Beiträge von Hanseat

    Mandarinen sind doch Baby-Kürbisse, oder etwa nicht? Die ißt man doch zu Weihnachten, weil sie vom Herbst noch übrig sind?

    Ich freue mich schon auf nächstes Jahr. Da werde ich die Kinder als Darth Vader verscheuchen und dann die Bonbons ganz alleine essen! Vielleicht werde ich mich aber auch nur gründlich vorbereiten, und dann klingelt niemand ...

    Liebe Penelope, zunächst einmal Glückwunsch zu Deinem schönen Forums-Namen. Eigentlich halte ich mich mit Ratschlägen für Angehörige zurück, weil ich von der anderen Seite des Tresens komme, aber das liest sich für mich alles nicht gut. Er trinkt bisher nur am Wochenende viel zu viel, seinen Job bekommt er noch so halbwegs geregelt, wie Du schreibst -- da kann er noch einen langen Weg vor sich haben. Er bestreitet ja auch, ein Alkoholproblem zu haben. Er beschimpft Dich, er manipuliert Dich, er redet Dir ein schlechtes Gewissen ein -- das habe ich jetzt schon viele Male hier im Forum so gelesen.

    Sorry, wenn das zu deutlich ist, aber eigentlich denke ich die ganze Zeit: Mädchen, nimm beide Füße in die Hände und lauf weg, so schnell Du kannst.

    Gestern abend hat es an meiner Tür geklingelt. Ich dachte, komisch, der Obdachlose lebt doch nicht mehr, ein Paket erwarte ich auch nicht am Sonntagabend, was ist denn hier los? Standen da zwei Kleinkinder in Gruselkostümen und herrschten mich an: "Süßes oder Saures!" Ich dachte für einen kurzen Moment, ist das hier Hamburg oder Los Angeles? Naja, schweren Herzens habe ich meine letzte Tüte Lieblingsbonbons hergegeben, worüber die zwei in Streit verfielen, wer denn die Tüte nun bekomme. Ich, ganz salomonisch: Kinders, das teilt ihr euch bitte, ja? Nächstes Jahr werde ich vorbereitet sein und kleinere Tütchen parat halten ...

    Später noch kurz mit einem Freund drüber telefoniert, der gleich über die fortschreitende Amerikanisierung unserer Gesellschaft lamentierte. Ich fand das völlig daneben. Es ist doch schön für die Kinder, wenn sie mal die Anonymität der Großstadt für sich etwas aufbrechen können. Und den Zahnarzt freut es auch. Win-win, wie man heute sagt.

    H.

    "Ich akzeptiere für mich, dass ich Alkoholiker bin und schäme mich nicht dafür."

    Geht mir ganz genauso. Ich habe mich immer nur geschämt, wenn ich nichts dagegen unternommen habe. Ja, es ist eine Krankheit, meinetwegen auch eine unverschuldete Krankheit, aber eben eine, die "leicht", ich setze dieses Wort mal in Tüttelchen, zu stoppen ist. Normalerweise braucht ein kranker Mensch medizinische Hilfe, hier hat er es selbst in der Hand. Ich habe schon einige Therapieversuche, Krankenhausaufenthalte, Suchtberatungen und Selbsthilfegruppen hinter mir, welche neue Knaller-Erkenntnis soll denn da noch kommen, außer der, daß ich aufhören muß zu saufen?

    Spiegeltrinker können schon wirklich kurios sein. Nach außen geben sie sich völlig normal, sie lallen auch oftmals gar nicht, aber nach dem Promillewert fragt man besser nicht. Aber sie sind natürlich auch keine Superhelden, wie Deine Geschichte mit dem Unfall konkret beweist. Ein Baby gehört sicher nicht in die Hände eines Trinkers, egal ob Spiegel oder sonstwas. Daß das alles in der Familie tabuisiert wird -- mein Mann ist doch kein Alkoholiker! --, macht die Sache natürlich nicht einfacher, aber vielleicht wäre ja doch ein klärendes Gespräch ohne große Aufregung möglich?

    "Er hat dir bereites gedroht, dass du bald sterben wirst,"

    Das ist übrigens etwas, das Polizei und der Anwalt unbedingt wissen sollten. Daraus kann ein Anwalt eventuell was basteln, keine Ahnung, wie das genau heißt, aber es läuft darauf hinaus, daß er sich dem Haus und Euch nicht nähern darf. Ob er sich dran hält, zumal im Suff, steht dann nochmal auf einem anderen Blatt ...

