Beiträge von Hanseat

    Meine Freunde wissen wie gesagt alle, daß ich Alki bin, und da ist keiner dabei, der mich schief anguckt, wenn ich nichts trinken will. Ganz im Gegenteil, alle bestärken mich und finden es gut, wenn ich die Finger vom Bier lasse. So Zechkumpanen habe ich schon lange nicht mehr -- ich habe ja die letzten Jahre eigentlich nur noch alleine gesoffen.

    MeaCulpa, wenn Saufbekanntschaften, "Freundschaften" würde ich das gar nicht nennen, mal enden, dann ist es gewiß nicht schade drum. Echte Freunde respektieren es und helfen Dir dabei, wenn Du nichts trinken willst.

    Liebe Grüße,

    Hanseat

    Ich habe auch einen guten Freund, der leider sehr viel trinkt, wenn auch lange nicht soviel wie dieser Spiegeltrinker, von dem Du erzählst. Ich habe ihn in den letzten Monaten gar nicht mehr gesehen und suche da im Moment nicht unbedingt den Kontakt. Ich halte mich lieber an Menschen, die wenig trinken. Menschen, die gar nichts trinken, kenne ich leider auch nicht. Eigentlich halte ich alle meine Freunde für mehr oder weniger gefährdet: abends zum Feierabend saufen sie alle. Im Sportverein: gleiche Kiste, in der WhatsApp-Gruppe dreht sich alles nur ums Saufen und manchmal noch um Sport. Privat mit Leuten aus der Firma treffen? Kann ich auch vergessen, die wollen dann alle gesellig saufen.

    Ich kapsel mich deshalb gerade etwas von allem ab. Zum Glück bin ich ein Mensch, der eigentlich sogar ganz gerne allein ist. Und wenn ich wirklich mal jemanden sehen will, dann bekomme ich das schon hin. Heute habe ich zum Beispiel auch einen Freund getroffen. Wir haben gemeinsam einen Milchkaffee getrunken.

    Zu Spiegeltrinkern fällt mir noch ein, da habe ich auch mal so einen kennengelernt, der war dauerbesoffen und hat dabei kein Stück gelallt. Er stank nur meilenweit nach Wodka, wobei er glaubte, man riecht den Wodka nicht, wenn man dazu Kaugummi kaut. Absolute Fehleinschätzung! Aber zu dem hätte ich mich auch bedenkenlos ins Auto gesetzt. Diese Leute trinken, um irgendwie normal zu bleiben. Ich bin nicht so, ich bin der Typ Exzeßtrinker. Dieser Spiegeltrinker war auch höchst funktional und hat sein Leben, soweit ich das sehen konnte, geregelt bekommen, aber naja, was soll daran erstrebenswert sein, den ganzen Tag und schon morgens vor dem Frühstück Schnaps zu trinken?

    Bei der Gelegenheit kann ich noch was Positives vermelden: ich habe mich gründlich durchchecken lassen, und meine Leberwerte sind absolut einwandfrei. Ein Wunder.

    Hallo MeaCulpa,

    ich habe ein ähnliche Lebensgeschichte hinter mir wie Du. Illegale Drogen habe ich vor langer Zeit aufgegeben, die sind deshalb hier für mich auch kein Thema, geblieben sind Zigaretten und König Alkohol, wie ich ihn manchmal nenne. Bin jetzt 52 Tage nüchtern, vorgestern war also ein Mini-Jubiläum.

    Daß Du Dich energiegeladen und zum Bäume-Ausreißen fühlst, freut mich, und ich gönne es Dir natürlich von Herzen, aber laß mich aus Erfahrung sagen, daß das leider auch wieder vergeht. Mir ging es vor einigen Wochen nämlich ganz genauso, da war ich für zwei, drei Tage absolut manisch im positiven Sinne und einfach höllisch gut gelaunt. Das kann wohl in der ersten Phase der Nüchternheit so kommen. Also, laß Dich nicht entmutigen, wenn dieses Hoch wieder verfliegt.

