Beiträge von AufderSuche

    Du warst aber sehr mutig und stark, dass Du es veröffentlich hast...

    Es anderen zu sagen und damit öffentlich zu machen, sich sozusagen Hintertüren zu verschließen, ergibt sich so nach und nach im Laufe der Trockenarbeit.

    In meinem Umfeld wissen das nicht alle, ich hab da nach meinem Bauchgefühl entschieden.

    Eine mich unglaublich rührende Erfahrung war, dass gute Freunde von mir auf einer Geburtstagsfeier extra auf Alkohol verzichtet haben und mir erklärt haben, das sei eine Frage des Respekts mir gegenüber. Wenn jemand ein Problem mit etwas habe, müsse man ihn ja nicht noch zusätzlich triggern und ihm sein Problem vor Augen halten, indem man beispielsweise vor ihm Alkohol trinkt.

    Du fragtest, was ich verändert habe.

    Nun, das wichtigste war für mich, mir selbst einzugestehen, dass ich Alkoholikerin bin.

    Durch das Forum hier bin ich auch dazu gekommen, mit meiner Hausärztin darüber zu sprechen. Mit dem eigenen Arzt darüber zu sprechen, wird hier allen Neulingen empfohlen.

    Zwar entpuppte sich meine Hausärztin als nicht so bewandert auf diesem Gebiet, aber ich halte diesen Schritt für wichtig, um aus der Heimlichkeit herauszukommen.

    Ich habe meinen Mann eingeweiht und besondere Freunde, die mir nahestehen.

    Wie sehr mich das unterstützen kann, habe ich zu meiner Freude im Laufe der Zeit schon erfahren dürfen.

    Alkohol habe ich aus meinem Haus entfernt, im Supermarkt habe ich anfangs die Abteilung, in der alkoholische Getränke stehen, gemieden.

    Anlässen, bei denen Alkohol konsumiert wird, bin ich zum Teil ferngeblieben.

    Sehr empfehlen kann ich dir zum Beispiel das Buch von Simon Borowiak, „Alk: Fast ein medizinisches Sachbuch“. Borowiak ist selbst Alkoholiker und stellt sein Wissen über dieses Thema in teils recht amüsant geschriebener Weise dar.

    Gelesen habe ich sonst noch Daniel Schreiber „Nüchtern“ und weitere.

    Abgesehen von solchen Büchern finde ich die Erfahrungsberichte hier im Forum sehr hilfreich.

    Auch die Artikel hier kann ich dir nur wärmstens ans Herz legen.

    Das Lesen hat mir geholfen, besser zu verstehen.

    Ganz wichtig war und ist für mich der Austausch mit anderen hier im Forum. Ich profitiere sehr von dem Wissen und den Erfahrungen der anderen.

    Das ist ja super. Das möchte ich auch schaffen. Ich hinterfragen ja schon mein Trinkverhalten - und es ist nicht gut. Wenn ich auch so weiter mache, denke ich, dass meine Abstände kürzer werden und ich dann richtig drin hänge.

    Eine solche Erkenntnis hat mir selbst klar gemacht, dass ich zu sogenanntem „kontrollierten Trinken“ nicht in der Lage bin.

    Ich selbst habe diese Bücher als sehr hilfreich empfunden, es waren aber Bücher von selbst Betroffenen.

    Wenn du sogenannte Triggermomente kennst, bist du schon mal einen guten Schritt weiter.

    Übrigens nenne ich mich „AufderSuche“, weil ich eben auch auf der Suche nach einem Weg für MEIN Leben bin. 😉

    Was hast Du in Deinem Leben geändert?

    Beantworte ich gerne, aber das sprengt tatsächlich den Vorstellungsbereich.

    Da ich noch keine körperliche Abhängigkeit verspüre..merkt man das? denke ich, dass ich psychisch schon abhängig bin.

    Bei körperlicher Abhängigkeit bleibt dir gar nichts anderes mehr übrig als zu trinken. Da hast du keine Wahl mehr. Wann genau der Übergang passiert, weiß ich nicht. Ich bin da noch vorher abgebogen.

    Ja, ich bin trocken und zwar seit über 9 Monaten.

    Für mich selbst spielt der Unterschied zwischen körperlich und psychisch eigentlich keine Rolle. Abhängig ist abhängig. Wenn ich weitergemacht hätte, wäre ich bestimmt irgendwann körperlich abhängig geworden.

    Ich habe mich sehr viel mit dem Thema beschäftigt. Habe gute Bücher zum Thema gelesen, habe Erfahrungsberichte anderer gelesen, hab mein Trinkverhalten hinterfragt, habe den Austausch im Forum genutzt.


