Beiträge von Hanseat

    Nö, ich hab am Samstagabend die Notbremse gezogen und eine Rundmail geschrieben. Dafür ist heute die Kacke am Dampfen. ;) Naja, alles kein Weltuntergang, ich war fleißig und hab sauber kommuniziert, also, mir macht niemand einen Vorwurf.

    Aber es war schon wichtig, daß ich mir nicht zuviel auflade. Heute heißt das Zeug wohl "Achtsamkeit", aber ich achte sehr darauf, daß ich mich nicht übermäßigem Streß aussetze, dann das ist natürlich ein Risikofaktor. Früher, wenn die Dinge sich häuften und wie ein Berg vor mir lagen, habe ich mich gerne mit meinen Freunden Johnny Walker oder Jack Daniels aus der Affäre gezogen -- mit dem Ergebnis natürlich, daß der Problemberg noch größer wurde.

    Heute bin ich etwas genervt. Ein Projekt muß unbedingt bis spätestens Dienstag fertig werden, und ich sitze jetzt allein im Homeoffice und habe die ganze Arbeit und natürlich keine Ansprechpartner. Alle verlassen sich auf mich, der Druck ist enorm. Und ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das jetzt am WE alles so gewuppt bekomme. Die anderen machen sich gerade einen schönen Lenz, und ich hab die Arschkarte gezogen.

    Eigentlich würde ich das gar nicht groß schreiben, aber ich hatte gerade einen interessanten Gedanken dazu, den ich teilen wollte: Sogar Überstunden allein zuhause, neudeutsch "Crunch", sind besser als Saufen. Alles ist besser als Saufen. ;)

    Am Wochenende hatte ich tierische Zahnschmerzen. Ich hatte zwar ein paar Pillen in meiner Hausapotheke, aber ich bin trotzdem fast die Wände hochgelaufen. Natürlich war der Gedanke da, Wodka zu gurgeln und zu trinken -- natürlich nur aus medizinischen Gründen gegen die Schmerzen, versteht sich. Vielleicht hätte ich mich hier im Forum melden sollen, um mich zusätzlich abzusichern, aber ich habe nicht eine Sekunde lang ernsthaft drüber nachgedacht, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Inzwischen war ich beim Zahnarzt, und jetzt ist erstmal wieder alles gut. Einerseits bin ich froh, daß ich stabil geblieben bin. Es kam einfach nicht infrage für mich, meine Nüchternheit für diesen Kinkerlitz aufs Spiel zu setzen. Aber ich bin auch etwas nachdenklich geworden: es kann immer mal zu kritischen Situationen kommen, mit denen man vorher nicht so rechnet.

    Dann war der Zahnarzt, der mich persönlich kennt, auch noch den Tränen nahe, als ich ihm freudestrahlend von neun nüchternen Monaten berichtete. Da hat er mir eine sehr traurige Geschichte aus seinem engsten Umfeld erzählt, die so privat ist, daß ich sie hier nicht wiedergeben möchte.

    Nudeltante, ich will Dir ganz bestimmt nichts Böses, und ich habe Dich auch nicht privat angeschrieben. Ich sehe nur, daß Du Dich in einer Schleife befindest. Und bist Du nicht hier, um einen Ausweg für Dich und Deine Kinder zu finden? Eine Selbsthilfegruppe tut manchmal weh, das liegt in der Natur der Sache. Ich würde sogar sagen, wenn sie nicht manchmal weh tut, dann taugt sie nichts.

    Moin, liebe Nudeltante,

    ich finde, Du bist mit Deinen Gedanken zu sehr bei ihm. Er trinkt und schüttet seine Gefühle mit Alkohol zu, das habe ich selbst viele Jahre lang so getan. Ich bin im nachhinein froh, daß ich es keiner Frau zugemutet habe, sich das mit anzusehen. Nun waren die Frauen, die ich so hatte, vielleicht auch nicht dieser Typ Mensch, die haben mir einfach eines Tages die Arschkarte gezeigt und sind von dannen gezogen. Richtig so, muß ich heute sagen. Ich habe da auch kein großes Drama veranstaltet. Für Dich wäre doch viel interessanter, wie es jetzt für Dich weitergeht, meinst Du nicht?

    Grüße,

    H.

    Danke für das Ständchen!