    Es ist gut, sich schuldig zu fühlen, wo es angemessen ist, damit zeigst Du Verantwortung. Aber paß auf, daß Du Dich nicht selbst zu sehr runtermachst, denn dann winkt ja wieder der Freund Alkohol, der hat gute Tips, wie man das alles am besten schnell wieder vergessen kann ... Alkoholismus ist eine Krankheit. Wir sind Kranke und keine Kriminellen.

    Ansonsten viel Erfolg und alles Gute,

    Hanseat

    Heute kann ich euch voller Freude mitteilen, dass ich mit dem heutigen Tag seit 14 Wochen trocken bin. Ist das nicht schön?

    Super, Cinderella. Jetzt muß ich mal im Kopf nachrechnen, ob das schon 100 sind. ;)

    Neulich hab ich gelesen, Elton John ist seit 30 Jahren trocken. Das nenne ich mal eine Hausnummer! Aber wir sollen ja von Tag zu Tag denken, sonst machen wir uns nur verrückt ...

    Hi LfL, ich bin heute bei Tag 49, wir haben also etwas gemeinsam. Bei mir kam auch gestern zum ersten Mal der Gedanke an Alkohol. Wochenende, Langeweile, innere Leere, ich bin essen gegangen, und plötzlich war der Gedanke da, ein Bier zu bestellen. Hab ich nicht gemacht, ich hab mir einfach immer wieder selbst vorgebetet, daß es nicht bei diesem einen Bier bleiben würde, und hej, außerdem will ich die 49 Tage jetzt nicht einfach so wegwerfen.

    Was letztendlich geholfen hat: essen. Ich hatte einfach Hunger. Eine Viertelstunde nach dem Essen war jeder Gedanke an Alk verflogen.

    Auf die nächsten 50 Tage!

    Guten Morgen,

    jetzt geht es gerade von Kroatien Richtung Heimat. Es war eine sehr schöne und alkoholfreie Woche. Habe keinerlei suchtdruck verspürt, sondern die Klarheit in meinem Kopf richtig genossen. Mein Mann hat mir auch Komplimente gemacht. Ich bin auf dem richtigen Weg. Jetzt freue ich mich auf meine 2 Enkelinen. 2 Jahre und 6 Monate alt.

    Wünsche euch allen ein schönes Wochenende 8)

    Super, Hoffnung, es läuft ja alles gut bei Dir! Hier sind es jetzt 7 Wochen.

    Hier auch keine Zwischenfälle, obwohl ich schon sagen muß, daß gestern der Gedanke an ein Bier zumindest mal durch meinen Kopf gegeistert ist. Den habe ich aber gleich wieder weggebügelt.

    Abi-Treffen weiß ich noch nicht genau. Das findet nur alle 5 Jahre statt, und ich muß mal unbedingt aus meinem Schneckenhaus, deshalb würde ich schon gerne hin. Wenn ich mich zu 100 % sicher fühle, dann gehe ich auch. Der Fluchtweg ist ja schon geplant.

    Demnächst ist von der Firma noch ein Sommerfest auf einem Schiff geplant. Da werde ich definitiv absagen, denn vom Schiff kann ich nicht abhauen, wenn es mir zu langweilig oder zu kritisch werden sollte.

    Danke für die aufmunternden Worte.

    An Thalia: Das mit dem Sich-selbst-Verzeihen ist eine komplizierte Kiste, und ich weiß noch nicht, wie das alles für mich wird. Ich sehe mich als Menschen, der in den letzten Jahren einfach schwer krank war. Einem chronisch Kranken macht man ja auch keine Vorwürfe. Für mich liegt in der Vorstellung, daß Alkoholismus eine Krankheit ist, die Möglichkeit, mir selbst zu vergeben und mutig in die Zukunft zu gucken. Andererseits will ich meine Verfehlungen auch nicht einfach so abhaken und so tun, als wäre nichts gewesen, denn dann hätte ich wohl nichts gelernt. Eine gute Balance ist wohl wichtig. Ich weiß nur, daß ich mich nicht dauerhaft darauf reduzieren möchte, ein trockener Alki zu sein. Außerdem bin ich ja noch gar nicht wirklich trocken, da müssen schon noch ein paar Wochen und Monate dazukommen.