    Liebe Grüße

    AufderSuche

    Hallo Sannibiene,

    wenn ich deine Vorstellung richtig verstehe, trinkst du Alkohol, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Du schreibst, dass du eine „innere Leere betäuben“ willst.

    Ich selbst kenne das von mir recht gut. Ich kenne auch gut, dass ich nach einem Glas nicht aufhören konnte. Ich kenne auch, dass ich wochenlang eine Pause einlegen konnte.

    Wie viel hast du dich bereits mit dem Thema „Alkoholmissbrauch“ und mit dem Thema „Alkoholismus“ beschäftigt? Hast du schon mal einen dieser Online-Test gemacht?

    Ich frage, weil ich selbst mehrfach diese Tests gemacht habe, um mich zu beruhigen, dass ich noch keine Alkoholikerin bin. Diese Tests wiesen meinen Konsum immer „nur“ als riskant aus.

    Irgendwann aber drang bei mir der Gedanke durch, dass mit meinem Konsum und mit meinen Kontrollverlust, es kam immer zu einer ganzen Flasche Wein oder Sekt und nach und nach zum Öffnen einer zweiten Flasche, etwas ernsthaft nicht stimmt

    Da habe ich ich in einem Forum angemeldet und mich eingelesen. Ich fand dort ziemlich viele Ähnlichkeiten zu meinem Trinkverhalten und die Erfahrungsberichte anderer führten mir sehr deutlich vor Augen, worauf ich da zusteuere. Da wurde mir klar, dass ich schon eine Grenze überschritten hatte, und es für mich keine Alternative zur vollständigen Abstinenz gibt.

    Bis mir das gänzlich klar war, war es ein Lernprozess.

    An welcher Stelle siehst du dich zur Zeit?

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Hallo Lilli,

    ich weiß nicht, ob ich die richtigen Worte finde, aber ich versuche einfach mal, dir zu antworten.

    Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du Angst hast. Ich bin etwas anders aufgewachsen als du, aber ich kenne die Angst sehr gut.

    Ich denke, es ist auch völlig normal, in deiner Situation Angst zu haben.

    Du kanntest diesen Mann und es geht dir sehr nahe, was mit ihm geschehen ist.

    Und für mich völlig nachvollziehbar kommen bei dir Ängste auf, was mit deinem Stiefpapa und deiner Mutter und anderen, die dir nahestehen, geschehen könnte.

    Was ich mich frage, ist, wie du jetzt mit dieser Angst umgehst, wie du für dich sorgst. Gibt es etwas, was es dir gerade etwas leichter machen könnte?

    Dass du hier von dem schreibst, was dich gerade bedrückt, finde ich zum Beispiel ein gutes Mittel. Zu verbalisieren, d.h. mit eigenen Worten auszudrücken, was gerade mit einem ist, habe ich selbst als sehr hilfreiches Mittel kennengelernt.

    Und sich an Menschen, wie in diesem Forum zu wenden, die nachvollziehen können, wie es mir gerade geht, habe ich auch als sehr hilfreich erlebt.

    Welche Möglichkeiten hast du vielleicht noch?

    - Ich selbst kuschle mich in solchen Momenten ein.

    - Manchmal hilft es mir, mit meinem Partner oder mit einem Freund oder einer Freundin, die gut zuhören können, zu reden. - Hast du bei dir jemand zum Reden in deiner Umgebung?

    Liebe Grüße

    AufderSuche

    Hallo Ssarts,

    auch von mir ein herzliches Willkommen in diesem Forum.

    Die Erfahrung, die du gerade machst, machen leider viele, die in einer ähnlichen Situation wie du sind.

    Auch ich kann dir nur raten, deinem Bauchgefühl zu trauen, in der Regel trifft es meiner eigenen Erfahrung nach zu.

    Ich selbst habe die Alkoholkrankheit bei meinem Vater erlebt und ich bin als Erwachsene selbst alkoholabhängig geworden.

    Bei meinem Vater wurde ich schließlich auch unsicher, weil er so entschieden auftrat, Dabei war es ihm deutlich anzusehen, dass er nicht nüchtern war.

    Warum auch immer das so ist, Alkoholkranke können sehr manipulativ sein. Sie sehen sich selbst meist als Opfer und die Sucht hat eine so starke Macht über sie, dass sie alles tun und denken, um weiterhin Alkohol trinken zu können. Es wird heimlich getrunken, gelogen und so weiter.