    Ja, das "Gehbier" sehe ich hier in Hamburg auch oft. Manchmal ist es auch ein Geh-Whisky. DIe Art des Feierns hat sich gewandelt. Wir sind früher in Kneipen und Discos gegangen, heute wird unter freiem Himmel "gecornert". Die Musik dazu kommt aus irgendwelchen Brüllwürfeln.

    Die Demos zum 1. Mai haben hier in Hamburg längst nicht das Ausmaß wie in Berlin, aber sie sind schon blöd genug. Blöd, weil das für mich mit Politik eigentlich nicht viel zu tun hat, sondern nur mit sinnloser Randale. Letztes Jahr habe ich da erst wieder so ein paar Ausflügler aus dem linken Spektrum beobachtet. Erstmal haben sie wie die Querdenker keine Maske getragen, und dann waren sie auch noch alle mehr oder weniger stark alkoholisiert, bevor sie zum Katz-und-Maus-Spiel mit den "Bullen" angetreten sind. Für den, der's mag, ist es bestimmt das Größte.

    Zu Weihnachten habe ich mit Kindern Uno Flip gespielt. Im Urlaub bin ich ja immer der Spieleonkel, da ist Kinderbespaßung angesagt. Ja, das Spiel ist ziemlich chaotisch, aber wenn man einfach nur mal ein bißchen den Kopf ausschalten will, macht das schon Spaß für eine Weile. Das hat jetzt zwar nix mit unserem großen Thema hier zu tun, aber vielleicht helfen ja auch mal etwas Abwechslung und leichtere Themen.

    Ich benutze seit Jahren privat genau die Kombi, die Du empfiehlst, Alex: nur noch den Windows Defender plus die kostenlose Version von Malwarebytes. Letztere zickt manchmal etwas rum, daß man irgendwas kaufen oder upgraden soll, aber das hält sich noch im Rahmen.

    Um Werbung, auch in Youtube, loszuwerden, habe ich uBlock Origin im Browser aktiv.

    Mal eine Frage zum Forum: Was hat es eigentlich mit dem "geschützten Bereich" auf sich? Werden da die wahren und grundlegenden Geheimnisse ausgetauscht? :/ Und sollte ich mich da bewerben? Sind alle da, die schon länger hier sind, nur ich nicht? Ich habe ja manchmal so ein Talent, zu direkt zu sein und von einem Fettnäpfchen ins nächste zu stapfen, deshalb bin ich mir gar nicht so sicher.

    Hallo Hanseat,

    wenn du bedenkst, was du in den letzten 9 Monaten an Spirituosen spartest, hätte es ruhig eine goldene Sonnenbrille sein dürfen. :wink:

    Natürlich kostet Alk auch Geld, ich hab mir ja zum Schluß gerne die Alkopops aus der Dose vom Kiosk geholt, die sind richtig teuer. Aber was in meinem Fall so wirklich reingehauen hat, das war der Verdienstausfall. Ich hab ja immer so getrunken, daß an Arbeiten gar nicht zu denken war. Ja, ich habe schon viele, viele tausend Euro "gespart", und es geht mir auch noch besser, und die verdammten Depressionen sind weg. So dumm kann der Mensch sein ...

    Ich bin ohne Sonnenbrille bis List weitergeradelt, wo es dann wieder etwas zivilere Preise hatte, aber auch so war die Brille noch teuer genug. ;)

    Da fällt mir ein, was macht denn unsere liebe Hoffnung? Die hat ja nun auch ein nüchternes Dreivierteljahr rum?

    Heute neun Monate nüchtern. Glückwunsch auch an Lust for Life, wir sind die Besten!

    Der Urlaub war schön, aber auch nicht zu kurz. Zwei Tage war genau die richtige Menge. Insel halt, irgendwann kennt man den Style. Mit dem Wetter hatten wir fast schon zuviel Glück, wer denkt denn im April an Sonnencreme? Auf dem Fahrrad hab ich das gar nicht so mitbekommen, wie ich mich richtig gründlich verbrutzelt habe. Aber ich darf mir Hoffnung machen, daß aus diesem Krebsrot noch ein schönes Angeber-Sylt-Sonnenbraun wird. Damit kann ich dann bei den Kollegen mächtig in der nächsten Videokonferenz auftrumpfen. Wir sind viel durch die Dünen und durch gespenstische Landschaften geradelt, irgendein Steinzeitgrab haben wir noch mitgenommen, und wir haben Unmengen an Latte macchiato getrunken. Nun weiß ich auch, was Gosch ist: lieblos zusammengehauene Kalorien für die Massen. Keine Ahnung, warum da so ein Hype drum gemacht wird, aber das gehört zu einem Sylt-Besuch wohl dazu.

