Beiträge von Caro 11

    Hallo Zabou,

    deine Zeilen mit den Aussagen deiner Kinder haben mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt. Denn damit hast du verschriftet, was sonst nur in meiner Gedankenspirale ablief... Ich habe bereits so viel darüber nachgedacht und bin ebenfalls zu der Erkenntnis gekommen, dass es sich anfühlt, als wenn ich mit zwei unterschiedlichen Personen verheiratet wäre.

    Nur, kann ich mit keinem darüber sprechen, man würde höchstens denken, dass ich verpeilt wäre, denn wie schlimm es wirklich ist bekommt ja keiner mit.

    Es gibt Tage, da ist alles super, mein Mann ist freundlich und umgänglich, wir können über alles reden und ich nehme dankbar zur Kenntnis, wie schön das ist. Doch dann aus dem Nichts wieder das absolute Gegenteil. Er ist wie eine tickende Zeitbombe. Ich kann nicht einschätzen, wann er wieder zur anderen Persönlichkeit transformiert. Er wird plötzlich streitsüchtig, daran merke ich dann, dass er entweder bereits getrunken hat, oder trinken will und der Saufdruck ihn antreibt.

    Da werden uralte Themen aufgewärmt und neu bewertet. Ich hätte damals mal irgendwas gesagt, was seiner Meinung nach nicht richtig gewesen wäre. Er bringt ein Thema nach dem anderen. Querbeet, er stänkert, nur um mich zu provozieren. Es läuft alles darauf hinaus, dass ich an irgendwas "Schuld" sein soll. Dann ist er zufrieden. Ich lasse ihn inzwischen jedoch ins Leere laufen, streite nicht mehr mit ihm, da es sowieso sinnlos ist. Ich habe mittlerweise den Respekt vor ihm verloren, was mir eigentlich schon wehtut, aber um meiner selbst Willen muss ich mich schützen. Inzwischen ist mir klar, dass er nur Dampf ablassen will, weil er Saufdruck hat, und seitdem ich das realisiert habe, komme ich damit zurecht.

    Aber das bemerkenswerte ist tatsächlich, Stimmlage und das gesamte Verhalten sind mir völlig fremd. Wie oft habe ich schon darüber nachgedacht, ob ich es hier mit der gleichen Person zu tun habe. Ich fragte mich wirklich schon so lange, ob ich mir das alles nur einbilden würde. Weil ich ja sowieso seiner Meinung nach völlig übertreibe und nur "Theater" mache, weil er gerne mal 1 (!)Bier trinkt.

    Das Problem ist sobald er 1 Bier hatte, will er mehr und das setzt er dann auch um, bis er auf der Couch einpennt. Wenn wir irgendwo sind und er bekommt ein Bier angeboten, weiß ich bereits, dieser Tag ist gelaufen und der Kioskbetreiber gegenüber macht später ein gutes Geschäft.

    Leider werden die guten Tage immer weniger und die Person, die mir nicht gefällt wird immer präsenter. Ich habe auch versucht mit ihm darüber zu reden, doch das hätte ich auch bleiben lassen können. Am Ende bin ich immer die Dumme, die ihm sein Bierchen nicht gönnt und nur Stress machen will.

    Dieser Austausch hier ist hilfreich, ich habe vieles erkannt und ich ziehe mich innerlich immer mehr von ihm zurück, kümmere mich um mich. Aber noch nicht einmal das merkt er. Hauptsache Bier ist im Haus.

    Ich hoffe mit den Plänen für deinem Auszug läuft alles gut. Lieben Gruß

    Hallo Zabou, herzulich willkommen. Nein, du bist defenitiv nicht allein mit deinen Problemen. Es ist schön, dass wir uns hier austauschen können.

    Ich bin ebenso, taff nach außen, lösungsorientiert für die alltäglichen Probleme, aber leider kriege ich den Allerwertesten nicht hoch um mein Problem final zu lösen, eine Trennung einzuläuten. Ich denke auch irgendwann ist es zu spät. Man arangiert sich.

    Nur ein Beispiel von heute... Ich war arbeiten im Frühdienst. Mein Mann wollte kochen für uns. Als ich nach Hause kam lag er betrunken auf der Couch. Im ersten Moment checkte er nicht, warum ich eine Jacke anhatte und fragte tatsächlich wo ich hinwollte. Total verpeilt. Als er dann verstand, dass er derjenige war, der dafür "gesorgt" hatte, das es keute kein Mittagessen gibt, wurde er frech und aggro. Keine Entschuldigung, nix. Einmal zur Toulette, dann wieder auf die Couch um weiterzupennen...