    Ich hab bei mir selbst beobachten müssen, dass ich mich über mich und meinen Alkoholkonsum getäuscht habe, hab mich irgendwie in Sicherheit gewogen, weiterhin Alkohol trinken zu dürfen. Ich glaubte, dass mein Partner mich nicht versteht.

    Ich hab das Alles erst erkannt, als ich mir eingestanden habe, dass ich abhängig bin und daraufhin abstinent geworden bin.

    Auch Co-Abhängige sehen sich als Opfer.

    Als Partnerin eines Abhängigen kannst du letztlich nur für dich sorgen, ihn wirst du nicht ändern können.

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Ich habe mich gefragt, Kaffeetasse66 , wie hoch dein Leidensdruck ist. Ist er denn überhaupt so groß, dass für dich eine Therapie infrage kommt?

    Ich habe deshalb zu professioneller Hilfe geraten, weil meine Erfahrung mir gezeigt hat, was da hochkommen kann, wenn ich entsprechend grabe.

    Allein habe ich dem, was da hoch kam, mehr oder minder hilflos und überfordert gegenüber gestanden und meine erworbenen Strategien halfen mir da überhaupt nicht weiter.

    Ich hatte entsprechend Leidensdruck, graben zu wollen. Bei mir ging’s so einfach nicht mehr weiter.

    So, wie du geantwortet hast, fragt Linde zurecht, ob eine Therapie für dich derzeit überhaupt ‚dran“ ist. Das kannst letztlich nur du selbst entscheiden.

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Zwischen Verhaltenstherapie und Psychoanalyse gibt’s ja auch noch mehr. Glaubst du, dass eine Änderung deines Verhaltens durch eine Verhaltenstherapie etwas bei dir zum „Positiven“ verändern könnte, dass sie dir Zugang zu deinen Emotionen vermitteln könnte?

    Ich bin vor Jahren an einen Neurologen geraten, der u.a. in tiefenpsychologisch-fundierter Psychotherapie ausgebildet war, und mir sehr weiterhelfen konnte. Durch ihn habe ich auch erst Zugang zu Gefühlen und unverarbeiteten Konflikten in Kindheit und Jugend gefunden. Das war wie ein erster Schlüssel für mich.

    Interessant und aufschlussreich waren mit ihm auch die Gespräche über diese und andere Richtungen, seine Kompetenz und Souveränität diesbezüglich gaben mir Sicherheit. Er hatte nur durch andere berufliche Verpflichtungen keine Zeit, mir eine „richtige“ Therapie anzubieten.

    Durch das Forum hier bin ich auf Trauma-Therapie gestoßen und hab mich daraufhin etwas näher darüber informiert. Ich hätte von mir nicht gedacht, ein sogenanntes „Trauma“ erlebt zu haben, aber Ansätze eines solchen sind bei mir bei näherem Hinschauen tatsächlich vorhanden.

    Deshalb lerne ich gerade eine Therapeutin kennen, die in diesem und weiteren Bereichen Erfahrungen hat.

    Und auch über meine Fähigkeit in Streits nicht dne Kopf zu verlieren. Viele Konflikte eskalieren ja gerade weil Emotionen im Spiel sind. Studien lege nahe, dass emotionale Entscheidungen in Streits nicht rational und tatsächlich "schlechter" sind. Selbst wenn der gegenüber Recht hat, ist man weil man so emotional aufgeladen ist nicht zugänglich für die Logik.


    Das ist zumindest mein Konstrukt gerade. Ich habe intellektuell noch nicht verstanden, warum emotionaler sein, besser sein soll. Ich merke aber dass diese Art und Weise zu reagieren im Zusammenleben offensichtlich nicht gut funktioniert.

    Emotionen lösen manche Konflikte erst aus. Wenn man aber gar nicht weiß, welche Emotionen da eine Rolle spielen, kann man noch so nüchtern und rational sein, man hat keinen Zugang zur Ursache des Konflikts und kann ihn gar nicht erst lösen.

    Ich finde für mein Verständnis von Kommunikation bzw. von Konflikten die Kommunikationstheorie von Friedemann Schulz Von Thun sehr hilfreich, das sogenannte Vier-Ohren-Modell. Kommunikation zwischen Sender und Empfänger funktioniert häufig nicht, wenn die sogenannte Beziehungsebene gestört ist. Da kann man noch so rational argumentieren, das, was man sagen möchte, kommt einfach nicht beim Empfänger an.

