Beiträge von Carmen

    Hallo,

    danke für Eure Erfahrungen. Ich habe schon viele gescheiterte Versuche hinter mir, weil ich nicht bereit war, mein Verhalten und meine Lebensumstände zu ändern geschweige denn mich mit meiner Krankheit auseinanderzusetzen. War ja alles viel zu unangenehm und anstrengend. Also habe ich mit Verdrängung und Selbstüberschätzung mir selbst etwas vorgemacht und hing natürlich ganz schnell wieder an der Flasche. Man liest hier immer wieder " Nur nicht trinken, reicht nicht". Wie wahr. Jetzt halte ich mich an die Grundbausteine.

    LG
    Carmen

    Hallo, liebe Lia,

    es freut mich sehr, dass Du schon so viele positive Dinge aus Deiner Nüchternheit rausziehen kannst.Bei mir sind es jetzt 9 Wochen und auch mir kommt es schon länger vor. Ich denke, man kann nicht sagen, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist.

    Ich bin auch dankbar, nicht mehr trinken zu müssen und wieder frei über meinen Tag entscheiden zu können, auch wenn ich mir eine Depression angesoffen habe, die das Ganze ein wenig trübt. Aber da muss ich jetzt durch, denn alles ist besser, als wieder in dem Teufelskreis der Sucht gefangen zu sein.

    Ich habe zu meinem Vater keinen Kontakt mehr, da es mich zu sehr belastet und triggert, wenn er betrunken ist. Außerdem bringt meine Hilfe ja eh nichts, denn er sieht sich ja noch nicht einmal als Alkoholiker. Trotz Kontaktabbruch belastet mich die Situation, weil ich jeden Tag an ihn denke und Angst habe, dass ihm was passieren könnte oder er wieder versucht sich umzubringen. Einfach nur furchtbar. Du hast ja dieses Drama mit Deinem Vater erlebt und verstehst mich sicher. Ich versuche halt, so gut es nur geht, dieses Thema beiseite zu schieben. Allein beim Schreiben geht es mir schon wieder schlecht.

    Mein Partner ist sehr froh, dass ich nicht mehr trinke, hat aber Angst, dass es wieder nur eine Trinkpause sein könnte. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich voller Überzeugung verkündet habe, nie wieder zu trinken. Er merkt aber, dass ich mich jetzt ernsthaft mit mir und meiner Krankheit auseinandersetze und das beruhigt ihn etwas. Er hat den Glauben an mich noch nicht verloren - ich denke, er glaubt sogar mehr an mich als ich an mich selbst. Ich brauche noch Zeit, um mir selbst wieder trauen zu können.

    Kreative Arbeit macht Spaß und tut der Seele gut. :D
    Ich habe wieder mit dem Klavierspiel angefangen - macht mir Freude.

    Ich wünsche Dir auch einen schönen Tag, liebe Lia, und ein tolles Treffen mit Deiner Tochter und Deinem Enkel.

    LG
    Carmen

    Hallo zusammen,


    Wieso sollte und nicht soll ? Wieso die Einschränkung, soweit das möglich ist? Wo sind denn die Fallstricke ?

    Damit meinte ich, dass man nicht jedem Risiko aus dem Weg gehen kann. Ich kam zum Beispiel vor einigen Tagen in
    eine alkoholische Situation, die nicht vorhersehbar war. Warum sollte und nicht soll? Gute Frage. Da spricht wahrscheinlich noch die Sucht aus mir, wie Du es mal gut auf den Punkt gebracht hast.


    Im Kopf fängt ja bekanntlich alles an.

    Ja, das stimmt. Früher habe ich meine Gedanken in abstinenten Phasen nicht beobachtet und auch sonst nichts an meinem Verhalten geändert, denn das wäre ja unangenehm gewesen. Dazu fällt mir ein passendes Zitat ein.
    " Achte auf deine Gedanken - sie sind der Anfang deiner Taten "


    Großartige Umtrünke zu Geburtstagen, Jubiläen, Hochzeiten, Taufen, Schützenfeste, Saisonabschlussfeiern und was weiß ich noch alles, dürften eh nicht anstehen. Denn dort hat ein frisch Abstinenter m.E. (noch) nichts verloren.

    Das passt für mich.

    Hallo Lia,

    ich musste auch schon manchmal bei einigen Kommentaren hier schlucken, da ich ziemlich empfindlich bin und mich schnell angegriffen fühle. Der Ton ist ja manchmal wirklich ziemlich hart und das kann einen dann kurz runterziehen. Ich freu mich, wenn Du dann für den erweiterten Forenzugang freigeschaltet wirst und finde es gut, dass Du hier bist.