    In Kampen ist mir meine Sonnenbrille kaputtgegangen, und ich habe festgestellt, daß es dafür kaum einen schlechteren Ort in Deutschland gibt. Das Wort "günstig" ist da völlig unbekannt und wird gar nicht verstanden. Ich hätte nicht gedacht, daß man auch von Reetdächern eine Überdosis bekommen kann, aber das bekommt Sylt locker hin. Sagen wir mal so: Es ist nicht gerade wie bei armen Leuten da. Insgesamt war unser Urlaub aber gar nicht soo übermäßig teuer, wir haben schlau gebucht.

    Der Sonnenuntergang an der Westküste ist der Hammer. Ich habe schon einige Strände in meinem Leben gesehen, und ich muß sagen, der Westen von Sylt spielt klar in der oberen Liga mit.

    Ansonsten ruft schon wieder die Arbeit, was auch sonst. Aber es war schön, mal aus der Stadt rauszukommen und den Kopf freizupusten.

    Ihr Lieben,

    es ist soweit, der Urlaub geht los, die Insel ruft schon. In drei Tagen sind es neun nüchterne Monate, das erste Jahr liegt als Ziel schon quasi um die Ecke. Urlaub ist ja immer ein gewisses Risiko, aber ich fahre nicht allein, und mein Begleiter weiß um mein Problem und nimmt da eigentlich auch Rücksicht. Ich werde ihm allerdings nicht seine Bierflaschen vorzählen, das habe ich mir fest vorgenommen. Er soll ja auch seinen Urlaub haben. Wenn's mir zu blöd werden sollte, verziehe ich mich an den Strand oder ins Hotelzimmer, ich bin ja zur Not autonom.

    Mit dem Wetter scheinen wir Glück zu haben, jetzt freue ich mich aufs Radfahren im Grünen und lasse mir den Meereswind um die Ohren pfeifen. Zahnbürste und EC-Karte sind gepackt, mehr braucht man ja nicht. Handschuhe wären vielleicht keine schlechte Idee.

    Bis nächste Woche dann!

    Mit "lösen" meinte ich eher, die innere Abhängigkeit aufzubrechen und die Dinge auf Augenhöhe zu betrachten. Freue Dich, wenn Du ein gutes Verhältnis zu Deinem Vater hast. Das Verhältnis zu meinen Eltern ist in späteren Jahren auch besser geworden. Wenn Du Deine Mutter nicht so lieben kannst, wie Du es gerne möchtest, dann akzeptiere es. Der Mensch, der sie hätte sein können, den gibt es nicht.

    Mir fällt da gerade ein Spruch von Adenauer ein: "Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt's nicht."

    Meine Eltern haben auch beide schwer am Alkohol laboriert. Zwar nicht so schlimm wie ich, aber Alkohol hat unser Familienleben sehr geprägt und war allgegenwärtig. Nun haben mich meine Eltern nie schlecht behandelt, aber sie waren eben nicht immer so für mich da, wie ich es vielleicht mal gebraucht hätte. Mein Vater hat sich viele Jahre gar nicht für mich interessiert, meiner Mutter war die Karriere wichtiger als die Kinder, und so sind wir nach der Scheidung bei meinem Vater gelandet. Nun sind sie beide tot, und ich würde ihnen so gern erzählen, daß ich es endlich geschafft habe, die Finger vom Alkohol zu lassen. Sie wären bestimmt stolz auf mich.

    Inzwischen habe ich meinen Frieden mit dem allen gefunden. Die wichtigste Erkenntnis ist die, daß meine Eltern auch nur Menschen mit Fehlern waren, sie waren alles andere als perfekt, aber eben auch, zum Glück, keine schlechten Menschen. Auch wenn ich nicht an Übernatürliches glaube, stelle ich mir manchmal vor, wie sie mir von oben zugucken und sich freuen, daß ich jetzt endlich zufrieden lebe. Es ist nie spät zum Erwachsenwerden, bei mir dauert es eben länger als 50 Jahre. Den Eltern zu vergeben und sich selbstbestimmt von ihnen zu lösen, das gehört zum Leben dazu.