Beiträge von Carmen

    Guten Morgen,

    ich habe hier immer wieder von Angehörigen gelesen, dass der Alkoholiker keine Krankheitseinsicht zeigt. Das ist ja eigentlich auch der Regefall. Nun ist die Situation bei mir aber genau umgekehrt. Was, wenn der co-abhängige Partner nicht einsieht oder zugibt, dass er auch ein Problem hat?

    Ich versuche schon seit längerer Zeit, meinem Partner klarzumachen, dass er coabhängig ist und auch Hilfe braucht, um wieder ein eigenes zufriedenes Leben führen zu können. Er ist garnicht mehr in der Lage, sich etwas Gutes zu tun, mal abzuschalten, seine Stimmungslage ist meist von mir abhängig. So drehte sich ja etliche Jahre alles nur um mich und meine Krankheit. Da blieb garkein Platz mehr für seine Bedürfnisse.

    Er findet es toll, dass ich hier im Forum bin und mich mit meiner Krankheit auseinandersetze; allerdings ist er der Meinung, dass es ausreicht, wenn ich an mir arbeite; denn seiner Meinung nach ist er nur wegen mir und meinem Alkoholismus so geworden ( was ja auch teilweise stimmt) und würde automatisch wieder normal werden, wenn ich ihn nicht mehr " zwingen" würde, sich Co- Abhängig zu verhalten.

    Ich denke aber nicht, dass es ausreicht und mein Partner automatisch mit " geheilt" wird, wenn nur ich an mir arbeite. Wie seht ihr das? Muss der Co-abhängige so wie der Alkoholiker selbst einsehen, dass er krank ist? Ich wünsche mir, dass es ihm wieder besser geht.

    LG
    Carmen

    Hallo,

    ich habe mich in der vergangenen Woche intensiv mit meiner Vergangenheit und meinem Suchtverlauf auseinandergesetzt. Fünf Tage habe ich gebraucht um meine ganze Lebensgeschichte aufzuschreiben.
    Das war nicht angenehm, da viele verdrängte Erinnerungen hochkamen und mir richtig bewusst wurde, wieviel Schaden ich durch meine Sucht bereits angerichtet und wie oft ich mich und andere im Suff in Gefahr gebracht habe. Das muss erst mal verarbeitet werden.

    Allerdings wurde ich im geschlossenen Bereich durch die Rückmeldungen der Mitglieder sehr gut aufgefangen. Ohne diese Unterstützung hätte ich es nicht geschafft, meine Vergangenheitsreise zu Ende zu bringen ; ich würde es auch keinem ohne Begleitung empfehlen, es sein denn, man ist schon stabil genug.

    Sucht bedeutet ja auch Flucht vor sich selbst. Ich möchte nicht mehr davonlaufen. Die tägliche Konfrontation mit meiner Krankheit fühlt sich oft nicht gut an und manchmal würde ich gerne wieder die Flucht ergreifen. Da kommen dann natürlich auch ab und an Suchtgedanken auf. Aber das gehört dazu und ich halte diese schlechten Gefühle dann einfach aus - und irgendwann sind sie auch wieder verschwunden. Bis vor kurzem habe ich in solchen Situationen direkt zur Flasche gegriffen und am nächsten Tag fühlte ich mich noch elender.

    Ich sage mir jeden Tag: Heute trinke ich nicht. Mit der Endgültigkeit nie wieder Alkohol trinken zu können , komme ich noch nicht zurecht. Es wäre schön, wenn sich das noch ändern würde. Mal sehen, wie sich alles weiterentwickelt. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

    Guten Morgen, Cadda,

    Ich möchte mich bei Dir für deinen ehrlichen und ungeschönten Bericht über deinen Krankheitsverlauf bedanken. In sovielen deiner Schilderungen finde ich mich wieder, obwohl unsere Lebensgeschichten unterschiedlich sind. Mir helfen solche Beiträge meine Krankheit langsam zu akzeptieren und mir nicht mehr die Schuld für mein " Versagen" zu geben. Es ist die Krankheit, die uns so handeln ließ. Dinge, die wir nüchtern niemals getan hätten. Das alles braucht Zeit, um verarbeitet zu werden.

