Hi Linde,
ich sehe ein, daß ich mit dem kalten Entzug auf eigene Faust möglicherweise kein gutes Vorbild bin. Ich wüßte aber auch nicht so recht, wie ich das mit geschätzten drei Promille intus besser hätte organisieren sollten, vielleicht hast Du da ein paar Ratschläge.
Ja, die Bude ist absolut alkfrei, es steht nur noch eine der beiden leeren Bierflaschen als Mahnmal im Regal. Ich weiß noch nicht, ob das eine gute Idee ist, aber sie soll mich an meinen letzten schrecklichen Absturz erinnern.
Mein Alltag sieht so aus, daß ich morgens früh aufstehe und dann acht Stunden mit Mittagspause im Homeoffice verbringe. Freitags gehe ich ins Büro, nur fürs Mittagessen, wo dann immer Wein getrunken wird, aber da habe ich die letzten beide Male einfach gesagt, daß ich keinen Wein will, und es wurde auch nicht weiter nachgefragt. Ich lebe als Single und brauche einfach mal hin und wieder etwas Gesellschaft.
Grundsätzlich bin ich schon viel allein, deshalb halte ich es für eine gute Idee, Online-Unterstützung zu haben, wo ich immer lesen und schreiben kann, wenn mir danach ist.
Was ich tue? Ich lese eben viel und höre Podcasts zum Thema Alkohol zum Einschlafen. Außerdem habe ich mir in den letzten zwei Wochen ganz viele Filme angesehen, in denen Alkoholkrankheit Thema ist. Ich lese wie verrückt und bin seit vorhin in diesem Forum.
Was Therapie und Selbsthilfegruppen angeht, da bin ich, zugegeben, etwas faul. Vielleicht muß mich da mal jemand zurechtstutzen. Es gibt eine AA-Gruppe hier in der Nähe, die mir allerdings nicht gefallen hat. Leider sehr viele Selbstdarsteller und Dauerquassler da, die einfach nicht zum Ende kommen. Mir gefällt dieses Quasireligiöse bei den AA auch nicht unbedingt, vielleicht wäre eine andere, formlosere SHG für mich besser. Bin für Tips offen.
Ein paar Fragen hätte ich tatsächlich. Das entscheidende ist ja, wie verhindere ich in einer gefährlichen Situation den nächsten Rückfall? Da hätte ich gerne einen Notfallkoffer, der nicht zu kompliziert sein sollte, damit ich mir die wichtigsten Gedanken schnell aufrufen kann. Ich habe da bisher:
- Bei Suchtdruck langsam atmen und mehrfach laut "Nein!" sagen.
- Die Frage nach dem Warum stellen: Warum will ich aufhören zu saufen?
- Die schlimmsten drei Rückfälle in Erinnerung rufen.
- Die Splitscreen-Technik anwenden: Stell dir vor, was alles Schlimmes passieren kann, wenn du jetzt säufst, und wie morgen früh aussieht, wenn du nichts säufst
- Und außerdem: null bleibt null. Kann man sich gut merken.
Wie haben andere, wie hast Du es geschafft, Rückfälle zu vermeiden, was sind gute Tricks?
Grüße,
Max