Hallo Mea Culpa und auch Hanseat,
haben (oder hatten) wir ihn alle? Diesen Spiegeltrinker-Kumpel? 

Ich kann Euch sagen, dass ich mit sehr vielen saufenden Menschen "befreundet" war. Ich bin - als ich aufhörte zu trinken - auch nicht mit dem Zeigefinger losgelaufen und habe sortiert, nach dem Motto "Du bleibst, Du musst gehen". Ich habe beobachtet. Die Anderen und mich selbst und es hat sich dann mit der Zeit einfach entwickelt.
Bei den Menschen, mit denen ich wirklich nur zusammen getroffen bin, weil wir gesoffen haben, da ging es automatisch auseinander. Wir haben es einfach auslaufen lassen. Ich hab nicht mehr getrunken, das Interesse war von der anderen Seite weg und von meiner sowieso.
Dann gibt es da wirkliche Freundschaften, wo trotzdem relativ oft Alkohol konsumiert wird. Hier bei uns auf dem Dorf gehört es leider zur Gesellschaft oftmals einfach dazu. Dennoch sind da Freunde bei oder auch gute Bekannte, die ich auch unabhängig von den damaligen Sauf-Treffen mag. Mit denen ich gern rede, die ich gern mal treffe. Hier habe ich nicht komplett aussortiert. Es hat sich einfach die Ebene der Freundschaft oder Bekanntschaft geändert. Wo ich früher am Wochenende abends hingefahren bin, um mit ein paar Leuten zusammen zu sitzen, zu reden und dabei zu trinken, da halte ich einfach jetzt in der Woche tags über mal an oder telefoniere.
Dann habe ich noch wenige ganz enge Freunde beibehalten. Die trinken ab und zu was, aber selten. Wenn sie sich mit mir treffen, dann trinken wir einfach Kaffee oder Cola und fertig. Ganz selten, aber wenn ich Lust drauf habe, fahre ich auch mal zu einer Feier, wo ich weiß, dass am Wochenende abends was getrunken werden könnte. Aber um mich herum wissen dann auch alle, dass ich trockene Alkoholikerin bin und mich würde nie einer nerven, dass ich doch auch trinken soll. Ich hab es auch am Anfang gemacht, weil ich da diesen Schutz durch meine Offenheit hatte. Im Nachhinein betrachtet, würde ich das aber vermutlich lieber lassen in der ersten Zeit.
Zum Spiegeltrinker-Kumpel... So einen habe ich auch und zwar seit fast 25 Jahren. Wir haben schon so viele Feiern zusammen erlebt, aber nicht nur das, sondern er hat auch oft bei mir zu Hause angehalten und wir haben Stunden geklönt. Natürlich hat das besonders viel Spaß gemacht, nebenbei noch was zu trinken. Nun ist es ja so, dass ich vor vier Jahren aufgehört habe und bei ihm hab ich echt Sorge gehabt. Ich wusste, er ist abhängig. Aber ich wusste auch, er ist nicht nur mein Sauf-Kumpel. Er ist mir wichtig, ich mag ihn, ich kann ihm vertrauen. Ich habe ihm gesagt, dass ich nichts mehr trinken werde. Als er mich dann ernst nahm, war ich gespannt, was passiert. Ob er noch lang kommt, wenn ich nicht mehr mit ihm trinke. Ich hätte in Kauf genommen, dass diese Freundschaft zu Ende geht, weil mir meine Trockenheit wichtiger war. Aber diese Freundschaft ist nicht zu Ende. Er kommt mich immer noch regelmäßig besuchen. Er bleibt nicht mehr so lang wie damals. Wir klönen ca. eine Stunde und dann geht jeder wieder seinen Weg. Aber ich weiß, er kommt wieder
Nicht so oft, aber er macht es. Früher hat er bei jeder Gelegenheit angehalten, wenn er Bock hatte, was in Gesellschaft zu trinken. Heute hält er an, wenn er mal wieder mit mir reden und lachen möchte.
Das ist ein Beispiel dafür, dass hier die Freundschaft nicht aufgehört hat. Aber die Ebene hat sich verändert und das ist auch gut so.
Man bekommt mit der Zeit schon mit, wem man wichtig ist und wem nur die Gesellschaft wegen des Saufens wichtig war. Und man bekommt auch anderes herum mit, wer einem eigentlich immer wichtig war oder wen man selbst nur dafür benutzt hat, um mal jemanden zum Saufen zu haben.
So oder so lohnt es sich, mit dem Trinken aufzuhören. Es ergeben sich neue Dinge. Man macht andere Dinge. Das kommt nicht von heute auf morgen, aber mit der Zeit verändert sich automatisch das Umfeld oder eben die Ebene der Bekanntschaften oder Freundschaften.
LG Cadda