    Das Buch von Catherine Gray ist mit Abstand das beste, das ich bisher zum Thema gelesen habe. Mir fallen auch noch ein paar andere gute Namen ein, etwa Daniel Schreiber, Simon Borowiak, Benjamin v. Stuckrad-Barre und meinetwegen noch Jack London, aber Catherine Gray schreibt einfach ungeheuer informativ, witzig und motivierend, wie eine gute Freundin, die neben mir auf der Bettkante sitzt. Ich gehe jetzt in die Sonne, einen Cappuccino trinken, und werde dann das Buch vermutlich zu Ende lesen. Ich weiß noch gar nicht, welches Buch als nächstes kommen soll. Vielleicht lese ich das Buch gleich danach noch ein zweites Mal, denn das ist es sicher wert. Das Buch von Laura McKowen gibt es noch nicht in deutscher Übersetzung, und auf englisch lese ich nicht so gerne.

    Ich kann nur für mich persönlich sagen, daß Lesen mir aktuell die größte Unterstützung und dauerhafte Motivation ist, nüchtern zu bleiben.

    Ich glaube, auf Netflix und Amazon habe ich jetzt alle Filme über die Alkoholkrankheit durch. Jetzt fällt mir bei den übrigen Filmen auf, wie positiv Alkohol immer dargestellt wird, neuerdings auch bei den "starken Frauen", die heutzutage so verlangt werden: die emanzipierte, feministische, beruflich erfolgreiche Frau und Supermama ist trinkfest wie ein Matrose. Eine fragwürdige Vorstellung von Gleichberechtigung.

    Alles Liebe,

    Hanseat

    Hallo allerseits,

    heute habe ich 42 nüchterne Tage auf der Uhr. Das habe ich zwar öfter schon geschafft, aber für meine Verhältnisse ist das absolut überdurchschnittlich. Normalerweise bin ich zwei Wochen nüchtern und saufe mir dann drei Tage lang die Rübe weg, das ist mein typischer Rhythmus. Es war allerdings bisher auch ein Spaziergang, größeren Suchtdruck hatte ich nicht. Ich fühle mich gut und aktiv und würde gerne Bäume ausreißen, allerdings macht mir gerade mein Rücken (Bandscheibenvorfall) einen Strich durch die Rechnung. Nun ja. Man kann nicht alles haben.

    In der letzten Woche habe ich viele gute Dinge getan: zuverlässig und regelmäßig gearbeitet, eine ganze Latte von Arztterminen vereinbart und zum Teil auch schon wahrgenommen. Ich habe mir ein Rudergerät bestellt und nehme jetzt ein paar Verbesserungen an der Wohnung in Angriff. Seit drei Jahren wollte ich mir mal eine neue Matzatze besorgen, das habe ich jetzt auch endlich in die Wege geleitet. Parodontosebehandlung schiebe ich ebenfalls seit drei Jahren erfolgreich vor mir her, auch da ist ein Anfang gemacht.

    Ich lese und fühle hier mit. Besonders interessant finde ich im Moment die Sichtweise der Co-Abhängigen, das ist ein Thema, über das ich mir bisher kaum Gedanken gemacht habe. Ich war ehrlich gesagt so ignorant, daß ich nie verstanden habe, warum die eigentlich eine eigene Selbsthilfegruppe brauchen, denn sie haben ja kein Suchtproblem. Auch bei mir sind Beziehungen wegen Alkohol in die Brüche gegangen. Ich habe nie der Frau die Schuld dafür gegeben, aber ich frage mich, was ich eigentlich meinen Partnerinnen, Freunden und der Familie schon so alles angetan habe, ohne es zu wollen. Kein leichtes Thema für mich, da kommen eine Menge Schuldgefühle hoch. Über allem schwebt sowieso das bittere Gefühl, daß ich die letzten 20 Jahre meines Lebens mehr oder weniger verschenkt habe. Es gab keine wirkliche Entwicklung, nur Seitwärtsbewegungen auf niedrigem Niveau.

