Beiträge von Hanseat

    Schön, mal wieder von Dir zu hören, LfL. Es gab einen Streit wegen Religion? Wie gut, daß ich mich da rausgehalten habe. ;)

    Ja, Musik machen und Alkohol, das lag für mich auch immer eng beieinander. War auch mal Bandmitglied vor vielen Jahren und kann mich an die Wartezeiten vor den Auftritten erinnern, die wir meistens mit Biertrinken totgeschlagen haben. Nicht selten ist die Kapelle komplett betrunken auf die Bühne gegangen. Aber nun gut, wenn man das nicht mehr will, findet man sicher auch andere Wege. Nüchtern spielt man sowieso besser. ;)

    "Ich werde mich aber weiter in Gesellschaft aufhalten, obwohl dann auch getrunken wird. Möchte mich vor so vielen Dingen nicht verstecken, nur weil man die Sorge haben muss gertriggert zu werden."

    Das ist verständlich, und wir wollen ja nicht nur trocken sein, sondern auch zufrieden leben. Ich bin jetzt bald acht Monate nüchtern und immer noch sehr zurückhaltend, was gesellige Anlässe angeht. Ich gehe grundsätzlich nur hin, wenn ich mich jederzeit diskret aus dem Staub machen kann. Ich gucke es mir nicht an, wie die Leute sich einen hinter die Binde kippen.

    Ich habe 20 Jahre lang exzessiv gesoffen, da ist es wohl keine verplemperte Zeit, wenn ich ein Jahr lang mal etwas vorsichtiger bin. Außerdem bemerke ich jetzt schon, wie sich meine Interessen verschieben. Wenn andere sich irgendwo zur gemeinsamen Schnapsvernichtung treffen, was soll ich da? Über die blöden Witze kann ich nicht lachen, und gute Gespräche erwarten mich da auch keine.

    Auch Dir würde ich zur Vorsicht raten. So, wie Du das schreibst, klingt es etwas trotzig, so, als wüßtest Du, was das beste für Dich ist. Ich lasse mir doch nichts vorschreiben, ich will auf nichts verzichten ... das habe ich einige Male hier im Forum so gelesen. Von Leuten, die sich jetzt gar nicht mehr melden. Der Alkoholausstieg ist eine wichtige Sache im Leben. Dafür sollte man sich die Zeit nehmen.

    Es gibt Menschen, die können Lob nicht annehmen.

    Mir ging das in der nassen Zeit ganz bestimmt so. Ich wußte ja, daß es einen Schatten in meinem Leben gibt, daß ich nicht einmal für mich selbst ein Vorbild bin, und habe deshalb Lob immer von mir gewiesen. Auf andere wirkt das vielleicht sogar bescheiden und selbstkritisch, aber es ist doch ein Zeichen dafür, daß die Seele schiefhängt. Wer mit sich selbst im reinen ist, der sagt einfach mal danke, und dann weiter im Text.

    Natürlich ist Lob wichtig. Ich habe hier viel bekommen, und es ist eine Motivation für mich, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Das schöne ist: Seitdem ich mich selbst wieder mag, kann ich Lob auch wieder annehmen.

    Wichtig ist aber auch, mit Kritik umgehen zu können, mit berechtigter wie unberechtigter. Ich habe aber manchmal auch den Eindruck, gerade eben erst wieder, viele werfen schnell die Flinte ins Korn, sobald es mal etwas Gegenwind gibt. Das ist vielleicht dem Zeitgeist der politischen Korrektheit, der Trigger-Warnungen und der sogenannten "safe spaces" geschuldet, daß Widerrede gar nicht mehr erwünscht ist oder ertragen werden kann. Ich schätze auch mal deutliche Ansagen. Mit Wohlfühl-Wischiwaschi bin ich nicht trocken geworden und geblieben. Das war auch ein Wesenszug von mir in meiner nassen Zeit, daß ich mich zwar selbst kritisiert habe, aber keine zusätzliche Kritik von außen hören wollte. Das ist vielleicht typisches Alki-Verhalten.

    Weil ich es bisher noch nicht geschrieben habe: Erstmal Glückwunsch zu 100 nüchternen Tagen, das ist ein wichtiger Meilenstein.

    Hier im Forum gibt es verschiedene Meinungen, nicht nur Zuckerbrot, sondern manchmal auch die Peitsche. Getreu Hartmuts Motto: Es ist noch niemand trocken gestreichelt worden. Ich gehe persönlich nicht so weit wie Hartmut, der Dir das Trockensein abspricht. Auch mit 0,0-Bier ist man trocken, nur eben sehr riskant trocken. Wenn 0,0 auf dem Etikett steht, dann ist da wirklich weniger Alkohol drin als in Apfelsaft, das kann man schon glauben.