    Ja, es gibt auch noch andere, gute Tage, aber sie werden immer weniger, daher verstehe ich das gut mit den gefühlten zwei Leben. Ich würde sogar auch sagen, dass ich mit zwei Männern verheiratet bin. Denn an manchen Tagen kann ich nicht mehr verstehen, dass das der gleiche Mann sein soll.

    LG

    Liebe wardasalles,

    sorry, aber ich blicke hier technisch noch nicht so durch... und wo und wem ich schreiben darf, offen oder hinter verschlossenen Türen..daher einfach mal hier...

    Ich bewundere deine Entschlossenheit und deine Stärke. Du hast in den paar Wochen wirklich viel bewegt... ein inneres Erdbeben sozusagen. Ich finde es super, dass ihr beide an "dem Problem" arbeiten wollt. Wohin der Weg danach geht, wer weiß das schon. Fakt ist, dass man so viele Jahre nicht abhakt, es war ja nicht alles schlecht. Zumindest muss man sicher in der Erkenntnis sein, dass Veränderungen unumgänglich sind und man mit diesen Konsequenzen leben kann/möchte. Einen Versuch ist es wert, zumal du deutlich gemacht hast, dass du so nicht mehr weitermachen möchtest. Puh, ja ich weiß, die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Zu mir kann ich nur sagen, dass eine Trennung aus räumlichen und finanziellen Grüden nur mit Blut, Schweiß und Tränen zu stemmen wäre. Und die habe ich nicht mehr. Wir leben in einer Wohnung und jeder lebt sein Leben, er sitzt lieber mit seinem geliebten Flaschenbier auf der Couch als mit mit. Zu mir ist er zickig und streitsüchtig, zumindest meistens. Das Zeitfenster, wo wir harmonieren wird immer kleiner, weil der Saufdruck da ist und ich der Erzfeind bin, der nicht kooperiert bzw. akzeptiert.

    Doch seitdem ich hier lese habe ich dermaßen viele Denkanstöße mitgenommen, dass es in meinem Kopf viel rattert. Mein Blickwinkel auf ihn ist verändert und ich versuche den Fokus mehr auf mich zu legen. Ehrlich gesagt, nicht einfach, aber mühsam ernährt sich das Eichhörnchen... Und ich merke wie ich mich innerlich immer mehr distanziere. Eigentlich macht mich das aber auch sehr traurig, doch wenn ich das nicht endlich verinnerliche frist der Alkohol mich auf...So habe ich mir das Leben im "Alter" nicht vorgestellt, aber er ist zufrieden. Wohnung sauber, Essen gekocht, Bier im Kühlschrank , nur ich bin unbequem, weil ich ihm das "Bierchen" nicht gönne. (seine Sichtweise)

    An den Tagen wenn ich im Büro bin, weiß ich schon, wenn ich nach Hause komme hat er einen Glimmer und döst scharchend vor dem TV auf der Couch. Im Kühlschrank werden die Bierflaschen in der Gemüseschale unter anderen Lebensmitteln versteckt, der Nachschub ist im Keller, in der Garage, oder in Arbeitstaschen in einer Ecke versteckt... albern!. Das ist mir alles dermaßen zuwieder und in mir tobt der Sturm. Wenn ich dann etwas sagen würde, gäbe es sofort wieder Streit. Und er wird dabei äußerst unfair, weil er sich so sehr im Recht fühlt... ich übertreibe, andere Männer würden mehr trinken als er, ich würde ihm das Bierchen nicht gönnen, ihn nur kontrollieren wollen, und und und. Ich bin es so sehr leid! Aus seinem Blickwinkel gesehen habe ich Null Chance auf Veränderung, weil sein Bierkonsum mengenmäßig unbedeutend ist.

    Daher, liebe wardasalles, finde ich es großartig, dass dein Mann etwas verändern möchte, ich wünsche euch von Herzen, dass es gelingt. .

