Guten Morgen Meks,
ich wollte schon nach Dir fragen, weil es hier so ruhig war und schwups bist Du da und das auch noch mit einem sehr interessanten Beitrag!
Ich empfinde es genau so. Alkohol ist überall. Ich nehme das sogar nach über 6 Jahren manchmal noch wahr. Manchmal übersehe ich es auch. Genau so wie ich manchmal an der Kasse wahrnehme, dass jemand extrem viel Waschmittel auf dem Kassenband liegen hat und ich mich frage, wie viele Menschen wohl in seinem Haushalt leben, wenn er so viel Wäsche waschen muss.
Was ich damit sagen will: Der Blick geht dort hin, weil ich ein Mensch bin, der eben meine Umwelt viel wahrnimmt. Ich schreibe das, weil ich hier mal gelesen habe, dass ich, solange ich den Alkohol sehe und mir darüber Gedanken mache - mein Augenmerk noch bewusst darauf gerichtet hat. Am Anfang war das auch so. Da habe ich wie Du wirklich vermehrt darauf geachtet und deshalb ist mir auch alles aufgefallen.
Aber das ist weniger geworden. Manchmal nehme ich das nicht wahr und kann Dir wirklich nicht sagen, ob in einem Restaurant um mich herum jemand Alkohol hatte. Manchmal hab ich es auch heute noch, dass es mir einfällt und ich dann darauf achte und auch feststelle, dass es einfach überall ist.
Es ist erschreckend, dass selbst in einem Bekleidungsgeschäft der Stoff steht. Also nicht der Stoff der Kleidung, sondern eben das Gesöff 
Und wenn ich lese (und ich lese das hier bei Dir nicht zum ersten Mal), dass jemand in die Sauna geht um zu saufen, dann frage ich mich wirklich, was mit der Menschheit los ist. Ich gehe doch in die Sauna, weil ich meinem Körper Gutes tun will. Für mich ist das irgendwie ein Widerspruch in sich. Das ist, als wenn ich mir nach dem Joggen kein Wasser/Eiweißshake gönne, sondern ein Bier. Wie bescheuert ist das eigentlich? In der Sauna einen zu saufen. Das muss man sich wirklich mal durch den Kopf gehen lassen.
Zu Deiner Frage:
Ich denke, dass auf einer Feier eben noch die Stimmung hinzukommt. In einem Restaurant oder im Bekleidungskaufhaus, da steht das Zeug und wird vielleicht sogar getrunken. Auf einer Feier bin ich aber umgeben von trinkenden Leuten, die eine gewisse Euphorie dazu ausstrahlen. Die schwappt manchmal über. Also ich hab das tatsächlich erlebt, dass ich gerade am Anfang mal auf einer Party war (gefährlich, ich weiß), wo die Leute in total heiterer Stimmung waren und das ist so auf mich übergesprungen, dass ich das Gefühl hatte, ich hätte selbst was mit getrunken. War natürlich nicht der Fall. In dem Moment fühlte sich das sogar ganz gut an, weil ich natürlich stolz war, dass ich trotzdem keinen Dran hatte, mit zu trinken. Aber das kann nachwirken und einige Tage nach so einem Erlebnis umschlagen.
Ich kann Dir jetzt nur sagen, wie es bei MIR war, was aber nicht bedeuten soll, dass es bei DIR genau so ist. Ich habe mich im Nachhinein in keiner Gefahr gesehen, wenn ich mit meinen Freunden mitgegangen bin. Das lag aber auch daran, dass wirklich alle wussten, dass ich Alkoholikerin bin und aufgehört habe zu trinken. Ich habe es jedem gesagt mit dem ich zu tun hatte. Dadurch war ich schon irgendwie zusätzlich geschützt, denn wer würde schon vor seinen Leuten unter Beobachtung einen Rückfall bauen? Wobei auch das vielleicht vorkommt. Ich fühlte mich sicher, weil ich auch so sicher in meinem Kopf war, dass ich nicht mehr trinken werde.
Doch ich habe auch von Fällen gelesen oder gehört, die genau das gleiche sichere Gefühl hatten, auf einer Party waren und schwups war der Suchtdruck da. Deshalb raten wir ja auch davon ab, in der ersten Zeit an solchen Veranstaltungen teilzunehmen und dabei bleibe auch ich, weil ich natürlich nicht möchte, dass jemand denkt "Ach, bei der hat es gut geklappt, das mache ich auch mal so".
Wann und wie letztendlich der richtige Zeitpunkt ist und was die richtige Veranstaltung ist, muss denke ich jeder für sich selbst entscheiden. Wichtig finde ich, sich im Vorwege genau zu überlegen, wo ich da hingehe und was es mit mir machen könnte. Sich nicht zu sicher sein. Sich nicht überschätzen. Das sind meine Gedanken dazu.
LG Cadda