    Die Gefahr aber, daß Du irgendwann doch wieder das richtige Bier haben willst, weil die alkoholfreie Plörre erstens nicht schmeckt und zweitens nicht scheppert, ist einfach sehr groß. Vielleicht bist Du die große Ausnahme in der Statistik, aber warum willst Du es darauf ankommen lassen? Mir wäre das Risiko zu groß. Alkoholfreies Bier ist für normale Menschen, die noch Auto fahren müssen, aber es ist kein geeignetes Getränk für trockene Alkoholiker. Wenn wir hier schreiben, tun wir das auch in Verantwortung für alle Menschen, die hier vielleicht mitlesen. Und da müssen wir auf die Gefahren hinweisen.

    Wie ich schonmal schrieb: Ich habe mal einen aus der Reha auf der Straße wiedergetroffen. Der hatte ungelogen einen ganzen Reiserucksack voll mit alkoholfreiem Bier. Ich habe ihn seitdem nicht wiedergesehen, denke aber, daß er da schon wieder auf dem absteigenden Ast war.

    Veru, die Sache mit dem alkoholfreien Bier würde ich an Deiner Stelle auch lassen. Höre auf den Rat im Forum! Das klingt für mich nach Übermut und Leichtsinnigkeit. Oder als wolltest Du Dir ein Stück Normalität vorgaukeln.

    Neulich hatten wir hier eine längliche Diskussion über Malzbier, die ich nicht wieder aufwärmen will. Darüber kann man ja streiten, aber bei alkoholfreiem Bier ist für mich eindeutig eine Grenze überschritten.

    Glückwunsch zu 34 (?) Tagen. Ich weiß noch, 30 Tage, das war so ungefähr der Moment, als ich mich zum erstenmal wieder klar im Kopf fühlte und meinen eigenen Gedanken trauen konnte. Auf ein Neues, Fibo!

    Natürlich fängt man bei einem Rückfall immer wieder bei 0 an zu zählen, das ist gemein und frustrierend. Vielleicht hilft Dir ja der Gedanke, daß die nüchterne Zeit davor nicht umsonst war, da zählt jeder Tag, für immer.

    Du gehst uns nicht auf den Geist, wenn Du von Deinen Problemen mit Deinem Sohn erzählst, also jedenfalls mir nicht. Genau dafür ist eine Selbsthilfegruppe ja da, daß man auch mal unangenehme Themen ansprechen kann. Menschen des persönlichen Umfelds sind damit schnell überfordert. Ich kenne das noch aus meiner nassen Zeit, die mit periodisch wiederkehrenden, heftigen Depressionen einherging: Ich hatte eigentlich niemanden, mit dem ich darüber sprechen konnte. Die Depressionen sind mit meiner Nüchternheit übrigens wie weggeblasen, aber es soll hier nicht um micht gehen. Ich weiß nur, wie das ist, wenn einem ein Thema auf der Seele brennt, aber niemand sich damit belasten will.

    Mein Gedanke ist, daß Dein Sohn sein Leben gerade nach allen Regeln der Kunst zerstört und dadurch auch Dein Leben sehr in Mitleidenschaft gezogen ist. Es ist schon schlimm genug, wenn sein Leben den Bach runtergeht, da sollte es nicht auch noch Deins sein. Wie ist denn das Leben mit Deinem Partner, wenn ich fragen darf, gibt er Dir ein bißchen Halt? Da ist ja auch noch eine Tochter, wenn ich mich richtig erinnere, wie ist denn Dein Verhätlnis zu ihr?

    Wie Aurora schon sagte: Es muß ja gar nichts Großartiges sein, Löwenmama. Manchmal reicht schon ein großer Becher Vanilleeis und ein kitschiger Film. Oder ein heißer Kakao und ein gutes Buch.

    Manchmal mache ich mir einfach nur Spiegelei auf Toast und fühle mich wie im siebten Himmel.

    Ja, die Sache mit dem Führerschein habe ich 18 Jahre lang vor mir hergeschoben. Ich brauchte ja auch nicht unbedingt ein Auto. Da, wo ich wohne, herrscht immer akuter Mangel an Parkplätzen. Jetzt, wo endlich nüchterne Zeiten angebrochen sind, nehme ich mal die Dinge in Angriff, die ich sonst nie auf die Kette gekriegt hätte ...