    Aber ich schreibe heute lieber mal etwas Positives. Ich fühle mich gut und stabil, bleibe aber mir selbst gegenüber mißtrauisch. Zu viel Selbstsicherheit hat mich schon oft genug zu Leichtsinn und damit zu einem Rückfall geführt. Aber für den Moment freue ich mich einfach mal, da möchte ich micht nicht in destruktiver Weise selbst kasteien.

    Ich wünsche allen einen schönen Sonntag,

    Hanseat

    Hallo Hartmut, einfach nicht hinzugehen, ist natürlich auch eine Option, und wer weiß, vielleicht höre ich auf Deinen Rat. Andererseits ist das ja nur die eine Hälfte, die sich da vollaufen läßt, Die andere Hälfte wird mit dem Auto da sein und gar nichts trinken, und an die wollte ich mich halten. Vielleicht ist es wirklich schlauer, dem fernzubleiben, aber ich denke mir so, ich habe da noch eine Rechnung offen.

    Hallo Cadda und Hartmut,

    danke für die Antworten. Daß ich schwerer Alkoholiker bin, weiß ich schon seit 20 Jahren, da mache ich mir schon lange nichts mehr vor. In meinem privaten Umfeld gehe ich auch sehr offen damit um. Meine engsten Verwandten und Freunde wissen Bescheid. Auf der Arbeit bin ich nicht ganz so ehrlich. Es geht allgemein bei meinem jetzigen Kunden sehr arbeitsorientiert und "professionell" zu, private Gespräche ergeben sich eher selten. Ich sehe keine Verpflichtung dazu, mein Privatestes nach außen zu kehren, aber ich habe auch nicht vor, mir ständig neue Ausreden auszudenken. Ich sage einfach, daß ich nichts trinke, und damit hat es sich dann.

    Einmal bin ich auf einer Weihnachtsfeier -- nüchtern! -- um 22 Uhr abgehauen, da hat mich noch mein Auftraggeber an der Garderobe abgepaßt und mir ins Gewissen geredet, ich könne doch nicht jetzt schon abhauen, wo's gerade erst lustig wird. Was er mit "lustig" meint, ist mir schon klar: Abends um 11 sind alle knülle und reden nur noch dummes Zeug und hören schlechte Musik. Solche Situationen sind sehr unangenehm, aber ich muß wohl lernen, damit umzugehen. Die letzte Weihnachtsfeier war online, was mir sehr entgegenkam, da hatte ich dann zwei Malzbier.

    Hartmut, über die Sache mit dem Wein hatte ich gar nicht groß nachgedacht. Ich hatte das einfach so spontan angekündigt, ohne mir vorher Zeit zum Nachdenken zu lassen. Das war dumm, ich hätte auch einfach etwas Kuchen fürs Büro besorgen können, aber daran habe ich so schnell nicht gedacht. Naja, es ist ja alles gut ausgegangen, und ich habe eine kleine Bewährungsprobe bestanden.

    Wie oft ich mir schon vergenommen habe, nichts zu trinken, und es dann vergeigt habe? Hunderte Male, vielleicht ein tausend Mal, ich weiß es nicht.

    Was nun anders oder besser sein soll? Auch das weiß ich nicht. Ich fühle mich entschlossener und aufgeräumter als sonst, und ich habe in den vergangenen Wochen viel zum Thema gelesen, was sonst auch nicht so der Fall war. Und ich habe die 35 Tage im Rucksack. Viel mehr habe ich nicht. Ich bleibe wachsam und mißtrauisch mir selbst gegenüber. Naja, ich habe einen kleinen Notfallkoffer für Gefahrensituationen, und ich kenne mein Warum. Was mir allerdings noch fehlt, das sind Telefonnummern von Menschen, die ich anrufen könnte, wenn's pressiert.