    Ich stimme Lea zu, daß dieses Haus kein sicherer Rückzugsort für Euch ist, auch nicht mit irgendeinem polizeilichen Beschluß.

    Lieber Hanseat,

    Kannst du mir eine Frage beantworten?

    Weiß derjenige eigentlich, dass er alles zerstört durch das trinken?

    Zumindest in den nüchternen Momenten?

    Oje, ich bin nicht Mister Allwissend, aber Alkis haben doch immer ihre Katzenjammer-Momente. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß er in diesen Momenten genau weiß, was er tut, ja. Aber das ist dann mit der nächsten Buddel in der Hand gleich auch wieder egal.

    Mannomann, wenn ich das hier so lese ... Es ist furchtbar, was der Alkohol in den Familien anrichtet. Wenn ich die Räumlichkeiten dazu hätte, würde ich sie Dir sofort übergangsweise anbieten, aber ich lebe selbst wie ein Student und das ist nicht mehr als ein Gedankenspiel. Mein Elternhaus wurde auch durch Alkohol zerrüttet, und als Kirsche auf der Torte bin ich selbst noch zum Alkoholiker geworden.

    Gerecht wäre es, wenn er sich ein Hotel suchen müßte, so lange, bis Du mit Deinen Kindern eine neue Bleibe gefunden hast. Aber diese Welt ist eben nicht immer gerecht. Was hält Dich denn noch an dem Haus, wenn es der Mann nicht ist und Du derzeit auch keine Arbeit hast? Vielleicht könnten Dir doch Deine Eltern kurzfristig helfen, auch wenn sie krank sind? Wichtig ist nur, daß Du Dich da jetzt endlich vom Acker machst und Dein jahrelanges Martyrium beendest. Da ändert sich ja doch nichts zum Besseren. Er müßte sich längst in Therapie befinden, alles andere ist nicht akzeptabel.

    Viel Glück für Dich und Deine Kinder!

    Hallo Morgenrot,

    naja, man steckt halt so drin in dem Strudel und weiß gar nicht, was Ursache und was Wirkung ist. Der Alkhol ist jedenfalls eine ganz fiese Falle für Depressive und psychisch Erkrankte. Er bietet kurzfristig Entspannung, sagen wir mal für eine Stunde oder so, aber präsentiert dir am Ende eine gepfefferte Rechnung, verbunden mit dem Angebot, ihn doch bald mal wieder zu beehren. Ich war auch schonmal vor vielen Jahren bei einem Psychotherapeuten, der hat mich wieder nachhause geschickt, als ich zwei Termine hab sausen lassen, mit den Worten, das hat so keinen Zweck, werden Sie erstmal nüchtern. Ich dachte so bei mir, Scherzkeks, wenn ich nicht mehr saufen müßte, dann bräuchte ich deine Hilfe doch gar nicht! Es ist alles vertrackt und verzwickt, nichts geht vor und nichts zurück, es nützt alles nichts: nur nüchtern kann man mal eine Bestandsaufnahme machen und dann eine passende Therapie auswählen.

    Bei einem Bekannten von mir ist jetzt eine Borderline-Erkrankung sichtbar geworden. Was macht der arme Kerl? Saufen. So entfernt er sich immer mehr von der Therapie, die er dringend nötig hätte. Natürlich gesteht er sich auch nicht ein, daß er Alkoholiker ist, und so hat er, fürchte ich, wohl noch einen langen Leidensweg vor sich.

    H.

    Da fällt mir gerade auf, ich habe gar nicht über das größte Geschenk meiner Nüchternheit gesprochen: das Ende meiner Depressionen. Die haben mich regelmäßig heimgesucht, völlig unvorhersehbar, auch wenn ich mal für ein paar Wochen nichts getrunken habe. Oft genug waren die für mich natürlich ein Grund, mir erstmal einen hinter die Binde zu kippen. Aber Gründe zum Saufen brauchte ich eigentlich nicht wirklich. Ich habe mal gelesen, ein Alkoholiker kennt sieben Gründe zu trinken: Montag, Dienstag, Mittwoch ... Wenn ich ehrlich sein soll, dann war das so bei mir. Wenn es mir schlecht ging, habe ich gesoffen; wenn ich mal verhältnismäßig gute Laune hatte, dann genauso.