    Liebe Grüße Caro

    Liebe Ava, herzlichen Dank für deinen obigen Beitrag. Ich werde nochmal näher darauf eingehen, wollte nur nicht ohne Kommentar hier wieder rausgehen. Du hast den Kernpunkt bereits toll beschrieben "Tunnelblick". Genau den habe ich. Das ist das wunderbare an diesem Forum, zu erkennen, den Blickwinkel zu ändern, zu reflektieren und zu lernen, sich selber wichtig(er) zu nehmen. Aber nach so einer langen Zeit der Partnerschaft ist das alles andere als leicht und wird erst langsam umsetzbar sein.

    Unfassbar, was du erlebt und durchgestanden hast, dagegen ist meine Situation kaum noch nennenswert. Meinen allergrößten Respekt und danke für deine Offenheit und Denkanstöße.

    Lieben Gruß

    Hallo wardasalles,

    ja, ich lese hier noch gelegentlich mit und hatte heute mal wieder das Bedürfnis hier reinzuschauen.

    Deine Beiträge hatte ich auch gelesen und Parallelen gesehen. Das ist ja wiltzig, dass du ebenso gedacht hast. Feststecken ist der richtige Ausdruck. Es gilt, diese Lebenssituation auszuhalten. ändern wird sich wohl nichts, da keine Einsicht seinerseits da ist. Allenfalls meine falsche bzw. andere Einstellung zu Trinkkonsum, laut seiner Ansicht. Es gibt gute und schlechte Tage/Zeiten, wie es so schön heißt.

    Allerdings arbeite ich tatsächlich an mir, meiner Einstellung zu seiner Trinkerei und ich merke dabei, wie ich mich innerlich immer mehr von ihm distanziere. Der Respekt und Vertrauen ihm gegenüber sind angekratzt und irgendwie macht das kein gutes Gefühl in mir. Hier zu lesen, hat mir auf jeden Fall geholfen, einiges zu reflektieren. Es tut weh, das zu akzeptieren, denn so hatte ich mir das Leben im Alter nicht vorgestellt. Wenn ich das vor Jahrzehnten gewusst hätte, wie es heute läuft, ich glaube, unsere Wege hätten sich getrennt. Keine Ahnung, ob es besser geworden wäre.

    Austausch ist immer hilfreich, ich schaue immer wieder gerne hier rein. Lieben Gruß

    Ja informativ vielleicht, aber so richtig weiterhelfen wird es wohl auch nicht.

    Doch auf jeden Fall, ich versuche ja gerade mich mit den Gegebenheiten zu arrangieren und finde den Blickwinkel von der anderen Seite aus gesehen, sehr spannend. Einfach um zu verstehen was ich bisher nicht verstehe.

    Nach neun Jahren wieder attakiert zu werden vom Alk-Teufel ist schon heftig. Er gibt so schnell nicht auf. Respekt an alle, die ihn erneut erfolgreich vertreiben konnten.

    Ändern wird mein Mann sein Trinkverhalten wohl eher nicht. Es ist ja keine Erkenntnis vorhanden, dass das viele täglich Bier nicht gut sein könnte.

    Ich versuche ihm zu sagen, wie er es finden würde wenn ich täglich angetüddelt wäre, ob er sich mit mir sooo zeigen möchte? Ob ihm das nicht auch peinlich wäre? Ich glaube seine Vorstellungskraft reicht hierfür nicht mehr. Das wäre doch etwas ganz anderes, bekomme ich dann zu hören. Punkt, Thema durch. (???)

    Deshalb ist es auch so schwer bis unmöglich, für jemanden Anderen zuliebe aufzuhören.

    Die Entscheidung muss von sich selber und für sich selber kommen.

    Ich fürchte das dauert bei uns bis zum Sankt Nimmerleinstag. Ist ja nur ein Wunschdenken meinerseits. Bei ihm ist ja alles chick.

    Demenzerkrankte Personen merken z.B. auch nicht mehr, dass sie im Chaos versinken. Sie fühlen sich in ihrer Realität genau richtig. Sie verstehen nicht mehr, warum man mit Besteck ißt, einen Klumpen Butter nicht einfach in den Mund steckt und das Essen vom Teller der Tischnachbarn tabu ist. Für sie fühlt sich dieses gelebte Verhalten real und richtig an. Bei Hinweisen auf ihr Fehlverhalten reagieren sie aggressiv und ungehalten.