    LG
    Carmen

    Hallo Carl Friedrich,

    danke auch Dir für Deinen Erfahrungsbericht. Da ich noch sehr verunsichert bin und mir selbst nach all den gescheiterten Versuchen (heute weiß ich, dass es nur halbherzige Trinkpausen waren) nicht mehr wirklich traue, sind die Erfahrungen von anderen sehr wichtig für mich. Manch einer mag sagen, man soll sich nicht so viel mit anderen vergleichen, aber mich beruhigt und erleichtert es, wenn ich lese, dass es Betroffenen zu Beginn ähnlich erging.

    Hallo nochmal, Hartmut

    Diese Aussage hier fand ich sehr interessant:


    Ich gehe mal soweit das es gar kein richtiges Einschätzen in der Anfangszeit gibt. Es gibt nur ein Überschätzen.

    Ich denke, dass ich momentan nur eine Sache wirklich richtig einschätzen kann und zwar, dass ich noch auf extrem wackeligen Beinen stehe und und jedem möglichen Risiko aus dem Weg gehen sollte, soweit das möglich ist.

    LG
    Carmen

    Hallo Cadda, hallo Hartmut , hallo Sunshine

    Ich danke Euch für Eure Beiträge. Damit kann ich sehr viel anfangen und mir ist einiges klar geworden.
    Ich muss doch immer wieder sagen, wie hilfreich dieses Forum hier ist. :)

    LG
    Carmen

    Hallo Lia, hallo Hartmut

    danke für Eure Beiträge. Ich habe zwei Fragen an Dich, Hartmut.

    Woran liegt es Deines Erachtens, dass es manchen ( frisch) trockenen Alkoholikern nichts ausmacht von trinkenden Menschen umgeben zu sein und anderen wiederum schon. Ist es Selbstüberschätzung, eine falsche Wahrnehmung, Leichtsinn oder wirklich das wahre Empfinden? Ich habe nämlich nicht das Gefühl, dass die Leute, die hier berichten, dass es ihnen nichts ausmacht mit Alkohol konfrontiert zu werden, die Unwahrheit sagen. Da würde mich mal die Meinung eines LZTs interessieren.

    Die zweite Frage wäre, ab wann man trocken ist. Woran merkt man das oder ist der Weg in die Trockenheit genauso schleichend wie der Weg in die Alkoholsucht?

    Die Fragen gelten auch an alle anderen Leser.

    LG
    Carmen

    Guten Morgen,

    dieses Thema der eigenen Einschätzung beschäftigt mich gerade, da ich hier immer wieder lese, dass es frisch Abstinenten garnichts ausmacht, mit Alkohol konfrontiert zu werden. Bei mir ist das aber nicht so; mich stört es sehr und ich fühle mich extrem unwohl in solchen Situationen und würde niemals auf die Idee kommen, mich bewusst solchen Gegebenheiten auszusetzen.

    Oft hört man dann, dass man ja nur zu Hause getrunken hat und es einen darum nicht triggert, wenn auf Veranstaltungen oder ähnlichem Leute Alkohol trinken. Aber Alkohol ist doch Alkohol.Vor einigen Tagen kam ich völlig unvorbereitet in eine Situation, in der Alkohol getrunken wurde. Ich war erschrocken, wie sehr mich das gestört und auch getriggert hat. Es wurde Bier getrunken und obwohl Bier nie mein Getränk war, hat es trotzdem viel in mir ausgelöst.

    Ich frage mich einfach, warum die Empfindungen und Selbsteinschätzungen so unterschiedlich sind. Wie ist oder war das bei euch zu Beginn der Trockenheit?

    LG
    Carmen

    Hallo, liebe S.

    Ja, ich habe meinen Vater überall blockiert und lasse keinen Kontakt mehr zu. Es ist nicht leicht, aber es gibt nur diese eine Lösung. Denn ich kann ihm nicht helfen, ich kann nur mit ihm untergehen. . Ich habe 34 Jahre gebraucht, um das zu akzeptieren.
    Jetzt bin ich dabei loszulassen. Ist nicht einfach, aber es geht.

    Mittlerweile bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass zuviel Hilfe für einen suchtkranken Menschen sogar eher schädlich und noch suchtfördernd sein kann.Denn durch die Hilfe und Unterstützung kann man sich seiner Sucht voll und ganz hingeben...denn im Notfall ist ja immer noch der Co da.

    Ich bin selbst auch alkoholkrank und bei mir hat die übermäßige Fürsorge meines Partners nichts Gutes bewirkt, obwohl er nur das Beste für mich wollte. Das ist wirklich sehr traurig, aber kein Einzelfall.