    Ich habe auch einmal nachgedacht, wann mir eigentlich zum ersten Mal bewusst wurde, dass mein Alkoholkonsum nicht mehr normal ist. Das war Ende 2011. Damals war ich auch eine kurze Zeit in diesem Forum und bin zu den AAs gegangen. Doch den Satz " Ich bin Alkoholikern" brachte ich nicht über die Lippen. Ich trank also noch acht Jahre weiter, obwohl ich rücklickend betrachtet, damals schon abhängig war.


    Es ist ganz komisch gerade. Ich habe gerade das beste Beispiel live im Absatz davor durchlebt, wie es mir geht, wenn ich Lust auf etwas zu Trinken bekomme. Als ich anfing von der Partyzeit zu schreiben bekam ich beim Schreiben WIRKLICH Lust auf das Gefühl, was ich selbst beschrieben habe. Dieses euphorische Glücksgefühl.

    Unser Suchtgedächnis beherrscht es in Perfektion, die vermeintlich schönen Dinge des Rausches hervorzuheben und die ganzen negativen und tragischen Folgen völlig in den Hintergrund zu rücken. Da hilft deine Methode " Den Gedanken zu Ende denken" sehr gut. Sobald Suchtgedanken aufkommen, wende ich diese Technik an und mir vergeht ganz schnell die Lust.


    In einer bekannten Serie im TV, wird neuerdings das Thema (wie ich finde sehr gut) aufgegriffen, wie eine Frau in die Sucht rutscht.

    Was ist das für eine Serie? Klingt interessant.

    Mir kommen gerade noch einige Gedanken und Erkenntnisse, aber darüber schreibe ich dann in meinem Thread.

    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag!

    LG
    Carmen

    Hallo Marianee,

    mir geht es genauso, wie dir. Sobald ich das erste Glas trinke, entsteht ein unglaublicher Drang und Zwang weiterzutrinken, gegen den ich mich nicht mehr wehren kann und es dann auch garnicht mehr versuche, dagegen anzukämpfen. Ich bin dann wie in einem Wahn - in meiner eigenen Welt - nur noch ich und der Alkohol. Hauptsache Rausch ! Realitätsflucht!

    Bei mir ist die Sucht mittlerweile so weit fortgeschritten, dass ich auch schon wie du etliche Male früh morgens völlig dicht losgezogen bin und Nachschub gekauft habe, weil ich einfach nicht mehr aufhören konnte. Hatte ich meinen Tagesvorrat nicht da, wurde ich extrem nervös. Mir war dabei auch völlig egal, wie ich aussah oder auf andere Leute wirkte.

    Was bei nur anders ist als bei dir, ist die Sache mit dem Suchtdruck. Ich bin jemand, der sehr stark unter Suchtdruck leidet. Momentan ist das zum Glück nicht so und dafür bin ich sehr dankbar. Alkohol schmeckt mir übrigens garnicht, aber diesen Ekel, den du beschreibst, empfinde ich nicht.

    LG
    Carmen

    Ich wollte dir noch was schreiben. Ich trinke nun seit fast 7 Wochen nicht mehr und habe immer noch mit Stimmungsschwankungen und leichten Depressionen zu kämpfen. Aber es wird ganz langsam besser. Der Alkohol hilft vielleicht ganz kurzfristig, aber langfristig verstärken sich die psychischen Probleme massiv durch den Konsum und ein Teufelskreis entsteht. Ich habe meinen Partner , der sich aus Alkohol garnichts macht ( er trinkt vielleicht ein oder zweimal im Jahr ein Glas) mal vor kurzem gefragt, ob es schlimm für ihn wäre, nie wieder Alkohol trinken zu dürfen. Er hat mich dann ganz verwundert angeschaut und meinte, dass es ihm völlig egal sei. Nicht süchtige Menschen beschäftigen sich nämlich weder mit ihrem Trinkverhalten noch interessiert es sie, ob, wann und wieviel sie trinken dürfen.