    So ähnlich stelle ich mir die Welt eines Trinkenden vor, was wollen bloß alle von mir? Mir geht es doch gut und ich hatte doch nur Durst auf Bier. Ist doch alles OK!

    Der Vergleich mit depressiven Menschen ... ja das passt ebenfalls. Auch hier beginnt es schleichend und bis es realisiert wird, kann es schon sehr (oder zu) spät sein.

    Ich muss einfach lernen loszulassen, auf mich aufzupassen, mich nicht zu verlieren.

    Wegzuhören wenn die Kühlschranktür immer wieder geöffnet wird, er lange sinnfreie Reden hält bis er endlich auf der Couch vor dem TV einpennt.. Lernen, darauf vorbereitet zu sein, dass er betrunken sein kann, wenn ich nach Hause komme. Ich vermisse das Vertrauen, das es immer gab. Verlässlichkeit. All das hat der Alk Teufel zerstört.

    Wegzugehen ist keine Option. Damit umgehen heißt die Devise, und hier bei Euch gibt es viele hilfreiche Denkanstöße. Es gibt noch viel zu lesen.

    Ich möchte auch nicht weiter den Faden von Schratte zumüllen. Hat sich so ergeben. Sorry.

    Danke und alles Gute für Euch.

    Du klingst heute irgendwie anders, Schratte ?

    So, als wäre bei dir etwas gewesen ?

    Wie geht es dir heute ?

    Liebe Grüße,

    M.

    Vielleicht einfach nur resigniert.

    So geht es mir jedenfalls. Müde und kraftlos geworden im Kampf gegen Windmühlen in Form von Bierflaschen.

    Wie krass das alles ist. Neuerdings rennt er immer zum Kiosk, wenn ich mal außer Haus bin. Kauft aber nur soviel, dass er nicht betrunken ist.

    Ich merke es an seiner zänkischen Art, wenn ich zurück bin. Eigenlich möchte er ja weitersaufen, macht es aber nicht wegen mir und weil er dann zugeben müsste, dass das Bier nun auch bereits am frühen vormittag "schmeckt". Doch sein aggressive s Verhalten sagt alles ohne Eingeständnis und Worte.

    Ich fühle mich hilf-und machtlos. Muss nur noch rausfinden, wie ich damit leben kann, ohne mit seinem Boot voller Bier unterzugehen.

    Schön, dass es Euch gibt.

    renoo , sehr informativer Beitrag, aus der anderen Sichtweise. Danke.

    Hallo zusammen,

    ich habe diesen "Faden" von Schratte jetzt aufmerksam gelesen. Ist ja ziemlich kontrowers. Doch am Ende verstehe ich was Schratte meint, oder glaube zu verstehen.

    Ich möchte auch, das mein Mann aufhört zu trinken. Doch seine Sichtweise ist völlig anders. Er hat Durst, oder es schmeckt ihm (mal wieder). Er meint, solange er nicht zittert, (da er ja nur Biertrinker ist) sowie einige Bekannte, ist er auf der sicheren Seite.

    Schratte schreibt, dass seine Frau Wert auf gutes Ausseehen legt. Das tut mein Mann auch. Hat das Shirt vom hängen im Schrank Knitterfalten, muss es noch einmal gebügelt werden. Die Haare müssen ordentlich am Kopf liegen. Das wird vor jedem Gang aus dem Haus kontrolliert. Scheint ihm wichtig zu sein.

    Dagegen ist es dann schon fast grotesk, dass er tagsüber betrunken durch den Hausflur geht. Komischerweise macht ihm das nichts aus. Darauf angesprochen, meinte er, dass wäre nur meine Ansicht, es würde doch keiner was merken (5-8 Bier) und ich nur wieder stänkern...

    Ja, es ist mir peinlich, wenn er dann auch noch die Nachbarn anspricht um seine aktuelle Wut über wasauchimmer (Hausangelegenheiten, Politik) kundzutun. Sein betrunkenes Gequassel. Das schlimme ist, trinkt er 1 (!) Bier weiß ich was kommt. Er hört nicht mehr auf bis der Kanal voll ist. Das war früher nicht der Fall. Jetzt geht nur noch nüchtern, was höchstens ein Tag in der Woche ist, oder vollgetankt.

