Hallo Steffi,
Du kannst einfach hier in Deinem Tagebuch bleiben und berichten, wovon Du möchtest. Achte allerdings ein bisschen drauf, dass Du keine realen Namen nennst oder so, hier können ja auch viele mitlesen, aber das weißt Du sicherlich. Es ist jedenfalls übersichtlicher, wenn man alles in einem Thread lässt. Natürlich kannst Du auch bei anderen Leuten schreiben, jederzeit... dafür ist das Forum ja da. Aber wenn Du etwas loswerden möchtest, was Dich betrifft, dann bleib am besten hier und öffne keinen neuen Thread, sonst kommt es so durcheinander.
Ich kann Deine Wut und Verzweiflung so sehr verstehen. Das ist alles wirklich nicht schön abgelaufen. Zum Einen der Termin beim Arzt (ich begreife das auch nicht, was Du da geschrieben hast), dann das späte Reagieren, von dem seine Lebensgefährtin berichtet hat (ich hätte ihn übergangen und den RTW gerufen). Aber das sind alles Dinge, die Du nun nicht mehr ändern kannst. Das ist schwer, aber es geht nicht.
Ich möchte versuchen, das zu beantworten. Man entscheidet sich nicht bewusst gegen das Eine und für das Andere. Das macht die Sucht. Die Sucht lässt einen Trinken, so wie die Sucht einen Menschen rauchen lässt beispielsweise. Jeder Mensch, aber auch wirklich JEDER... weiß, dass Rauchen schädlich ist. Warum entscheidet sich nicht JEDER Raucher gegen ein Leben mit dem Rauchen und FÜR die Gesundheit? Weil die Sucht einen daran hindert.
So ist es auch beim Saufen. Wie oft habe ich mir gesagt, dass ich das alles nicht mehr will, Weil es alles kaputt macht. Immer wieder redet das Suchtgedächtnis einem ein, dass es das eine Mal doch noch geht. Dass es diesmal bei wenigen Gläsern bleibt. Wenn man psychisch abhängig ist, kann man nicht mehr bewusst mitentscheiden und wenn dann noch die körperliche Abhängigkeit hinzukommt, dann sowieso nicht mehr. Dann musst man trinken, damit man nicht zusammenbricht. Der Gang, sich dann Hilfe zu holen und entscheiden, mit dem Trinken aufzuhören... das wiederum lässt eben die psychische Abhängigkeit nicht zu oftmals. Manche schaffen den Absprung, wenn sie unten angekommen sind, manche aber auch nicht.
Steffi, ich habe eine wundervolle Familie um mich herum gehabt, tolle Freunde und ganz tolle - damals noch kleine - Kinder. Glaubst Du, ich habe da gesessen und mich für ein Leben mit Alkohol und mit der Sucht entschieden und gegen ein Leben mit Zufriedenheit und für meine Kinder? Nein... Ich liebe meine Kinder über alles und ich habe trotzdem getrunken. Das Eine schließt das Andere nicht aus. Es ist ist die Sucht, die das entscheidet. Das hört sich ganz banal an, aber so ist es auch.
LG Cadda