    Eine Sache noch: Diesen Monat holen wir unsere Abi-Feier nach. Die findet auf dem Dörpen statt und wird garantiert auch wieder ein Massenbesäufnis. Ich habe allerdings einen Plan: Wenn es mir zu blöd wird, rufe ich mir einfach ein Taxi, ganz egal, wie teuer das wird. Da bin ich also finanziell und organisatorisch unabhängig. Beim letzten Mal, vor 10 Jahren, bin ich auf der Abi-Feier schon besoffen aufgekreuzt, was gar nicht weiter aufgefallen ist. Da hatte ich ein paar bestimmt dumme Gespräche mit Lehrern, an die ich mich natürlich nicht mehr erinnern kann, für die ich mich bis heute schäme. Es ist mir wichtig, daß ich dieses Jahr nüchtern komme und auch wieder gehe. Spätesten um 10 Uhr abends bin ich da weg.

    Grüße,

    Hanseat

    Moin Forum,

    nun sind aus den 21 Tagen schon 35 Tage geworden. Bisher läuft alles glatt, kritische Momente hatte ich noch nicht. Ich war zu meinem Geburtstag etwas dumm, denn ich habe aus Gewohnheit zugesagt, eine Runde Wein für die Kollegen zu schmeißen. Das habe ich dann auch getan und mit einem Glas Wasser angestoßen. Ich hatte mir schon verschiedene Antworten auf die Frage zurechtgelegt, warum ich denn nicht mittrinke, so zum Geburtstag und so, da muß man doch wohl und so, aber zu meiner Verwunderung hat niemand was gesagt oder gefragt.

    Für mich war von vornherein klar, daß ich keinen Tropfen Wein anrühre, auch nicht zur Tarnung. Hätte man mich gefragt, so hätte ich einfach gesagt, ich mach mal Pause mit dem Alk, mal gucken, wie lange ich durchhalte. Dabei ist mein Ziel natürlich die dauerhafte Nüchternheit. Mit gefällt das Wort "Nüchternheit", es klingt nicht ganz so bedrohlich und freudlos wie "Abstinenz".

    Dann wollte ich auch noch mit dem Rauchen aufhören, da hab ich ganze 24 Stunden durchgehalten. Schonmal ein Teilerfolg, aber vorerst ist die Sache erfolglos geendet. Ich glaube, ich bräuchte ein 7tägiges Bootcamp oder sowas, um die Zigaretten auch noch wegzulassen.

    Jedenfalls die Sache mit dem Alkohol nehme ich sehr ernst, und im Moment bin ich gut dabei. Ich denke von Tag zu Tag und sehe ganz fern am Horizont die 100 Tage. Die wären für mich ein persönlicher Rekord.

    Ich habe in der letzten Zeit hier einiges gelesen, vor allem aus dem Vorstellungsbereich. Es trudeln ja hier fast täglich neue Leute ein, die in einer ähnlichen Situation feststecken wie ich. Ich wünsche Euch allen viel Erfolg dabei, diese dumme Sauferei einfach sein zu lassen! Hin und wieder wollte ich auch mal was zu den Beiträgen schreiben, aber insgesamt bin ich da noch etwas zurückhaltend. Ich weiß nicht, ob ich anderen wirklich helfen kann, denn ich bin es, der Hilfe braucht, und da will ich nicht klug daherschnacken. Ich habe wirklich die schlimmsten Dinge mit Alkohol erlebt, zum Teil so schreckliche Dinge, daß ich wohl nicht einmal hier davon schreiben werde, und nun bin ich gerade mal fünf Wochen davon weg -- ich finde, das ist noch nicht besonders viel Abstand.