    Ich möchte, wie Schratte, eigentlich nur unser altes Leben zurück. Ein Leben ohne das ständige Gefühl, ob er wieder angetüddelt ist, wenn ich nach Hause komme. Er holt dann alte Angelegenheiten vor, will mich provozieren. unser Vertrauen ist verloren gegangen. Ich weiß nie was der Tag bringt. Bin immer auf "Sendung", was viel von meiner Energie kostet.

    Ich werde jedoch langsam müde und ich habe keine Geduld und keine Nerven mehr dafür. Bin aber auch zu alt um alleine einen Neustart hinzulegen. Auch aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten fällt das für mich weg. Also muss ich mich mit dieser Situation arangieren.

    Ich habe hier gestern hier vieles gelesen, was mir heute den ganzen Tag durch den Kopf ging.

    ICH muss mich ändern. Ihr habt geschrieben, dass er sich nicht ändert, wenn er es nicht will. Er hat ein Recht darauf zu trinken.

    Darüber musste ich wirklich viel nachdenken.

    Vielen Dank für Eure Denkanstöße, unsere schöne heile Welt ist durch den Alkohol ein Scherbenhaufen. Ich muss es nur noch akzeptieren lernen und werde mir hier Unterstützung holen, um damit leben zu können.

    Vielen Dank.

    Hallo zusammen, ich schleiche schon lange um das Forum rum. Zum einen weil ich denke, ich muss mich mit jemand austauschen. Dann wieder denke ich, ist doch alles im Normalbereich und ich übertreibe. (Wie mir immer gesagt wird)

    Ich bin seit über 40 Jahren verheiratet. Mit normalen Höhe und Tiefen. Was uns allerdings immer begleitet hat, war Alkolhol. (Bier) Das heißt mein Mann konsumiert und ich bin wohl Co-Abhängig, wie ich jetzt erkannt habe.

    Wir haben einen Sohn, eine tolle Schwiegertochter und zwei süße Enkelkinder. Der Opa ist der tollste. Aber auch nur, weil niemand weiß, wie er wirklich ist. Das er am liebsten intravenös an der Bierleitung hängen möchte, ahnt keiner. Fast jeden Tag hat er einen im Tee. Wenn er z.B. weiß, unser Sohn, oder die Enkel kommen kurz rum, bleibt er solange nüchtern.Die Bierflaschen werden neuerdings auch versteckt. Kaum bin ich aus dem Haus hängt er an der Flasche. Ich bin noch halbtags berufstätig, er ist Rentner, hat jedoch einen verantwortungsvollen Posten (ehrenamtlich) im Verein.

    Auch hier wird bei jeder Zusammenkunft ordentlich gebechert. Ist ja nur Bier. Ich stelle mich immer nur an, würde ihm das Bier nicht gönnen. Ich übertreibe. Keine Einsicht, dass 10 Flaschen am Tag zuviel sind. OK, es gibt tatsächlich Tage, wo er mal nüchtern ist. Dann ist er der Mann, den ich kenne. Drei Tage später wieder erkennbar betrunken. Ich wurde schon richtig böse beleidigt, weil ich "meckere". Am nächsten Tag, spreche ich ihn auf den Vorfall an. Dann kam, er wüsste ja nicht, ob das stimmt, was ich ihm sage. Daher könnte er sich dafür auch nicht entschuldigen. Ende der Durchsage.

    Ich merke, dass ich keine Geduld und Nachsicht mehr für die Trinkerei habe. Seit er nicht mehr raucht, trinkt er noch mehr. Dazu kommt, dass er nur noch mürrisch unterwegs ist. Ihn stört die Fliege an der Wand, bereits morgens regt er sich über Banalitäten auf. Er weiß, dass ich morgens in Ruhe frühstücken möchte, doch er muss Dampf ablassen über die Absurditäten der Politiker etc. Mit Vorliebe liest er in aller Frühe den Videotext und regt sich dann über die ganze Brühe auf. Überhaupt regt er sich über jeden Sch.... auf. Eigentlich geht es uns gut, aber er sucht immer Gründe um sich aufzuregen, springt über jedes Stöckcken. Meine Güte, ist mir das oft peinlich. Ich bin müde, kann und will das nicht mehr.