    Es ist immer noch ein großes Geschenk, jeden Morgen nüchtern aufzuwachen und den Tag in Angriff nehmen zu können. Das ist das allerbeste am Nüchternsein. Meine Schlafrhythmus hat sich auch endlich wieder normalisiert, vielleicht hatte ich ja doch Corona oder sowas, keine Ahnung ...

    Natürlich fällt man da durch, wenn man nicht vorher geübt hat. Hier mal ein paar Beispiele:

    - Abstand zur durchgezogenen Mittellinie beim Parken: 3 m

    - Abstand vorm Zebtrastreifen beim Parken: 5 m

    - Abstand vor der Ampel, wenn sie beim Parken verdeckt wird: 10 m

    - Abstand beim Parken vor und hinter Haltestellen: 15 m

    - Abstand beim Parken außerorts vor dem Andreaskreuz: satte 50 m

    Das lernt man alles und hat es irgendwann wieder vergessen.

    Ich hab mich über eine Frage sehr geärgert. Die lautete "Unter welcher Rufnummer erreicht man die Polizei und den Rettungsdienst?" Da dachte ich mir, so eine Nummer gibt es doch gar nicht, das sind zwei verschiedene Nummern. Und es war auch richtig, zwei Nummern anzukreuzen, obwohl nur nach einer Nummer gefragt wurde. Sowas ist echt Schikane, finde ich.

    Ansonsten bin ich froh, daß ich heute nochmal den Unterschied zwischen CNG (Erdgas) und LPG (Autogas) gelernt habe, denn die Frage kam tatsächlich dran. Ich weiß aber immer noch nicht, was Autogas sein soll. ;)

    Er entblockiert Dich nur, wenn er mal wieder Geld braucht? Das erinnert mich an meinen inzwischen toten Junkie-Freund, der seine Eltern schamlos ausgenutzt hat. Er wußte ja, daß sie immer wieder weich werden, und so hat er sich darauf auch verlassen. Er sagte immer zu mir, "Blut ist dicker als Wasser" und meinte damit wahrscheinlich, daß er mit seinen Eltern eine sichere Geldquelle hat. Letztlich hat ihn dieses Geld in den frühen Tod geführt.

    Aber Du hast gar nicht über Dich geschrieben. Tust Du Dir denn auch mal selbst was Gutes, gibt es Momente, wo Du Deinen Sohn gedanklich links liegen lassen kannst und Dein Leben etwas genießt?

    Moin liebe Leute,

    wollte gestern ein kurzes Update schreiben, bin aber nicht dazu gekommen. Viel ist auch nicht passiert. Ich hab den Februar voll durchgearbeitet, da kann ich 'ne ordentliche Rechnung stellen. Freitag ist dann theoretische Prüfung für den Führerschein, da werde ich noch ein bißchen büffeln, aber 20 Probeprüfungen alle bestanden, es sieht also gut aus. Meine Schwachstellen sind Fahrassistenzsysteme (kenne ich nicht) und Anhängerkrams (hatte ich noch nie).

    So, im April geht es mal mit einem Kumpel für zwei Übernachtungen nach Sylt. Da habe ich jetzt endlich mal was, worauf ich mich freuen kann. Ich war noch nie auf Sylt. Das ist der Typ, der aus Rücksicht auf mich meistens ganz auf Alkohol verzichtet, aber es ist ja auch sein Urlaub, und wenn er da seine zwei, drei Bier trinkt, dann wäre das okay für mich. Wird es mehr, gibt's 'nen Rüffel und ich ziehe mich zurück, aber hallo! Wir wollen die Insel mit dem Rad erkunden, hoffentlich haben wir gutes Wetter.

    Alk ist kein Thema, eigentlich läuft gerade alles sehr gut. Nur die Zigaretten sind leider immer noch da.

    Grüße,

    H.

    EDIT: Außerdem waren es letzte Woche ganze sieben Monate ... Darüber freue ich mich sehr.

    Nika, Du bist höchst rückfallgefährdet, wenn in Deinem Haus weitergetrunken wird. Ob Du es irgendwie verkraften kannst, wenn Dein Partner abends mit 'ner Fahne heimkommt, das ist Deine Entscheidung. Für mich wäre es das wohl nicht. Aber aus Deinem Haus mußt Du einen alkfreien Tempel machen, das ist das A und O. Es wäre wohl das beste, wenn er sich jetzt eine neue Bleibe sucht.