Beiträge von Hanseat

    Hallo Ihr Lieben,

    Aktuell rutscht mein Mann immer weiter in das Loch der Abhängigkeit und die nüchternen Phasen werden immer kürzer. Es ist keine vernünftige Unterhaltung mehr möglich und er redet wirre Sachen. Er fährt auch betrunken Auto...Ärtzliches Fahrverbot besteht nach seinen Anfällen noch dazu. Am Sonntag war sein Freund bei ihm, der wollte mit ihm reden und ihn zur Vernunft bringen...natürlich ohne Erfolg. Er hat mir erzählt dass mein Mann erwähnt hat dass er schon überlegt hat dem ganzen ein Ende zu machen... und er fürchtet dass er sich was antut und dass ich doch was unternehmen soll! Er meint dass man nach so einer Aussage jemanden zwangseinweisen kann. Geht das denn so einfach? Im Klinikum hat er damals glaubhaft bestätigt dass er keine Suizid Absichten hat...allerdings war er da ja nüchtern...Weiss jetzt nicht was ich machen soll???!!!!

    Himmel, das klingt ja alles furchtbar. Die Sache mit dem Selbstmord: Ja, das kann funktionieren. Wenn Du den Notruf wählst und von Selbstmordabsichten erzählst, dann wird er auch gegen seinen Willen erstmal eingecacht, wenn er mit mehr als 2 Promille angetroffen wird. Das geht ungefähr für 2 Tage oder so, also, das ist leider auch keine dauerhafte Lösung.

    Wenn er ohne Führerschein Auto fährt, könnte man ihn dafür anzeigen, um ihn und vor allem andere zu schützen.

    Er ist wohl gerade wirklich auf dem Highway to hell ...

    Als ich damals in der Selbsthilfegruppe war, das ist jetzt auch schon ein paar Jahre her, mußte ich jedes zweite oder dritte Mal einen Rückfall beichten. Das habe ich dann ein paarmal so gemacht, und irgendwann bin ich nicht mehr hingegangen, weil ich die Leute auch nicht demotivieren wollte und die mich vermutlich sowieso nicht so richtig ernst genommen haben. Klar, irgendwann stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit.

    Wenn es aber nach dem Rückfall nüchtern weitergehen soll, wenn die Trockenheit weiterhin das unbedingte Ziel ist, dann ist dieses Forum der richtige Ort. Jedenfalls sehe ich das so. Vielleicht gibt es da auch Widerspruch von anderen, ich weiß es nicht. Warum sollte ich mich enttäuscht fühlen? Ich bin froh, daß Du wieder auf dem richtigen Weg und weiterhin hier bist.

    Ich möchte Dich auch nochmal für Deine Offenheit loben, Fibonacci. Ich lese hier auch mit, um etwas für mich zu lernen. Ich habe mal in einer Selbsthilfegruppe einen Mann getroffen, der schon viele, viele Jahre nüchtern war, und er sagte immer noch diesen Satz: Ich bin nur eine Armlänge von einem Rückfall entfernt. Das hört wohl nie auf.

    Was aber nicht passieren sollte: daß ein Rückfall dazu führt, daß sich jemand aus Scham aus diesem Forum zurückzieht. Das Leben besteht nicht nur aus Erfolgsgeschichten, wir alle kennen grob die Rückfallstatistiken. Alkohol ist ein Teufelszeug mit hohem Sucht- und Rückfallpotential, das ist leider so. Ich fände es schade, wenn jemand sich nicht traut, über seinen Rückfall zu schreiben, und deshalb auf die Hilfe hier im Forum verzichten muß.

    Tja, was soll ich denn als junger Wilder dazu sagen? Ich bin damals, gerade zwei Monate nüchtern, gegen Deinen Rat zum Jahrgangstreffen gegangen und habe das bis heute nicht bereut. Ich war mir allerdings auch zu 100 % sicher, daß ich da nichts trinken würde. Ich brauchte einfach mal wieder sozialen Kontakt.

    Ansonsten spielt mir Corona im Moment ganz gut in die Hände. Ich werde praktisch nie zu irgendwelchen Begegnungen gezwungen und kann immer selbst entscheiden, ob ich aus dem Haus gehe oder nicht. Was soll ich einer Kneipe, da gehe ich nicht hin. Meist besuche ich mal irgendwelche Freunde, die dann entweder wenig oder aus Rücksicht zu mir auch gar nichts trinken. Das Gefährlichste ist im Moment eigentlich der Supermarkt, aber da gehe ich souverän an den Alk-Regalen vorbei.