    Heute zum Beispiel war morgens ein Treffen im Verein. Natürlich gab es Bier. Sein Problem neuerdings ist, er kann nachdem er einige Bierchen getrunken hat, nicht mehr aufhören bis ein betimmter Pegel erreicht ist. Als er heute mittag nach Hause kam, wollte er nichts essen, obwohl wir vorher besprochen hatten was ich koche. Er wollte jedoch nur"sein" Bier trinken. Es würde heute "gut schmecken". Wenn ich diesen schon Spruch höre, bekomme ich Puls... Dabei kam dann raus, dass er sich noch einige Flaschen reingetan hat und dazwischen immer wieder eingeschlafen ist. So verging der heutige Samstag. Gesprochen haben wir nicht mehr. Ach ja, weil ich "gemeckert" hätte würde er jetzt erst Recht trinken, weil ich das ja so haben wollte. Und Essen würde er jetzt 3 Tage nicht, nur trinken. Dann hätte ich einen Grund zu meckern. Puh, was ein Bullshit... Tolles freies Wochenende, es schafft es immer wieder es kaputt zu machen.

    Doch, was ist das für ein Leben? Wer weiß wie lange es noch geht und ich weiß auch nicht, ob ich die Kraft habe zu gehen um neu anzufangen. Das würde ein Erdbeben auslösen, da ja niemand ahnt, was hier los ist. Ich versuche immer ihn zu decken. (Warum eigentlich)

    Da er verbal ausfallend und persönlich wird (seit einiger Zeit) vermeide ich immer mehr soziale Kontakte. Auch im Verein sind diese Ausfälle, wo er Kollegen aggressiv übelst beschimpft hat, weil sie nicht seiner Ansicht waren) auffällig geworden. Ich wurde auch bereits "vorsichtig" darauf angesprochen, was los sei mit ihm. Themenaustausch mit ihm ist kaum noch möglich. Er ist so starr in seiner Ansicht, da gibt es keine Spielräume mehr. Er weiß alles besser, aber machen will er nichts. Dann kommen 1000 Argumente, warum er das gerade nicht selber machen kann. Die frühere Beliebtheit schwindet dahin. Doch aus alter Freundschaft akzeptieren die Kollegen seine "Aussetzer". Ich glaube das viele Bier trübt allmählich das Hirn.

    Seitdem versuche ich immer mehr Treffen und Zusammenkünfte auf das Nötigste zu beschränken. Er ist mir einfach zu peinlich, doch im Grunde bin ich die Leidtragende. Dann sitze ich lieber allein zu Hause, als mich diesem Stress auszusetzen. Er ist wie eine tickende Zeitbombe geworden. Ich weiß nie, wann er wieder lospoltert. Ein "falscher" Spruch genügt um wieder verbal auszuteilen. Von 0 auf 100. Wie gesagt, die Kollegen akzeptieren das und versuchen inzwischen ihn aus der Situation zu holen (Themenwechsel). Ich weiß nicht, was ich von alledem halten soll. So war er früher nicht.

    Wenn wir z. B. irgendwo hinfahren, fahre ich. Du hast das kleinere Auto, damit finden wir immer einen Parkplatz. Ja, das stimmt, aber er sitzt neben mir wie ein Fahrlehrer, weiß alles besser. Ich wäre jetzt hier rüber gefahren, ich wäre ja woanders hergefahren, ich wäre schneller/langsamer gefahren, hätte bereits überholt... und und und. Es ist oft unerträglich und ich weiß nicht wie lange ich das noch aushalten kann ohne Schaden zu nehmen. Er wird sich nicht ändern, soviel ist schon mal sicher, da er keinen Handlungsbedarf sieht. Er hat einen riesigen Bierbauch, aber auch hier sieht er keinen Handlungsbedarf, auch wenn er hierdurch in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist. Im Gegenteil, wenn er betrunken ist, saugt er wie ein Staubsuger alles in sich rein.

    Ohjeh, jetzt überlege ich tatsächlich, ob ich das hier abschicke oder wieder lösche. Ich poste es jetzt. Es hat schon geholfen, alles mal niederzuschreiben, auch wenn es keine Lösung für mich gibt. Ich hätte bereits früher handeln müssen, aber das war auch ein finanzielles Problem, da ich immer nur halbtags gearbeitet habe. Davon hättte ich nicht leben können. Daher war das nie eine Option. Ich bewundere die jungen Frauen, die sich aus so einer Ehe befreien, doch für mich lohnt es sich nicht mehr.

    Lieben Gruß