    Jetzt, nach drei Monaten, bin ich mir ziemlich sicher, daß ich gar keine Depressionstherapie brauche. Ich hüpfe zwar nicht durch den Wald wie ein neugeborenes Reh, aber ich fühle mich gelassen und zufrieden, und das dauerhaft. Ich merke, daß ich nicht mehr so schnell explodiere wie früher, wenn irgendwas schiefläuft. Ich fresse auch nichts mehr in mich rein -- wenn mir was nicht paßt, dann sage ich das in einem ruhigen, konstruktiven Ton. Aber eine Suchttherapie möchte ich jetzt, da die Voraussetzungen dafür gegeben sind, endlich anfangen. Ich will mich stabilisieren und dafür sorgen, daß ich nicht wieder rückfällig werde.

    Gestern habe ich mal angefangen, rumzutelefonieren, und bin etwas verwrirrt. Es gibt wohl Therapeuten, die man gezielt anrufen kann, da hat man dann nur Einzelsitzungen. Dann gibt es Alkoholtherapien, die hauptsächlich aus Gruppensitzungen bestehen. Ist irgendwie beides nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Naja, nächste Woche geht meine Suche weiter. Vielleicht hat ja auch hier jemand ein paar Anregungen.

    Grüße,

    H.

    Guten Morgen Lea (und andere),

    ich sitze hier gerade bei meinem ersten Kaffee und habe den Beitrag von Cadda gelesen, dann noch den 61jährigen Neuzugang, der offenbar als Putzfrau verpflichtet werden soll. Die meisten Cos hier sind weiblich, der Partner säuft und kifft und macht Vorwürfe, Mensch, das wirft kein gutes Licht auf mein Geschlecht. Ich weiß allerdings noch von meiner -- leider abgebrochenen -- Reha, daß die meisten Alkis Männer sind. Das ist halt so. Warum melden sich hier keine männlichen Cos an, die es ja sicher auch gibt? Weil Männer sich nicht so schnell Hilfe von außen suchen, sondern lieber erstmal alles auf eigene Faust versuchen?

    Ich sinniere gerade darüber, inwieweit das alles mit Rollenbildern zu tun hat, die wir uns selbst auferlegen. Für mich war immer klar, wenn ich gearbeitet habe, dann habe ich mir als Mann auch die zwei "Feierabendbierchen" verdient, verdammt nochmal. Bis dann irgendwann aus den täglichen zwei Bierchen tägliche 20 Bierchen und mehr wurden. Da fällt mir gerade der Film "Wyatt Earp" mit Kevin Costner ein. Wyatt Earp ist ja schon irgendwie eine urmännliche Type, aber in diesem Film beschließt er irgendwann, nichts mehr zu trinken, und bestellt im Saloon ein Wasser oder sowas. Das hat mich damals, als ich diesen FIlm gesehen habe, ziemlich beeindruckt.

    Heute bin ich bei Tag 97. Ich war noch nie seit meinem 16. Lebensjahr so lange nüchtern, da kann man mit Fug und Recht von einer historischen Zahl sprechen. Seit über drei Monaten haue ich auf der Arbeit rein, ohne Fehlzeiten, mein Kunde dürfte Bauklötze staunen, was ich vom Homeoffice aus aber nicht so mitbekomme. Gesagt wurde noch nichts, aber ich bin mir sicher, die fragen sich alle, was denn bloß mit dem Hanseaten plötzlich los ist, der arbeitet ja plötzlich zuverlässig! Dienstag werden es 100 Tage sein. Eine Jubiläumsfeier ist nicht geplant, ich mach dann, wie Beppo der Straßenkehrer, einfach Stück für Stück weiter bis zur 101.

    Im Moment will ich einfach nicht trinken. Ich bin so saumäßig stolz auf das Erreichte, das will ich jetzt nicht gleich wieder mit dem Hintern einreißen. Die letzten drei Wochen waren einfach, ich will einfach gar nicht mehr trinken. Aber wie Hartmut neulich zitierte: Es ist eigentlich egal, ob ich nicht mehr trinken darf oder will oder ob ich es nicht mehr brauche: Ich kann einfach nicht mehr trinken, denn kontrolliertes Trinken ist für mich nicht möglich. Ich trinke immer so lange, bis es mich anwidert und ich völlig erschöpft ins Bett falle. Das kann drei oder fünf Tage dauern. Das geht einfach nicht mehr, denn dann wartet ganz sicher der soziale Abstieg auf mich, und es werden sich auch gesundheitliche Probleme einstellen.

