akut, wenn der Alkohol zum Alltag gehört. Als ich anfing, mir zu Hause -außerhalb einer Party oder einem Treffen mit Freunden- meinen Wein zu genehmigen, war das mein Untergang.

    Es ist gut, dass Du hier bist. Sein stolz und dankbar, dass Du bereits zu diesem Zeitpunkt Dich selbst reflektierst und handelst. Dir kann dadurch eine ganz widerliche Zeit erspart bleiben, durch die Du Dir in ein paar Jahren wünschen würdest, Du hättest früher gehandelt. Nämlich an dem Zeitpunkt an dem Du jetzt bist. Glaub mir...!

    Ganz liebe Grüße
    Cadda

    Hallo,

    es geht mir wirklich gut. Ich weiß, dass diese Corona-Geschichte für viele Menschen gesundheitlich oder finanziell eine Katastrophe ist. Aber was das Private angeht, muss ich sagen, dass ich gerade so richtig zur Ruhe komme. Zumindest dahingehend empfinde ich etwas Positives.

    Der Druck ist raus. Und das, obwohl ich weiterhin arbeite und dort mehr Stress ist, als zu normalen Zeiten. Aber alles Andere ist soooo entspannt.

    Jedenfalls genieße ich, zumindest auf der Ebene, diese Zeit der Ruhe. Meine Kinder streiten sich kaum, obwohl sie 24 Stunden am Tag zusammen sind und nicht mal durch die Schule ihr eigenes Ding machen. Wobei sie ja selbst da nur eine Klasse auseinander sind und auf dieselbe Schule gehen. Ich dachte, die werden verrückt ohne Fußball und ihre Kumpels, aber es geht erstaunlich gut!! Hätte ich NIE gedacht.

    Nun möchte ich natürlich betonen, dass der Grund für dieses „Herunterfahren“ natürlich schlimm ist. Dennoch empfinde ich diese Nebenwirkungen nun einmal als angenehm und ich werde vieles daraus mitnehmen.

    Zusätzlich hab ich diese Woche noch Urlaub plus schönes Wetter :D

    Hallo Dhyana,

    schön, dass Du noch dabei bist und für Dich eine gute Methode gefunden hast. Meld Dich doch von nun an öfter mal. Ich lese gern, wie es Euch allen so ergeht.

    Die Dinge, die Du und Carl-Friedrich geschrieben habt, hab ich bei mir im Tagebuch nochmal aufgegriffen. Ich hatte mich zuerst hier bei Dir um Kopf und Kragen geschrieben, aber ich hab es mal zu mir verschoben, weil ich Dein Tagebuch nicht für meine ganzen Gedanken missbrauchen wollte :D

    Ich wünsch Dir einen richtig tollen Tag und schöne Ostern :)

    Hallo zusammen.

    Ich habe gerade ein paar Worte von Dhayana und Carl-Friedrich gelesen, die mich zum Nachdenken gebracht haben.

    Ich lese hier im Forum öfter den Satz, dass jeder seinen Weg individuell gehen muss/kann. Dann kommt meistens direkt ganz viel Gegenwind, dass das Quatsch ist, das Rad nicht neu erfunden werden muss oder alle im selben Boot sitzen und man durch die Grundbausteine am ehesten trocken wird. Ich glaub, das bezweifelt wohl auch keiner, auch wenn manche alles, manche mehr oder manche etwas weniger davon befolgen.

    Was aber dennoch individuell sein kann, sind halt die Gedankenwelt, die einen trocken werden oder bleiben lässt. Da gibt es in der Tat mehrere, individuelle Wege. Das zeigt nämlich ganz perfekt das Beispiel, was Dhayana oder auch Carl-Friedrich aktuell in Dhayanas Tagebuch beschreiben.
    Ich hab hier im Forum nämlich nun schon sehr oft gelesen, dass es leichter fällt, in 24 Stunden-Schritten zu denken. Die 1-Tages-Strategie fahren hier wirklich viele und das finde ich auch völlig gut so, wenn es hilft.

    Ich persönlich würde mit diesem Gedanken aber zum Beispiel gar nicht gut zurecht kommen. Ich möchte für mich einen „Plan für immer“, mir direkt vollständig vor Augen führen, dass ich nie wieder Alkohol trinken möchte. Was für Einige offensichtlich als riesiges Ziel oder großer Berg wahrgenommen wird, der lieber im 24-Stunden Takt angegangen werden möchte, ist für Andere (wie mich zum Beispiel) eine beruhigende Vorstellung zu wissen, dass das Buch direkt zu Ende geschrieben ist und geschlossen werden kann. Nie wieder Alkohol. Punkt.