    Ich werde noch eine ganze Weile wachsam bleiben und keine Trinkrunden aufsuchen. Es stellt sich eh die Frage, was ich da überhaupt noch soll, denn sooo lustig sind die Witze von Besoffenen meistens gar nicht, wenn man nüchtern danebensitzt. Aber langfristig habe ich schon vor, auch mal wieder Konzerte zu besuchen, dann eben ohne Alk. Aber im Moment gibt's ja eh keine Konzerte.

    Glückwünsch zur Kleinen! Es ist furchtbar, wie Dein Ex mit Dir umgeht. Du bräuchtest jetzt Hilfe und Anerkennung, stattdessen kommen von seiner Seite nur Drohungen, und er glänzt mit Abwesenheit. Und Du bist an allem schuld. Okay, das muß man nicht verstehen.

    Alkis sind nie an irgendwas schuld, es hat sich immer die Welt gegen sie verschworen. Ich kann das so schreiben, weil ich als nasser Alki tatsächlich oft so gedacht habe. Jetzt ist mir klar, daß ich mir selbst mein Leben versaut hatte, dafür brauchte ich keine Feinde.

    Beide haben sich sehr gefreut und mehrfach bei mir bedankt, jetzt grüßen sie mich immer ausgesprochen freundlich. Tatsächlich habe ich bei einer Nachbarin den Verdacht, daß sie zumindest problematisch trinkt. Ein schlechtes Gewissen habe ich irgendwie trotzdem nicht.

    Herzlichen Glückwunsch zu sechs Monaten, LfL ... Irgendjemand kam mir neulich mit Statistik, und die besagt, daß in den zweiten sechs Monaten einiges schiefgehen kann ...

    Mein Engagement hier ist im Moment auch weniger geworden. Ich sehe es genauso wie Du: Ich bin für mich hier, nur für mich. Wenn ich andere mal trösten oder ihnen etwas Sinnvolles schreiben kann, dann freut mich das natürlich, aber in erster Linie geht es für mich darum, nicht mehr zu trinken. Wenn Du das Gefühl hast, es hilft Dir nicht, Dich in die Probleme hunderter anderer Menschen zu vertiefen, dann tue es nicht, das hat nichts mit Egoismus zu tun. Es geht ja letztlich nur um Deinen Schutz.

    Aber ich persönlich habe mir vorgenommen, diesem Forum in irgendeiner Form treu zu bleiben, egal, ob es mir gerade gut oder schlecht geht. Ich denke da immer an Stephen King, der seit 30 Jahren zu seiner AA-Gruppe geht. Der Mann wird wissen, was er da tut. Das eigene Alkoholproblem zu ignorieren oder gedanklich ganz auszublenden, ist zwar verlockend, kann aber schon wieder eine Rückfallgefahr darstellen.

    Hallo Fibonacci, den Rückfall finde ich natürlich nicht so toll, aber daß Du hier ehrlich schreibst, gefällt mir. Laß Dich nicht unterkriegen und gehe Deinen nüchternen Weg weiter. Fehleranalyse, tja, ob die mit zwei Zeilen so erledigt ist ... Hat sich denn der Rückfall nicht in irgendeiner Form angekündigt? Was kannst Du jetzt besser machen?

    Ich habe übrigens auch zu Weihnachten sechs Flaschen Wein von der Firma geschenkt bekommen. Die habe ich gleich meinen zwei hübschen Nachbarinnen vermacht. (Hier wohnen viele hübsche junge Frauen, leider alle ZU jung.) Die Flaschen lagen zwei Tage in der Wohnung, das war mir schon zuviel. Nicht, weil ich eine Gefahr gesehen hatte, aber ich wollte die Mistdinger einfach nicht in meiner Wohnung haben.

    Liebe Hoffnung,

    Du hast ja jetzt auch mehr als ein halbes Jahr rum, das dürfen wir ruhig mal feiern. Herzlichen Glückwünsch, Du bist super! Wir sind natürlich alle super! ;)

    Ganz liebe Grüße,

    Hanseat

    Ich sehe eben erst die vielen Glückwünsche. Habt alle ganz lieben Dank, ich bin sehr gerührt. Hier wird auch weiterhin nichts getrunken, das ist im Moment gar kein Thema. Heute bin ich nicht so zum Schreiben aufgelegt, es gibt auch gar nicht viel zu erzählen, demnächst gibt's mal wieder etwas mehr von mir.

    Hey, Hanseat... mal gefragt:

    Was hast Du in den 10 Tagen richtig gemacht? Was war es, was Dich davon abhielt? Kannst Du das benennen?