    Es geht mir so gut wie lange nicht. Wenn ich mal versuche, mich selbst von außen zu betrachten, dann muß ich sagen: Es gibt für mich objektiv gesehen absolut nicht den geringsten Grund, wieder mit der Sauferei anzufangen. Ich gucke sogar schon wieder mal ein bißchen den Frauen hinterher, was ich seit Jahren nicht mehr getan habe, weil ich gar keine Frau in meinem Leben, in diesem Säuferleben haben wollte.

    Der letzte Kaffee war etwas dünn, ich werde jetzt nochmal meine neue, wundervolle Espressomaschine anwerfen ...

    Dieses Forum bedeutet mir gerade sehr viel. Ohne Euch hätte ich die 97 höchstwahrscheinlich nicht geschafft. Ich brauche auch Motivation von außen, um in den Quark zu kommen. Ihr wart für mich da, mit Lob und auch mit Warnungen, dafür sage ich mal danke. Es ist wahr, daß wir hier wenig Späßchen machen, aber mit geschriebenen Späßchen im Forum oder über WhatsApp ist das immer so eine Sache, irgendwer bekommt garantiert irgendwann irgendwas in den falschen Hals. Ich bin für Humor eigentlich immer zu haben, denn er hilft uns, auch ernste Probleme besser zu ertragen. Wir alle wissen, wie rauh und verletzend die sozialen Medien im Internet sein können, und wir bieten hier, wenn wir uns unsere Schwächen eingestehen, natürlich auch jede Menge Angriffsfläche. Umso schöner, daß ich hier bisher noch kein Mobbing beobachtet habe, weder bei mir noch bei anderen. Das ist eine großartige Leistung im manchmal unerbittlichen Internetdschungel. Apropos soziale Medien: Die habe ich auch alle geknickt, war da eh nie so der Enthusiast, ich schreibe derzeit nur noch in diesem Forum. Meine Alkoholsucht soll das wichtigste Thema für mich bleiben.

    Seid alle ganz lieb gegrüßt und habt ein schönes Wochenende!

    Hanseat

    In der Hoffnung, daß es Dir hilft, Löwenmama, schreibe ich diese Zeilen. Ich fühle mit Dir. Du stehst hilflos und ohnmächtig daneben. Eigentlich müßte die Kavallerie, sprich Polizei oder das Ordnungsamt da einreiten. Wenn er wirklich eine Gefahr für sich selbst oder andere darstellt, müssen die Dir eigentlich helfen.

    Paß nur gut auf Dich auf und gönne Dir auch mal ein paar schöne Momente. Sein Leben fährt er gerade vor die Wand; laß nicht zu, daß er Dich mit in den Abgrund reißt.

    Das hast du gut erkannt sobald jemand etwas gegen das Trinken sagt ist er unten durch denn der nasse Alkoholiker verteidigt seine Sucht und redet sich selber froh. Leute die etwas dagegen sagen werden als lästig oder überflüssig empfunden.

    Das kann ich aus eigener Erfahrung so bestätigen. Als ich 27 war, hatte ich auch eine Freundin, die meinen Alkoholkonsum sehr kritisch beäugt hat. Damals war ich noch kein schwerer Alkoholiker, Leben und Job habe ich gut geregelt bekommen, aber mein Konsum war damals schon hochproblematisch, und ich habe es jedes Wochenende krachen lassen. Die Bedenken meiner Freundin wollte ich nicht hören, ich fand, das war kleingeistiges und spießiges Gemoser. Heute weiß ich, daß ich damals nicht gut mit ihr umgegangen bin und nicht der Freund war, den sie verdient hatte.

    Hanseat

    Er findet seine Wohnung ja eh Kacke und das Dorf ebenfalls, ich glaube eher dass er es nicht lange hier aushält

    Bis ein nasser Alki mal einen Umzug geregelt bekommt, kann schon etwas Zeit ins Land gehen. Dann gehe ich mal davon aus, daß die Ex in der Nähe wohnt, da hat er ja jetzt offenbar eine neue "Freundin" und Anlaufstelle gefunden -- also, ich würde mich nicht darauf verlassen, daß sich das Thema alsbald von selbst erledigt. Wie geht denn Deine Tochter mit der Situation um, ist er überhaupt der Vater?