Guten Morgen Ronin,
ich glaube, dass man gar nicht so genau beurteilen kann, ob das einfach nur eine Phase Deiner Tochter ist oder ob sie bereits falsch abgebogen ist. Meine Kinder sind auch noch nicht in einem Alter, wo ich mit mit so etwas auseinander setzen muss. Wobei... das sind sie zum Teil schon, sie sind jetzt 13 und 15 und viele Kumpels und Klassenkameraden saufen in dem Alter schon was das Zeug hält, aber meine Beiden haben daran zum Glück noch kein Interesse. Das mag an der Vorgeschichte liegen, dass ich viel mit ihnen über das Thema rede bzw. sie damals auch viel mitbekommen haben, denn ich bin trockene Alkoholikerin.
Ich bin jetzt 43, kann mich aber noch ganz genau daran erinnern, als ich in dem Alter Deiner Tochter war, dass es bei mir exakt genau so ablief. Ich habe auch eine Party nach der Anderen mitgenommen und konnte auch ganz hervorragend bereits am nächsten Tag Mittags dort weitermachen, wo ich am Abend zuvor aufgehört habe, wenn ich denn mit den "richtigen" Leuten unterwegs war. Ich weiß, dass meine Mutter sich irgendwann einmal solche großen Sorgen gemacht hat, dass sie mich angesprochen hat, ob das nicht zu viel Alkohol wäre, ihr wäre aufgefallen, dass ich wirklich ständig feiern würde. Ich habe das total abgebügelt und damals hab ich das glaub ich auch noch wirklich so empfunden, dass es normal wäre. Ich wusste, dass es viel und oft ist, aber ich hab ja um mich herum Leute gehabt, die genau so viel und oft, sogar noch mehr und öfter gefeiert haben. Also hab ich mich rausgeredet und vermutlich hat meine Mutter dann zunächst auch gedacht, dass es dann wohl so ist. Genau weiß ich das nicht, denn es war dann die nächsten Jahre nicht mehr so sehr Thema, was dann aber wohl auch daran lag, dass ich irgendwann meine eigene Wohnung hatte und sie es gar nicht mehr so mitbekommen haben, wie viel und oft es dann wirklich geblieben ist.
Ich kann nur von mir reden, aber ich bin definitiv abgerutscht. Erst habe ich von einer Feier zur nächsten Feier gelebt und irgendwann später kam der Alkohol in meinen Alltag hinzu. Da wurde dann mal hier und da eine Flasche Wein zum Kochen benötigt und irgendwann abends zum Entspannen zu Hause. Die restlichen Jahre, bevor ich vor 4 Jahren aufhörte, waren gruselig, ich habe wirklich gesoffen, so richtig gesoffen... anders kann man das nicht nennen. Im Nachhinein betrachtet fing es schon damals an. Bei mir jedenfalls.
Aber meine beste Freundin z. B., die hat damals genau so mitgemacht und ist heute nicht Alkoholikerin. Bei ihr wurde es dann - wie bei vielen anderen Leuten eben auch - mit der Zeit ruhiger und es ist bei den Partys geblieben, der Einzug des Alkohols in den Alltag hat nicht so stattgefunden wie bei mir. ABER ich habe eben auch Leute um mich herum von früher, die ebenfalls Alkoholiker wurden und heute noch trinken. NIcht jeder würde sie als Alkoholiker bezeichnen, weil sie immer noch in Gesellschaft trinken und von saufenden Leuten umgeben sind, aber wenn man sich mit dem Thema befasst, dann erkennt man es...
Wie es letztendlich bei Deiner Tochter weitergeht, kann ich Dir natürlich nicht sagen. Aber ich fände es richtig, wenn Du Deine Bedenken äußerst. Du siehst ja, dass es hängenbleiben kann. Wie gesagt bin ich jetzt 43 und ich kann mich noch genau daran erinnern, dass meine Mutter mich in der Jugend ins Gespräch nahm. Geholfen hat es (zumindest in dem Moment) trotzdem nicht, aber vielleicht im Nachhinein betrachtet auch doch, weil ich mich dann eben auch immer wieder daran erinnert habe, als ich mich selbst hinterfragt habe. Deshalb würde ich an Deiner Stelle meine Bedenken auch äußern.
LG Cadda