    Die Idee mit dem "Max" finde ich inzwischen nicht mehr so gut, denn ich habe ja schon ein Pseudonym hier im Forum, und ich denke, eins muß reichen. Dann also lieber "Hanseat".

    Ich wünsche allen Foristen weiterhin alles Gute,

    Hanseat

    Hi Linde,

    ich sehe ein, daß ich mit dem kalten Entzug auf eigene Faust möglicherweise kein gutes Vorbild bin. Ich wüßte aber auch nicht so recht, wie ich das mit geschätzten drei Promille intus besser hätte organisieren sollten, vielleicht hast Du da ein paar Ratschläge.

    Ja, die Bude ist absolut alkfrei, es steht nur noch eine der beiden leeren Bierflaschen als Mahnmal im Regal. Ich weiß noch nicht, ob das eine gute Idee ist, aber sie soll mich an meinen letzten schrecklichen Absturz erinnern.

    Mein Alltag sieht so aus, daß ich morgens früh aufstehe und dann acht Stunden mit Mittagspause im Homeoffice verbringe. Freitags gehe ich ins Büro, nur fürs Mittagessen, wo dann immer Wein getrunken wird, aber da habe ich die letzten beide Male einfach gesagt, daß ich keinen Wein will, und es wurde auch nicht weiter nachgefragt. Ich lebe als Single und brauche einfach mal hin und wieder etwas Gesellschaft.

    Grundsätzlich bin ich schon viel allein, deshalb halte ich es für eine gute Idee, Online-Unterstützung zu haben, wo ich immer lesen und schreiben kann, wenn mir danach ist.

    Was ich tue? Ich lese eben viel und höre Podcasts zum Thema Alkohol zum Einschlafen. Außerdem habe ich mir in den letzten zwei Wochen ganz viele Filme angesehen, in denen Alkoholkrankheit Thema ist. Ich lese wie verrückt und bin seit vorhin in diesem Forum.

    Was Therapie und Selbsthilfegruppen angeht, da bin ich, zugegeben, etwas faul. Vielleicht muß mich da mal jemand zurechtstutzen. Es gibt eine AA-Gruppe hier in der Nähe, die mir allerdings nicht gefallen hat. Leider sehr viele Selbstdarsteller und Dauerquassler da, die einfach nicht zum Ende kommen. Mir gefällt dieses Quasireligiöse bei den AA auch nicht unbedingt, vielleicht wäre eine andere, formlosere SHG für mich besser. Bin für Tips offen.

    Ein paar Fragen hätte ich tatsächlich. Das entscheidende ist ja, wie verhindere ich in einer gefährlichen Situation den nächsten Rückfall? Da hätte ich gerne einen Notfallkoffer, der nicht zu kompliziert sein sollte, damit ich mir die wichtigsten Gedanken schnell aufrufen kann. Ich habe da bisher:

    - Bei Suchtdruck langsam atmen und mehrfach laut "Nein!" sagen.

    - Die Frage nach dem Warum stellen: Warum will ich aufhören zu saufen?

    - Die schlimmsten drei Rückfälle in Erinnerung rufen.

    - Die Splitscreen-Technik anwenden: Stell dir vor, was alles Schlimmes passieren kann, wenn du jetzt säufst, und wie morgen früh aussieht, wenn du nichts säufst

    - Und außerdem: null bleibt null. Kann man sich gut merken.

    Wie haben andere, wie hast Du es geschafft, Rückfälle zu vermeiden, was sind gute Tricks?

    Grüße,

    Max

    Hallo Hoffnung,

    danke für die freundliche Antwort. Da sind wir doch schon zwei mit der 21 auf dem Zähler, das ist doch eine gute Grundlage! Ja, ich habe den Entzug allein zuhause mit viel Wasser und Fernsehen gemacht, so nach vier Tagen war ich aus dem Gröbsten raus. Ich habe, was Rückfälle angeht, leider die traurige Erfahrung eines Profis, und ich weiß, daß ich nicht zu Krampfanfällen neige.