    Das ist zumindest mein Konstrukt gerade. Ich habe intellektuell noch nicht verstanden, warum emotionaler sein, besser sein soll. Ich merke aber dass diese Art und Weise zu reagieren im Zusammenleben offensichtlich nicht gut funktioniert.

    Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. In meinem Leben gab und gibt es Entscheidungen, bei denen ich besser gefahren bin, gefühlsmäßig und nicht verstandesmäßig entschieden zu haben. Rationale Entscheidungen können fürchterlich kalt sein.

    Oder, wenn z.B. jemand traurig ist, viel sogar einen Trauerfall erlebt hat, so helfen mir und ihm oder ihr rationale Gedanken und Äußerungen nicht weiter, sie passen dann irgendwie nicht. In dem Fall brauche ich zum Beispiel Zugang zu meinen Emotionen.

    Ihr sprecht von professioneller Hilfe. Wo bekomme ich die? Wie mache ich das? Psychotherapeuten durchtelefonieren? Beim Hausarzt vorstellen?

    Zunächst mit dem Hausarzt mal über das Thema zu sprechen, scheint mir ein sinnvoller Ansatz zu sein, wenn es denn ein Hausarzt ist, mit dem man über solche Themen reden kann und der zuhören kann und über entsprechend Weitblick verfügt. Ich habe im Laufe meines Lebens unterschiedliche Hausärzte erlebt, nicht alle wären für solch ein Gespräch geeignet gewesen.

    Was die Therapeuten-Suche betrifft: Es gibt da ganz unterschiedliche Ausrichtungen. Welche Ausrichtung, meinst du denn, könnte zu dir passen?

    Viele Grüße

    Hallo Kaffeetasse,

    auch ich bin EKA, habe die Alkoholkrankheit bei meinem Vater intensiv miterlebt, bis ich 15 Jahre alt war, und er bei einem Autounfall starb.

    Diese Zeit hat auch mich sehr geprägt. Wie sehr, habe ich erst vor einigen Jahren so richtig begriffen.

    Den Umgang mit und Zugang zu meinen Gefühlen musste ich auch erst lernen. Ich war immer stolz auf meinen analytischen Verstand und empfand Gefühle als „gefährlich“, kann aber von mir nicht behaupten, jemals wirklich „gefühlskalt“ gewesen zu sein.

    Was ich aber gut kenne, ist, nicht benennen zu können, was sich da für Gefühle in mir regen, ganz besonders, wenn es mehrere Gefühle waren. Mitunter fühlte ich mich von meinen Gefühlen mächtig überfordert und das machte mir natürlich Angst.

    Ich hab sogar regelmäßig gegoogelt, was es für Gefühle gibt und woran man die erkennt.

    Irgendwann im Laufe meiner Therapie habe ich gelernt, richtig Zugang zu meinen Gefühlen zu bekommen und sie ggf. auch regulieren zu können. Das war und ist für mich ein mehr oder minder langer Lernprozess. Teils war es für mich sehr schmerzhaft, weil mein Verstand in den Sitzungen chirurgisch scharf etwas herausarbeitete, die dazugehörigen Gefühle aber erst Tage später unvermittelt hoch kamen und mich überwältigten.

    Bei mir zum Beispiel spielte/spielt das Gefühl „Scham“ eine große Rolle. Ich schämte mich, aus einer Alkoholikerfamilie zu entstammen, schämte mich, Fehler zu machen oder trotz intensiven Nachdenkens und intensiver Vorbereitung etwas übersehen zu haben, schämte mich, wenn ich krank war, schämte mich, meiner gefühlten Verantwortung für meine Mutter nicht so nachkommen zu können, wie ich (bzw. mein innerer Kritiker) das eigentlich von mir erwartete. Und so weiter.

    Wenn Wut dazu kam, saß ich ziemlich in der Patsche, denn den Handlungsimpulsen von Wut und Scham kann man nicht gleichzeitig nachkommen. Bei Wut möchte man sich groß machen und laut werden, aggressiv sein. Bei Scham möchte man sich ganz klein machen, stumm sein von Aggressivität keine Spur und so weiter. Nun kann man nicht gleichzeitig groß und ganz klein, laut und stumm, aggressiv und nicht aggressiv sein.

    Auf meine Gefühle möchte ich inzwischen nicht mehr verzichten, auch wenn nicht alle schön und willkommen sind. Nicht wirklich zuverlässig erfasst mein Verstand das, was mir gerade gut tun könnte.

    Linde hat einen wirklich guten Beitrag geschrieben.

    Man kann wieder den Zugang erlernen, ich rate aber ebenfalls dazu, diesbezüglich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

    Liebe Grüße

    AufderSuche