    Ja, das stimmt. Einfach ist es nicht.
    Aber es hilft dir bestimmt hier die Erfahrungsberichte von Alkoholikern zu lesen.
    Vielleicht kannst du dann auch besser einschätzen, wo du genau stehst.

    Hallo Jessica,

    ich hatte dir schon vorhin im Vorstellungsbereich geschrieben; weiß nicht ob du den Beitrag schon gelesen hast.

    Du schreibst:


    Ich hatte auch keinen körperlichen Entzug und hatte schon öfter Phasen, in denen ich nichts getrunken habe...

    Es gibt sehr viele Alkoholiker, die nicht körperlich abhängig sind oder nur phasenweise trinken. Ich habe auch sehr viele Jahre nur phasenweise getrunken und war trotzdem schon sehr süchtig.

    Ob du süchtig bist, kann dir natürlich hier keiner sagen, aber ich denke,dass sobald man sein Trinkverhalten hinterfragt, ist man zumindest schon stark gefährdet, in eine Abhängigkeit zu geraten.

    LG
    Carmen

    Hallo Mark,

    ich nehme auch immer Traubensaft, die Süße stört mich nicht. Vielleicht könntest du es mal mit Balsamico Essig probieren oder dürfen wir das als Alkoholiker nicht zu uns nehmen? Ich habe bisher vorsichtshalber die Finger davon gelassen, weil es dazu ja geteilte Meinungen gibt.

    LG
    Carmen

    Hallo Dhyana,

    erst einmal Gratulation zu deinen fast zwei Jahren Trockenheit. :)
    Beiträge wie deiner sind für mich als frischer Abstinenzler ungemein hilfreich und unterstützend.

    Mir ergeht es momentan nämlich genau wie dir zu deiner Anfangszeit. Und wenn ich dann lese, dass du heute trotz der harten ersten Monate zufrieden trocken bist, motiviert und bestärkt es mich hartnäckig zu bleiben.

    Ich wünsche dir gute Besserung und Frohe Ostern!

    LG
    Carmen

    Hallo Cadda,

    ich finde deinen Beitrag sehr gut und sehe es genauso.

    Ich zum Beispiel fahre mit der 1-Tages-Strategie am besten. Die Vorstellung nie wieder Alkohol trinken zu " dürfen " erzeugt in mir riesigen Druck und scheint mir persönlich noch zu unwirklich. Darum sage ich mir jeden Tag " Heute trinke ich nicht" . So fühlt es sich momentan für mich am besten an.

    Es wäre mir eigentlich lieber, wenn ich so wie du denken könnte, funktioniert bei mir aber ( noch ) nicht.

    Manch einer wird sagen, dass man sich mit meiner Methode immer noch ein Hintertürchen aufhält. Darüber kann man wohl streiten.

    Ich finds toll, dass du joggst. Das tut wahnsinnig gut. Damit müsste ich auch mal wieder beginnen. :roll:

    LG
    Carmen

    Liebe Konny,

    gut, dass alles geklappt hat. Toll finde ich, dass du so schnell gehandelt und ihn überall blockiert hast.
    Klar ist das jetzt erst mal nicht einfach und fühlt sich mies an. Eine Trennung ist immer unangenehm und tut weh.

    Ich bin mir aber sicher, dass der Schmerz und das Vermissen schneller vergehen als du denkst. Wichtig ist nur, dass du keinen Kontakt mehr zulässt. Ich weiß, dass das alles immer leicht gesagt ist. Aber glaub mir: Ich hatte schon so furchtbar schrecklichen Liebeskummer, dass ich eine zeitlang dachte, dass er niemals vergeht. Doch er verging schneller als ich dachte. Man muss nur ein wenig Geduld haben, die schlechten Gefühle aushalten und sich viel ablenken. Du schaffst das!

