Hallo Ste,
Deine Geschichte berührt mich. Ich bin jetzt 42 Jahre und Mutter von zwei Kindern. Wäre meine Mutter nicht vor 8 Jahren plötzlich mit nur 56 Jahren verstorben, dann hätte sie vielleicht irgendwann mit einer ähnlichen Geschichte hier nach Hilfe gesucht.
Ich bin inzwischen trocken, aber als meine Mutter gestorben ist, habe ich getrunken. Sie hat es mitbekommen, aber es war noch nicht ganz so ausgeprägt wie später bzw ich konnte es zum Teil verheimlichen. Die Kinder waren noch sehr klein, als sie starb. Sie hat sie abgöttisch geliebt und war so gerne Oma. Sie hat viel auf sie aufgepasst, wenn ich arbeiten war und ich bin mir sehr sicher, dass es nicht mehr lange gedauert hätte, bis die Kinder auch ihr gesagt hätten, ich sei „manchmal so komisch“.
Mein Vater hat das später auch mitbekommen, meine Mutter war aber noch sehr viel empfindsamer bei diesen Dingen.
Ich weiß, dass sie sich Sorgen um mich gemacht hat. Ihre Sorgen wären in den nächsten Jahren so schlimm geworden (weil es mit mir bereits Berg ab ging), dass sie genau so verzweifelt gewesen wäre, wie Du. Und das tut mir unendlich leid als Tochter. Ich muss weinen, wenn ich dran denke. Auch wenn ich Deine Erzählungen lese. Dass die Kinder Sicherheit haben, wenn Deine Tochter „normal“ ist und sich allein gelassen fühlen, wenn sie „komisch“ ist. So ging es meinen Kindern Jahre lang und auch über diese Tatsache bin ich nach wie vor traurig.
Ich weiß gar nicht, warum ich Dir das alles schreibe, denn das hilft Dir ja gar nicht weiter. Aber ich verstehe Dich einfach so sehr!!
Wenn ich Dir doch etwas raten kann, dann vielleicht, dass Du offen mit den Kindern sprechen könntest, soweit es ihrem
Alter entsprechend geht. Als ich noch getrunken habe, da hab ich mich bei den Kindern versucht rauszureden. Aber nachdem ich aufgehört habe, hab ich ihnen erklärt, was diese Krankheit bzw. das Trinken mit mir gemacht hat. Dass es nicht in Ordnung war, wie ich es gemacht habe und dass es nicht ihre Schuld war.
Nun rät man Co.-Abhängigen zum Abstand. Ich bin selbst auch Co.-abhängig gewesen (mein Ex-Partner hat auch getrunken). Aber wie soll man jemandem raten, sich von seiner eigenen Tochter zu „trennen“, wenn dann noch Enkelkinder da sind? Das ist eine soooo schwere Situation und das tut mir sehr leid! Ich wünsche Dir sehr, dass Deine Tochter irgendwann ihren Tiefpunkt erreicht und aufhören kann zu trinken.
Ganz liebe Grüße
Cadda