Hallo Andi,
Du steckst da wirklich in einer schwierigen Lage und das tut mir total leid. Dass Du einen inneren Abstand zu Deinem Vater aufgebaut hast und dass vielleicht sogar irgendwann darauf hinausläuft, dass Du nicht nur innerlich einen Abstand zu ihm aufbaust, das kann ich total nachvollziehen.
Das Traurige an der Alkoholsucht ist eben, dass Du ihn vermutlich nicht dazu bewegen können wirst, sich Hilfe zu holen, wenn er gar nicht aufhören möchte zu trinken. Hast Du schon einmal mit ihm ganz offen gesprochen? Wenn er vielleicht ins Geheim schon selbst kurz vor seinem Tiefpunkt ist und so nicht mehr weiterleben möchte, dann könnte das vielleicht ein Auslöser sein, etwas zu ändern. Ich gehe aber mal davon aus, dass Du bzw. Deine Mutter das schon längst getan haben. Wenn Dein Vater trotzdem nicht aufhört mit dem Trinken, dann werdet ihr auch nicht helfen können. Er muss das allein wollen.
Ich kann mir so gut vorstellen, wie es Dir geht. Ich selbst bin trockene Alkoholikerin und habe mit Jemanden zusammengelebt, der auch abhängig ist. Er hatte drei Söhne, einer davon war genau in Deinem Alter und ich weiß, wie sehr er gelitten hat und immer noch leidet. Er hat seinen Vater so geliebt, weil er nüchtern wirklich immer ein wunderbarer Mensch war, der immer alles für seine Kinder getan hat. Aber wenn er betrunken war, dann war er genau so, wie Du Deinen Vater beschreibst. Seine Kinder haben sich tatsächlich immer mehr von ihm abgewendet, so weh es ihnen auch tat. Einfach, um ihre eigenen Gefühle zu schützen. Der Jüngste ist zu seiner Mutter gezogen, der Mittlere (der in Deinem Alter war) hat sich Hilfe geholt und Zuschüsse für eine eigene Wohnung bekommen. Nur der Älteste lebt noch in dem Haus, dort aber in einer abgetrennten Wohnung. Sie waren wirklich Jahre lang verzweifelt, sind zu dem Arzt des Vaters gefahren, waren bei der Suchtberatung, haben etliche Gespräche mit ihm geführt, in denen er weinend einsichtig war. Geholfen hat es nichts. Inzwischen haben sie es für sich akzeptiert und eben Abstand gesucht. Sie haben keinen Streit. Aber sie haben leider auch nicht mehr viel miteinander zu tun.
Diese Geschichte hilft Dir persönlich jetzt natürlich nicht weiter. Aber ich möchte, dass Du weißt, dass es ganz, ganz vielen so geht wie Dir. Leider! Weil es so wahnsinnig viele Alkoholabhängige gibt und das zerstört Familien. Ich kann Dir nur den Rat geben, Dir für DICH Hilfe zu suchen. Das hast Du ja schon getan, indem Du Dich hier angemeldet hast und das war wirklich eine gute Idee von Dir.
Wenn Du Dich gern hier regelmäßig austauschen möchtest, dann könnten wir Dich für den offenen Bereich freischalten. Du müsstest dann einmal kurz eine Bewerbung abschicken. Du kannst es Dir ja überlegen, aber wir sind hier auf jeden Fall für Dich da, wenn Du Fragen hast oder wenn Du einfach mal etwas loswerden möchtest.
LG Cadda
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