    Ganz liebe Grüße
    Carmen

    Hallo Konny,

    ich finde deinen Entschluss super. Wie sich dein Freund verhält, ist wirklich übel und hat meiner Meinung nach nicht nur was mit seinem Alkoholismus sondern auch etwas mit schlechten Charakterzügen zu tun.

    Ich würde ihm einen kurzen Brief hinterlassen, in dem du ihm die Gründe für deinen Auszug nennst. Dann kannst du auch besser mit der Sache abschließen.

    Ich würde an deiner Stelle auf garkeinen Fall am Montag zu ihm fahren; das könnte dich emotional viel zu sehr aufwühlen oder im schlimmsten Fall eskalieren. Ist nur meine Meinung.

    Ich wünsche dir viel Kraft und bin mir ganz sicher, dass nach der Trennung ein besseres Leben auf dich wartet und du dann auch einen Partner findest, mit dem du deine Zukunftspläne verwirklicken kannst. Das ist nämlich mit einem " nassen" Alkoholiker nicht möglich.

    LG
    Carmen

    Hallo Correns,

    danke für deine mitfühlenden und aufbauenden Zeilen. Das tut gut.


    Vielleicht gelingt Dir in Zukunft ein Weg, auf dem Du Deinen Vater nicht mehr ignorierst, sondern ab und zu ein nettes Telefonat führen kannst

    Ja, vielleicht wird das irgendwann möglich sein. Aber das braucht Zeit, viel Zeit...

    Lg
    Carmen

    Guten Morgen,

    vor ein paar Tagen hatte ich mal wieder riesigen familiären Stress. Mein Vater, auch Alkoholiker, hat mich zwei Tage am Stück völlig dicht mit Nachrichten und Anrufen bombardiert. Bis vor kurzem habe ich immer sofort reagiert und bin auf sein Flehen hin sofort zu ihm gefahren. Meistens endete es dann so, dass mich das Ganze so fertig gemacht hatte, dass ich selbst wieder an der Flasche hing; im schlimmsten Fall haben wir dann tagelang zusammen gesoffen und gemeinsam uns und unser Leben bemitleidet. Einfach nur erbärmlich.

    Dieses Mal habe ich ihn ignoriert und wurde daraufhin beleidigt und bedroht. Das war unglaublich schwer, aber ich habe es dank der Unterstützung und den Erfahrungsberichten anderer Betroffener dieses Forums zum ersten Mal nach etlichen Jahren geschafft.

    Schuldgefühle, dass ich meinen Vater im Stich lasse, Mitleid und die Angst, dass er sich etwas antut ( 2 Selbstmordversuche hatte er schon) kommen natürlich immer mal wieder hoch, aber ich lerne langsam besser damit umzugehen.Ich darf den Kontakt nicht mehr zulassen. Mein Vater triggert mich zu sehr und ich schaffe es nur trocken zu werden, wenn ich mich von ihm distanziere.

    So wie mir keiner aus meiner Sucht helfen kann, kann ich ihm auch nicht aus seiner Sucht helfen. Theoretisch weiß ich das alles, aber mein Herz hat sich mir immer wieder in den Weg gestellt. Das darf ich nicht mehr zulassen. Ich möchte es dieses Mal wirklich anders machen.

    Hallo Cadda,

    ich finde Lindes Text auch großartig und er hat mich zum weinen gebracht.

    Ja, ich werde keinen Kontakt mehr zulassen. Mein Vater saugt mich nur aus.
    Ich brauche die wenige Kraft, die ich noch habe, für meine Genesung.

    Danke auch für deinen Zuspruch!

    Ganz liebe Grüße zurück