    Ich denke, das ist ein gutes Beispiel dafür, was gemeint ist, wenn man mal von einem individuellen Weg spricht.
    Das ging mir gerade so durch den Kopf und ich wollte es einfach mal aufschreiben :)

    Ansonsten gehe ich gleich bei schönstem Wetter eine Runde laufen. Danach werde ich ein paar Ostersachen verstecken (auch Teenager-Söhne dürfen/müssen) noch suchen :D

    Ich wünsche allen wunderschöne Ostertage. Ich werde die freien Tage genießen und da ich nächste Woche Urlaub habe, wird mir das doppelt so gut gelingen :D

    Hallo Konny,


    das hast Du gut gemacht. Bitte bleib dabei. Liebeskummer ist so wahnsinnig schlimm, glaub mir, es ging mir wie Carmen. Ich dachte, das wird niemals besser. Wird es aber!

    Wenn ich heute daran zurück denke, wünschte ich, ich wäre früher gegangen...

    Ich sehe es übrigens auch so, wie Carmen. Die Dinge, die Du mit den anderen Frauen usw beschreibst, sind charakterabhängig. Nicht jeder Alkoholiker wird zum schlechten Menschen. Vielleicht ist die Hemmschwelle geringer, aber die Grundeigenschaften sind entweder da oder nicht. Mein trinkender Ex Partner hätte mich nie angelogen oder betrogen. Die Hölle war es mit ihm trotzdem, weil er mir gegenüber sehr hässlich wurde, zwar nur im Suff, aber das war ja ständig der Fall. Den „lieben, nüchternen Menschen“ konnte ich irgendwann nicht mehr als echt empfinden.

    Ich bin übrigens selbst Alkoholikerin und war trotzdem Co.Abhängig. Ich hab vor 2,5 Jahren aufgehört zu trinken. Er wollte zeitweise mitziehen, hat es aber nicht getan. Er säuft heute noch. Ich hing nach der Trennung noch sehr lange an ihm, wollte am liebsten zu ihm. Immer wenn er sich gemeldet hat, hatte ich Herzrasen. Mal wurde ich beschimpft, mal die liebsten Worte überhaupt. Es ging mir immer schlecht, wenn ich von ihm gehört habe. Inzwischen ist er mir so egal, wie nur irgendwas. Ich kann gar nicht beschreiben, was ich fühle. Gerade gestern kam irgendwas neutrales, lustiges auf meinen Status bei WhatsApp und ich hab gerade mit jemand anderes geschrieben und es nur in der Voransicht wahrgenommen, ohne direkt zu öffnen.

    Irgendwann später am Tag dachte ich „ach ja, da kam ja irgendwas. Guck doch mal nach, hast Du ja noch gar nicht geöffnet...“ und dann hab ich mich gefreut, weil es mir WIRKLICH so völlig Wurst war, dass ich gar nicht mehr dran gedacht hatte. Ein tolles Gefühl :D

    Hallo Carmen,

    ich bin diesbezüglich nicht betroffen, aber ich finde den Ansatz von Linde großartig. Dass man auch einen Kontakt einstellen kann, ohne dieses vorher anzukündigen. So ist der Schritt nicht ganz so schwer, weil er zunächst nicht einen so offiziellen Charakter hat. Der Schritt wird quasi leise gegangen.

    Ich finde es für Dich extrem wichtig, diesen Abstand zu bekommen. Du musst Dich selbst schützen. Schließlich hast Du viel vor mit Dir selbst! Du möchtest trocken bleiben und glücklicher werden. Das geht nur, wenn Du für Dich sorgst.

    Ganz liebe Grüße

    Hallo Carmen,

    ich finde das, was Carl-Friedrich schreibt, sehr gut! Selbst wenn Du zu Hause bist, kannst Du einen Tagesablauf und Struktur festlegen. Keine Ahnung, ich arbeite, aber wenn ich Urlaub habe oder Wochenende, würde ich versuchen, mit nen Plan aufzustellen.

    Morgens in Ruhe Kaffee trinken und dann erstmal RAUS, joggen oder spazieren gehen. Dann auf jeden Fall noch ne Sache im Haushalt und Mittag machen. Nach dem Essen würde ich Mittagspause machen und lesen und für Nachmittags würde ich mir noch eine zweite Runde spazieren gehen oder Fahrrad fahren vornehmen. Dieses zwei Mal am Tag raus müssen, ist ne Beschäftigung und tut der Seele außerdem gut.

    Hast Du eigentlich im geschützten Bereich schon ein „Tagebuch“ eröffnet? Ich habe nichts gefunden, nur Deine Vorstellung bei „wer bin ich“.