    Da mein Vater Alkoholiker ist und ich selbst auch Alkoholikerin bin, kenne ich sowohl die Perspektive eines Co- abhängigen als auch die des Süchtigen. Beide " Rollen" sind furchtbar und auf Dauer unerträglich.
    Was mir aber große Hoffnung macht, sind die Leute hier im Forum, die sich aus ihrer Alkohol- oder Coabhängigkeit befreit haben. Das wünsche ich uns auch. :)

    LG
    Carmen

    Hallo Lia,

    ich finde es gut, dass Du trotz Deiner Zweifel an dem Seminar teilnimmst. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass, wenn man offen an die Sache rangeht, die Aufstellung einem viel bringen kann. Ich habe mit einigen Leuten gesprochen, die an diesem Seminar teilgenommen haben; niemand hat es bereut.
    Das mit Deinem Vater ist tragisch.Da spielt der Grund tatsächlich keine große Rolle mehr.

    Mich würde sehr interessieren, was und ob Dir die Familienaufstellung etwas gebracht hat. Vielleicht magst Du ja danach berichten.

    LG
    Carmen

    Hallo Andreas,

    die Situation allein zu Hause und dann auch noch isoliert, ist auch für mich gefährlich. Ich bin erst seit zwei Monaten nüchtern; habe also kurz vor den ganzen Einschränkungen durch Corona aufgehört und kann dadurch auch weder zur Suchthilfe noch zu SHGs. Super, dass Du Dich hier angemeldet hast. Ich schreibe und lese hier jeden Tag und wenn ich mal schwierige Momente habe, halte ich mich auch hier im Forum auf. Das hilft mir total. Denn so ganz allein wäre es mir, glaube ich, nicht möglich, trocken zu werden und auch zu bleiben.

    LG
    Carmen

    Mir ist noch etwas zu der Familienaufstellung eingefallen. Vor einigen Jahren wurde mir auch dringend dazu geraten, da meine familiäre Situation auch alles andere als einfach ist. Wie Du ja bereits gelesen hast, ist mein Vater auch dabei, sich zu Tode zu saufen.
    Der Therapeut meinte damals, dass so eine Aufstellung unheimlich viel bringen und lösen kann. Das Ganze sollte zwei Tage dauern und mir wurde empfohlen, dass nicht ohne Begleitung( einer nahestehenden Person) zu tun, da die Aufstellung einen erst mal sehr mitnehmen kann.

    Ich hatte dann zu große Angst davor und habe mich lieber weiter betäubt und alles verdrängt. War mit Sicherheit ein Fehler. Darum finde ich es toll und mutig, dass du das jetzt angehen möchtest. Musst Du auch irgendwo hinreisen und dort übernachten? So wäre das nämlich damals bei mir gewesen und da wurde mir halt dringend zu einer Begleitung geraten, die einen dann etwas auffangen kann, damit man abends nicht völlig allein mit seinen ganzen Gedanken ist.

    Guten Morgen Lia,

    schön, dass Du auch den " erweiterten Forenzugang " beantragt hast. :)
    Auch wenn die Anfangseuphorie langsam bei Dir abflacht, liest Du Dich sehr positiv und gefestigt.


    an Carmen, woran könnte es denn liegen, dass deine Stimmung oft so bescheiden ist?

    Da müsste ich jetzt viel zu weit ausholen. Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Meine Alkoholsucht hat halt schon sehr viel Schaden angerichtet, den ich jetzt nüchtern natürlich erst in vollem Umfang und ohne Nebel wahrnehme. Das kann einem schon mal ganz schnell die Stimmung vermiesen.
    Das mit den ehrenamtlichen Tätigkeiten ist eine gute Idee; daran hatte ich auch schon mal gedacht.

    Ich war erschrocken, als ich das von Deinem Vater las. Sehr traurig und mit Sicherheit sehr belastend für Dich.


    Vorgestern war ich wieder beim Psychologen, war ok, aber das Forum bringt mir weit mehr,

    Es ist garnicht einfach und oft Glückssache, einen Psychologen zu finden, der zu einem passt. Ich bin momentan auf der Suche.
    Ich hatte bisher nur einen Therapeuten, mit dem ich gute Fortschritte machte und der ging dann leider in Pension.

    Wünsch Dir einen angenehmen Samstag!

    LG
    Carmen

    Hallo Carl Friedrich,

    5 Jahre trocken! Das ist großartig! Gratulation!

    Ich lese immer mit großer Aufmerksamkeit Deine Beiträge. Besonders solche Aussagen wie:


    Mein Fazit: So normal wie früher das Saufen, ist für mich jetzt, keinen Alkohol zu konsumieren. Er hat in meinem Leben einfach keine Bedeutung mehr

    geben mir die Kraft weiter auf dem Weg zu bleiben, auch wenn er noch sehr beschwerlich ist.

    Ich wünsche Dir einen schönen Jahrestag! :D

    LG
    Carmen