    Aber der letzte Rückfall war mal wieder schrecklich. Es ging los mit zwei Bier ("Heute abend trinke ich mal zwei Bier, dann gehe ich direkt ins Bett"), und am Ende standen da noch rund 30 Dosen Wodka-Lemon und Jackie-Cola. Ich bin in einem Berg von Dreck und Müll aufgewacht, war eine Woche lang nicht auf der Arbeit und in einem völligen Paralleluniversum unterwegs. Auf dem Handy habe ich gesehen, daß ich versucht habe, ein paar Ex-Freundinnen anzurufen, die ich zum Glück nicht erreicht habe, und im Backofen lag eine größere Menge Bargeld, und ich habe keine Erinnerung daran, wie ich das Geld da deponiert habe, das war wirklich gruselig.

    Und ich habe mir gedacht: Eigentlich wäre heute ein guter Tag, um mit dem Saufen aufzuhören. Da habe ich die Wohnung aufgeräumt und blitzeblank geputzt und seitdem nur gute, für mich sinnvolle Dinge getan. Ich tue gerade viel dafür, daß das so bleibt.

    Auch Dir alles Gute und viel Erfolg,

    Max

    Hallo zusammen,

    ich bin Max aus Hamburg. Das heißt, eigentlich heiße ich gar nicht Max, aber das ist der Name, den ich hier verwenden will. Die Ortsangabe Hamburg stimmt jedenfalls. Ich bin 50 Jahre alt und seit rund 20 Jahren schwerer Alkoholiker. Erste Entgiftung war 2003, eine Reha habe ich 2007 nach 13 Wochen erfolglos abgebrochen. Seitdem kämpfe ich einen ewigen Kampf gegen den Alkohol, verbunden mit Hunderten von Rückfällen, oft auch schweren Rückfällen. Ich will nicht mehr kämpfen, denn gegen den Alkohol kann ich nicht gewinnen. Ich will einfach gar nicht mehr gegen den Alkohol in den RIng steigen und hoffe, dann kann er mir auch nichts mehr tun.

    Heute ist Tag 21 meiner Nüchternheit, das heißt, körperlich und geistig bin ich wieder gut drauf, und ich habe auch endlich wieder einen geregelten, tiefen Schlaf. Ich lese zur Zeit viel zum Thema Alkohol, besonders interessieren mich Bücher und Geschichten von Menschen, die es geschafft, von dem Zeug loszukommen. Aktuell lese ich "Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein" von Catherine Gray. Ich bin begeistert von diesem Buch, es ist mein ständiger Begleiter und ermuntert mich jeden Tag, standhaft zu bleiben und mich mit dem Thema Alk auseinanderzusetzen. Dann gucke ich manchmal noch Videos oder höre Podcasts von Nathalie Stüben. Das Ziel ist es, daß ich mich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde lang mit meiner Sucht beschäftige.

    Ich will es jetzt endlich schaffen, nüchtern zu bleiben, und bin auch vorsichtig optimistisch. Ich glaube, so entschlossen wie jetzt war ich noch nie. Aus den 21 Tagen sollen bitte 100 Tage werden, dann 101, dann 102 und immer so weiter.

    Gray beschreibt in ihrem Buch, daß sie eine Onlinegruppe zum Nüchternwerden und -bleiben gefunden hat. Genau das hätte ich auch gerne: irgendeine Community online, die mich regelmäßig bei der Stange hält. Ein Forum ist schon gut, nett wäre auch ein Chat für besonders einsame Stunden, falls es hier sowas gibt.

    Na gut, nun habe ich mich registriert und vorgestellt. Ein Anfang ist gemacht. Dann gucke ich mal, was sich hier so ergibt. Ich wünsche allen, die nüchtern werden oder bleiben wollen, viel Erfolg. Ich will glauben, daß ich das auch schaffen kann. Auf gute und freundliche Gespräche!

    Alles Liebe,

    Max