    Es war der Ortswechsel. Im Urlaub war ich gut abgelenkt und immer auf Achse, wir sind viel gewandert. Zuhause in meinen eigenen vier Wänden bin ich dann wieder eingeknickt. Ich sehe auch nicht, wie ich mein Leben jetzt von Grund auf ändern könnte, um solchen Situationen zukünftig aus dem Weg zu gehen. Ich kann ja nicht wie ein Nomade in der Wüste leben. Also müssen schon intelligentere Ansätze her.

    Du mußt Dich auf jeden Fall trennen. Was willst Du denn mit einem Mann, der Dich ständig belügt?

    "Er war nie gewalttätig oder fies zu mir, ich hatte das Gefühl egal wie viel er trinkt, er war klar. Wahrscheinlich spiegeltrinker."

    Auf jeden Fall liegt hier ein hohes Maß an Gewöhnung vor, da liegst Du mit Deiner Vermutung richtig. Wer nach zwei Flaschen Wein immer noch unfallfrei sprechen kann, ist kein Held, sondern ein Alkoholiker.

    Er macht Dir lauwarme Versprechungen, wird aber nicht konkret, dann schwindelt er noch mit seinem "Energy-Bier" rum. Er ist NICHT einsichtig und er will NICHTS ändern.

    Du solltest Dich mit so wenig nicht zufrieden geben. Warum es immer gleich Blockaden sein müssen, das verstehe ich zwar nicht, aber nun gut. Wichtig ist, daß Du Deinen Standpunkt klar vertrittst, und der sollte sein, daß eine Beziehung so nicht möglich ist.

    Ich habe von Co-Abhängigkeit keine Ahnung und schreibe da vermutlich eh schon mehr, als ich sollte, aber zwei Punkte möchte ich mal herausgreifen.

    "Einsicht bedeutet noch lange keine Handlung."

    So ist es. Ich weiß seit über 20 Jahren, daß ich schwerer Alki bin, und habe erst im letzten Jahr die Notbremse gezogen. Das waren 20 Jahre, in denen ich zwar einsichtig und reumütig war und alle möglichen Hilfsangebote abgeklappert habe, aber ich war eben nie für längere Zeit trocken.

    "Dass es allerdings daran liegt, dass das hier ein Alkoholikerforum ist und sich ja nun diese Leute gerade deshalb hier treffen und deshalb ein ganzer Schwung hier anzutreffen ist, das ist ja auch klar."

    Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Dieses Forum bildet nicht die Gesellschaft ab. Die allermeisten Alkis suchen sich nie Hilfe, glauben ihr Leben lang, sie schaffen das schon irgendwie alles alleine, und scheitern so. Und selbst die, die sich Hilfe suchen, schaffen es oft nicht, von der Droge loszukommen. Hier melden sich genug Leute optimistisch und hoffnungsfroh an, und nach vier Wochen hört man nichts mehr von ihnen. Im Moment besuche ich keine reale Selbsthilfegruppe, aber ich kann von mir selbst nur sagen: Außerhalb der Selbsthilfegruppe kenne ich persönlich überhaupt keine trockenen Alkoholiker, wirklich keinen einzigen.

    Er hatte heute im Klinikum noch einen weiteren Anfall. Morgen kommt er in die Entzugsklinik, er hat eingewilligt. Seine letzte Option was unsere gemeinsame Zukunft angeht

    Ich bin da bei Mona. Er muß jetzt mal mindestens ein Jahr trocken bleiben, bevor man an sowas wie eine Beziehung überhaupt nur denken kann. Und selbst dann ist die Zukunft leider ungewiß. Ich weiß nicht, ob Du so lange warten solltest. Besinne Dich lieber auf Dich selbst.

    Was den Suchtfaktor angeht, liegt Nikotin deutlich vor Alkohol, Cannabis und Kokain. WIe es mit Heroin aussieht, weiß ich nicht, vielleicht ist das vergleichbar. Und auch wenn ich jetzt vorläufig wieder rückfällig geworden bin, kann ich anderen die frohe Botschaft übermitteln, daß der Entzug bei mir wirklich nicht so schlimm war. Keine Schweißausbrüche, keine schlaflosen Nächte, keine Wutanfälle, gar nichts. Nur ein leeres Gefühl im Magen und zwei Hände, die merkwürdigerweise am Körper baumeln, und man hat keine Idee, wo man die Dinger hinpacken soll. Am Entzug bin ich jedenfalls nach 12 Tagen nicht gescheitert, "nur" an der Gewohnheit.